Kolumnen

Die Nachwehen von UFC 167

Georges St. Pierre verteidigte seinen Titel bei UFC 167 umstritten nach Punkten.

UFC 167, das 20-jährige Jubiläum der UFC, endete in einer kontroversen Punktentscheidung und einem noch verwirrenderen Interview von Weltergewichtschampion Georges St. Pierre. Dazu setzten Tyron Woodley und Rashad Evans ein Ausrufezeichen mit Erstrundensiegen gegen hochangesehene Gegner.

Georges St. Pierre besiegt Johny Hendricks geteilt nach Punkten

Weltergewichtschampion Georges St. Pierre musste bei seiner Titelverteidigung gegen Johny Hendricks viele harte Schläge einstecken und war bereits nach der zweiten Runde schwer gezeichnet. Dazu traf Hendricks GSP in der zweiten Runde mit einigen Treffern, die den Champion ins Wanken brachten, dieser kam jedoch in der dritten Runde zurück und konnte seinerseits einige Treffer landen. Die vierte Runde gehörte dann wieder dem Herausforderer, der GSP zu Boden brachte und ihm dort mit einigen Ellenbogen eine Platzwunde verpasste. Die fünfte Runde konnte dann wieder St. Pierre für sich entscheiden. Für die Punktrichter war die einzige umstrittene Runde die erste Runde, die zwei der Punktrichter an GSP gaben, wodurch dieser den geteilten Punktsieg mit 48:47, 48:47 und 47:48 für sich verbuchen konnte.

Georges St. Pierre

Nach dem Kampf sprach St. Pierre von persönlichen Problemen, aufgrund derer er eine längere Pause einlegen würde. Dies war vor allem für UFC-Präsident Dana White unverständlich, der einen sofortigen Rückkampf gegen Hendricks sehen wollte. Nach einem Gespräch mit GSP sagte White, dass die Probleme des Champions nicht so schwerwiegend seien, wie dieser es im Moment empfinden würde, und dass er seinen Titel innerhalb seines üblichen Zeitrahmens wieder verteidigen würde – und das in einem zweiten Kampf gegen Hendricks.

Johny Hendricks

Sollte GSP seinen Worten Taten folgen lassen und sich für längere Zeit vom MMA verabschieden, dann wäre ein Kampf um den Interimstitel gegen den Sieger des bei UFC on Fox 9 stattfindenden Duells zwischen Carlos Condit und Matt Brown eine interessante Option. Hendricks wird allerdings – genau wie White – auf eine baldige Rückkehr des Champions und eine zweite Chance, um den Titel zu kämpfen, hoffen.

Rashad Evans besiegt Chael Sonnen durch T.K.o.

Das Duell zwischen Rashad Evans und Chael Sonnen verlief relativ einseitig, nachdem Evans die Takedown-Versuche von Sonnen verteidigt hatte, hatte Sonnen nicht mehr viel entgegenzusetzen. Er wurde selbst von Evans zu Boden gebracht, wo dieser ihn mit Ground and Pound bearbeitete, bis der Ringrichter den Kampf abbrach.

Rashad Evans

Evans hat sich mit diesem Sieg in der Top 5 im Halbschwergewicht festgesetzt, steht jetzt allerdings vor der Frage, welcher Gegner für ihn am meisten Sinn in seinem nächsten Kampf macht. Mit Alexander Gustafsson und Glover Teixeira sind die interessantesten Optionen bereits verplant. An einem Rückkampf gegen Dan Henderson dürfte er nach dessen Niederlage gegen Vitor Belfort kein Interesse haben. Deswegen wäre Antonio Rogerio Nogueira, der Mann, der Evans seine letzte Niederlage beigebracht hat, eine mögliche Option für Evans. Dazu wäre Evans ein interessanter Kämpfer, um Daniel Cormier im Halbschwergewicht zu begrüßen.

Chael Sonnen

Dana White hat nach dem Kampf gesagt, dass für Sonnen alle Optionen offen sind. Am sinnvollsten wäre ein Wechsel zurück ins Mittelgewicht, wo er durch sein Ringen immer noch die meisten Gegner vor große Probleme stellen kann. Im Halbschwergewicht sieht er sich dagegen Kämpfern gegenüber, die ihm kräftemäßig überlegen sind und seine Takedown-Versuche wesentlich leichter stoppen. Allerdings steht Sonnen ja bereits als einer der Trainer der nächsten Staffel von The Ultimate Fighter Brazil fest. Ihm gegenüber steht dabei Wanderlei Silva, gegen den Sonnen als Nächstes kämpfen wird.

Robbie Lawler besiegt Rory MacDonald nach Punkten

Der Kampf zwischen Robbie Lawler und Rory MacDonald war in den ersten beiden Runde relativ ausgeglichen. Lawler konnte vor allem in der ersten Runde die härteren Treffer setzen, bei der Anzahl der Treffer lag MacDonald allerdings vorne. Dabei gelang es MacDonald vor allem in der zweiten Runde, Lawler zu neutralisieren und selbst zu punkten. In der dritten Runde drehte Lawler dann auf und schlug MacDonald mit guten Treffern zu Boden. Dort konnte er weitere Treffer landen und sich die Runde sichern. Am Ende waren sich auch hier die Punktrichter uneinig, dennoch ging Lawler nach einem 29:28, 29:28 und 28:29 als verdienter Sieger nach Hause.

Robbie Lawler

Mit MacDonald und Josh Koscheck hat Lawler damit in seinen letzten drei Kämpfen zwei Kämpfer besiegt, die vor dem Kampf gegen ihn hoch in der Top 10 im Weltergewicht gelistet waren. Damit dürfte für ihn demnächst ein Kampf gegen einen weiteren Top-5-Gegner auf dem Programm stehen, Möglichkeiten wären der Sieger des oben schon angesprochenen Kampfes zwischen Condit und Brown oder Jake Shields.

Rory MacDonald

Dana White dürfte nach dem Punkturteil ein Stein vom Herzen gefallen sein, da er von der Leistung von MacDonald wieder nicht beeindruckt war. Nichts war mehr von dem Mann zu sehen, der Nate Diaz durch den Ring geworfen, Mike Pyle in der ersten Runde K.o. geschlagen und BJ Penn über drei Runden verprügelt hat. MacDonald versuchte lediglich, seinen Gegner zu neutralisieren, was ihm in diesem Kampf nicht so gut gelang, wie zuletzt gegen Jake Ellenberger. Vielleicht wird es für MacDonald Zeit, gegen einen Kämpfer außerhalb der Top 10 zu kämpfen, um wieder etwas mehr Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten zu bekommen. Mit Rick Story oder Jason High haben zwei Kämpfer bei UFC 167 bereits bewiesen, dass sie keine leichten Gegner für MacDonald wären, trotzdem wären diese für den Kanadier durchaus schlagbar.

Tyron Woodley besiegt Josh Koscheck durch K.o.

Beide Kämpfer gaben sofort Vollgas und konnten zu Beginn des Kampfes gute Treffer landen, dann übernahm Woodley das Zepter und brachte Koscheck durch einige harte Treffer in Bedrängnis. Koscheck konnte sich kurzzeitig durch Klammern am Boden erholen, wurde dann aber von weiteren harten Treffern im Stand von Woodley ins Land der Träume geschickt.

Tyron Woodley

Ein sehr beeindruckender Sieg für Woodley, der nach einer geteilten Punktniederlage das Jahr mit einem Ausrufezeichen abschließen konnte. Auch wenn Koscheck nicht mehr der Kämpfer ist, der er noch vor einigen Jahren war, ist ein Sieg über ihn immer noch einiges wert. Trotzdem stehen in seinen letzten vier Kämpfen noch zwei Niederlagen gegen Jake Shields und Nate Marquardt, weswegen es fraglich ist, ob er in seinem nächsten Kampf einen Top-10-Gegner bekommt. Allerdings ist das Weltergewicht in der UFC so stark besetzt, dass sich auch außerhalb der Top 10 noch bekannte Namen für Woodley anbieten würden. So wären Dong Hyun Kim und Hector Lombard ebenso interessante Optionen wie Erik Silva oder Mike Pyle.

Josh Koscheck

Für Koscheck war es die dritte Niederlage in Folge, allerdings hat White bereits nach dem Kampf gesagt, dass die UFC ihn nicht entlassen werde. Allerdings habe ihm Koscheck eine SMS geschickt, die sich für White nach Ruhestand angehört hatte. Sollte Koscheck mit 35 Jahren und 25 Kämpfen tatsächlich in den Ruhestand gehen, dürfte ihm das wohl kaum jemand verübeln, wenn allerdings doch noch das Feuer in ihm brennen sollte, wären Kämpfe gegen Mike Pyle oder Patrick Cote interessant.

Ali Bagautinov besiegt Tim Elliott nach Punkten

In einem relativ ausgeglichenen Kampf zwischen Ali Bagautinov und Tim Elliott konnte Bagautinov über drei Runden hinweg die besseren Aktionen landen, auch wenn Elliott immer wieder einige gute Treffer ins Ziel brachte und damit eine der drei Runden auf zwei Punktrichterzetteln für sich entscheiden konnte. Dennoch hieß es am Ende 29:28, 29:28 und 30:27 für Bagautinov.

Ali Bagautinov

Bagautinov ist damit seit zehn Kämpfen ungeschlagen und hat mit Elliott die Nr. 7 der offiziellen UFC-Rangliste im Fliegengewicht besiegt. Da das Fliegengewicht in der UFC immer noch sehr dünn besetzt ist, ist es auch nicht unwahrscheinlich, dass Bagautinov auch in seinem dritten Kampf in der Organisation einen weiteren Top-10-Gegner vorgesetzt bekommt. Mögliche Optionen wären hier Chris Cariaso und Jussier Formiga.

Tim Elliott

Nach seinem Sieg über Louis Gaudinot hatte er sich berechtigte Hoffnungen auf einen Kampf gegen einen Top-5-Gegner im Fliegengewicht gemacht. Durch diese Niederlage rutscht er in der Rangliste erstmal etwas weiter nach hinten, allerdings profitiert auch er davon, dass die UFC im Fliegengewicht noch nicht so viele Kämpfer hat. Deswegen wäre es nicht unwahrscheinlich, dass er in seinem nächsten Kampf auf den Verlierer des bei UFC on Fox 9 stattfindenden Duells zwischen John Moraga und Darren Uyenoyama trifft, und sich damit wieder einem namenhaften Fliegengewicht gegenübersieht.