Kolumnen

Die Nachwehen von UFC 165

Jon Jones und Alexander Gustafsson lieferten sich bei UFC 165 ein denkwürdiges Duell.

Bei UFC 165 lieferten sich Halbschwergewichtschampion Jon Jones und Herausforderer Alexander Gustafsson einen der besten Kämpfe des Jahres. Dazu zeigte Renan Barao, dass er den Interimstitel im Bantamgewicht nicht so leicht hergeben wird, und Khabib Nurmagomedov bewies erneut, warum er immer noch ungeschlagen ist.

Jon Jones besiegt Alexander Gustafsson einstimmig nach Punkten

Für viele Beobachter war es der Kampf des Jahres. Jon Jones und Alexander Gustafsson lieferten sich eine Schlacht über fünf Runden. Dabei sah es zu Beginn der vierten Runde so aus, als ob Gustafsson den Kampf für sich würde entscheiden können. Dann traf Jones, der zu dem Zeitpunkt bereits selbst schwer gezeichnet war, mit einigen harten Ellenbogen, die den Schweden ins Wanken brachten, und drehte damit den Kampf. Am Ende reichte es für einen knappen Punktsieg für Jones, mit dem allerdings nicht alle Zuschauer einverstanden waren.

Jon Jones

Eigentlich sollte Gustafsson nur ein weiterer Zwischenschritt auf dem Weg ins Schwergewicht für Jones sein. So wie es im Moment aussieht, könnte es allerdings zu einem direkten Rückkampf kommen, da viele Beobachter mit dem Punkturteil nicht einverstanden waren. UFC-Präsident Dana White wollte sich nach dem Kampf nicht festlegen, ob es direkt zum zweiten Duell mit dem Schweden kommt, oder ob nicht doch Glover Teixeira – wie versprochen – den nächsten Titelkampf bekommt.

Alexander Gustafsson

Er hatte keine Chance und die hat er (fast) genutzt. Nach dem Kampf hatten viele Experten Gustafsson auf ihren Punktezetteln vorne, weswegen er sich berechtigte Hoffnungen auf einen direkten Rückkampf machen kann. Allerdings wird er, wie Jones auch, sich erstmal von dem Kampf erholen müssen, da beide anschließend sofort ins Krankenhaus gebracht wurden, und nicht, wie sonst üblich, bei der Pressekonferenz anwesend waren. Auch wenn Gustafsson den Kampf nicht gewonnen hat, so hat er sich den Titelkampf im Nachhinein doch verdient. Sollte es nicht zu einem sofortigen Rückkampf gegen Jones kommen, würde ein Rückkampf gegen Phil Davis Sinn machen, auch wenn die UFC dort wahrscheinlich etwas Überzeugungsarbeit leisten müsste, um die beiden Teamkollegen gegeneinander ins Octagon zu bekommen. Wahrscheinlicher wäre in dem Fall ein Kampf gegen den Sieger des bei UFC 167 stattfindenden Duells zwischen Chael Sonnen und Rashad Evans.

Renan Barao besiegt Eddie Wineland durch T.K.o.

In der ersten Runde war der Kampf zwischen Renan Barao und Eddie Wineland noch ausgeglichen. Beide schenkten sich im Stand nichts und konnten einige gute Treffer landen. In der zweiten Runde holte Barao einen Spinning-Back-Kick zum Kopf raus, der Wineland zu Boden schickte. Barao setzte sofort nach und beendete den Kampf mit Ground and Pound.

Renan Barao

Obwohl es inzwischen acht Jahre her ist, dass Barao in seinem Profi-Debüt seine bisher einzige Niederlage im MMA einstecken musste, scheinen ihm viele immer noch nicht den Respekt zu zollen, den er verdient. Dies mag daran liegen, dass bei seinem Titel immer noch das „Interim“ davor steht. Deswegen wird es langsam Zeit, dass diese Vorsilbe endlich entfernt wird – sei es mit einem Titelvereinigungskampf gegen Dominick Cruz oder weil man Barao zum „richtigen“ Champion erklärt wird, nachdem Cruz seinen Titel zuletzt vor über zwei Jahren verteidigt hat. Sollte es nicht zu diesem Kampf kommen, wird es für die UFC auch schon schwierig, einen legitimen Herausforderer zu präsentieren, da Barao die wirklichen Top-Leute in der Gewichtsklasse bereits alle besiegt hat. Wahrscheinlich wäre wohl ein Duell gegen den Sieger des bei UFC Fight Night 29 stattfindenden Kampfes zwischen Raphael Assuncao und T.J. Dillashaw.

Eddie Wineland

Es ist bei Weitem keine Schande, gegen Barao zu verlieren, und da Wineland bereits viele der hinter ihm gelisteten Kämpfer besiegt hat, wird ihn diese Niederlage in der Rangliste nicht weit nach unten rutschen lassen. Für ihn wäre als Nächstes ein Duell mit Ivan Menjivar oder dem Verlierer des oben angesprochenen Kampfes zwischen Assuncao und Dillashaw denkbar.

Brendan Schaub besiegt Matt Mitrione durch Submission

Im Stand verlief der Kampf zwischen Brendan Schaub und Matt Mitrione noch relativ ausgeglichen. Beide Kämpfer konnten einige Treffer landen, wobei die Schläge von Mitrione mehr Wirkung zu hinterlassen schienen. Als Schaub den Kampf jedoch zu Boden brachte, war er Mitrione vollkommen überlegen und schickte seinen Gegner mühelose mit einem D'Arce Choke ins Land der Träume.

Brendan Schaub

Schaub scheint sich langsam im Mittelfeld des Schwergewichts einzupendeln, nachdem er nach seinen Siegen über Gabriel Gonzaga und Mirko „Cro Cop“ Filipovic bereits als Titelkandidat gehandelt wurde. Mit nun mehr zwei Siegen in Folge hat er die beiden K.o.-Niederlagen gegen Antonio Rodrigo Nogueira und Ben Rothwell hinter sich gelassen, und wenn man Dana White glauben kann, dann könnte Schaub bereits in Kürze auf einen weiteren bekannten Namen treffen, da sich ein anderer Kämpfer verletzt haben soll. In diesem Fall hätte Schaub die Möglichkeit auf bekannte Namen wie Frank Mir, Alistair Overeem, Josh Barnett oder Daniel Cormier zu treffen. Ob er gegen diese Kämpfer eine Chance hat, darf jedoch bezweifelt werden.

Matt Mitrione

Nach fünf Siegen in Folge zu Beginn seiner UFC-Karriere sieht es inzwischen Düster für Mitrione aus. Drei Niederlagen in seinen letzten vier Kämpfen, dazu Äußerungen außerhalb des Käfigs, die ihm bereits eine Suspendierung eingebracht haben, sprechen nicht gerade für ihn. Da der UFC-Kader derzeit nicht gerade mit vielen Schwergewichten gespickt ist, könnte Mitrione noch einen Kampf in der UFC bekommen, wahrscheinlich gegen den Verlierer des für UFC Fight Night 33 angesetzten Duells zwischen Pat Barry und Soa Palelei.

Francis Carmont besiegt Costa Philippou einstimmig nach Punkten

In einem relativ einseitigen und wenig ereignisreichen Kampf dominierte Francis Carmont das Geschehen über drei Runden durch sein überlegenes Ringen. Immer wieder brachte er Costa Philippou zu Boden und bearbeitete diesen dort mit leichtem Ground and Pound, was genug war, um den Kampf auf allen drei Punktrichterzetteln eindeutig zu gewinnen.

Francis Carmont

Es war ein deutlicher Sieg für Carmont, allerdings keine Leistung, die ihm viele Fans gebracht haben wird. Er hat in Philippou einen Mann aus der Top 10 besiegt, was für ihn das Wichtigste sein dürfte. Dementsprechend wird er sich in seinem nächsten Kampf gegen einen Kämpfer vom Kaliber eines Tim Boetsch beweisen dürfen, allerdings waren seine Leistungen in seinen vorherigen Kämpfen nicht gut genug, um ihm einen Kampf gegen einen Top-5-Gegner zu sichern. Denkbar wäre auch ein Kampf gegen Thales Leites oder Brad Tavares.

Costa Philippou

Nach seinem Sieg über Tim Boetsch hatten viele Experten Philippou bereits zu einem möglichen Titelanwärter gemacht. Carmont hat ihn bei UFC 165 unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, und ihm gezeigt, dass er an seinem Ringen arbeiten muss, wenn er im Mittelgewicht weiter nach oben klettern will. Sollte die UFC Philippou wieder aufbauen wollen, wird sie ihm einen Standkämpfer wie Tom Watson gegenüberstellen, allerdings könnten sie seine Top-5-Tauglichkeit auch mit einem Kampf gegen Yushin Okami testen.

Khabib Nurmagomedov besiegt Pat Healy einstimmig nach Punkten

Auch das Duell zwischen Khabib Nurmagomedov und Pat Healy verlief relativ einseitig. In der ersten Runde konnte Healy im Stand noch mit Nurmagomedov mithalten, als der Russe sich dann in der zweiten und dritten Runde allerdings immer mehr auf sein Ringen verließ und Healy mehr oder weniger nach Belieben zu Boden brachte, gab es keinen Zweifel mehr an einem klaren Punktsieg für Nurmagomedov.

Khabib Nurmagomedov

Nurmagomedov hat nach dem Kampf einen Titelkampf gefordert, was bei 21 Siegen in 21 Kämpfen nur allzu verständlich ist. Allerdings ist der Titel im Leichtgewicht derzeit ziemlich umkämpft und Nurmagomedov konnte bisher noch keinen Sieg gegen einen Kämpfer aus der Top 5 im Leichtgewicht einfahren. Dementsprechend sollte er in den nächsten beiden Monaten genau aufpassen, wie der Kampf zwischen Gilbert Melendez und Diego Sanchez bei UFC 166 und das Duell zwischen Gray Maynard und Nate Diaz beim TUF-18-Finale ausgehen, da er sich in seinem nächsten Kampf einem der Sieger dieser Kämpfe gegenübersehen könnte.

Pat Healy

Healy hatte mit seiner Leistung gegen Jim Miller gezeigt, dass man ihn nicht unterschätzen sollte, allerdings war Nurmagomedov eine Nummer zu groß für ihn, womit sein Traum von einem Titelkampf fürs Erste zerplatzt ist. Stattdessen könnte er sich in seinem nächsten Kampf gegen den Verlierer des bei UFC Fight Night 30 stattfindenden Duells zwischen Ross Pearson und Melvin Guillard gegenübersehen, aber auch ein Kampf gegen Jamie Varner wäre denkbar.