Kolumnen

Frota Academy Zürich: Ein Reisebericht

Ein Einblick in die Frota Academy (Fotos: Elias Stefanescu/GNP1.de)

Als jahrelanges GNP1TV-Mitglied habe ich schon einige Länder und Kontinente besuchen dürfen, aber – man mag es kaum glauben – in der Schweiz war ich noch nie. Das änderte sich in der ersten Dezemberwoche dieses Jahres. Über einige Tage war ich in Zürich, zu Besuch bei der neuen „Frota Academy“ von BJJ-Guru Augusto Frota. Das ist mein Erlebnisbericht.

Die größte Stadt der Schweiz ist bekannt für ihre imposante Architektur, einzigartige Kultur und Modegefühl. Zürich versprüht aber auch irgendwie einen eigenen Charme. Als ich die Stadt nach meinem Hotel-Check-In erkunde, wirkt sie auf mich wie eine Mischung aus Ländern wie Frankreich, Deutschland, Österreich, Belgien, Polen, Dänemark und Italien. Das Wetter ist ähnlich wie in Deutschland, kein Schnee, keine Minusgrade – zum Glück! Nachdem ich einige Minuten lang an einigen Kaufhäusern und einem Shotokan-Karate-Dojo vorbeigehe, sehe ich ein großes Crowne Plaza-Hotel.

 Gleich um die Ecke befindet sich die etwas versteckte „Frota Academy“. Von außen blickt man durch große Fensterscheiben auf eine Mattenfläche. Viel mehr sieht man nicht, da ein großes Regal mit Schuhen und Schlappen den weiteren Einblick verhindert. Ich gehe hinein und werde sofort begrüßt.

Hinter der Theke sitzt Alfred Sutter, der nicht nur als Trainer fungiert, sondern auch im Gym für Ordnung sorgt. Der dunkelhäutige, schlanke und lang gewachsene Sportler macht einen gebildeten Eindruck, ist sehr freundlich und spricht obendrein perfekt Deutsch. Wir wechseln allerdings zuerst einige Sätze auf Englisch – bis wir beide lachen müssen. In den Räumen „Frota Academy“ gilt Englisch als Amtssprache, gleich neben Schwyzerdütsch und Portugiesisch. Deutsch ist offenbar auch „in“.

Augusto Frota kommt wenig später dazu, begrüßt mich herzlich und macht sofort Witze. Den 1,71m großen Brasilianer habe ich selten schlecht gelaunt erlebt. So versprüht er auch dieses Mal beste Laune und bietet mir gastfreundlich Getränke und Proteinriegel aus dem Gym an. Bevor ich mich jedoch mit ihm auf die Couch setze, um zu reden, bitte ich um eine Gym-Tour.

Frota erklärt mir, dass die Räumlichkeiten sich über stolze 800 Quadratmeter ziehen. Neben einer großen „BJJ-Area“ mit weißen Tatami-Matten, auf denen sich Grappler ausweiten können, gibt es schräg gegenüber noch einmal genauso viel Platz für MMA-Kämpfer auf einer schwarzen Mattenfläche. Diese wird nicht nur zum MMA-Training, sondern auch zum Kickboxen oder Ringen genutzt. An den Seiten befinden sich Boxsäcke, am Ende der Mattenfläche ein eigener Käfig. An den Wänden befinden sich motivierende Bilder von MMA- und BJJ-Größen, erweitert durch motivierende Zitate. Die beiden Mattenbereiche sind getrennt durch eine Functional-Area, mit zahlreichen Trainingsgeräten, freien Gewichten, Medizinbällen und Resistance Bands.  

Das große „Schuhregal“, das sich über einige Meter erstreckt, und den Einblick von außen vereitelt, ist zwar von der einen Seite für Schuhe gedacht, die draußen gelassen werden müssen, um die Hygiene im Trainingsbereich zu gewährleisten, die Rückseite ist jedoch voller Nutrition-Produkte. Alles von Vitaminen, über Omega-3-Öle, Booster, Proteine, BCAAS, Creatin und Co., was der Sportlerkörper braucht. Darüber die Errungenschaften: Pokale und Prämien en masse. Gleich neben dem Thekenbereich kann man Trainings-Kimonos/Gi’s, Rashguards, Handschuhe etc. bekommen.  

Neben den ausgiebigen Trainingsmöglichkeiten findet man in einem nächsten Raum den Cardio-Bereich, mit Laufbändern, Steppern und Fahrrädern und kommt kurz darauf zu den Umkleidekabinen. Gleich daneben: Das Büro von „Guto“, so Frotas Spitzname. Der Brasilianer spricht mit mir über baldige Pläne – hat 2016 einiges vor – diesbezüglich folgt ein offizielles Interview, in dem ihr auch einen Einblick bekommt. Des Weiteren lässt er mich wissen, wann trainiert wird – über die nächsten Tage verfolge ich das Training, hole ein paar Schnappschüsse und Aufnahmen ein und mache mir ein Bild von der Qualität. Ein Fotoalbum ist hier zu finden: https://www.facebook.com/EliasStefanescu1/posts/946073792135807.

Der 37-Jährige erklärt mir, dass Martin Buschkamp sich derzeit in Brasilien befindet und dort das warme Wetter genießt. Zudem hatte er vor meiner Ankunft Besuch von UFC-Fighter Gilbert Burns, der ein Seminar in den Räumlichkeiten geleitet hat. Bei der Einweihung war es Minotauro Nogueira, der sich die Ehre gab, ebenso wie ADCC-Champion Davi Ramos vor wenigen Wochen.

Vor dem Training stelle ich fest, dass in der Schweiz andere Strom-Stecker/Anschlüsse als in Deutschland benutzt werden. Frota-Schüler Orus instruiert mich, in welchem Geschäft ich fündig werde und auch in Euro bezahlen kann – ideal, so muss ich kein Geld wechseln. Ich mache mich also auf dem Weg. Durch die Beschreibungen finde ich den Laden problemlos, den Adapter allerdings nicht. Ein freundlicher Mitarbeiter hilft mir aus – das Strom-Problem ist somit gelöst.

Wenige Stunden darauf gibt es eine intensive Trainings-Session, geleitet von Stephan Rüegg, der die Frota-Schützlinge von einem Drill zum nächsten jagt. Gut eineinhalb Stunden volle Power, in denen einige Talente auffallen, die das hohe Tempo problemlos mitgehen können. Gutes Training, mit einem kompetenten Coach.

Den Abend lässt Frota mit einem Besuch beim Thailänder ausklingen. Wir sprechen über Eddie Bravo, ein Mann von dem er kein Fan zu sein scheint. „Ich mag sein BJJ nicht“, so der Team Frota-Chef. „Ich finde, es ist nichts Besonderes, ein bisschen viel Show. Er ist aber erfolgreich damit, ich gönne ihm das. Aber es ist nicht zu Vergleichen mit dem BJJ der Gracies.“

Er erklärt mir auch seine Meinung zum Gi und No-Gi-Grappling. Laut Frota sind Duelle mit Gi und nach Punkten viel spannender, als die „Submission Only“-Version. Punkte erkämpfen und Positionen kontrollieren, bringen seiner Meinung nach mehr. „Es ist doch spannend zu sehen, wenn die Zeit abläuft und du weißt, du musst noch etwas tun, sonst verlierst du. Dabei zwingst du den Gegner unter Druck zu arbeiten. Er muss etwas tun. Das ist mitreißend für die Zuschauer. Bei den Submission-Only-Fights sieht man doch, dass sehr viele im Unentschieden enden. Schau dir Metamoris an. Wie viele der Kämpfe haben am Ende keinen Gewinner?“

Am Tag darauf treffen wir uns wieder im Gym. Frota ist ein begehrter Mann, ständig klingelt sein Telefon, er plant so einiges für 2016 – das wird allerdings noch verkündet, wenn es fix ist. Ich muss es vorerst für mich behalten. Mir fällt auf, dass die zahlreichen Titel im Shooto/MMA, BJJ und auch Grappling nicht spurlos am prämierten Schwarzgurt (3. Dan) vorbeigegangen sind. Immer wieder dehnt er seinen Nacken, massiert seine Schulter, benutzt Kühlpacks. Doch eine Pause gibt es für den Workaholic offenbar nicht. „Ich trainiere weiter, ich brauche es“, erklärt er mir. „Das gibt zwar hinterher körperliche Schmerzen, doch es befreit meinen Geist, gibt einen kühlen Kopf – und den brauche ich, besonders wenn ich hier am Laptop sitze.“

Auch einige seiner Schüler sprechen mit mir über Rücken und Wirbelschmerzen, ein bekanntes Problem im intensiven Sport, doch hier wird mit eisernem Willen trainiert. „Die Konkurrenz schläft nicht“, erklärt mir Orus. „Auch wenn der Rücken weh tut, ich muss weitertrainieren, im kommenden Jahr wartet ein großes Turnier.“ Ein Fan von Abkochen ist er nicht, erläutert er darauf. „Wir machen nicht so viel Gewicht wie die Jungs im MMA. Wir steigen am gleichen Tag auf die Waage, an dem wir auch kämpfen. Ich glaube auch, dass das viele Gewicht machen nicht die Gesundheit fördert, also wozu weiter schwächen?“

Frota kümmert sich nach dem Mittagessen um die Autoreparatur eines Teammitglieds, fährt selbst zum Mechaniker (nimmt mich dabei mit), handelt einen besseren Preis aus und fährt dann wieder ins Gym. Es wird deutlich, dass der ehrgeizige Mann an allen Fronten aktiv ist. Kein Wunder, dass er gestresst ist und „Entspannung“ im Training sucht.

Wieder im Gym angekommen, hört man neben den positiv trainingsverrückten Frota-Mitgliedern ein lautes Kinderlachen. Frotas kleiner Sohn benutzt das Gym als Spielplatz, betätigt sich sportlich und albert mit den Kämpfern herum – das solange bis „Papa“ sich blicken lässt. Dann gibt es einen Kuss auf die Wange und der kleine Matheus überlässt dem Maestro die Bühne. Frota gibt das Abendtraining und springt sich trotz körperlichen Beeinträchtigungen ins Haifischbecken mit den „jungen Wilden“.

Mit seinen 37 Jahren bringt der Mann, den die Schüler „Mestre“ nennen, so einige Athleten zum Abklopfen. Über eineinhalb Stunden Vollgas, gibt er jedoch nicht. „Ich muss noch Kraft für das Interview später mit dir haben“, ruft er lachend und atmet durch.

Beim Video-Interview hilft einer seiner polnischen Schüler, MMA-Kämpfer Leszek Dolezal, mit, bis Frota sich kurz umzieht sprechen wir über die Kampfsport-Szene in der Schweiz. Er schwärmt von KSW, hofft, dass der Boom auch hier bald überschwappt. Frota kommt in der Zwischenzeit gut gelaunt zurück und nimmt vor der Kamera kein Blatt vor dem Mund.  

Nach dem Interview erkunden wir die Altstadt, die schon zum Teil weihnachtlich dekoriert ist, und sprechen – wie könnte es anders sein - wieder über Jiu-Jitsu. „Die Technik ist viel intensiver und ausgiebiger mit Gi“, so Frota. „Du hast viel mehr Möglichkeiten. Du kannst deinen Gegner manipulieren, am Gi ziehen, damit würgen, Fallen bauen uvm.“ Man merkt, der Mann lebt den Sport.

Nachdem er mit Hit-FC in Kooperation mit Martijn de Jong eine MMA-Serie ins Leben gerufen hat und mit seiner Akademie BJJ fördert, wird man in den nächsten Monaten und Jahren sicher noch einiges vom sympathischen Brasilianer hören.

Mein Erlebnisbericht endet hier. Aber während ich diese Zeilen schreibe, freue ich mich bereits auf die nächste Reise - wo auch immer sie mich hinführen mag.

Das ausführliche Interview mit Frota folgt in Kürze auf www.GNP1.de. Weitere Infos über die Frota Academy“ bekommt ihr auf der offiziellen Webpräsenz: www.Frota-Team.ch.