Kolumnen

Geisterjagd

Wie die UFC vor einigen Wochen offiziell bekannt gab, wird man im Februar des nächsten Jahres erstmals seit zwölf Jahren mit einer Veranstaltung nach Japan zurückkehren. Nach UFC 134 in Brasilien treibt man die Expansion damit in eine Richtung weiter, die man schon in den Anfangsjahren der Organisation anvisiert hatte. Während die Rückkehr nach Brasilien ohne Frage ein sehr bedeutender Schritt war, ist eine Veranstaltung in Japan jedoch nicht unbedingt die zielführendste Entscheidung. Es ist bekannt, dass die Popularität der MMA in Japan derzeit Rückgängig ist. Darüber hinaus ist das Land bekanntlich alles andere positiv gegenüber ausländischen Organisationen gesinnt. Dennoch plant die UFC seit Jahren die Rückkehr in das Land der aufgehenden Sonne. Doch welche Motive stecken hinter dieser Idee? Eine Geschäftsentscheidung oder etwas Persönliches?

Die MMA boomen in Asien derzeit sehr stark. Dies zeigt sich auch durch Events wie One Fighting Championships und Legend FC in Singapur bzw. Hong-Kong oder Road FC in Südkorea. Diese können mit guten Zuschauerzahlen glänzen und One FC konnte sich darüber hinaus eine sehr breite Medienberichterstattung in Asien sichern. Obwohl Länder wie Singapur, Südkorea oder auch Indien einen sehr guten Markt bieten würden, fokussiert die UFC im Rahmen ihrer Asienerweiterung einen Event in Japan.

Im Gegensatz zu den genannten Ländern ist die Popularität des Sports in Japan seit Jahren rückgängig. Die glorreichen Tage von PRIDE sind vorüber, der Markt befindet sich in einer Degenerationsphase. Eine Tatsache, mit der auch große japanische Veranstalter, wie DREAM, zu kämpfen haben. Sengoku, einer der selbsternannten  Nachfolger von PRIDE, musste im vergangenen Jahr gar seine Pforten schließen. Mangelnde TV-Deals und zurückgehende Medienpräsenz machen den japanischen Veranstaltern zu schaffen. Wenn man dazu bedenkt, dass die UFC mit WOWOW nur einen sehr kleinen TV-Sender zur Verfügung hat, wird es nicht leicht sein, Events in Japan zu bewerben.

Wie zu Beginn angesprochen, ist die japanische Medienlandschaft sehr verschlossen gegenüber ausländischen Organisationen und gilt als sehr konservativ. Darüber hinaus hat die japanische Mafia (Jakuza) einen sehr großen Einfluss in der japanischen Wirtschaft und ist seit jeher sehr eng in den Kampfsportmarkt in Japan involviert. Auch sie soll alles andere als Interesse an einer Japanexpansion der UFC haben.

Dennoch hat die UFC ihre Rückkehr in das Land der aufgehenden Sonne angekündigt. Ausgewählt wurde dafür die Saitama Super Arena. Wem diese Veranstaltungshalle bekannt vorkommt, könnte sich an die frühren PRIDE-Veranstaltungen erinnern und dabei könnte schon das entscheidende Schlagwort gefallen sein - PRIDE. Könnten die Motive der UFC nicht dahingehend verankert sein, dass man einen endgültigen „Sieg“ über den früheren größten Rivalen feiern möchte? Eine Demonstration davon, dass man letztendlich als klare Nummer 1 aus dem langjährigen „Wettstreit“ davongegangen ist. Vielleicht ist man eher damit bemüht, alte Geister zu vertreiben als den großen finanziellen Erfolg zu machen. Möglicherweise spielt das Ego einiger Gesichter in der UFC hierbei auch eine große Rolle.

Sicherlich spielt die Wirtschaftlichkeit des Events eine Rolle, die Situation lässt jedoch auch die Vermutung einer gewissen Geisterjagd zu. Mit den richtigen Partnern ist es der UFC sicherlich möglich, einen Event mit solidem Erfolg auf die Beine zu stellen. Der Aufwand, der dahingehend investiert werden muss, könnte jedoch deutlich höher sein als in anderen asiatischen Ländern.