Kolumnen

GNP-Matchmaker: Anthony Smith schießt hoch in die Top Ten

Gustafsson, Manuwa oder OSP? Anthony Smith hat eine große Auswahl (Foto: Dorian Szücs/GNP1.de)

UFC Hamburg ist Geschichte und der große Gewinner heißt Anthony Smith. War der Amerikaner bis vor kurzem noch ein Durchschnittsmittelgewicht, katapultierte sich der 29-Jährige mit seinem Sieg über Mauricio Rua direkt in die Top Ten. Entsprechende Gegner warten nun auf ihn. Auch die deutschsprachige Fraktion machte, wenn auch nicht immer siegreich, eine gute Figur in Hamburg und hinterließ im Käfig eine gute Visitenkarte für kommende Aufgaben.

Wir werfen einen Blick auf die besten Leistungen und die deutschsprachigen Kämpfer von UFC Hamburg.

Anthony Smith

Kurzfristig den Kampf angenommen und innerhalb von 89 Sekunden die nächste MMA-Legende pulverisiert. Innerhalb weniger Monate ist aus dem Mittelgewichts-Vagabunden Anthony Smith ein gefährliches Halbschwergewicht mit Titelpotenzial geworden. Alles richtiggemacht, möchte man sagen. Zumal Smith aus den anderthalb Minuten gegen Rua so gesund hervorgegangen ist, dass er theoretisch schon in wenigen Wochen wieder im Käfig stehen könnte. Bereits nach dem Sieg forderte er Alexander Gustafsson für den 4. August heraus.

So schnell wird ihm die UFC diesen Gefallen wohl nicht tun, das Matchup ist aber dank der gebrochenen Nase von Volkan Oezdemir, den Smith in Hamburg ersetzte, auf dem Schreibtisch der UFC und durchaus ein passender Kampf, um das Halbschwergewicht neu ordnen zu können, nachdem der Schwede schon seit 14 Monaten nicht mehr gekämpft hat. Smith könnte also der große Nutznießer sein und könnte noch in diesem Jahr seinen Wuschkampf auf dem Weg zum Titel erhalten.

Sollte die UFC an ihrem ursprünglichen Plan mit Oezdemir und Gustafsson festhalten, gäbe es für Smith zahlreiche potenzielle Gegner im Halbschwergewicht. Angefangen von Saki-Besieger Khalil Rountree über Jimi Manuwa bis hin zu Top-5-Kämpfer Jan Blachowicz. Da im Halbschwergewicht derzeit aber so gar nichts nach Plan verläuft, würde es niemanden wundern, wenn Smith auf den merkwürdigsten Kämpfer der Top Ten treffen würde. Nächster Gegner: Ovince St. Preux

Abu Azaitar

Lange haben die Fans darauf gewartet, am Sonntag gab Abu Azaitar sein UFC-Debüt gegen Vitor Miranda und sicherte sich einen einstimmigen Punktsieg gegen den Brasilianer, wobei Fans der erhoffte Schlagabtausch im Stand vorenthalten wurde. Stattdessen wurde das Duell vornehmlich auf der Matte ausgetragen. Miranda konnte Azaitar zwar unter Druck setzen, wurde jedoch immer wieder gedreht und musste Schläge am Boden einstecken, bevor er auf den Punktezetteln verlor.

Nun stellt sich die Frage, ob die UFC lieber Azaitars Schwächen testen oder seine Stärken in den Vordergrund stellen will. Tendenziell wird die UFC eher einen Gegner für Azaitar finden, der sich mit ihm auf einen Standkampf einstellt, um auf der einen oder anderen Seite am Ende einen Knockout zu haben. Im Amerikaner Ryan Janes findet sich im Kader ein wilder Standkämpfer ohne nennenswerte Defensive. Wie gemalt für einen Azaitar-Knockout. Nächster Gegner: Ryan Janes

Nasrat Haqparast

Wohl kein Kämpfer aus Deutschland konnte bei UFC Hamburg mehr überzeugen als Nasrat Haqparast. Der junge Hamburger lieferte vor heimischer Kulisse seine beste Leistung ab und feierte einen dominanten Punktsieg gegen Marc Diakiese, der in der zweiten Runde von der Ringglocke gerettet wurde. Die kurzfristige Debüt-Niederlage gegen Marcin Held, den Haqparast ebenfalls in Bedrängnis brachte, ist damit weggewischt. Das Signal aus Hamburg ist eindeutig: mit ordentlicher Vorbereitung ist Haqparast bereits jetzt ein gefährliches Leichtgewicht.

Der Weg in die oberen Regionen der tiefen Gewichtsklasse dürfte nach so einer Leistung daher nicht lang sein und dank regelmäßiger Trainingscamps im Tristar-Gym Montreals dürfte Haqparast auch schneller als manch anderer Europäer jenseits des großen Teichs eingesetzt werden. Was Haqparast im Stand leisten kann, davon hat die UFC nun einen guten Eindruck erhalten, wie jedoch sein Bodenkampf aussieht, wenn er mehr Vorbereitungszeit hat, das könnte der nächste Kampf zeigen. Nächster Gegner: Davi Ramos

David Zawada

Viel hätte nicht gefehlt, und David Zawada hätte sich für das Risiko, kurzfristig gegen den Engländer Danny Roberts einzuspringen, nicht nur mit dem Bonus für den Fight Of The Night, sondern auch mit einem Sieg belohnt. Am Ende fehlten nur Kleinigkeiten, die den Unterschied ausmachten, sodass der Düsseldorfer seine erste Niederlage seit fast drei Jahren einstecken musste.

Bei der UFC dürfte der 27-Jährige nichtsdestotrotz Eindruck hinterlassen haben. So dürfte auch sein kommender Gegner ein besseres Matchup werden, zumal Zawada eine komplette Vorbereitung durchmachen kann. Möglich wäre ein Duell mit dem Waliser Craig White, der bei UFC Liverpool vor zwei Monaten unter ähnlichen Umständen in die UFC kam und dabei Neil Magny unterlag. Nächster Gegner: Craig White

Nick Hein

Die letzten drei Monate liefen so gar nicht nach dem Geschmack von Nick Hein. Erst wurde er in Brasilien von Davi Ramos gestoppt, machte sofort weiter, um bei UFC Hamburg die deutschen Farben vertreten zu können und kassierte gegen Damir Hadzovic seine zweite Niederlage in Folge. Diese dazu auch noch denkbar knapp mit einem geteilten Punktentscheid. Somit steht Hein nun in der UFC mit dem Rücken zur Wand.

Eine weitere Niederlage würde den „Sergeant“ auf eine ausgeglichene UFC-Bilanz zurückwerfen, zudem kämpft er nicht oft genug, um einen weiteren Push durch die UFC zu erhalten. So ist es denkbar, dass man den 34-Jährigen bei der ersten Europa-Veranstaltung im kommenden Jahr schon um seinen Job kämpfen lässt, möglicherweise gegen einen anderen Europäer in einer ähnlichen Situation. Nächster Gegner: Stevie Ray

Khalid Taha

Wie Zawada nahm auch Khalid Taha mit nur wenigen Wochen Vorbereitung einen Kampf für UFC Hamburg an, dazu auch noch im Federgewicht gegen einen starken Ringer in Nad Narimani. Unter diesen Vorzeichen überraschte der anschließende Kampfverlauf nicht. Taha konnte Akzente im Stand setzen, war den Takedowns des physischen Narimani jedoch nicht gewachsen. Für die nächste Begegnung soll es für den jungen Dortmunder allerdings zurück in heimische Bantam-Gefilde gehen, wo er sein ganzes Können entfalten kann. Nächster Gegner: Kwan Ho Kwak

Aleksandar Rakic

Der Österreicher lieferte im Vorprogramm eine beeindruckende Leistung gegen Boxer Justin Ledet und dominierte den Amerikaner drei Runden lang auf der Matte, sodass er gleich mehrere 10-8-Runden zugesprochen bekam. Ein Ausrufezeichen in einer Gewichtsklasse, in der es schnell in die Rankings gehen kann. Nach den Standexperten Francimar Barroso und Ledet wäre es nun an der Zeit, Rakics Ground and Pound auch gegen einen Grappler zu testen. Nächster Gegner: Paul Craig