Kolumnen

GnP-Matchmaker: UFC on FOX 16

Alter und neuer Champion im Bantamgewicht: T.J. Dillashaw (Foto: Tobias Bunnenberg/GnP1.de).

Eingequetscht zwischen einer langen Reihe anderer Veranstaltungen sowie aktuellen Kontroversen und mit wenigen ganz großen Namen auf dem Programm, ist die 16. Ausgabe der UFC auf FOX am vergangenen Wochenende beinahe schon untergegangen. Zu Unrecht, wie sich in der Nacht von Samstag auf Sonntag herausgestellt hat, denn die vierundzwanzig Kämpfer lieferten durchgehend spannende und teils hochspektakuläre Duelle ab, die in den nächsten Monaten Auswirkungen auf mehrere Gewichtsklassen haben werden.

Wir werfen einen kurzen Blick auf die besten Leistungen des Abends und die Zukunft ihrer Protagonisten:

T.J. Dillashaw
Wow – T.J. Dillashaws zweiter T.K.o.-Sieg gegen Renan Barao war zwar weniger überraschend, dabei aber sogar noch dominanter als der Titelgewinn im Mai 2014. Für wenige Minuten ein ausgeglichenes Duell, übernahm Dillashaw noch in der ersten Runde mit schnellen Bewegungen und präzisen Angriffen das Ruder in die Hand – schon nach Runde zwei war der Zug für einen zunehmend müde werdenden Barao abgefahren, der im vierten Durchgang schließlich unter einem erbarmungslosen Trommelfeuer aus Faustschlägen chancenlos einbrach und seine Titelträume begraben musste. Dillashaw dagegen konnte sich mit diesem Sieg endgültig als respektierter und legitimer Champion im Bantamgewicht etablieren.

Gegen wen wird Dillashaw seinen Gürtel als nächstes verteidigen? Vor allem anderen wäre ein Kampf gegen Dominick Cruz wünschenswert. Nicht nur, weil der Ex-Champion seinen Titel bekanntermaßen nie im Octagon, sondern an eine Reihe schwerer Verletzungen verloren hat. Die beiden passen vor allem stilistisch einfach bestens zueinander, denn Cruz war einer der ersten, der eine überdurchschnittlich aktive, unkonventionelle Beinarbeit und perfektionistische Gegneranalyse in Kombination mit einer detailliert durchdachten Offensive auf dem höchsten Level der UFC mit Erfolg genutzt hat. Jetzt hat Dillashaw seinen inoffiziellen Vorgänger beerbt und die Frage drängt sich auf, wie ein Kampf zwischen den beiden Elite-Kämpfern ausgehen würde? Würde Dillashaws brillante Offensive auch gegen Cruz funktionieren, und wie sieht es umgekehrt aus? Wer würde den ersten Fehler machen? Ganz generell: Wer ist der wahre Champion? Dillashaw gegen Cruz ist momentan sowohl PR-technisch als auch kämpferisch die mit Abstand beste Ansetzung, die das Bantamgewicht zu bieten hat.

Der einzige Haken: Cruz hat seit Herbst 2011 nur ein Mal gekämpft und ist wohl immer noch bis mindestens Ende des Jahres verletzt. Und die Wahrscheinlichkeit, dass er für sein Comeback gleich in ein Trainingscamp für einen Fünf-Runden-Kampf einsteigt, dürfte eher gering sein. Was bleibt sonst? Momentan gibt es nicht viele Kämpfer in der 61-Kilo-Klasse, die sich als Herausforderer anbieten würden. Zwar arbeiten sich einige junge Senkrechtstarter wie Aljamain Sterling oder Thomas Almeida gerade mit Vollgas nach oben, während sich im Hintergrund immer noch der eigentlich legitime nächste Titelherausforderer, Raphael Assuncao, von einer Verletzung erholt.

Trotzdem: Fürs Erste ist und bleibt Cruz der Kampf, den vor allem die Gewichtsklasse selbst braucht, um in den Augen der Fans endlich relevant zu werden. Dillashaw selbst hat da schon mehr Optionen – für ihn stünde auch ein Super-Kampf gegen den Sieger des Fliegengewichtstitelkampfes zwischen Demetrious Johnson und John Dodson bei UFC 191 im Raum, und doch wird es am Ende wohl einfach einmal mehr auf das richtige Timing ankommen. Sind Cruz und Assuncao zu lange außen vor, könnten Almeida oder Sterling tatsächlich eine recht frühe erste Chance auf den Gürtel bekommen, sofern die UFC-Chefetage das Risiko eingeht, die jungen Talente zu früh zu verheizen. Ansonsten bliebe für Dillashaw lediglich die Route von Fliegengewichtschampion Johnson, der mangels Alternativen ein Jahr lang als „Beschäftigungstherapie“ die untere Top Ten beackern musste…

Miesha Tate
Zwei Mal hat Miesha Tate schon vorzeitig gegen Ronda Rousey verloren, und doch hat sie sich am Samstag allem Anschein nach einen dritten Kampf gegen die dominante Bantamgewichts-Championesse erarbeitet. Obwohl Tate in ihrem Punktsieg gegen Jessica Eye durchaus solide aussah, bleibt man in Bezug auf ein weiteres Duell mit Rousey skeptisch. Tate hat im Anschluss an ihren Kampf, in dem sie Eye zwei Mal mit einer harten Rechten niederschlagen konnte, zu Protokoll gegeben, dass sie seit einiger Zeit verstärkt an ihrer Schlagkraft arbeitet, um Rousey nicht nur – wie bei UFC 168 – im Stand unter Druck zu setzen, sondern gleich ganz ausknocken zu können.

Tatsächlich hatte Tate im Dezember 2013 mehr Erfolg gegen Rousey als jede andere ihrer Gegnerinnen, aber reicht die Leistung, es als einzige aus der ersten Runde herausgeschafft zu haben als Legitimation, um sich für eine Neuauflage zu begeistern? Hat Rousey sie mittlerweile nicht vielleicht auch boxerisch meilenweit überholt? Bekommt sie beim nächsten Mal sinnvolle Anweisungen aus ihrer Ecke, die sie nicht solange in Rouseys Takedowns treiben, bis sie schlussendlich doch noch mit überstrecktem Arm auf der Matte landet?

Man sieht also: Eine handvoll Fragen sind noch offen zwischen Rousey und Tate. Nicht viele und wenige wirklich faszinierende, aber das ist leider immer noch mehr als beim Großteil der restlichen Top Ten. Am Ende des Tages bleibt die Tatsache, dass Tate in naher Zukunft zum dritten Mal auf Ronda Rousey treffen wird. Was das aussagt? Dass Tate sich kämpferisch stark verbessert hat, oder dass im Damen-Bantamgewicht der UFC ein grotesk unausgeglichenes Kräfteverhältnis vorherrscht – in ein paar Monaten werden wir es erfahren…

Edson Barboza
Respekt vor Edson Barboza – nachdem ihm in der Vergangenheit mehrfach sein vermeintlich schwaches Kinn einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht hat, konnte der Brasilianer hier ein eindrucksvolles Statement setzen, indem er dem brandgefährlichen Newcomer Paul Felder in einer Stand-Schlacht seine Grenzen aufgezeigt hat. Zwar hat Barboza dabei auch von Felders emotionalem Kampfstil und dessen noch unausgereifter Beinarbeit profitiert, die es ihm erlaubte, beinahe nach Belieben um seinen Gegner herumzuzirkeln und den Ort der Schlagwechsel zu bestimmen, trotzdem bleibt der Sieg eine reife Leistung. Felder langt hart zu, und trotz eines schon früh sehr stark geschwollenen Auges hat Barboza stur seine Strategie durchgezogen, systematisch attackiert und wenn nötig in den wilderen Schlagwechseln der Action seinen Stempel aufgedrückt. Gleichzeitig hat auch Felder Herz und größtenteils wirklich solide Technik gezeigt – mit einigen Anpassungen kann der „Irish Dragon“ in Zukunft noch einiges reißen im Leichtgewicht der UFC.

Barboza ist mit diesem Sieg erfolgreich von einer Punktniederlage gegen Michael Johnson zurückgekommen und hat gezeigt, dass er immer noch einer der Top-Kämpfer der Gewichtsklasse ist. Ein ähnliches Szenario hat kürzlich Eddie Alvarez durchgemacht, der sich nach seiner Debüt-Niederlage gegen Donald Cerrone mit einem knappen Punktsieg gegen Giblert Melendez rehabilitiert hat und im Duett mit Barboza für einen spannenden Kampf sorgen dürfte. Auf dem Papier wäre die Thaibox-Maschine eine Horror-Ansetzung für Alvarez, der mit der Geschwindigkeit und vor allem den Kicks des Brasilianers Probleme bekommen dürfte. Auf der anderen Seite ist Alvarez ein weiterer Kämpfer von der Sorte, die lediglich den Vorwärtsgang kennt, er ist dabei allerdings weitaus erfahrener als Paul Felder. Mit zuletzt je einem Sieg und einer Niederlage könnten die beiden Veteranen unter sich ausmachen, wer in der Mitte der Top Ten stecken bleibt und wer einen weiteren Schritt in Richtung Spitze hinter sich bringen kann.