Kolumnen

Ein großer Schritt oder leere Versprechung?

Ist es nur eine einmalige Sache oder ist der Wechsel von Frank Mir zu Strikeforce, für seinen Kampf gegen Daniel Cormier,  ein Vorzeichen für das, was noch kommen könnte? Diese Frage haben sich in den letzten Tagen viele Beobachter gestellt, die von der Ankündigung des Titelkampfes zwischen Cormier und Mir überrascht wurden. Schließlich stößt Zuffa damit zum ersten Mal die Tür zu organisationsübergreifenden Kämpfen auf – etwas, worauf viele Fans seit der Übernahme von Strikeforce durch Zuffa gehofft hatten.

Betrachtet man den Kampf allerdings genauer, so ist es zwar eine interessante Marketingmaßnahme, die Strikeforce vielleicht ein paar Zuschauer mehr bringen könnte, aber genau genommen ist es auch keine direkte Bestätigung, dass es solche Kämpfe nun häufiger geben wird. Schließlich hat Strikeforce schon den Großteil seiner Schwergewichte zur UFC geschickt und, egal wie der Titelkampf zwischen Mir und Cormier ausgehen mag, beide Kämpfer werden ihren darauffolgenden Kampf aller Wahrscheinlichkeit nach in der UFC bestreiten.

Etwas Anderes wäre es gewesen, wenn Zuffa einen Kämpfer aus dem Leichtgewicht geholt und gegen Gilbert Melendez in den Strikeforce-Käfig gestellt hätte. So wird Melendez seinen Titel als Nächstes gegen Pat Healey aufs Spiel setzen – ein Duell, das kaum einen Fan von den Sitzen reißen dürfte – während Cormier in seiner ersten Titelverteidigung gegen einen ehemaligen UFC-Champion antreten wird.

Der Vorteil am Kampf zwischen Cormier und Mir ist, dass Mir auf jeden Fall wieder in die UFC zurückkehren wird, was aber wäre, wenn z. B. Gray Maynard zu Strikeforce geht und dort Melendez schlägt und sich den Titel holt. Damit hätte jemand, der es in der UFC in zwei Titelkämpfen nicht geschafft hat, sich den Titel zu holen, in seinem ersten Kampf in Strikeforce den dominanten Champion besiegt und damit ein für allemal bewiesen, dass Strikeforce nur die B-Liga ist.

Würde Melendez seinen Titel dagegen gegen ein aktuelles Top Fünf-Leichtgewicht der UFC verteidigen, würden noch mehr Stimmen nach einem Champion vs. Champion-Duell schreien. Allerdings wird Showtime keinen der Strikeforce-Kämpfer in der UFC kämpfen lassen und die UFC würde ihren Champion sicherlich nicht auf einer Strikeforce-Veranstaltung antreten lassen

Aus der Sicht des Kämpfers betrachtet, unterscheidet sich die Situation von Mir und der jedes anderen UFC-Kämpfers in den anderen Gewichtsklassen dahingehend, dass er ebenfalls weiß, dass dieser Kampf eine einmalige Sache ist. Zudem gibt es für Mir im Moment nach seinem verlorenen Titelkampf in der UFC kein offensichtliches Ziel, weswegen dieser Kampf für ihn durchaus Sinn macht. Schließlich könnte er einen Titel gewinnen und anschließend wieder in der UFC kämpfen.

Betrachtet man das Ganze dagegen aus der Sicht von z. B. Gray Maynard, dann wäre ein Titelgewinn in Strikeforce mehr eine Strafe als ein zu feiernder Sieg. Als Titelträger wäre er wahrscheinlich an Strikeforce gebunden und nicht erst seit den letzten öffentlichen Aufrufen von Strikeforce-Kämpfern nach mehr Kämpfen, Kampf-Boni oder deren öffentlicher Suche nach fehlenden Sponsoren für ihre Kämpfe dürfte jedem klar sein, dass es Kämpfern in Strikeforce nicht nur am Ansehen fehlt, sondern auch am Geld.

Somit dürfte Zuffa vielleicht sogar gewillt sein, den ein oder anderen Kämpfer zu Strikeforce zu schicken, aber welcher Kämpfer würde das freiwillig tun, wenn er wüsste, dass das auf eine dauerhafte Gehaltskürzung hinauslaufen könnte? So lange Zuffa und die Öffentlichkeit also nicht anfangen, Strikeforce- und UFC-Kämpfer gleich zu behandeln, wird Strikeforce das bleiben, was alle in der Organisation sehen – die B-Liga.