Kolumnen

GNP1-Matchmaker: Die Rechnung ohne den Wirt gemacht

"Ich bin nicht überrascht, Motherf***!" (Foto: Mark Bergmann/GNP1.de).

Am meisten bleiben stets die Dinge in Erinnerung, mit denen niemand gerechnet hätte. Und wer hätte schon gedacht, dass nicht nur einer, sondern gleich beide haushohen Favoriten von UFC 196 das Octagon als Verlierer verlassen würden? Die Überraschungssiege von Miesha Tate und Nate Diaz haben dabei nicht nur für eine Reihe Wow-Momente gesorgt, sondern auch die Pläne der UFC für den Rest des Jahres ordentlich durcheinandergewirbelt.  

Wir werfen einen kurzen Blick auf die drei besten Leistungen des Abends:

Nate Diaz

Vor ein paar Monaten noch hatte man ihn mehr oder weniger abgeschrieben, jetzt kann sich Nate Diaz im Licht des größten Sieges seiner Karriere sonnen, sich eine Yacht kaufen und UFC-Kommentator Jon Anik dabei zusehen, wie er eine lebenslange Verbindung mit Stockton, Kalifornien eingeht. Nicht übel für eine verwundete Gazelle.

Diaz sah bei UFC 196 trotz nicht existenten Trainingscamps sehr solide aus, überstand McGregors Bomben, blieb gefährlich und nutzte seine Chance in dem Moment, als sie sich ihm bot. Fragt sich nur, was es dem angestammten Leichtgewicht bringen wird, den Federgewichtschampion im Weltergewicht besiegt zu haben – vor allem mit der langen Schlange an Top-Kämpfern, die die 70-Kilo-Klasse bevölkern.

Da wäre zum einen der ungeschlagene Khabib Nurmagomedov, der nächsten Monat sein Comeback gegen den ebenfalls brandheißen Tony Ferguson geben wird. Anthony Pettis mag zwei Kämpfe nacheinander verloren haben, ist aber immer noch ein Ex-Champ und ein bekannter Name, der bei UFC 197 gegen den ebenfalls noch immer hoch gehandelten Edson Barboza kämpfen wird. Donald Cerrone hat sich gerade erst mit einem Erstrundensieg zurück ins Gespräch gebracht, während Ex-Bellator-Champion Eddie Alvarez zuletzt zwei Siege gegen große Namen einfahren konnte.

Für Diaz kommt es jetzt darauf an, wer den nächsten Titelkampf bekommt. Angesichts ihrer Siegesserien und der Position als Hauptkampf auf FOX dürfte das der Sieger des Nurmagomedov/Ferguson-Duells sein, was fast zwei Drittel der Top Ten in die Warteschlange befördern würde. Für Diaz würde in der Zwischenzeit ein Duell mit Eddie Alvarez Sinn machen – der Sieger dieses Kampfes könnte seine Chance auf den Gürtel gegen den Sieger des nächsten Titelkampfes bekommen. Nächster Gegner: Eddie Alvarez

Miesha Tate

Was für ein Karriere-Comeback. Nachdem Miesha Tate schon in Runde zwei ihres Duells mit Ronda Rousey-Bezwingerin Holly Holm der Championess beinahe die Lichter aus gewürgt hatte, ließ sie sich in den folgenden Runden Stück für Stück das Heft aus der Hand nehmen. All das nur, um kurz vor Schluss doch noch mit einem weiteren Rear Naked Choke zurückzukommen und endgültig den Vorhang fallen zu lassen.

Mit ihrem Sieg hat Tate nicht nur ein Sahnehäubchen auf ihre illustre, von jeder Menge Höhen und Tiefen durchzogene Karriere gesetzt, sondern nebenbei die Hackordnung im Bantamgewicht der Damen vollkommen auf links gedreht – drei Kämpferinnen haben dort bisher den Gürtel gehalten, und alle drei haben in der UFC gegen ein anderes Mitglied des Top-Trios je eine richtig bittere Niederlage einstecken müssen.

Für die UFC hat Holms Titelverlust die Aussicht auf einen Rückkampf mit Rousey zunichte gemacht, der wohl gigantische Quoten eingebracht hätte. Dafür, und wahrscheinlich ist das ein schwacher Trost für Dana White und Co., hat der Abschluss der bisher sehr einseitig verlaufenen Trilogie zwischen Tate und Erzrivalin Rousey am Wochenende eine neue Relevanz bekommen.

Rousey, obwohl man ihren Fall kaum mit dem von Jon Jones vergleichen kann – findet sich jetzt in einer ähnlichen Lage wie der in Ungnade gefallene Ex-Champion im Halbschwergewicht wieder: Ihre bittere Rivalin, die sie bereits deutlich besiegt hat, hält ihren Gürtel. Wenn dieser Aufhänger zwischen Jones und Daniel Cormier funktioniert, warum dann nicht auch zwischen Rousey und Tate? Falls Rousey in näherer Zukunft in den Käfig zurückkommt, ist ein dritter Kampf gegen Tate fürs Erste die beste Wahl. Nächste Gegnerin: Ronda Rousey

Amanda Nunes

Völlig untergegangen zwischen dem ganzen Chaos am oberen Ende des Events ist Amanda Nunes‘ dritter Sieg in Folge gegen die starke Kickboxerin Valentina Shevchenko. Nunes musste sich im September 2014 nach einer starken Anfangsphase Cat Zingano geschlagen geben, hat seitdem aber Shayna Baszler und Ringer-Olympionikin Sara McMann vorzeitig besiegt, Shevchenko ausgepunktet und dabei massive Power sowie unbändigen Killerinstinkt gezeigt.

Bis auf Zingano ist sie allerdings noch nie gegen eine der Top-Frauen im Bantamgewicht angetreten. Das sollte sich nach UFC 196 ändern. Wäre die Situation an der Spitze der Gewichtsklasse aktuell nicht so vertrackt, vielleicht hätte der Sieg am Wochenende Nunes schon ihren Titelkampf beschert.

So aber wird sie wohl noch ein weiteres Statement brauchen, um sich ganz oben zu etablieren. Auch stilistisch interessant wäre ein Duell mit Holly Holm, falls die UFC bereit ist, noch einmal den Rousey-Rückkampf zu riskieren. Wahrscheinlicher ist wohl, dass zwischen Nunes (Nummer 4 der Rangliste) und Julianna Pena (Nummer 5) eine potentielle zukünftige Titelherausforderin ausgemacht wird. Nächste Gegnerin: Julianna Pena