Kolumnen

Die Nachwehen von UFC 149

Urijah Faber (links) hatte keine Chance gegen Renan Barao bei UFC 149 (Foto via Zuffa LLC)

UFC 149 wird mit Sicherheit nicht als einer der besten UFC-Events in die Geschichte eingehen. Dabei hatten die Vorkämpfe mit schnellen K.o.s, späten Submissions und umstrittenen Punktentscheidungen einiges versprochen.

Im Hauptprogramm gelang es allerdings nur Matthew Riddle und Chris Clements, die Fans richtig zu unterhalten. Der anschließende Kampf zwischen James Head und Brian Ebersole enttäuschte ebenso wie das Duell zwischen Cheick Kongo und Shawn Jordan. Der Hype um Hector Lombard ist nach seiner schrägen Vorstellung gegen Tim Boetsch auch beendet und der Titelkampf zwischen Renan Barao und Urijah Faber schien hauptsächlich UFC-Präsident Dana White zu überzeugen.

Renan Barao besiegt Urijah Faber einstimmig nach Punkten

Der Kampf war zu einseitig, um wirklich interessant zu sein und erinnerte ein wenig an das Duell zwischen Urijah Faber und Jose Aldo. Renan Barao konnte Faber zwar nicht so stark mit Legkicks zusetzen wie sein Landsmann, dennoch dominierte er das Geschehen im Stand und schien fast immer einen Schritt schneller zu sein, als der ehemalige Federgewichtschampion der WEC. Dazu wehrte Barao die gelegentlichen Takedown-Versuche von Faber locker ab und sicherte sich damit einen verdienten Punktsieg.

Renan Barao

Barao sagte vor dem Kampf, dass er darauf warten würde, dass Dominick Cruz nach seiner Verletzung wieder fit ist. Damit wäre der Titel in der nächsten Gewichtsklasse auf Eis gelegt, weswegen man gespannt sein darf, ob die UFC das zulässt. Auf der Pressekonferenz nach dem Event wurde bereits der Name Michael McDonald ins Spiel gebracht, der auch im Moment der einzige würdige Herausforderer für Barao wäre.

Urijah Faber

Faber gab nach dem Kampf zu, dass er sich während des Kampfes wohl eine Rippe gebrochen hatte, dennoch darf man bezweifeln, dass dieser anders verlaufen wäre, wenn Faber bis zum Ende der fünften Runde vollkommen fit gewesen wäre. Für ihn wird es langsam Zeit, anzuerkennen, dass es für einen Titel nicht mehr reicht. Sollte Barao Cruz den Titel abnehmen wäre noch ein drittes Duell gegen den amtierenden Champion möglich, bevor es allerdings so weit ist, wird noch einige Zeit vergehen. Diese könnte er sich mit einem Kampf gegen Miguel Torres vertreiben. Das Duell der beiden ehemaligen WEC Champions wollten viele Fans und Experten schon seit Jahren sehen, und auch wenn der Kampf nun nicht mehr das gleiche Interesse hervorrufen würde, wie er es vor drei Jahren gemacht hätte, dürfte immer noch genug Interesse bestehen, um den Kampf anzusetzen.

Tim Boetsch besiegt Hector Lombard nach Punkten

„Dieser Kampf kann nicht langweilig werden“, so beurteilte Joe Rogan das Duell zwischen Tim Boetsch und UFC Newcomer Hector Lombard. Selten hatte Rogan mit einer Vorhersage so weit daneben gelegen. Beide Kämpfer spazierten über drei Runde voreinander her, schlugen vereinzelt in die Richtung des Anderen und schienen darauf zu warten, dass dieser einen entscheidenden Fehler machte. Dies passierte nicht und so hieß es am Ende umstritten 29:28, 29:28 und 28:29 für Tim Boetsch auf den Punktrichterzetteln.

Tim Boetsch

Boetsch war der größte Underdog an diesem Abend, und auch wenn er mit dieser Leistung kaum neue Fans gewonnen haben dürfte, war das der zweite Sieg über einen Top-10-Kämpfer hintereinander. Allerdings werden sein geringer Bekanntheitsgrad und die wenig unterhaltsame Leistung einem Titelkampf gegen Anderson Silva im Weg stehen. Stattdessen wird er abwarten müssen, wen die UFC gegen den Champion stellt, Chris Weidman oder den Sieger des Kampfes zwischen Michael Bisping und Brian Stann. Für Boetsch dürfte es den Kämpfer geben, der aus diesem Dreierkampf übrig bleibt, aber auch ein wieder genesener Vitor Belfort wäre ein interessanter Gegner.

Hector Lombard

Selten wurde ein Kämpfer mit so viel Hype ins Octagon geschickt und landete anschließend so hart auf dem Boden der Tatsachen, wie Lombard bei UFC 149. Ob es nun die berühmte „Octagon-Flatter“ war, der Druck, der auf dem ehemaligen Bellator Champion lastete oder ob Tim Boetsch an diesem Abend einfach nur eine Nummer zu groß war, kann nur Lombard beantworten.
Vor dem Kampf hatte Lombard gesagt, dass er anschließend nicht gegen Silva um den Titel sondern gegen Mark Munoz kämpfen wollte. Nachdem Dana White diesem Kampf zunächst ausgeschlossen hatte, da er wohl von einem Sieg von Lombard ausgegangen war, scheint dieser Kampf nun das wahrscheinlichste Szenario für Lombards Zukunft zu sein.

Cheick Kongo besiegt Shawn Jordan einstimmig nach Punkten

Auch vom Duell zwischen Cheick Kongo und Shawn Jordan hatten sich die Fans mehr versprochen. Kongo hatte im Stand leichte Vorteile und konnte vereinzelte Treffer landen, allerdings landeten beide Kämpfer immer wieder am Käfig, wo sie die meiste Zeit im Clinch oder mit erfolglosen gegenseitigen Takedown-Versuchen verbrachten. Auf den Punktrichterzetteln hieß es am Ende 30:28, 30:27 und 30:27 für Kongo, ein durchaus gerechtfertigtes Urteil, das Kongo seinem Traum von einem Titelkampf aber kaum näher bringen dürfte.

Cheick Kongo

Dana White gab auf der abschließenden Pressekonferenz auch dem Ringrichter die Schuld an diesem schlechten Kampf, da er die beiden Kämpfer nicht getrennt hatte, obwohl sich am Käfig kaum etwas tat. Allerdings versprach er auch, dass Kongo in seinem nächsten Kampf nicht gegen jemanden kämpfen wird, den er nach einem Schlag gegen den Käfig pressen und so den Punktsieg rausholen kann. Kongo erklärte seine Leistung anschließend mit Schulterverletzungen in beiden Schultern, was White nicht wirklich glücklicher stimmte, als er das hörte.
Für Kongo wäre ein Rückkampf gegen Travis Browne eine Möglichkeit, wenn dieser bei UFC on Fox 4 an Ben Rothwell vorbei kommt, zudem könnte er sich als guter Prüfstein für Stipe Miocic erweisen und natürlich wäre auch ein Duell gegen seinen ursprünglich für UFC 149 angesetzten Gegner, Antonio Rodrigo Nogueira, möglich.

Shawn Jordan

Jordan war als leichter Favorit in den Kampf gegangen, konnte diesen Status allerdings zu keiner Zeit rechtfertigen. Stattdessen zeigte auch er, dass es die Strikeforce-Schwergewichte in der UFC schwer haben werden. Ein möglicher Gegner für seinen nächsten Kampf wäre Mike Russow, der bei UFC 147 gegen Fabricio Werdum verloren hatte, aber auch sein ehemaliger Strikeforce-Kollege Shane Del Rosario wäre eine interessante Option.

James Head besiegt Brian Ebersole nach Punkten

Auch das Duell zwischen James Head und Brian Ebersole holte die Zuschauer in der Halle nicht von ihren Sitzen. Ebersole suchte während des Kampfes immer wieder den Takedown wurde aber immer wieder von Head abgeblockt. Ging der Kampf dann doch mal auf den Boden, konnte keiner der beiden Kämpfer dort gute Treffer landen, weswegen die wenigen Treffer von Head im Stand am Ende den Unterschied auf den Punktrichterzetteln ausmachten. Dort hieß es nach drei Runden 29:28, 29:28 und 28:29 für Head.

James Head

Ein guter, wenn auch wenig überzeugender Sieg für Head, der sich damit im dicht besiedelten Weltergewicht festgesetzt haben dürfte. Allerdings wird er sich nach so einer Leistung bei seinem nächsten Kampf in den Vorkämpfen wiederfinden und auch auf einen großen Namen sollte er nicht hoffen. Wahrscheinlicher ist es da, dass die UFC den Kampf gegen Claude Patrick, der das ursprünglich für UFC 149 angesetzte Duell verletzungsbedingt absagen musste, erneut ansetzen wird. Dazu wartet Sean Pierson nach seinem Sieg über James Hecht auf einen neuen Gegner. Passend wäre auch ein Duell gegen den ebenfalls an diesem Abend erfolgreichen Matthew Riddle, wenn dieser sein gefordertes Duell gegen Dan Hardy nicht bekommt.

Brian Ebersole

Ebersole sagte bereits nach seinem letzten Kampf, dass er ins Leichtgewicht wechseln wollte. Dieser kurzfristige Einsatz zeigte, warum dies die richtige Entscheidung ist. Head schien Ebersole körperlich überlegen zu sein und nutzte diese Stärke gut aus. Sicherlich wäre Ebersole lieber mit einem Sieg ins Leichtgewicht gewechselt, aber auch so warten dort interessante Gegner auf den Amerikaner. Einen unterhaltsamen Kampf würden die Fans sicherlich bei einem Duell mit dem Verlierer des bei UFC on Fox 4 stattfindenden Kampfes zwischen Jamie Varner und Joe Lauzon sehen. Ebenfalls eine interessante Option wäre der Verlierer des Kampfes zwischen Melvin Guillard und Donald Cerrone, die bei UFC 150 aufeinandertreffen werden.

Matthew Riddle besiegt Chris Clements durch Submission

Matthew Riddle und Chris Clements zeigten den einzigen richtig unterhaltsamen Kampf im Hauptprogramm, was zum Teil auch dem Ringrichter zu verdanken war, der Riddle zurückhielt, nachdem dieser Clements in der ersten Runde mit einem schönen Kick zum Körper getroffen hatte. Clements war sichtlich mitgenommen, allerdings sah der Ringrichter die Aktion als Tiefschlag und ging etwas zögerlich dazwischen, bevor er den Kampf weiterlaufen ließ. Abgesehen von dieser Aktion war Clements im Stand überlegen, was Riddle dazu veranlasste, seinen Gegner immer wieder zu Boden zu bringen, wo er den Kampf bestimmte. In der dritten Runde verfehlte Clements sein Ziel mit einer Spinning-Backfist. Riddle nutzte die Gelegenheit und setzte im Stand einen Arm-Tringle Choke an, zog seinen Gegner zu Boden und erzwang dort den Tapout.

Matthew Riddle

In einer sehr emotionalen Rede auf der Abschlusspressekonferenz forderte Riddle einen Kampf gegen Dan Hardy. Riddle war so aufgewühlt, dass White schließlich sagte, dass es zu dem Kampf kommen wird. Sollte dies nicht der Fall sein, wäre das oben bereits schon erwähnte Duell mit James Head sicherlich eine interessante Option.

Chris Clements

Clements sollte nach diesem Kampf dringend an seinen Fähigkeiten am Boden arbeiten. Da er allerdings immer für einen unterhaltsamen Kampf gut ist, wird ihm die UFC bei seinem nächsten Octagon-Auftritt einen Gegner gegenüberstellen, der ebenfalls gerne im Stand kämpft. Eine mögliche Option wäre Mike Swick, wenn dieser bei UFC on Fox 4 gegen DeMarques Johnson verlieren sollte, aber auch ein Duell gegen den zuletzt stark abgestiegenen Paulo Thiago wäre denkbar.