Kolumnen

Die Nachwehen von UFC 144

UFC 144: Edgar vs. Henderson

Bei der Rückkehr der UFC nach Japan boten die Kämpfer wieder einen sehr unterhaltsamen Event. Von schönen KOs über überraschende Comeback-Siege bis hin zu umstrittenen Punktrichterentscheidungen war bei UFC 144 alles dabei. Zu den glücklichen Siegern zählten am Ende der neue Leichtgewichtschampion Benson Henderson, ein überraschend starker Mark Hunt sowie ein Anthony Pettis, der wieder an seine „Showtime“-Zeiten anknüpfen konnte. Enttäuschte Verlierer waren vor allem Quinton „Rampage“ Jackson und Yushin Okami, bei denen man vor UFC 144 fest mit einem Sieg gerechnet hatte.

Benson Henderson besiegt Frankie Edgar einstimmig nach Punkten

In einem sehr ausgeglichenen Hauptkampf zeigte sich der Unterschied zwischen den beiden Kontrahenten hauptsächlich im Gesicht des Gegners. Während Benson Henderson die Treffer von Edgar locker wegsteckte und nach dem Kampf immer noch so fit aussah, wie zu Beginn der ersten Runde, stand Edgar bei der Urteilsverkündung erschöpft und mit gebrochener Nase im Käfig. Im Verlauf des Kampfes konnten zwar beide Kämpfer ihre Treffer und Takedowns verbuchen, und in beiden Statistiken lag der Titelverteidiger vorne, dennoch landete Henderson die härteren Treffer und im Gegensatz zu Edgar, konnte er seinen Gegner auch auf dem Boden halten, wenn er einen Takedown geschafft hatte, deswegen hieß es auf den Punktrichterzetteln abschließend 48:47, 49:46 und 49:46 für den neuen Leichtgewichtschampion Benson Henderson.

Benson Henderson

Egal wie sich die UFC entscheidet, in seinem nächsten Kampf wird Henderson wohl auf einen Gegner treffen, dem er schon mal gegenüberstand. Nach einem so knappen Kampf ist es natürlich verständlich, dass Edgar einen Rückkampf fordert und viele Fans sind der Meinung, dass er diesen auch verdient hat. UFC Präsident Dana White scheint das etwas anders zu sehen und sprach in Interviews mehrfach von einem Rückkampf gegen den Mann, der ihm den Leichtgewichtstitel in der WEC abgenommen hat: Anthony Pettis. Hier wird sich in den nächsten Wochen zeigen, wie die Entwicklung weitergeht und ob sich die UFC wieder dem Druck der Fans beugt und Edgar einen sofortigen Rückkampf erhält, oder ob Pettis seine Chance auf den UFC Titel nun endlich bekommt. Sollte aus all dem nichts werden, steht auch noch der Sieger zwischen Jim Miller und Nate Diaz, die bei UFC on Fox 3 gegeneinander antreten werden, in den Startlöchern.

Frankie Edgar

Nach dem Kampf wurden sofort die Stimmen laut, die schon länger einen Wechsel von Edgar ins Federgewicht forderten. Edgar hat mehrfach betont, dass er die Gewichtsklasse nicht wechseln möchte, und White wird wohl noch einiges an Überzeugungskraft aufbieten müssen, um Edgar zu einem Wechsel zu bewegen. Schließlich ist das Federgewicht in der UFC nicht so dicht besetzt, wie das Leichtgewicht, deswegen wäre es auch nicht vollkommen unwahrscheinlich, dass Edgar sofort einen Titelkampf gegen Jose Aldo bekommen könnte. Außerdem steht ein sofortiger Rückkampf gegen Henderson im Raum oder ein Kampf gegen den Verlierer zwischen Miller und Diaz.

Ryan Bader besiegt Quinton Jackson einstimmig nach Punkten

So hatte sich Quinton „Rampage“ Jackson seine Rückkehr nach Japan sicher nicht vorgestellt. Abgesehen von einem schönen Slam in der zweiten Runde, hatte er Ryan Bader nichts entgegenzusetzen. Im Stand landete Bader die besseren Treffer und im Verlauf des Kampfes gelangen ihm dazu noch einige Takedowns und gute Treffer am Boden, durch die er seinen Sieg untermauern konnte.

Ryan Bader

Ein sehr überzeugender und wichtiger Sieg für Bader, der sicherlich gerne im Laufe der nächsten ein bis zwei Jahre einen Rückkampf gegen Jon Jones haben würde. Vorher wird er aber noch den ein oder anderen Sieg gegen einen Top-Gegner einfahren müssen. Lyoto Machida wäre ein Kandidat, bei dem die UFC zurzeit nicht so recht zu wissen scheint, wie sie weiter mit ihm verfahren soll, außerdem wartet Mauricio „Shogun“ Rua nach seinem Kampf gegen Dan Henderson noch auf einen neuen Gegner.

Quinton Jackson

„Rampage“, der vor dem Kampf zwei Kilogramm zu schwer war, musste sich nach der Niederlage wieder Fragen zu seiner Motivation gefallen lassen. Jackson betonte dabei mehrfach, dass eine Knieverletzung, die er sich während des Trainings zugezogen hatte, und nicht mangelnde Motivation der Grund für seine Gewichtsprobleme und die Niederlage war. Vielmehr hätte er vor der Verletzung festgestellt, dass er noch viele Kämpfe in sich hat. Einer dieser Kämpfe könnte ein Rückkampf gegen Forrest Griffin sein. Diesen Kampf wollte Jackson schon lange, und sollte es nicht zum Duell zwischen Griffin und Tito Ortiz kommen, wäre dieser Kampf eine interessante Option. Das Gleiche träfe auf einen möglichen Rückkampf gegen „Shogun“ zu.

Mark Hunt besiegt Cheick Kongo durch TKO

Gleich zu Beginn des Kampfes versuchte Cheick Kongo, Mark Hunt zu Boden zu bringen. Nachdem dies misslang landete Kongo noch einige Legkicks, bevor Hunt ihn mit einigen gezielten Treffern zu Boden strecken konnte. Der Ringrichter ging sofort dazwischen und brach den Kampf nach etwas über zwei Minuten ab.

Mark Hunt

Eine sehr überraschende Wendung in der Karriere von Mark Hunt, der nach fünf Niederlagen in die UFC gekommen war und dort auch gleichen seinen ersten Kampf verlor. Nun hat er drei Siege in Folge eingefahren und dabei so bekannte Namen wie Ben Rothwell und Cheick Kongo geschlagen. Auch wenn diese nicht unbedingt zur Elite im Schwergewicht gehören, stellt sich nun doch die Frage, wie man mit Hunt weiter verfahren sollte. Der „Super Samoaner“ ist schließlich schon 37 Jahre alt und dürfte nicht mehr all zu viele Kämpfe in sich haben. Allerdings hat Hunt bereits gegen die Besten der Besten gekämpft und man könnte sicherlich einen Kampf gegen jemanden von dem Kaliber eines Shane Carwin vermarkten. Ein weiterer KO gegen einen bekannten Namen wie Stefan Struve oder Brendan Schaub, wenn dieser bei UFC 145 gegen Ben Rothwell gewinnen sollte, würde Hunt ebenfalls einem Kampf gegen Junior Dos Santos oder Alistair Overeem näher bringen, allerdings sollte man schon vermeiden, ihn gegen einen starken Ringer zu stellen.

Cheick Kongo

Der ewige Gatekeeper hat wieder bewiesen, dass jeder Versuch, ihn zu einem Herausforderer im Schwergewicht zu machen, zum Scheitern verurteilt ist. Kongo ist nicht der starke Kickboxer, als der er oft vermarktet wird, und auch auf dem Boden hat er nur sein starkes Ground and Pound zu bieten. Durch die Übernahme der Strikeforce-Schwergewichte, kommt noch mal frisches Blut in die Gewichtsklasse, wodurch man noch einige unterhaltsame Kämpfe für Kongo finden dürfte. So könnte ein Kampf gegen Chad Griggs zu einem interessanten Schlagabtausch werden, und natürlich ist Kongo auch immer noch gut genug um aufstrebende Kämpfer wie Stipe Miocic zu testen.


Jake Shields besiegt Yoshihiro Akiyama einstimmig nach Punkten

Vor dem Kampf waren viele davon ausgegangen, dass Jake Shields den Kampf auf dem Boden gewinnen würde, allerdings gelang es ihm erst zum Ende der dritten Runde, Yoshihiro Akiyama zu Boden zu bringen. Weswegen dieser relativ ereignislose Kampf hauptsächlich im Stand ausgefochten wurde, und dort konnte Shields mehr Treffer gegen den relativ inaktiven Akiyama landen. Dieser sorgte allerdings einerseits für die einzigen Highlights des Kampfes, als er Shields mehrfach mit schönen Judowürfen durch die Gegend wirbelte. Anstatt den Kampf jedoch auf dem Boden fortzusetzen, ließ der Japaner Shields immer wieder aufstehen. Die Quittung erhielt er nach dem Kampf von den Punktrichtern, die Shields alle mit 30:27 vorne hatten.

Jake Shields

Ein sehr wichtiger Sieg für Shields, der nach zwei Niederlagen in Folge mit dem Rücken zur Wand stand. Dennoch dürfte sich die UFC die Frage stellen, was sie an dem relativ teuren Shields hat. Bisher konnte er keinen unterhaltsamen Kampf in der UFC hinlegen und war bei seinen Auftritten auch nicht wirklich überzeugend – weder in seinen Siegen noch in seinen Niederlagen. Sollte man sich dafür entscheiden, dass er sein Geld nicht wert ist, könnte man ihn gegen Jon Fitch stellen und einen der beiden relativ ungeliebten Kämpfer in den Ranglisten weiter nach unten schicken. Wenn die UFC Shields wieder aufbauen will, wäre Brian Ebersole ein interessanter Kandidat für seinen nächsten Kampf.

Yoshihiro Akiyama

Auch wenn viele Fans mit der Punktwertung nicht einverstanden waren, muss sich Akiyama die Frage stellen, warum er im Stand nicht aktiver war. Nun weist er vier Niederlagen in Folge in der UFC auf und befindet sich damit in einer Situation, in der nur ganz wenige Kämpfer ihren Job behalten haben. Für Akiyama spricht sicherlich seine Beliebtheit in Asien, dennoch wird sein Arbeitgeber nicht ewig darüber hinwegsehen können, dass er einfach keine Siege einfahren kann. Allerdings ist die UFC an dieser Situation nicht ganz unschuldig, da sie ihm immer wieder Top-Gegner gegenüberstellen. Sollten sie Akiyama behalten wollen, wäre es Zeit für einen Aufbaukampf, auch wenn es gegen einen unbekannten Gegner vom Kaliber eines Dan Sittgen oder Henry Martinez sein sollte.

Tim Boetsch besiegt Yushin Okami durch TKO

Auch wenn es nicht das beste Comeback in der Geschichte der UFC war, wie Joe Rogan es im Eifer des Gefechts nannte, so kam der Sieg von Tim Boetsch doch ziemlich überraschend. Schließlich hatte ihn Yushin Okami in der ersten und zweiten Runde sowohl im Stand als auch auf dem Boden dominiert und sah bereits wie der sichere Sieger aus. In der Rundenpause nach der zweiten Runde sagte die Ecke von Boetsch zu ihrem Kämpfer, dass er Okami nur treffen muss und er könnte den Kampf beenden. Wissend, dass er zwei Runden hinten lag, stürmte Boetsch in der dritten Runde raus und machte Jagd auf den Kopf von Okami. Als er diesen dann mit mehreren Aufwärtshaken traf, trat das ein, was seine Ecke vorhergesagt hatte und Okami sank zu Boden. Weitere Schläge folgten, bis der Ringrichter den Kampf abbrach.

Tim Boetsch

Für viele ein überraschender Sieg von Boetsch über Okami, der lange Zeit den zweiten oder dritten Platz in den Ranglisten im Mittelgewicht belegte. Dennoch wird Boetsch noch ein oder zwei Siege einfahren müssen, bevor man ihm zum Titelherausforderer machen kann. Möglich wäre hier ein Kampf gegen den noch immer ungeschlagenen Chris Weidman oder Michael Bisping, aber auch Mark Munoz braucht einen neuen Gegner, nachdem er den Kampf gegen Chael Sonnen verletzungsbedingt absagen musste.

Yushin Okami

Zwei Runden lang hat Rogan davon gesprochen, wie sehr sich Okami nach seiner Niederlage gegen Anderson Silva verbessert hatte, und dann schlug Boetsch so überraschend zu. Nach 33 Kämpfen war es für Okami das erste Mal, dass er zwei Niederlagen in Folge einstecken musste, und wenn man bedenkt, wie lange er gebraucht hatte, um seinen Titelkampf zu bekommen, dann dürfte es nun umso schwerer für ihn werden, wieder in die Nähe eines solchen zu kommen. Sollte die UFC Okami nicht einen relativ unbekannten Gegner zum Fraß vorwerfen wollen, dann stünde noch Demian Maia zur Wahl, der zuletzt gegen Chris Weidman sehr schlecht aussah.


Hatsu Hioki besiegt Bart Palaszewski einstimmig nach Punkten

In diesem Kampf konnte Hatsu Hioki zeigen, warum er zu einem der besten Federgewichte der Welt gehört. Sowohl in der ersten als auch in der dritten Runde dominierte er Bart Palaszewski auf dem Boden. Dem Polen gelang es zwar, alle Submission-Versuche abzuwehren, dennoch gingen beide Runden klar an Hioki. Lediglich in der zweiten Runde hatten die Fans von Hioki ein wenig Anlass zur Sorge, da der Japaner komplett auf Takedowns verzichtete und sich im Stand mit Palaszewski messen wollte. Dort war er dem Polen zwar nicht komplett unterlegen, dennoch konnte Palaszewski die Runde auf zwei Punktrichterzetteln für sich verbuchen, weswegen es am Ende 30:27, 29:28 und 29:28 hieß.

Hatsu Hioki

Mit Hioki hat die UFC zwar einen sehr guten, aber leider nicht sonderlich bekannten Nummer-1-Herausforderer im Federgewicht. Zudem befürchten viele Fans, dass ein Kampf gegen Aldo für ihn zu früh kommen würde. Allerdings sind im Moment kaum andere Herausforderer für den dominanten Brasilianer zu finden, womit Hioki wohl der Nächste sein dürfte, der sich gegen Aldo versuchen darf, lediglich Edgar könnte dem Traum des Japaners im Weg stehen, wenn der ehemalige Leichtgewichtschampion doch ins Federgewicht wechseln sollte.

Bart Palaszewski

Palaszewski bekam in diesem Kampf seine Grenzen aufgezeigt. Am Boden war Hioki zwei Nummern zu groß für ihn und auch im Stand konnte Palaszewski nicht wirklich überzeugen. Da er allerdings immer wieder für einen unterhaltsamen Kampf gut ist und Hioki unbestritten zu den Top 3 im Federgewicht gehört, wird ihm diese Niederlage nicht zu sehr schaden. Einen interessanten Kampf dürfte ein Duell gegen den Verlierer des Kampfes zwischen Dennis Siver und Diego Nunes darstellen, die bei UFC on Fuel TV 2 gegeneinander antreten werden.

Anthony Pettis besiegt Joe Lauzon durch KO

Es dauerte nicht mal 80 Sekunden bis Anthony Pettis seinen Gegner mit einem sehr schönen Headkick zu Boden schickte. Pettis landete noch einige Schläge zum Kopf von Joe Lauzon, bevor der Ringrichter dazwischen gehen und den Kampf beenden konnte.

Anthony Pettis

Ein sehr überzeugender Sieg von Pettis, der endlich wieder den „Showtime“-Effekt hatte, den seine Fans aus seiner Zeit in der WEC kannten. Nach UFC 144 sprachen natürlich viele von einem Titelkampf gegen Henderson, schließlich hatte Pettis Henderson den Leichtgewichtstitel in der WEC abgenommen und sich damit eigentlich einen Titelkampf in der UFC gesichert. Diesen verspielte er durch eine Niederlage gegen Clay Guida und auch in seinem letzten Kampf gegen Jeremy Stephens konnte Pettis nicht wirklich überzeugen. Dennoch wäre es verständlich, wenn die UFC ihm den Titelkampf zusprechen würde. Sollte es zu einem Rückkampf zwischen Henderson und Edgar kommen, könnte Pettis gegen den Sieger des bereits angesprochenen Kampfes zwischen Miller und Diaz antreten und mit einem weiteren Sieg seinen Status als Nummer-1-Herausforderer zementieren.

Joe Lauzon

Lauzon ist immer wieder für eine Überraschung gut, was er in seinen Siegen über Melvin Guillard und Jens Pulver gezeigt hat. Allerdings hat er in seinen Niederlagen gegen Pettis, George Sotiropoulos und Kenny Florian ebenfalls bewiesen, dass es für die Spitze im Leichtgewicht einfach nicht reicht, deswegen wird er sich in seinem nächsten Kampf wohl gegen einen etwas weniger hochkarätigen Gegner in einem der Vorkämpfe wiederfinden. Möglich wären die Verlierer der Kämpfe Mark Bocek gegen Matt Wieman oder Mac Danzig gegen Efrain Escudero, die beide bei UFC 145 ausgetragen werden.