Kolumnen

Die Rückkämpfe gehen weiter

Muss der Champion sofort einen Rückkampf bestreiten? (Foto:Mark Bergmann)

Inzwischen ist es offiziell: Frankie Edgar wird seinen Rückkampf gegen Benson Henderson bekommen. Damit kommt es im Leitgewicht zum dritten Mal hintereinander zu einem sofortigen Rückkampf um den Titel, nachdem das Ergebnis des ersten Kampfes zwischen den beiden Kontrahenten etwas umstritten war.

Das ist aber auch gleichbedeutend damit, dass die anderen Herausforderer weiter warten müssen. Im Gegensatz zum letzten Jahr, wo mit WEC Leichtgewichtschampion Anthony Pettis ein eindeutiger Pflichtherausforderer auf den Titel bereits feststand, waren sich Fans und Offizielle derzeit noch nicht sicher, wer denn nun einen Titelkampf verdient hätte: Anthony Pettis oder der Sieger des Kampfes zwischen Jim Miller und Nate Diaz. Somit ist die Lösung, Edgar einen Rückkampf zu geben und den Miller vs. Diaz-Sieger anschließend gegen Pettis antreten zu lassen, um den nächsten Titelherausforderer zu bestimmen, verständlich und möglicherweise sogar richtig. Aber sollen diese Rückkämpfe jetzt zur Norm werden?

Vor dieser Rückkampf-Gala im Leichtgewicht, bekam Mauricio „Shogun“ Rua einen sofortigen Rückkampf gegen Lyoto Machida, nachdem fast jeder den ersten Kampf an Rua gegeben hatte – abgesehen von den Punktrichtern. Eine verständliche Entscheidung. Randy Couture musste zwei Mal zu einem sofortigen Rückkampf antreten. Bei UFC 31 gewann er umstritten gegen Pedro Rizzo nach Punkten, anschließend dominierte er den Brasilianer und gewann bei UFC 34 durch TKO. Zudem endete sein Kampf bei UFC 46 sehr unglücklich, nachdem ein Schlag von Belfort einen Cut am Auge verursachte, aufgrund dessen Couture nach nicht mal einer Minute nicht weiterkämpfen konnte. Auch dies führte, verständlicherweise, zu einem sofortigen Rückkampf, den Couture gewann.

Ansonsten waren sofortige Rückkämpfe in der UFC immer sehr rar gesät und so langsam spürt man auch, warum dies so war. Es ist ja noch verständlich, wenn es einen sofortigen Rückkampf gibt, wenn ein Kampf unentschieden endet, wie Edgar vs. Maynard 2, und auch Edgars Titelgewinn über B.J. Penn war ziemlich umstritten, aber muss jetzt wirklich nach jeder knappen Punktewertung ein zweiter Kampf her?

Sicher war der Fight zwischen Henderson und Edgar unterhaltsam und einige waren mit dem Urteil unzufrieden, aber ist ein 48:47, 49:46 und 49:46 wirklich so knapp, dass es einen sofortigen Rückkampf geben muss? Und wenn man sich dann noch die Bilder am Ende des Kampfes ansieht, als ein zerbeulter Edgar erschöpft neben einem taufrischen Henderson steht, dann stellt sich einem umso mehr die Frage: Warum bekommt er diesen Rückkampf?

Ist es jetzt wirklich erforderlich, dass man seinen Gegner KO schlägt oder zur Aufgabe zwingt? Und nicht mal das scheint ein wirkliches Kriterium zu sein, wenn man bedenkt, dass Chael Sonnen ursprünglich auch einen sofortigen Rückkampf gegen Anderson Silva bekommen sollte, bevor er des Dopings überführt wurde. Ist es nicht egal, wie der Kampf bis dahin gelaufen ist? Sonnen hat abgeklopft, er hat aufgegeben. Wenn er das nicht gemacht hätte, hätte Silva ihm den Arm gebrochen oder er wäre schlafen gegangen. Ist so was eine knappe Niederlage?

Shane Carwin hat mit Brock Lesnar in der ersten Runde ihres Titelkampfes den Boden aufgewischt und sich dabei so müde geschlagen, dass er keine Kondition mehr für die zweite Runde hat. Dort musste er dann aufgeben. Hätte er auch einen Rückkampf bekommen sollen, schließlich hatte er den Champion beinahe besiegt?

Was passiert, wenn Edgar den Rückkampf nach Punkten gewinnt? Kommt es dann zu einem dritten Kampf zwischen ihm und Henderson? Müssen die anderen Kämpfer dann noch länger warten, bis sie ihre Chance auf einen Titel bekommen?

Es wurde immer wieder gesagt, dass George St. Pierre ein langweiliger Champion ist, dem es nur um einen sicheren Sieg geht, bei dem er möglichst wenig Risiken eingeht. Deswegen sehen viele seiner Kämpfe gleich aus. Ist es wirklich so viel interessanter immer wieder Kämpfe zwischen den gleichen Gegnern zu sehen?

Sicherlich kann man nachvollziehen, warum die UFC Edgar seinen Rückkampf gibt, nachdem sowohl Penn als auch Maynard diesen auch bekommen hatten. Dennoch hätte die UFC diesen ständigen Rückkämpfen hier ein Ende setzen und die Gewichtsklasse wieder freigeben sollen. Nun wird jeder Kämpfer, der einen Titelkampf auch nur halbwegs ausgeglichen gestalten konnte, auf seinen Rückkampf pochen und auf dieses Spielchen im Leichtgewicht verweisen. Und mal ehrlich: Wollen wir wirklich noch mehr von diesen ständigen Rückkämpfen sehen?