Kolumnen

Die Nachwehen von UFC 150

Benson Henderson besiegte Frankie Edgar bei UFC 150 nach Punkten.

UFC 150 bot vielleicht nicht die großen Namen, die man sich für so ein Jubiläum vorstellen könnte, dafür lieferten die Kämpfer, die am Wochenende in den Käfig stiegen, einige sehr unterhaltsame Kämpfe ab. Benson Henderson verteidigte nach einem weiteren Fünf-Runden-Duell mit Frankie Edgar seinen Leichtgewichtstitel und Donald Cerrone und Melvin Guillard brauchten nicht mal zwei Minuten, um sich den Bonus für Kampf des Abends zu verdienen. Dazu war Jake Shields bei seiner Rückkehr ins Mittelgewicht ebenso erfolgreich wie Yushin Okami.

Benson Henderson besiegt Frankie Edgar nach Punkten

Die einzigen beiden Runden, in denen die Meinungen der Zuschauer, der Experten und der Punktrichter größtenteils übereinstimmten, waren die ersten beiden Runden. Die erste Runde ging durch sehr gute Legkicks und einen Guillotine Choke zum Ende der Runde an Benson Henderson. In der zweiten Runde schickte Edgar den Champion mit einer Rechten zu Boden und bestimmte den Großteil der Runde, weswegen diese an den ehemaligen Champion ging. Bei den letzten drei Runden, die allesamt relativ ausgeglichen waren und fast ausschließlich im Stand stattfanden, gingen die Meinungen der Punktrichter, Zuschauer und Experten auseinander. Ein Punktrichter gab alle Runden an Edgar, während zwei die Runden drei und vier an Henderson gaben, womit dieser schließlich seinen Titel mit 48:47, 48:47 und 46:49 geteilt nach Punkten verteidigte.

Benson Henderson

Auch wenn es wieder ein enger Kampf war und das Ergebnis wieder umstritten war, so steht es nach zwei Kämpfen gegen Edgar 2:0 für den ehemaligen WEC- und amtierenden UFC-Leichtgewichtschampion. Damit wird es Zeit für einen neuen Namen im Titelgeschehen und dieser war bereits vor UFC 150 bekanntgegeben worden: Henderson wird seinen Titel als Nächstes gegen Nate Diaz aufs Spiel setzen müssen.

Frankie Edgar

Wie nach dem ersten Kampf sah Edgar sich als Sieger, dennoch reichte es wieder nicht für ihn. Somit wird sich Edgar nun die Frage stellen müssen, ob er Dana Whites Wünschen nachgibt und doch ins Federgewicht geht, oder ob er einen weiteren Anlauf auf den Leichtgewichtstitel unternimmt. Im Falle eines Wechsels der Gewichtsklasse müsste sich Edgar allerdings mit den Gedanken anfreunden, dass er wohl keinen sofortigen Titelkampf bekommen würde. Dafür dürfte ihm aber ein Hochkaräter wie z. B. Chad Mendes gewiss sein. Sollte er im Leichtgewicht bleiben, wäre ein Duell mit Clay Guida sicherlich interessant. Zudem wäre er nun ein sehr interessanter Kandidat für einen Kampf gegen Strikeforce Champion Gilbert Melendez, wenn Zuffa weitere Kämpfer von der UFC nach Strikeforce schicken sollte.

Donald Cerrone besiegt Melvin Guillard durch KO

Es kommt nicht häufig vor, dass ein Kampf, der nicht mal zwei Minuten dauert, den Bonus für den Kampf des Abends bekommt. Daran kann man also schon sehen, wie abwechslungsreich die 76 Sekunden, die dieses Duell dauerte, waren. Kurz nach Beginn der Runde traf Melvin Guillard Donald Cerrone mit einem guten linken Haken, der diesen kurz zu Boden schickte. Guillard setzte nach, konnte den Kampf aber nicht beenden. Stattdessen fing er sich einen Headkick von Cerrone ein, der ihn ins Wanken brachte. Eine harte Rechte schickte Guillard schließlich auf den Boden und ins Land der Träume.

Donald Cerrone

Auch wenn Cerrone zu Beginn etwas gewackelt hatte, dürfte er am Ende mit dem Bonus für den KO und den Kampf des Abends ziemlich zufrieden gewesen sein. Für einen Titelkampf wird es aber trotzdem noch nicht reichen. Dafür wäre es nun langsam Zeit, dass es zum Aufeinandertreffen mit WEC-Weggefährten Anthony Pettis kommt, aber auch Duell gegen Joe Lauzon dürfte durchaus interessant werden.

Melvin Guillard

Guillard war ganz knapp davor, Cerrone KO zu schlagen, aber knapp daneben ist eben auch vorbei, und anstatt auf zwei Siege in Folge blickt Guillard nun auf drei Niederlagen in seinen letzten vier Kämpfen zurück. Somit dürfte es in seinem nächsten Kampf für ihn eher darum gehen, seinen Job zu behalten, als wieder ins Titelgeschehen einzugreifen. In einer ähnlichen Situation befindet sich auch Clay Guida, der mehrfach kurz vor einem Titelkampf stand, seine letzten beiden Kämpfe aber verloren hat, was diesen Kampf durchaus zu einer interessanten Option machen könnte. Ein womöglich unterhaltsameres Duell wäre ein Kampf gegen Takanori Gomi, der in seinen letzten Kämpfen ebenfalls nur selten überzeugen konnte, aber immer noch ein bekannter Name ist.

Jake Shields besiegt Ed Herman nach Punkten

Eines der weniger unterhaltsamen Duelle des Abends lieferten sich Jake Shields und Ed Herman. Während die erste Runde zum größten Teil gegen den Käfig im Clinch stattfand, gelang Shields in der zweiten und dritten Runde jeweils der Takedown. Auf dem Boden kontrollierte er das Geschehen, konnte Herman aber nicht zur Aufgabe zwingen, dennoch hieß es am Ende zurecht 30:27, 30:27 und 29:28 für Shields auf den Punktrichterzetteln.

Jake Shields

Shields wird sicherlich froh darüber sein, dass er einen Sieg bei seiner Rückkehr ins Mittelgewicht feiern konnte, dennoch konnte er wieder nicht überzeugen. Sein Name sollte allerdings groß genug sein, um ihm als Nächstes einen hochrangigen Gegner zu geben. Passen würde da natürlich Yushin Okami, aber auch für den bei UFC 149 erfolgreichen Tim Boetsch hat die UFC noch keinen neuen Gegner bekanntgegeben.

Ed Herman

Nach zuvor drei Siegen in Folge wieder eine Niederlage gegen einen der besseren Kämpfer in der Gewichtsklasse. Herman hat also wieder bewiesen, dass er zwar gut ist, aber nicht gut genug, um mit Leuten wie Shields, Demian Maia oder Alan Belcher mithalten zu können. Dementsprechend wird er sich in seinem nächsten Kampf wieder in den Vorkämpfen gegen Kämpfer vom Kaliber eines Mike Massenzio, Karlos Vemola oder Buddy Rogers wiederfinden.

Yushin Okami besiegt Buddy Rogers durch TKO

Einige Zuschauer staunten nicht schlecht, als sie sahen, wie Buddy Rogers dem favorisierten Yushin Okami in der ersten Runde im Stand doch etwas überlegen war. Als Okami das auch erkannte, brachte er Rogers zu Boden und dominierte ihn dort. Zum Ende der ersten Runde rettete Rogers noch die Ringglocke, als Okami ihn aus der Backmount mit Schlägen zum Kopf bearbeitete, in der zweiten Runde war es dann der Ringrichter, der den Kampf in einer ähnlichen Situation abbrach und Rogers vor mehr Schlägen rettete.

Yushin Okami

Ein sehr wichtiger Sieg für Okami, der nach seinen KO-Niederlagen gegen Anderson Silva und Tim Boetsch mit dem Rücken zur Wand stand. Für ihn dürfte der Sieg auch bedeuten, dass er in seinem nächsten Kampf einen Top-Gegner vorgesetzt bekommt. Zur Auswahl stünde da Jake Shields, sollte Zuffa zudem weiterhin Interesse daran haben, Strikeforce wiederzubeleben, wäre Okami ein interessanter Wechselkandidat.

Buddy Rogers

Für seinen zweiten Kampf in der UFC war Okami eindeutig eine Nummer zu groß, dennoch zeigte Rogers im Stand einige gute Aktionen. In seinem nächsten Kampf kann er beweisen, dass ihm für einen Gegner wie Okami zwar noch die Erfahrung gefehlt hat, er aber dennoch in die UFC gehört. Mögliche Gegner wären da Ed Herman oder der ebenfalls an diesem Abend erfolglose Jarad Hamman.

Max Holloway besiegt Justin Lawrence durch TKO

Max Holloway und Justin Lawrence lieferten sich ein interessantes Standduell, bei dem beide Kämpfer gute Treffer landen konnten. Als sich zum Ende der zweiten Runde die meisten Fans schon auf die dritte Runde vorbereiteten, kam Holloway mit einer Kombination zum Körper durch, die Lawrence zu Boden schickte. Holloway setzte nach und schlug auf seinen Gegner ein, bis der Ringrichter den Kampf abbrach.

Max Holloway

Ein sehr guter Sieg für Holloway über einen TUF-Veteranen, was dem erst 20 Jahre alten Kämpfer zusätzlichen Auftrieb verleihen dürfte. Dieses Selbstvertrauen könnte er dann gegen den ebenfalls an diesem Abend erfolgreichen Dennis Bermudez aufs Spiel setzen. Ein ebenfalls möglicher Gegner wäre Antonio Carvalho oder TUF-Brazil-Veteran Hacran Dias.

Justin Lawrence

Der Nummer-1-Pick bei TUF-Live schafft es immer noch nicht, den Erwartungen gerecht zu werden, nach dem enttäuschenden Abschneiden im Haus folgte nun die erste Profi-Niederlage. Eine mögliche Option für seinen nächsten Kampf wäre TUF-Veteran Cody McKenzie oder der ebenfalls bei UFC 150 erfolglose Tommy Hayden.