Kolumnen

GNP1-Matchmaker: Gegen welchen Champion kämpft der Champion?

Khabib Nurmagomedov (Foto: Endeavor)

Nach der wohl chaotischsten Woche der UFC-Geschichte steht die UFC nun vor einem neuen Problem. Wohin mit all den Leichtgewichts-Champions? Einfacher sieht es hingegen im Strohgewicht aus, nachdem Rose Namajunas beweisen konnte, dass ihr erster Sieg über Joanna Jedrzejczyk nicht nur Zufall, sondern echte Wachablösung war. Und mit Zabit Magomedsharipov peilt ein weiteres Top-Talent im Federgewicht den großen Wurf an.

Wir werfen einen Blick auf die drei besten Leistungen des Abends:

Khabib Nurmagomedov

Lange hat es gedauert, nun hat Khabib Nurmagomedov den UFC-Titel im Leichtgewicht. Ist er damit der echte Champion? Ein Kämpfer wird normalerweise dann zum Champion, wenn er den alten Titelträger entthront oder einen anderen Top-Herausforderer besiegt. Beides war am Samstag nicht der Fall. Stattdessen besiegte Nurmagomedov mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit Al Iaquinta. Einen Teilzeit-Kämpfer, der eigentlich nur für drei Runden gegen Paul Felder vorbereitet war.

Dafür kann Nurmagomedov natürlich nichts, aber so „undisputed“, also unangefochten, wie die UFC es der Öffentlichkeit weißmachen will, ist sein Status als Champion nicht. Aus dem einfachen Grund, dass er weder den alten Champion noch den Interims-Champion bzw. Top-Herausforderer besiegen konnte. Nun steht die UFC inoffiziell ja sogar mit drei Champions da. Tony Ferguson wird seinen Gürtel garantiert zum nächsten Kampf mitbringen, sobald sein gerissenes Innenband verheilt ist, und Conor McGregor könnte man analog zum Boxen als „Champion Emeritus“ bezeichnen, als zurückgetretener Kämpfer, der nach einer Auszeit sofort wieder um den Titel kämpfen darf.

Denn genauso wird es kommen, daran werden auch die Ereignisse in der Tiefgarage des Barclays Centers nichts ändern. Zum ersten Mal seit Langem sitzt die UFC wieder am längeren Hebel und McGregor muss Sympathien in der Öffentlichkeit zurückgewinnen. Das gelingt am besten, wenn er sich auf das besinnt, was er am besten kann: im Octagon kämpfen. Dass die UFC mit dem Champion Khabib Nurmagomedov den russischen Markt anpeilt, passt da ausgezeichnet in die Planung. Und wäre ein Kampf gegen Nurmagomedov nicht die größte Strafe für den Iren? Nächster Gegner: Conor McGregor

Rose Namajunas

Auch im zweiten Versuch scheiterte Joanna Jedrzejczyk an Rose Namajunas. „Thug Rose“ dürfte damit nun endgültig als Weltmeisterin etabliert sein und Jedrzejczyk vorerst aus dem Blickfeld des Titels verschwinden. Die junge Amerikanerin konnte zwar nicht ganz das Tempo der Polin mitgehen, dafür hinterließen ihre Treffer deutlich mehr Schaden bei ihrer Gegnerin. Am Ende stand ein enger, aber verdienter Punktsieg, auch wenn die Wertungen der Punktrichter den knappen Runden nicht wirklich Rechnung trugen.

Nun geht der Blick für Namajunas zum ersten Mal seit September, als der erste Kampf angesetzt wurde, weg von Jedrzejczyk und auf die Konkurrenz über. Das Feld der möglichen Kontrahentinnen ist dabei relativ klar abgesteckt und sollte derzeit nur zwei Namen umfassen: Karolina Kowalkiewicz und Jessica Andrade. Für Kowalkiewicz spricht eigentlich nur ihr Sieg über Namajunas, den die Amerikanerin so ausgleichen könnte. Ansonsten hat die Polin zuletzt Arbeitssiege über die Mittelklasse des Strohgewichts erzielt.

Am wahrscheinlichsten ist daher das brasilianische Kraftpaket Jessica Andrade, die seit ihrem Wechsel aus dem Bantamgewicht fünf von sechs Kämpfen, dabei auch gegen Gadelha und Torres, gewann und sich nur Jedrzejczyk geschlagen geben musste. Nächste Gegnerin: Jessica Andrade

Zabit Magomedsharipov

Was für eine Woche für Zabit Magomedsharipov. Ursprünglich für den Eröffnungskampf der Veranstaltung eingeplant, durfte er nach dem Chaos um geworfene Sackkarren und Gewichtsprobleme am Ende sogar auf dem PPV kämpfen. Ein Präsentkorb an McGregor wäre daher angebracht. Denn nach der Leistung gegen Kyle Bochniak wurden auch Otto-Normal-Zuschauer auf den Kämpfer aufmerksam, den Hardcore-Fans seit Monaten und Jahren bewerben.

Der 27-jährige lieferte sich mit Kyle Bochniak bis zur letzten Sekunde eine rasante und spektakuläre Schlacht, die nicht nur die Kommentatoren ins Schwärmen brachte. Alles scheinbar mit gebrochener Hand. Im Anschluss fordert „ZaBeast“ Yair Rodriguez heraus. Sicherlich ein spannender Kampf und es wäre typisch für die UFC, würde dieses Matchup zweier talentierter Striker jetzt schon stattfinden, anstatt in ein paar Jahren, wenn beide sich weiterentwickelt haben und das Duell noch besser sein könnte.

Klar ist, dass Magomedsharipov nun einen echten Härtetest braucht, einen Namen, an dem er sich innerhalb des Haifischbeckens Federgewicht profilieren kann. Vielleicht ein Myles Jury, dem er den Platz in den Rankings streitig machen könnte oder ein erfahrener Veteran wie Rick Glenn. Wahrscheinlicher ist allerdings ein Duell mit dem Gatekeeper schlechthin im Federgewicht. Nächster Gegner: Andre Fili