Kolumnen

GNP1-Matchmaker: Der Hype-Zug ist entgleist

Der Talent-Killer: Nach Joe Ellenberger hat Bryan Barberena sich jetzt auch Sage Northcutt vorgeknöpft (Foto: Florian Sädler).

Der Hype-Zug hat die falsche Abfahrt genommen: Sage Northcutts kometenhafter Aufstieg hat bei UFC on FOX 18 am Samstag ein vorzeitiges Ende gefunden, „Rumble“ hat mal wieder zugeschlagen und „Big Ben“ könnte demnächst vergoldet werden.  

Wir werfen einen kurzen Blick auf die drei besten Leistungen des Abends:

Anthony Johnson

Wer bisher noch daran gezweifelt hat, dass Anthony Johnson zur Elite im UFC-Halbschwergewicht gehört, dürfte sich spätestens seit Samstag eines Besseren belehrt wissen. „Rumble“ bewies mit seinem Knockout gegen Ryan Bader einmal mehr, dass er momentan der gefährlichste Kämpfer im Halbschwergewicht ist. Der technisch versierteste? Der ausdauerndste oder variabelste? Wohl kaum. Seiner Power aber konnte in letzter Zeit kaum jemand standhalten.

Trotz der unrühmlichen Niederlage gegen Daniel Cormier im vergangenen Mai bleibt Johnson damit immer noch im Titelgeschehen. Nachdem er mit Bader einen weiteren Kandidaten auf den Titelkampf ausgeschaltet hat und weitere Top-Kämpfer wie Alexander Gustafsson und Glover Teixeira einen oder mehrere Siege von ihrer Chance entfernt sind, könnte „Rumble“ sogar ganz vorne in der Liste stehen.

Der Rückkampf zwischen Cormier und Jon Jones soll sehr bald offiziell gemacht werden – falls die beiden bereits in den nächsten paar Monaten aufeinandertreffen, dürfte es sich für Johnson lohnen, eine Zeit lang auszusitzen und auf seine Chance gegen Jon Jones, eh, seine Chance auf den Sieger des Jones/Cormier-Rückkampfes zu warten. Es könnte gut und gerne Jones letzte Herausforderung in der 93-Kilo-Klasse sein. Falls er Cormier schlägt. Nächster Gegner: Daniel Cormier oder Jon Jones

Ben Rothwell

Wer hätte das gedacht? Ben Rothwell, vor nicht allzu langer Zeit noch scheinbar auf dem Weg raus aus der UFC, hat mit seinem Guillotine Choke bei UFC on FOX 18 nicht nur seinen vierten Sieg in Folge eingefahren, sondern ist dabei außerdem noch zum ersten Mann geworden, der Josh Barnett zur Aufgabe zwingen konnte.

Damit hat „Big Ben“ nochmal einen draufgesetzt und sich endgültig ganz oben im Schwergewicht etabliert. Das Problem: Dort ist momentan wenig los, der nächste Titelkampf wurde durch Cain Velasquez‘ und Fabricio Werdums Verletzungen noch weiter nach hinten verschoben und Andrei Arlovski sowie Junior dos Santos haben erst kürzlich verloren. Bleiben nur Alistair Overeem und Mark Hunt übrig – letzterer hat 2011 einen unspektakulären Sieg gegen Rothwell eingefahren, ersterer wurde drei Jahre später von „Big Ben“ ausgeknockt.  

Für Rothwell bleibt nur, abzuwarten. Wer den nächsten Titelkampf bekommt, sollte sich zwischen Cain Velasquez und Stipe Miocic entscheiden – nicht im Käfig, sondern in einem Konferenzraum im UFC-Hauptquartier in Las Vegas. Angesichts Velasquez‘ Verletzungsanfälligkeit ist es mittlerweile wohl wahrscheinlicher, dass Dana White und Co. die Titelchance dem bei den Fans immer populärer werdenden Miocic zusprechen. Velasquez könnte dann mit einem Kampf gegen Rothwell die Chance bekommen, sich wieder in die Gunst der UFC zu kämpfen, während „Big Ben“ sich für eine sechs Jahre alte Niederlage revanchieren kann. Nächster Gegner: Cain Velasquez

Bryan Barberena

Als Opferlamm wurde Bryan Barberena von vielen gesehen, als menschlicher Boxsack für Sage Northcutts Highlight-Reel. Natürlich kam es anders – „Super Sage“ sah anfangs gut aus, baute dann aber in der zweiten Runde nach einem verfehlten Kick ab und klopfte schließlich überraschend schnell in einem Arm Triangle Choke ab, den „Bam Bam“ Barberena eigentlich von der falschen Seite her angesetzt hatte. So weit, so gut.

Barberenas Problem: Er hat einen 19-Jährigen mit bis dahin zwei UFC-Kämpfen geschlagen, zumindest in den Augen vieler Fans, die von der bösen Niederlage eines der am meisten gehypten Neuzugänge der UFC desillusioniert sind. Mit Ausnahme von Ronda Rousey und Cathal Pendred musste wohl kaum ein UFC-Kämpfer nach einer harten Niederlage so viel Spott und Häme über sich ergehen lassen wie „Super Sage“.

Northcutt sagt, er hatte eine Halsentzündung, Fans führen einen Mangel an Erfahrung ins Feld oder behaupten gleich, er sei immer Fallobst gewesen. Übermäßig weit nach vorne wird dieser Sieg Barberena daher nicht bringen, zumindest derartig unterschätzen wird ihn jetzt aber wohl niemand mehr. Ob das gut oder schlecht für den Mann aus Arizona ist, wird sich zeigen.

Ein guter nächster Gegner wäre Carlos Diego Ferreira, der am Samstag im Vorprogramm mit Olivier Aubin-Mercier ein weiteres hoch gehandeltes Talent geschlagen hat und sich wie „Bam Bam“ gerne in wilde Schlachten verwickeln lässt. Nächster Gegner: Carlos Diego Ferreira