Kolumnen

GNP1-Matchmaker: Hat Teixeira sich zurück an die Spitze gewürgt?

Altes Eisen? Glover Teixeira sieht das anders (Foto: Tobias Bunnenberg/GNP1.de).

Einundvierzig Events veranstaltet die UFC in diesem Jahr, dabei werden jedes Mal knapp zwei dutzend Kämpfer ins Octagon steigen. Herauszustechen wird da schwer, vor allem, wenn man auf einer der kleineren Shows versteckt wird, die zwischen den großen Kämpfen meist völlig untergehen. So eine kleine Show fand auch am vergangenen Wochenende in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee statt. Trotz fehlender Blockbuster-Atmosphäre legten eine handvoll Kämpfer imposante Siege aufs Parkett – den einen oder anderen von ihnen könnten wir in nicht allzu ferner Zukunft vielleicht sogar in einem Kampf ums Gold wiedersehen.

Wir werfen einen kurzen Blick auf die drei besten Leistungen des Abends.

Glover Teixeira

Es ist noch gar nicht so lange her, da versetzte Glover Teixeira eine ganze Gewichtsklasse voller harter Kerle in Angst und Schrecken. Zwanzig Mal hintereinander hatte der brasilianische Bomber den Käfig als Sieger verlassen und allein in der UFC unter anderem mit Kyle Kingsbury, Fábio Maldonado und Ryan Bader den Boden gewischt. „Shogun“ Rua wollte angeblich lieber entlassen werden, als gegen seinen Landsmann ins Octagon geschickt zu werden. Dann bekam Teixeira seinen verdienten Titelkampf gegen Jon Jones zugesprochen, verlor, und wurde wenig später drei Runden lang von Ringer-Experte Phil Davis auf der Matte gehalten.

Die ehrfürchtige Aura war seit diesem Abend verschwunden. Glover Teixeira? Das war doch dieser überbewertete, alternde, eindimensionale Ex-Titelherausforderer. Am Samstag hat der 35-Jährige bewiesen, dass er nicht war, sondern ist, und zwar kein ausgewaschener Opa, sondern immer noch ein Faktor an der Spitze der UFC-Halbschwergewichtsklasse. Teixeiras Aufgabe-Sieg gegen Ovince Saint Preux in der dritten Runde durch Rear Naked Choke war nach dem Grappling-Debakel gegen Davis genau das, was er dringend brauchte. Teixeira hätte der perfekte Wegstein für Saint Preuxs Durchbruch an die Spitze sein können, der vermeintlich abgehalfterte Veteran aber drehte den Spieß aber kurzerhand um und schickte das aufstrebende Talent kurzerhand vor dessen heimischem Publikum Schlafen.

Damit hat Teixeira sich wieder aus der Masse zurück an die Spitze der Gewichtsklasse abgesetzt und steht nun vor dem Problem, die meisten der dort ansässigen Gesichter bereits vor den Fäusten gehabt zu haben. Einen Titelkampf rechtfertigt sein Sieg natürlich noch nicht, ein sinnvoller – und wahrscheinlich nicht weniger unterhaltsamer – Kampf wäre aber der gegen den Sieger des Duells zwischen Anthony Johnson und Jimi Manuwa, zwei Dampframmen, die am 5. September in Las Vegas bei UFC 191 aufeinandertreffen werden.
Nächster Gegner: Anthony Johnson oder Jimi Manuwa

Derek Brunson

Derek Brunsons Einstand in der UFC verlief ganz nach Plan, und dann wieder doch nicht. Im Laufe der drei Runden hatte er zwar genug getan, um Chris Leben einen einstimmigen Punktsieg abzuknöpfen, der äußerst takedownlastige Sieg ließ ihn allerdings ohne Umschweife bei den Fans und sogar Dana White höchstpersönlich in Ungnade fallen.

Was hat sich seitdem nicht alles geändert – Brunson hat sich seit seinem UFC-Debüt Ende 2012 als ernstzunehmender und doch oft unterschätzter Faktor im Mittelgewicht etabliert, nun eher mit einem Ruf für harte Fäuste als für effektive Takedowns. Nach dem Knockout gegen Ed Herman im Januar hat er am Samstag gegen Sam Alvey den zweiten K.o. in diesem Jahr eingefahren und dürfte dank seiner Position auf dem Hauptprogramm endlich mal etwas mehr Wellen geschlagen haben als bisher.

An der Top Ten kratzt Brunson damit noch nicht, allzu viele Siege dürfte Brunson von diesen Sphären aber nicht mehr entfernt sein. Wenn die UFC ihm einen Lauf zutraut, könnte er demnächst durchaus Michael Bisping (Nummer neun der offiziellen Rangliste) gegenüberstehen, wahrscheinlicher ist aber wohl ein Duell mit Robert Whittaker (Nummer 13) – angesichts der zusammengerechneten Schlagkraft und Aggressivität der beiden wäre das zumindest sicher nicht die schlechteste Wahl.
Nächster Gegner: Robert Whittaker

Amanda Nunes

UFC 190 muss für Amanda Nunes eine bittere Pille gewesen sein: Die UFC in Brasilien, und Ronda Rousey im Hauptkampf. Eine einmalige Chance, ohne sie. Vor nicht einmal einem Jahr war es Nunes, die nur eine Haaresbreite von einem Titelkampf entfernt war und am 1. August an Bethe Correias Stelle im Käfig hätte stehen können. Das jedoch war vor UFC 178, jenem Abend im September, an dem Cat Zingano wie die meisten ihrer Kontrahentinnen von Nunes überrannt wurde, die Attacken jedoch überstand und anschließend den Spieß umdrehte.

Der Kampf hat zwei Dinge gezeigt: Dass Nunes in der ersten Runde die Hölle auf zwei Beinen verkörpert, es für Top-Gegnerinnen aber noch nicht gereicht hat. Ihr dominanter Aufgabe-Sieg gegen Ringer-Olympionikin Sara McMann – der zweite Erstrunden-Sieg in Folge seit dem Zingano-Kampf und der vierte in der UFC – war daher ein immens wichtiger Schritt, um ihre kämpferische Entwicklung unter Beweis zu stellen. Ob das Ronda Rousey nervös werden lässt, darf bezweifelt werden, Fakt ist aber, dass Nunes in großen Schritten Richtung Titelkampf marschiert, wenn sie ihre Schneise der Verwüstung noch ein kleines bisschen weiter durch das Bantamgewicht ziehen kann.

Mit dem Sieg gegen McMann (Nummer vier) jedenfalls hat die Brasilianerin einen gewaltigen Sprung gemacht – Sinn würde an diesem Punkt nur noch ein Kampf gegen Alexis Davis (Nummer drei) machen, denn außer ihr hat die gesamte Top 5 ihren letzten Kampf verloren oder ist schon anderweitig verplant.
Nächste Gegnerin: Alexis Davis