Kolumnen

Die Nachwehen von UFC 148

UFC 148

UFC 148 zeigte wieder mal, dass im MMA alles passieren kann. Von langweiligen Vorkämpfen über Kampf beendende Verletzungen bis hin zu KOs durch Körpertreffer war alles dabei. Allen voran setzte Mittelgewichtschampion Anderson Silva ein Ausrufezeichen, als er seinen Dauerrivalen Chael Sonnen in der zweiten Runde KO schlug. Ebenfalls überzeugen konnte Chad Mendes, der Cody McKenzie bereits nach wenigen Sekunden zu Boden streckte. Dazu lieferten sich Forrest Griffin und Tito Ortiz das erwartet enge Duell und Cung Le sicherte sich den ersten Sieg in der UFC.

Anderson Silva besiegt Chael Sonnen durch TKO

Viele Fans fühlten sich nach der ersten Runde an das erste Duell zwischen den Beiden erinnert. Sonnen brachte Silva nach wenigen Sekunden zu Boden und bestimmte dort den Kampf über die komplette Runde, ohne jedoch großen Schaden anzurichten. In der zweiten Runde konnte Silva die Takedown-Versuche von Sonnen abwehren und nutzte die Gelegenheit, als der Herausforderer nach einer Spinning-Backfist, die ihr Ziel verfehlte, zu Boden stolperte. Silva traf mit einem Knie zum Körper des am Boden sitzenden Sonnen. Dieser kam zwar wieder auf die Beine, wurde anschließend aber von harten Schlägen wieder zu Boden geschickt, wo Silva den Kampf mit Ground and Pound beendete.

Anderson Silva

Dass in diesem Kampf besonderer Druck auf dem Champion lastete, konnte man nach dem Kampf seinen Kindern im Käfig ansehen. Silva hat damit aber auch seine größte Herausforderung in der UFC gemeistert und seinen Platz als einer der, wenn nicht der beste Kämpfer aller Zeiten zementiert. Sein nächster Herausforderer könnte sich zudem bereits diese Woche herauskristallisieren. Bei UFC on Fuel TV 4 trifft Mark Munoz auf Chris Weidman. Beide Kämpfer sind hervorragende Ringer und könnten somit wieder als Kämpfer „mit dem perfekten Stil, um Silva zu besiegen,“ beworben werden. Sollte Hector Lombard in seinem UFC-Debüt bei UFC 149 Tim Boetsch überzeugend schlagen, könnte es jedoch sein, dass er als Nächstes gegen Silva antreten darf.

Chael Sonnen

Sonnen hatte vor diesem Kampf den Mund wieder sehr weit aufgerissen und war nach dem Kampf entsprechend kleinlaut. Allerdings wird er die UFC wohl nicht verlassen, wie er es vor einigen Monaten im Falle einer Niederlage angekündigt hatte. Dennoch stellt sich die Frage, wo der Weg für ihn hinführen wird. Aktuell befindet er sich in einer ähnlichen Situation wie Rich Franklin nach seiner zweiten Niederlage gegen Silva. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass er einen weiteren Titelkampf bekommen wird, trotzdem dürfte er den Großteil der anderen Mittelgewichtskämpfer in der UFC schlagen. Möglich, dass er den gleichen Weg wie Franklin geht und ins Halbschwergewicht wandert, dort könnte er seine Fehde gegen die Brasilianer mit einem Kampf gegen Lyoto Machida fortsetzen. Sollte er Mittelgewicht bleiben und darauf hoffen, dass Silva irgendwann verliert oder in den Ruhestand geht, stünde noch ein Rückkampf gegen Michael Bisping zur Debatte oder ein Kampf gegen den Verlierer zwischen Munoz und Weidman.

Forrest Griffin besiegt Tito Ortiz einstimmig nach Punkten

Es war das von vielen erwartete enge Duell zwischen den beiden ehemaligen UFC-Champions. Ortiz begann jede Runde stark, nur um anschließend nachzulassen. In der Zweiten und Dritten gelang es ihm sogar, Griffin kurz nach Beginn der Runde mit einem Schlag zu Boden zu schicken, allerdings reichte nur seine anschließende Kontrolle am Boden in der dritten Runde für den Gewinn der Runde. Im Stand war Griffin die meiste Zeit schneller und landete zudem mehr Treffer als das neuste Mitglied der UFC Hall of Fame, weswegen das abschließende Punkturteil von 29:28 für Griffin auf allen Punktrichterzetteln vollkommen korrekt war.

Forrest Griffin

Für Griffin war es ein wichtiger Sieg, auch wenn er sich dadurch in den Ranglisten kaum nach vorne geschoben haben dürfte. Er selber würde gerne noch mal gegen Rich Franklin antreten, was nach dessen Wechsel zurück in Mittelgewicht allerdings eher unwahrscheinlich sein dürfte. Weitere Duelle gegen bekannte Namen, die ihre besten Zeiten hinter sich haben, sind im Moment auch schwer zu finden. Einzige Möglichkeit in diesem Fall wäre ein Rückkampf gegen Quinton „Rampage“ Jackson, ein Kampf, den dieser schon seit Längerem fordert. Sollte die UFC kein Interesse an einem weiteren Duell mit Stephan Bonnar haben, wäre Griffin ein guter Prüfstein für Alexander Gustaffson oder Phil Davis, wenn dieser bei UFC on Fox 4 an Wagner Prado vorbeikommt.

Tito Ortiz

Nachdem Ortiz einen Tag zuvor in die Hall of Fame der UFC aufgenommen wurde, hätte er sich sicherlich ein schöneres Ende für seine MMA-Karriere vorstellen können. Dennoch verlässt er den Sport in dem Wissen, dass er einer der Eckpfeiler der UFC war, als die Organisation Probleme hatte, sich über Wasser zu halten. Somit hat der „Huntington Beach Bad Bog“ einen wichtigen Platz in der Geschichte des Sports gesichert – egal, was man von seiner Einstellung halten mag.

Cung Le besiegt Patrick Cote einstimmig nach Punkten

In einem relativ einseitigen und nicht besonders spannenden Duell bestimmte Le das Geschehen über drei Runden im Stand, zudem konnte er mit einigen Takedowns punkten, während Cote sehr zurückhaltend agierte und nur wenige gute Treffer landen konnte. Auch wenn es keine überragende Vorstellung von Le war und er in der dritten Runde deutliche Konditionsprobleme erkennen ließ, war die Leistung von Cote eindeutig zu wenig, um den Käfig als Sieger zu verlassen. Somit geht auch hier das Punkturteil von 30:27 auf allen drei Punktrichterzetteln in Ordnung.

Cung Le

Le konnte zwar nur wenige seiner berühmten Kicks in Ziel bringen, dennoch hat er seinen UFC-Sieg bekommen und könnte sich nun beruhigt seiner Filmkarriere widmen. Sollte der 40-Jährige sich gegen ein Karriereende entscheiden, wäre ein mögliches Duell gegen Rich Franklin, gegen den Le ursprünglich bei UFC 148 hätte kämpfen sollen, möglich. Andere namenhafte Gegner wie z. B. Michael Bisping oder Brian Stann dürften für Le eine Nummer zu groß sein, weswegen die UFC einen Bogen um sie machen dürfte. Ein relativ bekannter, wenn auch nicht so angesehener Name wäre Alessio Sakara, mit dem Le sich einen guten Schlagabtausch liefern könnte.

Patrick Cote

Cote kam nach vier Siegen in Folge zurück in die UFC. Eine Gelegenheit, auf die er fast zwei Jahre hingearbeitet hat und dann vergibt er sie mit einer durchschnittlichen Leistung und einer Niederlage gegen einen 40-Jährigen „Schauspieler“. Dana White wollte sich nach dem Event noch nicht konkret zur Zukunft von Cote äußern, betonte aber, dass Cote als Kommentator bei den kanadischen UFC-Übertragungen mitarbeitet und somit ohnehin weiter für die UFC arbeiten würde. Das hört sich nicht sonderlich positiv an, weswegen eine erneute Entlassung nicht überraschend wäre. Sollte er noch einen Kampf in der UFC bekommen, wäre ein Duell bei einer UFC-Veranstaltung in Kanada gegen den Verlierer des bei UFC on Fuel TV 4 stattfindenden Kampfes zwischen Karlos Vemola und Cotes Landsmann Francis Carmont denkbar.

Demian Maia besiegt Dong Hyon Kim durch TKO

Ein sehr kurzer Kampf mit einem merkwürdigen Ende. Maia suchte sofort den Takedown gegen Kim, und als er den Koreaner schließlich zu Boden ziehen konnte, fiel dieser so unglücklich, dass er sich dabei wahrscheinlich eine Rippe brach und aufgab.

Demian Maia

Auch wenn dieser Kampf nicht viel über Maias Chancen im dicht besetzen Weltergewicht sagt, so dürften dennoch viele Fans froh darüber sein, dass der BJJ-Weltmeister sich keinen Schlagabtausch mit Kim geliefert, sondern sofort den Takedown gesucht hat. Sollte Maia sich wieder auf seine Stärken besinnen, ist er für jeden eine Gefahr. Beweisen könnte er dies in einem Kampf gegen Jake Ellenberger oder Josh Koscheck. Sollte die UFC ihm nicht sofort einen solch hochkalibrigen Gegner vorsetzen wollen, wären auch Kämpfe gegen Gegner vom Kaliber eines Mike Swick oder John Hathaway denkbar, wenn diese ihre nächsten Kämpfe gewinnen sollten.

Dong Hyun Kim

Eine sehr unglückliche Niederlage des Koreaners, die ihn jedoch nicht sonderlich weit zurückwerfen sollte. Ein interessantes Duell wäre sicherlich ein Kampf gegen Mike Pierce, in dem sich zeigen würde, ob Kim tatsächlich das Potenzial hat, in der Spitze der Gewichtsklasse mitzumischen. Sollte die UFC ihn lieber gegen einen Gegner antreten lassen wollen, der seinen letzten Kampf verloren hat, wäre ein Kampf gegen Diego Sanchez oder einen genesenen Yoshihiro Akiyama denkbar.

Chad Mendes besiegt Cody McKenzie durch TKO

Viele hatten hier einen Punktsieg von Mendes erwartet, doch dieser machte kurzen Prozess mit McKenzie. Nach knapp 30 Sekunden in der ersten Runde fing er einen Kick seines Gegners, hielt diesen fest und landete einen schönen Schlag zum Körper. McKenzie ging sofort zu Boden und nach einigen Hammerschlägen von Mendes brach der Ringrichter den Kampf ab.

Chad Mendes

Mendes meldet sich eindrucksvoll nach seiner Niederlage gegen Jose Aldo zurück. Für einen Rückkampf gegen den Champion wird es in seinem nächsten Kampf, trotz der schwachen Besetzung im Federgewicht, dennoch nicht reichen. Ein Duell gegen Ricardo Lamas, der zuletzt überraschend Hatsu Hioki besiegte, wäre allerdings eine gute Standortbestimmung für beide Kämpfer. Ähnliches träfe das auch auf ein Duell gegen Dennis Siver zu, wenn dieser bei UFC 151 Eddie Yagin besiegen sollte.

Cody McKenzie

Gegen Mendes kann man sicherlich verlieren, dennoch zeigt dieser Kampf, dass McKenzie sich auf Dauer nicht nur mit einer Waffe in der UFC wird halten können. Durch TUF Brazil hat die UFC einige neue Talente ins Federgewicht gebracht, die McKenzie sicherlich vor eine gute Herausforderung stellen würden. So wäre der Verlierer des Federgewichtfinales, Godofredo Pepey, ein interessanter Gegner, aber auch ein Duell mit TUF-Kollegen Nam Phan wäre sicherlich unterhaltsam.

Mike Easton besiegt Ivan Menjivar einstimmig nach Punkten

Im ersten Hauptkampf des Abends lieferten Mike Easton und Ivan Menjivar ein ausgeglichenes Duell. Keiner der Kämpfer konnte sich bei diesem Schlagabtausch einen klaren Vorteil herausarbeiten, und obwohl alle Runde eng waren, ging der Kampf am Ende mit 30:27, 30:27 und 29:28 relativ eindeutig an Easton.

Mike Easton

Auch wenn Easton in diesem Kampf kein Feuerwerk abbrannte, war dies dennoch der wichtigste Sieg seiner Karriere. Zudem sprechen acht Siege in Folge (davon drei in der UFC) eine deutliche Sprache. Damit wird es für ihn Zeit für einen weiteren Schritt nach oben. Dort warten Eddie Wineland und Michael McDonald noch auf einen neuen Gegner.

Ivan Menjivar

Ein herber Rückschlag für Menjivar, der eigentlich bei UFC 148 gegen Rendan Barao um den Platz des Nummer-1-Herausforderers hätte kämpfen sollen. Nach der Verletzung von Dominick Cruz wurde Barao abgezogen und Menjivar steht nun mit einer Niederlage gegen einen lange nicht so hoch angesehenen Gegner dar. Gegen den zuletzt ebenfalls nicht sonderlich überzeugenden Miguel Torres könnte er das Ergebnis gegen einen der bekanntesten Namen im Bantamgewicht wieder korrigieren.