Kolumnen

GNP1-Matchmaker: Die nächste Generation übernimmt

Albert Tumenov konnte bei UFC 192 beeindrucken (Foto: Florian Sädler/GNP1.de).

UFC 192 war eine dieser Shows, die den Biorhythmus extra stark durcheinanderwürfelt hat. Nach hochspannenden und spektakulären Vorkämpfen verkam das anschließende Hauptprogramm zur Schlaftablette, bevor der Titelkampf im Halbschwergewicht zwischen Daniel Cormier und Alexander Gustafsson den Puls am frühen Morgen nochmal richtig hochgetrieben hat. Dank der Fünf-Runden-Schlacht um den Gürtel, einigen äußerst imposanten Neuzugängen und einem verkorksten Karriere-Comeback wird UFC 192 definitiv noch einige Zeit in Erinnerung bleiben.

Wir werfen einen kurzen Blick auf die drei besten Leistungen des Abends.

Daniel Cormier
Déjà-vu: Fast genau zwei Jahre ist Jon Jones‘ epische Fünf-Runden-Schlacht gegen Alexander Gustafsson her, am Wochenende lieferte sich der Schwede einen in vielerlei Hinsicht ähnlichen Kampf mit Jones‘ Nachfolger – und zog wieder knapp den kürzeren. Mit diesem Kampf hat sich an der Spitze der Gewichtklasse ein Trio aus drei Top-Kämpfern herausgebildet, an das auf absehbare Zeit nur schwer heranzukommen sein wird.

Besonders wichtig für Daniel Cormier: Er hat sich mit seiner Leistung bei UFC 192 Respekt erarbeitet. Trotzdem allerdings wird sein kämpferisches Vermächtnis von Jon Jones abhängen. Kommt der Ex-Champ zurück, kriegt Cormier seine finale Chance, sich als bester Kämpfer der Gewichtsklasse zu beweisen. Kommt Jones nicht zurück, wird sein Schatten auf ewig über dem neuen Titelgürtel hängen. Glücklicherweise für „DC“ sieht es momentan ganz danach aus, als wenn wir Jones tatsächlich noch nicht zum letzten Mal im Käfig gesehen haben.

Das sind indes schlechte Neuigkeiten für Ryan Bader, der sich am Samstag in Houston den größten Sieg seiner Karriere gegen den nach zwei Jahren Abstinenz zurückkehrenden Rashad Evans sicherte und damit nun in fünf Kämpfen ungeschlagen ist. Gleichzeitig ist Bader aber auch der mit Abstand unpopulärste Kämpfer der Top Five und wird im Falle von Jones‘ Rückkehr wohl einmal mehr im Rennen um die Titelchance übergangen werden. Nächster Gegner: Jon Jones

Albert Tumenov
Den effektivsten Weg, um in der UFC schnell an die Spitze zu kommen, hat Conor McGregor in den vergangenen zweieinhalb Jahren ausgelegt: Ein Mix aus großen Reden und spektakulären Knockouts. Zumindest den zweiten Teil hat Albert Tumenov schon bestens verinnerlicht, und obwohl er kaum ein Wort Englisch spricht, dürfte sein technischer K.o. gegen Alan Jouban bei UFC 192 dafür gesorgt haben, dass ihm endlich die gebührende Aufmerksamkeit zuteilwird.

Der Sieg gegen Jouban war Tumenovs vierter in Folge in der UFC, drei davon hat er vorzeitig durch Headkicks und/oder seine Fäuste eingefahren. Kombiniert mit einer sich stetig verbessernden Takedownverteidigung könnte das in der Weltergewichtsklasse noch für Furore sorgen, jetzt muss „Einstein“ allerdings beweisen, dass er auch auf den höheren Leveln der überaus starken Gewichtsklasse Erfolg haben kann.

Mit 23 Jahren hat Tumenov alle Zeit der Welt, trotzdem ist jetzt der Moment, in dem er zum ersten Mal richtig getestet werden sollte. Während ein Duell mit Karate-Experte Stephen Thompson ein stilistischer Traum wäre, wird der Sprung auf der Rangliste kaum so drastisch ausfallen – realistischer wäre da schon der Mann, den Thompson im Juli geschlagen hat und der momentan auf Platz 14 der offiziellen Rangliste steht. Nächster Gegner: Jake Ellenberger

Sage Northcutt
Der Hype-Train hat 57 Sekunden gebraucht, um von null auf hundert zu beschleunigen. Seit Conor McGregor gab es wohl keinen Kämpfer mehr, der mit seinem UFC-Debüt dermaßen eingeschlagen ist wie Sage Northcutt. Nicht einmal Shooting-Star Paige van Zant hat nach ihrem ersten Kampf in der UFC so überbordendes Lob eingeheimst wie der 19-jährige Karateka mit dem Beach-Body.

Eine Gemeinsamkeit mit VanZant darf man aber erwarten – die UFC wird Northcutt ebenso behutsam aufbauen wie seine Kollegin aus dem Strohgewicht. Mit 19 Jahren hat Northcutt alle Zeit der Welt, um sich zu entwickeln – mit Francisco Trevino hat er am Samstag jemanden vom unteren Ende der Leichtgewichtsnahrungskette verspeist und obwohl der spektakuläre Knockout vor heimischer Kulisse ohne Frage beeindruckend war, wäre ein allzu großer Sprung nach oben schlicht sinnlos und arg verfrüht. Nächster Gegner: James Krause