Kolumnen

GNP1-Matchmaker: Biergranaten und ein Tennisball

Hat in Dublin den größten Sieg seiner Karriere geholt: Louis Smolka (Foto: Florian Sädler/GNP1.de).

Das ist gerade noch mal gut gegangen. Viel hat nicht gefehlt, um UFC Dublin zum Desaster zu machen. Nachdem im letzten Jahr so ziemlich alles gut gegangen war, was gut gehen konnte, stimmte in diesem Jahr fast nichts: Erst fiel der Co-Hauptkampf aus, drei Tage vor dem Event dann der Hauptkampf und am Samstag ging der Großteil der Kämpfe recht unspektakulär über die Runden. Gerettet wurde die Show lediglich durch eine handvoll spektakulärer Duelle, deren Siegern eine vielversprechende Zukunft bevorstehen könnte.

Wir werfen einen kurzen Blick auf die drei besten Leistungen des Abends:

Louis Smolka
Diese Reise hat sich gelohnt – über 11.000 Kilometer musste Louis Smolka zurücklegen, um von Hawaii nach Dublin zu kommen. Als er den Kampf-Vertrag unterschrieb, eröffnete er das Hauptprogramm, als er im Flieger saß, stand er bereits im Co-Hauptkampf und als er seinen Gewichtscut startete, war er plötzlich Teil des Main Events.

Das bedeutete mehr Druck und mehr Aufmerksamkeit, am Ende aber hat es sich gelohnt – Smolka brachte die irischen Fans mit einem Rear Naked Choke in Runde zwei eines spektakulären Kampfes gegen Paddy Holohan zum Schweigen. Zumindest die meisten der 10.000 Zuschauer – keine zehn Sekunden nach Kampfende starteten einige frustrierte Iren ein massives Bierborbadement in Richtung Käfig, an dessen Ende zu guter Letzt noch ein Tennisball (!) am Hinterkopf eines Coaches einschlug.

Die Enttäuschung der Fans kann Smolka egal sein, denn er hat in Irland den wichtigsten Sieg seiner Karriere eingefahren. Mit vier Siegen und einer Niederlage in der UFC hat sich der 24-Jährige damit als ein Talent etabliert, das man im Auge behalten sollte. Bis zu einem Top-Ten-Ranking ist es noch ein kleines Stück hin, da Smolka aber das nötige Potential gezeigt hat, die Fliegengewichtsklasse nach neuen Gesichtern lechzt und er obendrein aus einem potentiellen, zukünftigen Markt für die UFC stammt, wird er wohl die Kämpfe bekommen, die ihn dorthin bringen können.

Der perfekte Kandidat dafür ist Zach Makovsky – der gelernte Ringer ist ein solider Kämpfer, der zwar zuletzt gegen John Dodson verloren hat, das jedoch denkbar knapp. Zuvor besiegte er Tim Elliott, Josh Sampo und Scott Jorgensen und hat selbst noch Ambitionen auf einen Titelkampf – ein Duell zwischen den beiden würde entscheiden, wer einen Anlauf darauf starten würde. Nächster Gegner: Zack Makovsky

Neil Seery
Alt aber oho – im Alter von 36 Jahren ist Neil Seery in Kampfsportjahren (vor allem im Fliegengewicht) schon fast ein Rentner, dabei aber so schnell und gefährlich wie eh und je. Der Dubliner ist in jeder Disziplin solide, kann einstecken ebenso wie austeilen und scheut sich nicht, Risiken einzugehen. Wird er noch um den Titel kämpfen? Wohl kaum, aber für spaßige Kämpfe ist Seery allemal noch zu haben.

Obendrein ist er der perfekte Test für aufstrebende Kämpfer – kein Sportrentner, den jeder halbwegs talentierte Jungspund auf die Bretter schickt, sondern ein überaus solider Veteran, der die Spreu vom Weizen trennen kann. Genau das, was Sergio Pettis braucht. Der jüngere Bruder von Ex-Champion im Leichtgewicht, Anthony Pettis, kam mit einer großen Portion Hype in die UFC und hat Potential gezeigt, aber zwei wichtige Kämpfe verloren.

Mit vier Siegen und den beiden Niederlagen braucht der 22-Jährige einen Durchbruchsieg, der beweist, dass er sein Potential schon jetzt in entsprechende Ergebnisse umwandeln kann. Schlägt Pettis Seery, hat er das getan. Gewinnt Seery, hat der Ire zumindest schon einmal den Titel des härtesten Aufbaugegners aller Zeiten sicher. Nächster Gegner: Sergio Pettis

Tom Breese
Mehr hätte sich Tom Breese kaum wünschen können: Ein Kampf gegen einen schlagbaren Lokalmatadoren, den jeder in der Arena liebt und beinahe jeder außerhalb des Gebäudes hasst – diesen Anschein zumindest hat es, wenn man sich dieser Tage diverse Online-Foren durchliest. Umso besser für den jungen Briten, der den Druck gegnerischer Fans erfahren und überstanden hat und unter all den Hobby-Hatern und Internetrambos vermutlich eine Menge neuer Fans gefunden hat.

Davon abgesehen, hat die Leistung an sich Bände gesprochen. Das Weltergewichtstalent wurde während des gesamten Kampfes zwei Mal sauber getroffen und hat dafür superbe Beinarbeit, Angriffswinkel und Boxkombinationen gezeigt. Mit dem Erstrunden-Knockout hat Breese demonstriert, was er anrichten kann, wenn man ihn lässt.

Jetzt muss er beweisen, dass er das auch kann, wenn der Gegner mehr Widerstand leistet als der langsame und wenig technische Pendred. Mit 24 Jahren ist der Brite noch jung genug, um gemächlich in die höheren Regionen der ultrastarken Weltergewichtsklasse aufgebaut zu werden. Ein passender Gegner wäre George Sullivan – ein erfahrener, körperlich starker Gegner, der in der UFC bisher drei von vier Kämpfen gewonnen hat und sich nicht überrennen lassen wird. Nächster Gegner: George Sullivan