Kolumnen

Ein Titel ohne Bedeutung

Am vergangenen Wochenende endete der Strikeforce Heavyweight Grand Prix mit dem Sieg von Daniel Cormier über Josh Barnett. Cormier, der als Ersatzmann für Alistair Overeem ins Turnier gekommen war, krönte sich mit einer dominanten Leistung zum wahrscheinlich letzten Schwergewichtschampion von Strikeforce.

Eine etwas traurige Ehre, wenn man bedenkt, mit wie viel Getöse der Grand Prix begann. Mit Fedor Emelianenko, Alistair Overeem, Josh Barnett, Andrei Arlovski, Antonio Silva, Sergei Kharitonov, Fabricio Werdum und Brett Rogers hatte Strikeforce die vermeintlich besten Schwergewichte außerhalb der UFC unter einen Hut gebracht.

Die Liste ehemaliger PRIDE FC und UFC Champions brachte nicht nur die Fans zu der Aussage, dass der Gewinner des Turniers der beste Schwergewichtskämpfer im MMA sein könnte. Bedenkt man zudem, dass die UFC zur gleichen Zeit von Verletzungen gebeutelt war, hatte man das Gefühl, dass Strikeforce eine tiefer besetzte Schwergewichtsklasse hatte, als die UFC.

Dies änderte sich bekanntermaßen ziemlich schnell. Nicht nur nahm die Niederlage von Fedor Emelianenko in der ersten Runde gegen Antonio Silva dem Turnier ein wenig den Reiz, da fast alle Fans auf einen Halbfinalkampf zwischen Fedor und Overeem gehofft hatten. Auch ein Duell gegen den Mann, der Fedor zum ersten Mal besiegt hatte, Fabricio Werdum, wäre sehr interessant gewesen, was für Silva allerdings keine Rolle spielte. Er dominierte Emelianenko in der zweiten Runde und verunstaltete dessen Gesicht soweit, dass der Arzt Fedor nach der zweiten Runde nicht weiterkämpfen ließ.

Nachdem der erste Favorit gefallen war, verließ der zweite Favorit das Turnier mehr oder weniger freiwillig. Nach einem wenig beeindruckenden Sieg über Werdum in der ersten Runde verließ Overeem Strikeforce und heuerte in der UFC an, was den Platz für Cormier frei machte. Anstatt also Fedor vs. Overeem im Halbfinale zu sehen, kam es zum Aufeinandertreffen des Ersatzmannes Cormier gegen „Big Foot“ Silva, welches Cormier eindrucksvoll in der ersten Runde gewann.

Strikeforce wird zur B-Liga

Dennoch merkte man langsam, dass das Interesse der Fans am Grand Prix schwand. Dies lag zum einen an dem Ausscheiden von Fedor und Overeem und zum anderen daran, dass sich die Kämpfe immer wieder verzögerten. Dazu brachte die Übernahme von Strikeforce durch Zuffa weitere Unruhe ins Geschehen und spätestens nach dem Abgang von Overeem wurde Strikeforce zur B-Liga degradiert, wodurch das Interesse weiter schwand.

In der Zwischenzeit marschierte Josh Barnett locker durch Arlovski und Kharitonov, wovon zu Beginn des Turniers die meisten Beobachter aber auch ausgegangen waren. Zudem war Barnett hauptsächlich den Hardcore-Fans bekannt, während ihn der Gelegenheitszuschauer vor seinen Auftritten im Turnier besonders in den USA kaum gesehen hatte.

Kombiniert man diese Tatsachen mit dem offensichtlichen Desinteresse von Zuffa, Strikeforce weiterhin so stark zu bewerben, wie sie es kurz nach der Übernahme gemacht hatten, dann ist es kaum verwunderlich, dass das Interesse am Finale des Turniers relativ gering war.

Für Cormier ist dies besonders bitter, da der Sieger des Turniers noch einen weiteren Kampf in Strikeforce bestreiten muss, bevor er in die UFC wechseln kann und wahrscheinlich auch wird. Dabei hätte man die Gelegenheit gut nutzen können, den Sieger des Turniers gegen den dann amtierenden UFC-Champion zu stellen. Dazu wird es leider nicht kommen, was in der jetzigen Situation allerdings nur zu verständlich ist, da kaum einer der reinen UFC-Gucker weiß, wer Cormier überhaupt ist.

Während also einige wenige Hardcore-Fans am Wochenende die Geburt eines potenziellen Stars gesehen haben, ist Cormier den meisten Fans noch immer unbekannt und wird dies auch noch eine ganze Zeit lang bleiben.

Die Hoffnung bleibt

Somit haben die Skeptiker, die bereits vor Turnierbeginn behauptet hatten, dass Strikeforce das Turnier niemals so würde durchziehen können, wie die Verantwortlichen es geplant hatten, Recht gehabt. Dennoch muss man sich fragen: „Was wäre, wenn alles so gelaufen wäre, wie Scott Coker es sich vorgestellt hatte?“ Auf jeden Fall hatte er mit der Turnieridee Strikeforce so viel Aufwind verliehen, dass Zuffa es für sinnvoll hielt, den Konkurrenten aufzukaufen.

Und diese Stimmung sollte die UFC zum Anlass nehmen, die Turnieridee nicht vollständig zu begraben, auch wenn der Heavyweight Grand Prix und das UFC-Fliegengewichtsturnier gezeigt haben, was alle schief laufen kann.

Man stelle sich vor, Anderson Silva tritt als ungeschlagener UFC-Champion ab, dann wäre doch ein Turnier zwischen den besten acht Mittelgewichten in der UFC eine perfekte Lösung, um den neuen Champion zu küren.

Ähnliches trifft auf Jon Jones zu, wenn dieser auch seine nächsten Kämpfe im Halbschwergewicht gewinnen und irgendwann ins Schwergewicht wechseln sollte. Bis es soweit ist, dürfen alle Fans darauf hoffen, dass Dana White sich dann daran erinnern wird, was er gedacht hat, als er sich die Frage stellte: „Was wäre, wenn Scott Coker und Strikeforce das wirklich durchziehen...“