Kolumnen

Die Nachwehen von UFC 159

Jon Jones dominierte Chael Sonnen bei UFC 159.

Mit UFC 159 hielt die UFC am vergangenen Wochenende eine ihrer bizarrsten Veranstaltungen ab. Zwei Kämpfe des Abends endeten aufgrund eines unbeabsichtigten Stichs ins Auge des Gegners und wenn Halbschwergewichtschampion Jon Jones den vollkommen überforderten Herausforderer Chael Sonnen nicht nach wenigen Minuten nach Hause geschickt hätte, hätte er möglichweise seinen Titel aufgrund einer schlimmen Verletzung an seinem Großen Zeh verloren.

Jon Jones besiegt Chael Sonnen durch T.K.o.

Vor dem Kampf hatten bereits viele Fans und Experten gesagt, dass dieser Kampf sehr einseitig werden würde und genau das war er dann am Ende auch. Jon Jones dominierte Chael Sonnen, der für diesen Kampf aus dem Mittelgewicht ins Halbschwergewicht gewechselt war, auf der Matte und besiegte den Herausforderer mit dessen Taktik. Nachdem Jones seinen Gegner am Boden mit einigen harten Schlägen getroffen hatte, brach der Ringrichter den Kampf bereits nach wenigen Minuten ab. Auch wenn einige Beobachter den Abbruch für zu früh hielten, machte Sonnen nicht den Eindruck, als ob er sich aus der Situation hätte befreien können und gab auch nach dem Kampf zu, dass Jones der eindeutig bessere Kämpfer war.

Jon Jones

Der offizielle Nummer-1-Herausforderer im Halbschwergewicht ist Lyoto Machida, den Jones bereits deutlich besiegt hat und gegen den Jones nach eigenen Aussagen nicht wieder kämpfen möchte. Vielmehr würde sich Jones lieber mit Alexander Gustaffson messen. Da Jones aufgrund seiner Zehenverletzung vorläufig noch ausfallen wird, könnte ein Kampf zwischen Machida und Gustaffson den kommenden Gegner für Jones ermitteln. Außerdem brachte UFC-Präsident Dana White wieder einen möglichen Superkampf gegen Mittelgewichtschampion Anderson Silva ins Spiel. Dieser müsste allerdings erst an Chris Weidman vorbeikommen, bevor es zu ernsthaften Gesprächen in dieser Richtung kommen dürfte.

Chael Sonnen

Bereits vor dem Kampf war immer wieder zu hören, dass Sonnen über einen Rücktritt vom MMA nachgedacht hatte, und nach seiner dritten Niederlage in einem Titelkampf in der UFC scheint diese Option im Moment sehr wahrscheinlich. Sollte dem nicht der Fall sein, wäre es für Sonnen auf jeden Fall sinnvoll wieder ins Mittelgewicht zurückzukehren. Dort ist er für jeden Gegner immer noch eine schwere Herausforderung und könnte als möglicher Gatekeeper Kämpfer auf ihre Titelkampftauglichkeit testen. Dazu hat er immer noch seine Fehde mit brasilianischen Kämpfer laufen, und scheinbar soll Wanderlei Silva einem Duell gegen Sonnen nicht abgeneigt sein.

Michael Bisping besiegt Alan Belcher nach technischem Punkturteil

Der Kampf zwischen Michael Bisping und Alan Belcher wurde nicht zu dem wilden Duell, das viele nach den Wortgefechten vor dem Kampf erwartet hatten. Belcher ließ über drei Runden sein Hände relativ tief hängen und bewies damit zwar, das Bisping nicht die Power in seinen Fäusten hat, um ihn auch mit guten Treffern K.o. zu schlagen, aber damit öffnete er auch die Tür für einen eindeutigen Punktsieg für Bisping. Leider musste der Kampf kurz vor Ende der dritten Runde nach einem unbeabsichtigten Fingerstich von Bisping ins Auge von Belcher abgebrochen werden. Da der Kampf bereits in der dritten Runde war, ging es an die Punktrichter, die alle Bisping vorne sahen - zweimal mit 30:27 und einmal mit 29:28.

Michael Bisping

Für einen Titelkampf scheint es bei Bisping nicht zu reichen, aber gegen Gegner aus der unteren Hälfte der Top 10 kann er dennoch immer wieder Siege einfahren. In einem Kampf gegen den Sieger zwischen Mark Munoz und Tim Boetsch könnte er erneut versuchen, zum Nummer-1-Herausforderer aufzusteigen. Aber auch ein Kampf gegen den Sieger des Duells zwischen Costas Philippou und Ronaldo Souza wäre interessant.

Alan Belcher

Nach zwei Niederlagen in Folge hat sich Belcher erstmal aus den Top 10 verabschiedet und wird sich nun wieder etwas mittelmäßigeren Gegner gegenüber sehen. Möglich wäre hier ein Duell gegen Lorenz Larkin oder den Verlierer des bei UFC on FX 8 stattfindenden Kampfes zwischen Rafael Natal und Chris Carmozzi.

Roy Nelson besiegt Cheick Kongo durch K.o.

Roy Nelson machte kurzen Prozess mit Cheick Kongo. Nach etwas über zwei Minuten in der ersten Runde schickte er seinen wesentlich größeren Gegner mit einer harten rechten zu Boden und ins Land der Träume. Der Ringrichter ging sofort dazwischen und brach den Kampf ab.

Roy Nelson

Im Falle eines Sieges hatte Roy Nelson einen Titelkampf gefordert. Den Kampf wird er wohl nicht bekommen, allerdings hat sich Daniel Cormier bereits auf Twitter zu Wort gemeldet, dass er gerne gegen "Big Country" kämpfen würde. Dieser Kampf würde durchaus Sinn ergeben und könnte Nelson schnell zum neuen Nummer-1-Herausforderer im Schwergewicht machen. Als zweiter möglicher Gegner für Nelson wurde Mark Hunt genannt, allerdings dürfte es wohl nur zu diesem Kampf kommen, wenn Hunt sein Duell mit Junior dos Santos verliert.

Cheick Kongo

Kongo hat in diesem Kampf wieder bewiesen, dass er in der UFC nur zum Mittelmaß im Schwergewicht gehört und seinen Platz als Gatekeeper vor der Top 10 erneut verteidigt. Dementsprechend könnte als Gradmesser für den Verlierer des bei UFC 161 stattfindenden Duells zwischen Stipe Miocic und Soa Paleile dienen. Ein Duell gegen den physisch ebenfalls sehr beeindruckenden Todd Duffee wäre aber auch interessant.

Phil Davis besiegt Vinny Magalhaes nach Punkten

Phil Davis zeigte gegen Vinny Magalhaes eine überzeugende Leistung. Er bestimmte den Kampf im Stand über drei Runden und brachte seinen Gegner vereinzelt zu Boden, nur um sofort wieder aufzustehen. Magalhaes konnte nur in der ersten Runde etwas am Boden arbeiten, als er versuchte, sich den Rücken von Davis zu sichern, was ihm jedoch nicht gelang. Am Ende hieß es verdientermaßen 30:27, 30:27 und 29:28 für Davis auf den Punktrichterzetteln.

Phil Davis

Davis sah im Stand zwar wesentlich besser aus, als in den Kämpfer zuvor, allerdings scheint er immer noch keine Gefahr für Jon Jones darzustellen. Sollte es tatsächlich zu dem Duell zwischen Machida und Gustaffson kommen, wäre Dan Henderson, wenn er bei UFC 161 gegen Rashad Evans gewinnen sollte, sicherlich ein interessanter Prüfstein für Davis, aber auch ein Kampf mit Gegard Mussasi wäre für Davis eine interessante Option.

Vinny Magalhaes

Man soll immer vorsichtig sein, was man sich wünscht. Magalhaes hat sich einen Kampf gegen Davis gewünscht, diesen bekommen und sah über drei Runden relativ hilflos aus. Wenn der BJJ-Experte seinen Gegner nicht zu Boden bekommt, wird es für ihn schwierig, deswegen darf man gespannt sein, welche Art von Kämpfer ihm die UFC als Nächstes gegenüberstellt. Möglich wäre ein Duell mit dem Verlierer des Kampfes zwischen Thiago Silva und Rafael Cavalcante. Weitere mögliche Kandidaten wären Brandon Vera und Krzysztof Soszynski.

Pat Healy besiegt Jim Miller durch Submission

Pat Healy und Jim Miller lieferten sich ein interessantes Duell, das sich im Laufe der Zeit immer mehr zu Gunsten von Healy wendete. Am Ende der ersten Runde sah es noch so aus, als ob Healy von der Ringglocke gerettet wurde, als Miller ihn am Boden mit Ground and Pound bearbeitete, doch bereits in der zweiten Runde setzte Healy immer mehr seinen Kampfstil durch und konnte Miller schließlich in der dritten Runde mit einem Rear-naked Choke schlafen schicken.

Pat Healy

Healy stand in Strikeforce bereits kurz vor einem Titelkampf, als der Champion Gilbert Melendez den Kampf verletzungsbedingt absagen musste. Durch seinen Sieg über eines der besten Leichtgewichte in der UFC und nunmehr acht Siegen in Folge hat er sich selbst einen Platz in den Top 10 gesichert. Damit wäre es eigentlich nur passend, wenn die UFC Healy nun den geplanten Kampf gegen Melendez geben würde, um zu sehen, ob Healy bereit für einen Titelkampf ist. Ein weitere Möglichkeit wäre ein Kampf gegen Josh Thomson, der Healy 2010 seine letzte Niederlage zugefügt hat.

Jim Miller

Für viele ist Miller immer noch eines der besten zehn Leichtgewichte in der UFC, aber mit drei Niederlagen in seinen letzten fünf Kämpfen ist er so weit von einem Titelkampf entfernt, wie schon lange nicht mehr. Diese drei Niederlagen kamen allerdings allesamt gegen Kämpfer, die ihm körperlich überlegen waren, weswegen immer mehr Rufe laut werden, die einen Wechsel von Miller ins Federgewicht fordern. Miller hat sich dazu noch nicht geäußert. Sollte er im Leichtgewicht bleiben, wäre als Nächstes ein Kampf gegen den Verlierer des bei UFC 160 stattfindenden Duells zwischen Donald Cerrone und K.J. Noons eine Möglichkeit. Allerdings wäre Miller auch ein interessanter Prüfstein für den bisher noch ungeschlagenen Khabib Nurmagomedov.