Kolumnen

Die Nachwehen von UFC 156

Jose Aldo konnte seinen Titel bei UFC 156 erfolgreich verteidigen.

UFC 156 lieferte unter den Hauptkämpfen viele Punkturteile, was man allerdings nicht mit langweiligen Kämpfen verwechseln sollte. Jose Aldo verteidigte seinen Federgewichtstitel in einem unterhaltsamen Kampf gegen Frankie Edgar. Demian Maia „fitchte“ Jon Fitch und Antonio Rogerio Nogueira und Antonio Silva sorgten in ihren Kämpfen gegen Rashad Evans und Alistair Overeem für Überraschungen.

Jose Aldo besiegt Frankie Edgar nach Punkten

In einem ziemlich ausgeglichenen Titelkampf im Federgewicht bestimmte Champion Jose Aldo das Geschehen über die ersten beiden Runden im Stand. Er hielt Frankie Edgar mit guten Jabs und Leg-Kicks von sich fern und konnte auch die Takedowns von Edgar verteidigen. In der dritten Runde wendete sich dann das Blatt. Nachdem Edgar ihn nach einem Leg-Kick zu Boden gebracht hatte, verzichtete Aldo auf diese Technik und schien zudem langsamer zu werden. Edgar nutzte dies und konnte die letzten beiden Runden für sich entscheiden – wenigstens in den Augen der meisten Zuschauer. Die Punktrichter werteten den Kampf 49:46, 49:46 und 48:47 für den alten und neuen Champion: Jose Aldo.

Jose Aldo

Aldo gab nach dem Kampf zu, dass es ihm nicht leicht fällt, das Gewichtslimit des Federgewichts einzuhalten. Dennoch will er die Gewichtsklasse nicht wechseln und wartet nun darauf, wen die UFC als nächsten Herausforderer für ihn aus dem Hut zaubert. Anthony Pettis soll Interesse bekundet haben, die Gewichtsklasse zu wechseln und gegen Aldo zu kämpfen. Zudem hat Ricardo Lamas alle zuletzt als Nummer-1-Herausforderer gehandelten Gegner besiegt und dürfte demnach eigentlich selbst einen Titelkampf verdient haben.

Frankie Edgar

Gleich nach dem Kampf sagte UFC-Präsident Dana White, dass Edgar im Federgewicht bleiben würde, wie es allerdings genau mit ihm weitergehen wird, konnte auch er nicht sagen. Für einen sofortigen Rückkampf dürfte es nicht reichen. Edgar selbst sagte zudem, dass er nach diesem Kampf erstmal in Ruhe nachdenken müsste, wie es nun weitergeht, schließlich musste er nun drei Niederlagen in Titelkämpfen hintereinander einstecken. Für die Fans bleibt nur zu hoffen, dass Edgar einen weiteren Anlauf startet und welchen Weg könnte er aus deutscher Sicht besser dafür nehmen, als ein Duell mit Dennis Siver bei der nächsten UFC-Veranstaltung in Deutschland

Antonio Rogerio Nogueira besiegt Rashad Evans nach Punkten

In dem ereignislosesten Hauptkampf des Abends lieferten Antonio Rogerio Nogueira und Rashad Evans ein Duell im Stand, das zum größten Teil daraus bestand, die Hand des anderen zu berühren, ohne jedoch zu schlagen. Evans gelang es nur in der ersten Runde, Nogueira kurz zu Boden zu bringen. Anschließend verzichtete er größtenteils auf Takedown-Versuche. Im Stand konnte Evans in der ersten Runde die besseren Treffer landen, während Nogueira in der zweiten und dritten Runde die Nase vorne hatte. Dementsprechend hieß es am Ende auf allen Punktrichterzetteln auch 29:28 für Nogueira.

Antonio Rogerio Nogueira

Nogueira war eigentlich schon abgeschrieben und wurde kaum noch mit den besten Kämpfern im Halbschwergewicht in einem Atemzug genannt. Nach dem Sieg über Evans, den GroundandPound vor diesem Kampf als die Nummer 3 in der Gewichtsklasse hatte, dürfte er allerdings wieder in die Top 10 vorrücken. Ein Rückkampf gegen Ryan Bader könnte zeigen, ob Nogueira in der Gewichtsklasse tatsächlich noch nach dem Titel greifen kann. Aber auch ein Duell mit Forrest Griffin könnte interessant werden.

Rashad Evans

Mit einem Sieg über Nogueira hätte Evans vielleicht einen Titelkampf im Mittelgewicht gegen Anderson Silva bekommen. Die dadurch entstandenen Diskussionen hat Evans der UFC mit dieser Niederlage erspart. In einem Kampf gegen Mauricio „Shogun“ Rua könnte er zeigen, dass man ihn jedoch noch nicht abschreiben soll. Sollte er tatsächlich ernsthaft darüber nachdenken, im Mittelgewicht gegen Silva zu kämpfen, wäre dies zudem die perfekte Gelegenheit, die Gewichtsklasse zu wechseln und sich mit einem Sieg über Mark Munoz oder Vitor Belfort sofort als Titelanwärter zu etablieren.

Antonio Silva besiegt Alistair Overeem durch T.K.o.

In den ersten beiden Runden lief für Alistair Overeem alles nach Plan. Er bestimmte das Duell mit Antonio Silva im Kampf, wich den Schlägen des Brasilianers immer wieder gekonnt aus und konnte Silva in der zweiten Runde zu Boden bringen und dort mit Ground and Pound bearbeiten. In der dritten Runde kassierte er dann allerdings die Quittung dafür, dass er seine Hände den ganzen Kampf über weit unten hielt. Silva kam mit einigen harten Schlägen zu Kopf durch und schlug schließlich so lange auf den Holländer ein, bis dieser zu Boden ging und der Ringrichter den Kampf abbrach.

Antonio Silva

Ein sehr überraschender Sieg für Silva, mit dem vorher kaum jemand gerechnet hatte. Während man Overeem im Falle einiges Sieges einen Titelkampf versprochen hatte, dürfte es der UFC schwerfallen, Silva einen Titelkampf gegen Cain Velasquez zu geben, da dieser ihn in seinem letzten Kampf dominiert und in der ersten Runde nach Hause geschickt hat. Eine Möglichkeit wäre ein Duell mit Josh Barnett, falls dieser sich mit der UFC auf einen Vertrag einigen kann. Aber auch der Sieger des Duells zwischen Fabricio Werdum und Antonio Rodrigo Nogueira wäre eine interessante Option.

Alistair Overeem

Wie sein Teamkollege Evans hat Overeem an diesem Abend einen Titelkampf durch eine scheinbar überhebliche Einstellung verspielt. Für die UFC ergibt sich damit allerdings die Möglichkeit, das für letztes Jahr geplante Duell mit Junior Dos Santos auf die Beine zu stellen. Sollte es nicht dazu kommen, bestünd e noch die Möglichkeit, Overeem mit einem Duell gegen Frank Mir wieder zum Titelkandidaten aufzubauen.

Demian Maia besiegt Jon Fitch nach Punkten

In einer sehr dominanten Leistung, die so kaum einer erwartet hatte, besiegte Demian Maia Jon Fitch einstimmig nach Punkten. Der mehrfache BJJ-Weltmeister dominierte Fitch am Boden und konnte sich in jeder der drei Runden den Rücken von Fitch sichern und die Position halten. Zwar gelang es ihm nicht, Fitch zur Aufgabe zu zwingen, aber an einem eindeutigen 30:27 Punktsieg ließ er keinen Zweifel.

Demian Maia

Eine sehr beeindruckende Leistung von Maia, die ihn sehr weit nach vorne in der Rangliste katapultiert hat. Bevor aber der nächste Gegner von Maia bekannt gegeben wird, wird die UFC den im März stattfindenden Event UFC 158 abwarten, bei dem sechs der besten Weltergewichte in der UFC gegeneinander kämpfen werden. Danach wird sich entscheiden, ob Maia als Nächstes gegen Johny Hendricks, Jake Ellenberger, Carlos Condit, Rory McDonald, Georges St. Pierre oder Nick Diaz antritt.

Jon Fitch

Fitch wurde „gefitcht“, das war die allgemeine Meinung nach dem Kampf. So wie Fitch normalerweise seine Gegner am Boden dominiert, wurde er in diesem Kampf dominiert. Ein weiterer Rückschlag für Fitch, der seit 2011 nur einen Sieg in der UFC vorweisen kann. Dabei verschwindet die ehemalige Dauer-Nummer-2 im Weltergewicht immer mehr aus dem Titelrennen, allerdings ist er immer noch ein schwieriger Gegner, der jedem aufstrebenden Talent den Weg nach oben verbauen kann. Deswegen sollte die UFC vorsichtig sein, gegen wen sie Fitch als Nächstes in den Käfig schickt. Einer der Verlierer der oben genannten Duelle zwischen Johny Hendricks gegen Jake Ellenberger und Carlos Condit gegen Rory McDonald wären Möglichkeiten, aber auch ein Kampf gegen Martin Kampmann wäre vorstellbar.

Joseph Benavidez besiegt Ian McCall nach Punkten

Der Kampf zwischen Joseph Banevidez und Ian McCall fand hauptsächlich im Stand statt. Dabei konnten beide Kämpfer gut Treffer landen. Zum Ende der zweiten Runde gelang McCall zudem ein Takedown und gutes Groud and Pound, womit er die Runde klar gewann. In der ersten und dritten Runde konnte Benavidez allerdings die besseren Treffer landen und gewann dementsprechend verdient auf allen drei Punktrichterzetteln mit 29:28.

Joseph Benavidez

Nach seiner knappen Punktniederlage im Titelkampf mit Demetrious Johnson haben viele Fans damit gerechnet, dass Benavidez nach einem Sieg gegen McCall einen weiteren Titelkampf bekommt. Benavidez selbst würde vorher lieber noch einen weiteren Kampf bestreiten. Möglich wäre in diesem Fall in Kampf gegen einen wieder genesenen Louis Gaudinot oder John Lineker. Allerdings könnten die Fans am Ende durchaus rechten behalten, da es aufgrund der wenigen möglichen Titelkandidaten im Fliegengewicht durchaus zu einem weiteren Titelkampf für Benavidez kommen könnte.

Ian McCall

Vor der Einführung des Fliegengewichts in der UFC galt McCall als die Nummer 1 in der Gewichtsklasse. Nun musste er Niederlagen gegen Benavidez und Johnson einstecken und wird einige Siege brauchen, um einen Titelkampf zu bekommen. Ein guter Schritt wäre da ein Duell mit John Dodson oder Jussier da Silva.