Kolumnen

GnP Awards 2010: Bester Neuling international

Phil "Mr. Wonderful" Davis

Mit 77,2% der Wählerstimmen geht der GnP Award 2010 für den besten Neuling international an: Phil Davis.

Mit einem Kampfrekord von 116-17 im Ringen sorgte Phil Davis bereits zu seiner Studienzeit an der Pennylvania State University für große Aufmerksamkeit. Zwar träumte „Mr. Wonderful“, so Davis Spitzname, schon immer davon, einmal in der UFC kämpfen zu dürfen, doch dass ihm dieser gewaltige Sprung innerhalb von gerade einmal 18 Monate nach seinem professionellen MMA-Debüt gelingen würde, hätte sich der charismatische Amerikaner sicherlich nicht erträumen lassen.

Am 11. Oktober 2008 feierte Davis sein Pofi-Debüt bei einer kleinen regionalen MMA-Organisation. Mit Brett Chism traf der damals 24 Jahre alte Amerikaner auf einen sehr erfahrenen Gegner, der bereits schon neun professionelle MMA-Kämpfe und eine Kampfbilanz von 6-3 vorweisen konnte. Die beiden Kämpfer lieferten sich eine wahre Schlacht, die über die volle Kampfdistanz andauerte. Zwar zeigte der vierfache NCAA-Champion in seinem Debüt einige Schwächen in seinem Stand-Up, jedoch lies Davis über den gesamten Kampfverlauf keinerlei Zweifel aufkommen, dass er letzten Endes als Sieger aus dem Ring treten würde.

In seinen weiteren drei Kämpfen, außerhalb der UFC, dominierte Davis seine Gegner und bewies den Kritikern mit (T)KO- und Aufgabesiegen über Josh Green, Terry Cohens und David Baggett, dass er binnen weniger Monate zu einem sehr gefährlich Allroundtalent gereift ist. Da Davis all seine Gegner in den ersten Minuten des Kampfes regelrecht zerlegte, wurde schnell auch UFC-Matchmaker Joe Silva auf den jungen Alliance MMA-Kämpfer aufmerksam und  gewährte Davis die Chance, sich in der weltgrößten MMA-Organisation zu beweisen.

Somit feierte Davis bei UFC 109: Relentless sein Debüt im Vorprogramm, gegen den steinharten Greg Jackson-Schüler Brian Stann. Wie schon in seinem ersten Kampf, müsste sich Davis gegen einen sehr erfahrenen Kämpfer behaupten, dementsprechend lieferten sich beide einen regelrechten Krieg über über die volle Kampfdistanz. Stann, der bereits bei der UFC-Tochterorganisation WEC imposante KO-Siege feiern durfte, landete zwar sehr harte Treffer an Davis Kopf, jedoch zeigte der Mann aus Harrisburg, Pennsylvania sehr gute Nehmerqualitäten und kontrollierte den Kampf über weite Strecken, was ihm auch den verdienten Punktsieg sicherte.

Behält immer einen klaren Kopf: Phil Davis (Foto via sherdog.com)

In der UFC nun angekommen setzte „Mr. Wonderful“ ein klares Statement, als er in seinem zweiten Kampf für die UFC Alexander Gustafsson mit einem sehenswerten Aufgabegriff (Anaconda Choke), bereits in der ersten Runde besiegte. Noch zuvor hatte Gustafsson bei UFC 105 seinen Gegner Jared Hamman in gerade einmal 41 Sekunden KO geschlagen und somit einen gewaltigen Eindruck bei seinem UFC-Debüt hinterlassen. Um nun die Gunst der Stunde nutzen zu können, bat Davis den Matchmaker Joe Silva bereits Minuten nach seinem Kampf darum, so schnell wie nur möglich wieder kämpfen zu dürfen.

Da solch eine Mentalität in der UFC gerne gesehen wird, kämpfte das 1,88 Meter große Halbschwergewicht bereits wenige Monate später erneut und traf mit Rodney Wallace auf einen sehr kompakten und kräftigen Gegner. Wie gewohnt verwöhnte Davis seine Fans mit impulsiven Takedowns und suchte im Stand-Up als auch im Bodenkampf die Entscheidung. Zwar fand der NCCA-Champion kein geeignetes Mittel, um den Kampf vorzeitig beenden zu können, aber durch seine unterhaltsame und vor allem dominante Preformance, hinterließ der Amerikaner erneut keine Zweifel, dass er in naher Zukunft bereits für größere Aufgaben gewappnet ist.

In seinem bis dahin letzten Kampf bei UFC 123 sollte Davis mit dem UFC-Veteranen Tim Boetsch zum ersten Mal einen Ringer seines Kalibers als Gegner erhalten. Viele MMA-Experten behaupteten vor dem Kampf, dass dies nun die endgültige Feuertaufe für den Alliance-Kämpfer darstellen sollte. Und auch in diesem Kampf enttäuschte Davis die hohen Erwartungen seiner Fans nicht. Nachdem sich beide Kontrahenten zunächst abtasteten, holte sich der ehemalige Ringer den Takedown und zeigte, wie gewohnt, starkes Ground and Pound, sowie enorme Bodenkontrolle. In der zweiten Runde gelang es Boetsch zwar mit einem Guillotine Choke-Versuch Davis angesetzten Takedown für einige Sekunden zu stoppen, jedoch landete Boetsch kurze Zeit später auf seinen Hosenboden. „Der Barbar“, so Boetschs Spitzname, zeigte bereits deutliche Ermüdungserscheinungen, dementsprechend schnell gelang es Davis seinen Gegner in der zweiten Runde via Aufgabegriff zu besiegen.

Davis im Element (Foto via sherdog.com)

Mit einer makellosen Bilanz von 8-0 ist Davis somit nicht nur ungeschlagen, sondern zählt zu den talentiertesten Kämpfern in der weltgrößten MMA-Organisation. Bereits nach dem Sieg gegen Tim Boetsch versprach UFC-Präsident Dana White dem 26 Jahre alten Amerikaner einen Top 5-Kämpfer als nächsten Gegner. Von daher dürfen wir gespannt sein, gegen wen der GnP Award 2010 Gewinner demnächst im berühmten achteckigen Käfig kämpfen wird.

Die exakte Stimmverteilung im Überblick:

1. Phil Davis (USA) 77,2%
2. Maciej Jewtuszko (Polen) 13,5%
3. Charles Oliveira (Brasilien) 3,4%
4. Rory MacDonald (Kanada) 2,4%
5. Yasubey Enomoto (Schweiz) 2,3%
6. Tie Quan Zhang (China) 1,2%