Kolumnen

Die Nachwehen von UFC 153

Anderson Silva dominierte Stephan Bonnar bei UFC 153

Bei UFC 153 boten die Kämpfer ihren brasilianischen Fans wieder eine richtig gute Show. Besonders die Hauptkämpfe lieferten gute Unterhaltung, was nicht nur an den exzellenten Auftritten der Zuschauerlieblinge Anderson Silva, Antonio Rodrigo Nogueira, Glover Teixeira und Demian Maia lag. Erick Silva und Jon Fitch lieferten den Kampf des Abends ab und Phil Davis wusste die Fans mit einem beeindruckenden Submission-Sieg zu begeistern.

Anderson Silva besiegt Stephan Bonnar durch TKO

Anderson Silva zeigte eine ähnlich dominante Vorstellung, wie die meisten Fans und Experten es erwartet hatten. Nach einem kleinen Stolperer zu Beginn der ersten Runde verteidigte er die Takedowns von Bonnar und machte sich anschließend einen Spaß daraus, sich ohne Deckung gegen den Käfig zu stellen und den Schlägen von Bonnar auszuweichen. Kurz vor Ende der ersten Runde entschied Silva, dass es Zeit war, den Kampf zu beenden, und schickte Bonnar mir einem Knie zum Körper zu Boden. Weitere Schläge folgten, bis der Ringrichter das Schauspiel abbrach.

Anderson Silva

Am Wochenende zeigte Silva wieder, zu was er im Stande ist, wenn man ihm einen Gegner gegenüberstellt, der nicht mal annähernd auf seinem Niveau ist. Für seinen nächsten Kampf sollte er allerdings wieder eine richtige Herausforderung bekommen, damit seine Kämpfe nicht zu reinen Showauftritten verkommen.

Im Mittelgewicht wäre die aktuell wohl größte Gefahr für seinen Titel Chris Weidman, gegen den Silva allerdings nicht kämpfen möchte, da dieser ihm nicht bekannt genug ist. Einen Super-Fight gegen Jon Jones möchte er allerdings auch nicht, auch wenn das der Kampf ist, den fast die ganze MMA-Welt sehen will, u. a. auch UFC-Präsident Dana White, der noch immer der Meinung ist, dass er den Kampf mit genügend Geld auf die Beine stellen kann.

Silva selbst würde allerdings lieber gegen Georges St. Pierre kämpfen, dieser muss nach einer langen Verletzungspause bei UFC 154 allerdings zunächst an Carlos Condit vorbeikommen, was keine einfache Aufgabe ist. Dazu war GSP von dem Kampf genauso wenig begeistert wie Silva von einem Kampf gegen Jones, wahrscheinlich aus dem einfachen Grund, dass die körperlichen Vorteile des schwereren Kämpfers in diesen Kämpfen einfach zu viel Gewicht haben würden. Deswegen wäre es keine all zu große Überraschung, wenn Silva in seinem nächsten Kampf gegen Michael Bisping in den Käfig steigen würde.

Stephan Bonnar

Bonnar war vor dem Kampf eigentlich schon im Ruhestand, und es ist nicht unwahrscheinlich, dass dies der letzte Kampf von Bonnar gewesen ist. Sollte er nicht so abtreten wollen, dann könnte die UFC den Kreis schließen und ihn und Forrest Griffin als Trainer für eine der kommenden The Ultimate Fighter Staffeln buchen. Das Duell der beiden Trainer am Ende der Staffel könnte dann der letzte Kampf für beide Kämpfer sein.

Antonio Rodrigo Nogueira besiegt Dave Herman durch Submission

Dave Herman lieferte eine merkwürdige Vorstellung gegen Antonio Rodrigo Nogueira ab. Zunächst war Herman aktiv und brachte den Brasilianer zu Beginn der ersten Runde sogar zu Boden. Anschließend beschränkte er sich jedoch darauf, die Takedown- und Submission-Versuche von Nogueira abzuwehren und seine Führhand vor dessen Nase zu halten. Das führte zu einem Niederschlag in der zweiten Runde und nach einigen gescheiterten Submission-Versuchen schließlich zur Aufgabe von Herman in einem Armbar.

Antonio Rodrigo Nogueira

Man konnte sehen, dass Nogueira in diesem Kampf unbedingt den Submission-Sieg wollte, allerdings sah er dabei nicht so gut aus, wie es sich viele seiner Fans vorher erhofft hatten – obwohl er den Bonus für die Submission of the Night bekam. Somit dürfte sich die Frage nach einem weiteren Titelkampf in näherer Zukunft gar nicht stellen. Nogueira ist in einer Phase in seiner Karriere, in der er mit den Junior Dos Santos, Cain Velasquez und Alistair Overeems dieser Welt nicht mehr mithalten kann, deswegen stellt sich nun die Frage, wie die UFC weiter mit ihrem ehemaligen Champion verfahren wird. Wahrscheinlich wäre da ein Kampf gegen Cheick Kongo, gegen den Nogueira bereits bei UFC 149 antreten sollte. Dazu wäre ein Kampf gegen BJJ-Schwarzgurt Gabrial Gonzaga eine interessante und lösbare Aufgabe. Sollte die UFC es tatsächlich nochmal versuchen, Nogueira in Richtung Titelkampf zu pushen, dann könnte er sich in seinem nächsten Kampf auch Antonio Silva oder dem Sieger des TUF-Duells zwischen Roy Nelson und Shane Carwin gegenübersehen.

Dave Herman

Nach drei vorzeitigen und wenig beeindruckenden Niederlagen in Folge, gibt es wenig Gründe für die UFC, Herman weiterhin im Kader zu behalten, weswegen man davon ausgehen kann, dass dieser seinen nächsten Kampf in einer anderen Organisation bestreiten wird.

Glover Teixeira besiegt Fabio Maldonado durch TKO

Glover Teixeira dominierte Fabio Maldonado den kompletten Kampf über. Er brachte seinen Gegner in der ersten Runde zu Boden, bearbeitete ihn dort mit Ground and Pound, suchte nach Submissions und traf ihn auch im Stand immer wieder hart. Als Maldonado nur noch durch den Käfig schwankte und viele Zuschauer auf den Abbruch warteten, traf dieser den unvorsichtigen Teixeira mit einer harten Linken, die diesen kurz vor Ende der ersten Runde ins Wanken brachte. In der zweiten Runde zeigte sich das gleiche Bild, weswegen die Zuschauer auch hier immer wieder auf den Kampfabbruch warteten. Dieser kam allerdings erst nach dem Ende der Runde, als der Ringarzt Maldonado vor weiterem Schaden schützte.

Glover Teixeira

Teixeira bewies eindrucksvoll, dass der Hype um ihn gerechtfertigt ist, allerdings muss er erst noch gegen einen etablierten Gegner zeigen, dass er auch wirklich mit der Spitze der Gewichtsklasse mithalten kann. Quinton „Rampage“ Jackson wäre da eine interessante Option, besonders weil die UFC diesem keinen einfachen Gegner in seinem letzten Kampf geben will und Jackson am Sonntag selbst den Kampf gegen Texeira forderte. Sollte es nicht zu diesem Kampf kommen, dann wäre sicherlich auch Phil Davis ein interessanter Prüfstein für Teixeira.

Fabio Maldonado

UFC-Präsident Dana White sagte bereits nach dem Kampf, dass die UFC Maldonado trotz drei Niederlagen in Folge nicht entlassen werde. Allerdings kann man davon ausgehen, dass es für ihn in seinem nächsten Kampf wieder einen Gegner aus den unteren Rängen der Gewichtsklasse geben wird. Wagner Prado wäre da eine logische Möglichkeit, aber auch ein Duell mit dem Verlierer des für UFC 154 angesetzten Kampfes zwischen Cyrille Diabaté und Chad Griggs würde sicherlich für viel Unterhaltung sorgen.

Jon Fitch besiegt Erik Silva einstimmig nach Punkten

Zwischen Jon Fitch und Erick Silva entwickelte sich ein sehr abwechslungsreicher Kampf, in dem Fitch in der ersten Runde die Nase leicht vorne hatte. Er musste zwar einige Treffer von Silva einstecken, konnte aber durch sein Ringen einen Großteil der Runde bestimmen. In der zweiten Runde dominierte Silva im Stand und am Boden. Mitte der Runde gelang es Silva, einen Rear-Naked Choke anzusetzen, in dem viele Kämpfer aufgegeben hätten. Fitch konnte sich befreien und dominierte die dritte Runde gegen einen erschöpften Silva mit starkem Ground and Pound, dennoch gelang es ihm nicht, den Brasilianer vorzeitig zu besiegen. Für einen Punktsieg mit 29:28 auf allen Punktrichterzetteln reichte es allerdings.

Jon Fitch

Obwohl Erick Silva als leichter Favorit in den Kampf gegangen war, sahen viele Experten Jon Fitch in diesem Duell vorne. Was aber wohl kaum einer erwartet hatte, war, dass beide Kämpfer den Bonus für den Kampf des Abends bekommen würden, wenn Fitch den Kampf nach Punkten gewinnt. Dana White sagte nach dem Event, dass es für Fitch schwer werden würde, einen Titelkampf gegen Georges St. Pierre zu bekommen, da der erste Kampf sehr einseitig war, sollte Carlos Condit den Champion allerdings besiegen, würden die Karten neu gemischt. Sollte es nicht für einen Titelkampf reichen, wartet Demian Maia auf eine neue Herausforderung im Weltergewicht, aber auch ein Duell mit Jake Ellenberger würde zeigen, welcher der beiden Kämpfer im Moment eher einen Titelkampf verdient hätte.

Erick Silva

Für viele Experten ist Fitch immer noch die Nummer Zwei im Weltergewicht, weswegen es keine Schande ist, gegen ihn zu verlieren. Dennoch dürfte Silva die Art, wie Fitch ihn in der dritten Runde dominiert hat, zu denken geben. Er hatte in seinem letzten Kampf gegen Charlie Brenneman gezeigt, dass er mit guten Ringern umgehen kann, was im ringerlastigen Weltergewicht sehr wichtig ist. Dennoch ist es gut vorstellbar, dass Silva es in seinem nächsten Kampf zunächst wieder mit einem Standkämpfer zu tun bekommen wird. Vorstellbar wäre hier Siyar Bahadurzada, gegen den Silva ursprünglich bereits bei UFC 142 antreten sollte. Sollte die UFC ihn weiterhin gegen etablierte Kämpfer testen wollen, wäre auch ein Duell gegen den Verlierer des für UFC 154 angesetzten Duells zwischen Johny Hendricks und Martin Kampmann eine sehr interessante Paarung.

Phil Davis besiegt Wagner Prado durch Submission

Phil Davis brauchte etwas Zeit, um sich im Octagon wohlzufühlen. Als er nach zwei Minuten seinen Rhythmus gefunden hatte, brachte er Wagner Prado immer wieder zu Boden. Als Prado nach dem zweiten Takedown in der zweiten Runde wieder auf die Beine kam, schnappte sich Davis den Hals von Prado und zwang ihn mit einem Anaconda-Choke zur Aufgabe.

Phil Davis

Viele Fans und Experten wollen Davis gegen Jon Jones kämpfen sehen. Dieser Kampf käme zu diesem Zeitpunkt allerdings etwas zu früh für Davis. Im Stand ist er noch nicht so weit, dass er mit dem Champion mithalten könnte, weswegen er zunächst noch zwei bis drei Siege gegen hochkarätige Gegner einfahren sollte. Hier würde sich natürlich Teilxeira als Prüfstein anbieten. Dazu würde der Sieger des Duells zwischen Forrest Griffin und Chael Sonnen nicht nur eine interessante Herausforderung für Davis darstellen, sondern ihn auch wieder etwas mehr ins Rampenlicht rücken, wodurch er beweisen könnte, dass er dem Druck standhalten kann.

Wagner Prado

Die erste Niederlage für Prado wird sicherlich schmerzen, allerdings ist Davis ein Mann, gegen den man durchaus verlieren kann. Da die UFC an Fabio Maldonado festhalten wird, würde dieser sich mit Prado sicherlich einen interessanten Standkampf liefern, in dem Prado seine Qualitäten unter Beweis stellen kann, ohne sich all zu große Gedanken über mögliche Takedowns machen zu müssen. Ein ähnlich interessanter Kampf würde wohl auch bei einem Duell mit dem Verlierer des Kampfes zwischen Thiago Silva und Stanislav Nedkov, die bei UFC: Macao aufeinandertreffen werden, herauskommen.

Demian Maia besiegt Rick Story durch Submission

Demian Maia machte dort weiter, wo er in seinem letzten Kampf aufgehört hatte. Er suchte sofort den Takedown und klebte an seinem Gegner, bis er diesen am Boden hatte. Maia suchte den Rear-Naked Choke, als dieser nicht funktionierte, wechselte er zu einem Neck Crank, und nachdem das Blut aus der Nase von Rick Story kam, gab dieser nach 2:30 Minuten schließlich auf.

Demian Maia

Ein sehr wichtiger und dominanter Sieg für Maia, bei dem er gezeigt hat, dass er doch noch nicht vergessen hat, was ihn zu Beginn seiner UFC-Karriere zu einem so gefürchteten Gegner gemacht hat. Damit dürfte für den BJJ-Schwarzgurt im nächsten Kampf ein Top-10-Kämpfer auf ihn warten. Zeitlich passen würde natürlich Jon Fitch, aber auch für den vor einer Woche siegreichen Jake Ellenberger hat die UFC noch keinen neuen Gegner. Sollten die Verantwortlichen noch ein wenig davor zurückscheuen, Maia gegen einen starken Ringer in den Käfig zu stellen, dann wäre es auch möglich, dass sie einen Rückkampf zwischen ihm und Dong Hyun Kim ansetzen, wenn dieser am 10. November Paulo Thiago besiegen sollte.

Rick Story

Nachdem Story sich mit zwei Siegen über Johny Hendricks und Thiago Alves in die Top 10 der Gewichtsklasse katapultiert hatte, setzte es zuletzt drei Niederlagen in seinen letzten vier Kämpfen. Damit geht es für Story in seinem nächsten Kampf um den Verbleib in der UFC. Sollte Thiago seinen Kampf gegen Kim verlieren und anschließend nicht entlassen werden, wäre das ein sinnvolles Duell, um zu beweisen, welcher der beiden Kämpfer weiterhin einen Platz in der Organisation verdient hat. An einem ähnlichen Punkt in seiner UFC-Karriere steht auch Amir Sadollah, weswegen ein Kampf gegen den TUF-7-Gewinner ebenfalls Sinn machen würde.