Kolumnen

GNP1-Matchmaker: Machtvakuum im Bantamgewicht

Jeremy Stephens holte sich in Las Vegas den größten Sieg einer langen Karriere (Foto: Tobias Bunnenberg).

Im MMA kann alles passieren, und der vergangene Sonntag hat das wieder einmal eindrucksvoll bewiesen. Mit Thomas Almeida und Aljamain Sterling hätten die beiden am stärksten gehypten Talente der Bantamgewichtsklasse den nächsten Schritt in Richtung Spitze gehen sollen. Stattdessen stahlen ihre Gegner Cody Garbrandt und Bryan Caraway in Las Vegas die Show, eingerahmt von einer Handvoll weiterer überzeugender Siege anderer Kämpfer.

Wir werfen einen kurzen Blick auf die drei besten Leistungen des Abends:

Cody Garbrandt

Eine Null musste gehen, das war von vornherein klar. Am Sonntag war es dann Cody Garbrandt, der im Duell der ungeschlagenen Bantamgewichte die erste Niederlage in Thomas Almeidas MMA-Bilanz platzierte. Eine respektable Leistung, denn „No Love“ ging als Underdog in seinen Kampf gegen den brasilianischen Thaiboxer, den er nach weniger als drei Minuten K.o. schlug – ohne selbst nennenswerten Schaden abbekommen zu haben.   

Mit vier UFC-Siegen, drei davon durch Knockout, dürfte Garbrandt sich damit den überfälligen Eintritt in die offizielle Rangliste gesichert haben. Tatsächlich wird der Kalifornier wohl einen gewaltigen Sprung nach oben machen und eine ganze Reihe seiner Kollegen überholen, denn Almeida galt vor dem Wochenende als siebtbestes Bantamgewicht der Liga.

Ob der Titelkampf gleich als nächstes kommt, ist trotzdem fraglich. Zwar leidet das Bantamgewicht noch immer an einem vergleichsweise kleinen Pool potentieller Herausforderer, die besten Chancen auf den nächsten Titelkampf dürfte aktuell allerdings der Sieger des Rückkampfes zwischen TJ Dillashaw und Raphael Assuncao haben, die nächsten Monat bei UFC 200 aufeinandertreffen werden.

Was bleibt also für Garbrandt? Eventuell der Verlierer jenes Rückkampfes. Garbrandt hat gezeigt, dass er bereit für die Spitze ist und ein Kampf zwischen ihm und Assuncao oder Dillashaw könnte im Falle eines Sieges jeden Beteiligten weiterbringen. Nächster Gegner: TJ Dillashaw oder Raphael Assuncao

Jeremy Stephens

Gegen den ehemaligen Bantamgewichts-Champion Renan Barao holte Jeremy Stephens in Las Vegas den größten Sieg seiner Karriere nach Hause. Im gut besetzten Federgewicht könnte ihm das allerdings unter Umständen weniger weit nach vorne helfen als erhofft, denn gegen den Großteil der dort ansässigen Top-Leute hat Stephens bereits gekämpft, und das in vielen Fällen vor nicht allzu langer Zeit.

Das heißt für ihn, dass er als nächstes möglicherweise jemanden vor die Fäuste bekommt, der in der Rangliste hinter ihm steht oder jemanden, der seinen letzten Kampf verloren hat.

Letztere Option könnte den größeren Kampf für „Lil Heathen“ bedeuten, denn Chad Mendes sucht aktuell noch nach einem Gegner für sein Octagon-Comeback. Mendes gehört immer noch zur Elite im Federgewicht, hat zuletzt aber zwei Kämpfe – wenn auch mit Conor McGregor und Frankie Edgar gegen zwei (ehemalige) Champions – durch K.o. verloren. Gegen Stephens könnte er wieder zurück in die Spur finden. Und falls nicht, dann würde sich mit Stephens ein so bekannter wie unterhaltsamer Name wieder oben etablieren. Nächster Gegner: Chad Mendes

Bryan Caraway

Mit seinem meist unscheinbaren Auftreten fliegt Bryan Caraway gerne unter dem Radar, der hart erkämpfte Sieg gegen Top-Talent Aljamain Sterling am Sonntag allerdings dürfte das ändern – Caraway wurde in Runde eins auf der Matte dominiert, kehrte anschließend aber imposant zurück und nahm bis zum Ende der 15 Minuten das Heft in die Hand. Als (ehemalige) Nummer acht der Rangliste hat „Kid Lightning“ damit die hoch gehandelte – und nun wohl ebenfalls ehemalige – Nummer vier geschlagen.

Schafft Caraway es damit also ins Titelrennen? Vor Sterling standen in der Rangliste bisher lediglich Urijah Faber, Renan Barao und TJ Dillashaw. Barao ist ins Federgewicht gewechselt, Faber kämpft dieses Wochenende gegen Dominick Cruz um den Titel und Dillashaw wird in wenigen Wochen auf Raphael Assuncao treffen.

Trotzdem gibt es eine Menge Optionen für Caraway, darunter den Sieger des Hauptkampfes vom Sonntag, Cody Garbrandt. Rein theoretisch müsste Caraway nach dem Sieg gegen den höher gelisteten Sterling sogar vor Garbrandt stehen, der als Hauptkämpfer allerdings mehr Aufmerksamkeit bekommt und sich damit in der Hackordnung an Caraway vorbeischleichen könnte. 

Abhängig vom Timing und der Marschroute für Garbrandt könnte auch Caraway auf den Verlierer des anstehenden Titelkampfes treffen, oder den Sieger eines Duells im Juli: Bei der 91. UFC Fight Night werden Michael McDonald und John Lineker aufeinandertreffen – zwei etablierte Talente, die ihrerseits nur wenige Siege vom Titelgeschehen entfernt sind. Nächster Gegner: Michael McDonald oder John Lineker