Kolumnen

GNP1-Matchmaker: Mighty Mouse in der Sackgasse

Demetrious Johnson (Foto: Florian Sädler/GNP1.de).

Auch Sin City braucht mal eine Pause: Zwischen den Megaevents UFC 189 im Juli und UFC 194 im Dezember lieferte UFC 191 am amerikanischen Labour-Day-Wochenende vergleichsweise leichte Kost auf der Blockbuster-Skala. Gekracht hat es im MGM Grand Garden trotzdem – ein paar mehr und ein paar weniger bekannte Gesichter haben ihren Status gefestigt, sich nach Niederlagen wieder aufgerafft oder sind ihrem Durchbruch wieder einen Schritt näher gekommen.

Wir werfen einen kurzen Blick auf die drei besten Leistungen des Abends.

Demetrious Johnson
Demetrious Johnson hat es nicht leicht. Der erste und bisher einzige Champion im Fliegengewicht der UFC ist seit Jahren fester Bestandteil jeder seriösen Pound-for-Pound-Bestenliste, seine Qualitäten im Käfig schlagen sich aber nicht einmal ansatzweise auf der Fan-Beliebtheitsskala nieder. Auch während seines Rückkampfes bei UFC 191 gegen John Dodson, das einzige Fliegengewicht, das seinem Titel je gefährlich werden konnte, schallten die Buhrufe durch die Halle.

Die Pay-per-View-Verkaufszahlen bleiben abzuwarten, beim positiven Trend der diesjährigen Bezahlevents wird UFC 191 aber mit einiger Sicherheit nicht mitziehen. Eigentlich eine Schande, denn Johnson hat von Legenden und jungen Talenten über K.o.-Schläger bis hin zu filligranen Technikern alles besiegt, was der Kader der UFC hergegeben hat. PR-technisch wie kämpferisch steckt er in einer Sackgasse fest – vielleicht gerade weil er schlicht und einfach zu gut ist. Zu viel Perfektion ist ja bekanntermaßen auch wieder langweilig.

Was bleibt noch? Neben wenigen potentiellen Superkämpfen in anderen Gewichtsklassen und einer Reihe Rückkämpfe in der eigenen eigentlich nur noch ein Gegner, der eine interessante Herausforderung bieten würde. Henry Cejudo wurde 2008 in Peking mit nur 21 Jahren der jüngste US-amerikanische Goldmedaillengewinner aller Zeiten. Fünf Jahre später startete er seine MMA-Karriere und ist mittlerweile unbesiegt in neun Kämpfen, drei davon in der UFC.

Die Aura des unbesiegten Talents kombiniert mit seinen Weltklasse-Ringerqualifikationen gibt dem Duell mit Johnson einen Hintergrund – Diskussionsstoff, der den Kampf für Fans interessanter machen könnte als die letzten Titelverteidigungen. Falls Cejudo im November in Monterrey Jussier Formiga besiegt, ist er die beste und bis auf weiteres einzige Wahl für Demetrious Johnsons nächste Titelverteidigung. Nächster Gegner: Henry Cejudo

Anthony Johnson
Es ist schwer, Anthony Johnson die Anerkennung zu geben, die er verdient. „Rumble“ ist einer der, wenn nicht schlicht der furchteinflößendste Kämpfer im UFC-Halbschwergewicht, sein Knockout gegen Jimi Manuwa hat das am Samstag wieder einmal bewiesen. Er ist aber auch einer der unzuverlässigsten, das hat seine nach fünf Minuten restlos aufgebrauchte Kondition gegen Daniel Cormier im Mai wieder einmal bewiesen.

Nimmt man die momentan etwas zu häufig auftretenden, wenn auch hin und wieder aufgebauschten Skandale und Skandälchen mit dazu, in denen es um angebliche häusliche Gewalt, Tierquälerei und fliegende Yogamatten geht, dann entsteht das Bild eines Kämpfers, der sowohl inner- als auch außerhalb des Gyms noch ein wenig Feintuning vornehmen muss, um sein Potential am Kampfabend zur Gänze abrufen zu können.

Der Sieg bei UFC 191 hat Johnson nicht nur zurück auf die Siegerstraße befördert – der dominante Mix aus offensivem Ringen und zerstörerischen Schlag-Tritt-Kombinationen hat daran erinnert, wie groß dieses Potential tatsächlich ist. Eine zweite Titelchance hat ich „Rumble“ nach der einseitigen Niederlage im Mai sicherlich noch nicht verdient, er bleibt aber weiter an der Spitze und könnte sich mit ein paar Siegen wieder ganz nach oben kämpfen.

Ein potentieller nächster Gegner wäre der Sieger des Kampfes zwischen Glover Teixeira und Patrick Cummins im November, mehr Sinn würde aus Sicht der UFC aber ein Duell mit Ryan Bader machen, falls dieser im Oktober bei UFC 192 Rashad Evans besiegen kann – Bader ist ein solider Kämpfer, aber nicht besonders populär und mit bekannten Schwierigkeiten, die Elite der Elite zu besiegen. Den weitaus stärker polarisierenden Johnson könnte man mit einem Sieg gegen Bader wieder als Herausforderer aufbauen, während man gleichzeitig einen unrentablen Titelkandidaten aus dem Rennen kegeln würde. Nächster Gegner: Ryan Bader

Paige VanZant
It-Girl oder nächster Superstar? Ein blondes, 21-jähriges Mädchen im Octagon der UFC bringt selbstverständlich jede Menge Leute dazu, ihre nicht immer schmeichelhafte Meinung kundzutun. Nach drei Kämpfen und ebenso vielen Siegen in der UFC aber steht fest: Paige VanZant ist gut. Wie gut, wird sich noch herausstellen müssen, der Aufgabe-Sieg gegen die solide, aber nicht herausragende Chambers jedenfalls hat bewiesen, das VanZant dem Durchschnitt überlegen ist und ihren Platz in den Top Ten verdient – Hype hin oder her.

Wie geht es weiter? Scheinbar will man „12 Gauge“ langsam aufbauen, angesichts ihres 94er-Jahrgangs sicherlich keine schlechte Idee – VanZant kann sich jede Menge Zeit zum Entwickeln nehmen. So wird sie, obwohl der it-Faktor alleine nach den Maßstäben der UFC bereits einen Titelkampf rechtfertigen würde, wohl auch als nächstes keinen Knaller vor die Fäuste bekommen.

Nach der Rangliste kann man in der sehr jungen Strohgewichtsklasse ohnehin immer noch nicht gehen, perfekt wäre jemand außerhalb der Top Five mit Wiedererkennungswert bei den Fans. Nächste Gegnerin: Bec Rawlings