Kolumnen

GNP1 goes Las Vegas

Der Hauptkampf der Woche, ein Jahr lang in der Mache: José Aldo vs. Conor McGregor (Foto: Florian Sädler/GNP1.de).

Der Dienstag ist geschafft, jetzt wird es ernst. Seit 30 Stunden bin ich in Las Vegas, Zeit zum Durchatmen gab es noch nicht. Und wahrscheinlich wird es die auch nicht geben, denn am Mittwoch steigt das Tempo, bevor es dann am Donnerstag mit den ersten Kämpfen so richtig losgeht und bis Samstag ohne Unterbrechung mit Vollgas weiterläuft. Media Day, Pressekonferenz und Wiegen stehen heute an, zwischen zehn Uhr morgens und sechs Uhr Abends ist der Tag also bereits verplant.

Für mich beginnt der Mittwoch schon etwas früher – als ich aufwache, frage ich mich als erstes, wo ich bin und wie spät es ist – die Spätfolgen des Zwei-Tage-Reisemarathons, der mich nach Vegas gebracht hat.

Spätestens die ägyptischen Hieroglyphen auf dem Kleiderschrank gegenüber zeigen mir, dass ich nach ein paar Bier mit Brasilien-Korrespondent Tobias Bunnenberg und einem seiner Reporter-Kollegen aus seiner Wahlheimat wieder auf meinem Zimmer im Luxor Hotel bin. Gut. Außerdem läuft das Radio und mein neben mir stehender Laptop zeigt einen Foto-Ladebildschirm auf der GNP-Facebookseite – mir dämmert, dass ich schlicht eingeschlafen bin, als ich die Bilder vom gestrigen Open Workout der UFC Fight Night hochladen wollte, noch bevor ich auf den „Posten“-Button klicken konnte. Deutsche Maßarbeit, würde ich sagen.

Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass es 4:15 Uhr ist. Draußen ist es dunkel, aber auch hier in der Wüste geht die Sonne mittlerweile am frühen Nachmittag unter. Noch nicht ganz wach, glaube ich deshalb für einen Moment felsenfest daran, dass es schon Mittwochnachmittag ist und ich die Hälfte der heute anstehenden Termine verschlafen habe. Umso größer ist die Erleichterung, als ich meinen Denkfehler realisiere.

Fünfeinhalb Stunden später werde ich wieder wach – eine Stunde, nachdem ich mir den Wecker gestellt habe. Um zehn soll der Media Day im MGM Grand beginnen, aber das wird knapp. Der Plan, die Abkürzung über die hoteleigene Shuttle-Bahn zum MGM zu nutzen, entpuppt sich wenig später als Reinfall, denn die fünf Minuten Wartezeit am Gleis hätte ich genauso gut für einen Fußmarsch ins zweihundert Meter entfernte MGM nutzen können.

Dafür hat sich die Schlange vor dem Media Center schon fast aufgelöst, als ich wenig später dort aufkreuze. Eine Unterschrift auf der Anwesenheitsliste der UFC später bekomme ich mein Presse-Armband und darf den zweckentfremdeten Ballsaal betreten. In der Mitte des großen Raums wurden vor riesigen UFC-Bannern die Kämpfer platziert, von denen die ersten bereits Fragen beantworten und von allen Seiten fotografiert werden. Ich reihe mich also in den riesigen Reporter-Pulk ein und mache meine Runde. Gegen Ende der Veranstaltung laufe ich Yoel Romero über den Weg, der sich wohl gerade auf den Weg zurück auf sein Zimmer machen wollte. Ich fange ihn ab und bitte ihn, einen kleinen Gruß an die deutschen Fans zu schicken – immerhin hat der ehemalige Ringer-Olympionike jahrelang in Nürnberg gelebt und trainiert. Romero scheint sich zu freuen, als ich ihn auf Deutsch anspreche und noch mehr, als ihm anschließend Jacare Souza über den Weg läuft. Die beiden Gegner umarmen sich, machen ein Foto und gehen ihrer Wege.

Nach den Interviews tischt die UFC ein ansehnliches Buffet auf, danach geht es gleich weiter in die angrenzende MGM Grand Garden Arena, die durch eine Indoor-Brücke mit dem restlichen, riesigen Komplex verbunden ist. Auf den Video-Leinwänden in der Halle laufen die üblichen Trailer rauf und runter, in denen Joe Rogan mit weit aufgerissenen Augen die anstehenden Kämpfe großredet. Als ob das in dieser Woche noch nötig wäre.

Dann erscheinen Dana White und die wichtigsten Kämpfer des Wochenendes auf die Bühne: Aldo, McGregor, Weidman, Rockhold, Edgar und Mendes. Was folgt, ist eine vergleichsweise uninteressante Pressekonferenz vor recht wenigen Zuschauern – die Massen an Iren und Brasilianern werden wohl erst am Donnerstag und Freitag in Vegas aufschlagen.

McGregor gibt sich gewohnt selbstbewusst, scheint am Anfang seines Gewichtscuts aber nicht zu besonders derben Provokationen aufgelegt zu sein. Ohne die Ausbrüche des Iren plätschert das Geschehen so vor sich hin – Luke Rockhold braucht 30 Minuten, bis ihm die erste Frage gestellt wird – und trotzdem ist die Atmosphäre irgendwie elektrisiert. Wenn auch nicht viele druckfertige Schlagzeilen produziert werden, wirft der kommende Samstag doch seine Schatten voraus, die Spannung im Raum ist greifbar.

Nach der PK sind zwei Stunden Pause angesetzt, bis die Kämpfer der Donnerstags-Fight-Night eingewogen werden. Ich nutze die Zeit, um die gerade gemachten Fotos hochzuladen. Beim Wiegen kochen die Emotionen nach einem harten Cut oft über, aber nicht heute. Ein freundlicher Staredown folgt auf den nächsten, nach dreißig Minuten ist das Prozedere ohne Zwischenfälle vorbei – ich setze mich wieder ins Media Center und arbeite einmal mehr einen Haufen Fotos ab.

Als ich mich später auf den Weg zurück zum Hotel mache, kommt mir die Idee, noch schnell ein Foto der neuen Las Vegas Arena zu schießen, in der ab UFC 200 im nächsten Juli sämtliche Events der Liga stattfinden sollen. Laut Google Maps müsste die Baustelle kinderleicht zu erreichen sein, in der Praxis macht mir aber die eigenwillige Architektur der Stadt einen Strich durch die Rechnung: Den Strip und auch die meisten Seitenstraßen kann man nicht einfach auf- und ablaufen: Spätestens alle paar hundert Meter muss man eine Brücke, Rolltreppe oder anderweitige Hindernisse überwinden, die einen schnurstracks in ein Kasino oder Restaurant führen sollen, bevor man weiter geradeaus laufen darf. 

In diesem Fall sind es Bauzäune, nach einigen Umwegen über diverse Seitenstreifen und Grünstreifen stehe ich schließlich aber doch noch diagonal vor der Baustelle. Weiter geht es nicht, ohne sich auf eine sechsspurige Straße zu wagen, und der Blick durch den Bauzaun auf die Arena-Baustelle ist angesichts des Aufwands mehr als enttäuschend. Egal, denke ich mir und mache mich auf den Weg zurück zum Luxor. Noch einmal schlafen, dann geht es zum ersten von drei Malen in dieser Woche im Octagon zur Sache – ich sollte die Ruhe vor dem Sturm genießen.