Kolumnen

Die Nachwehen von UFC 143

Nachdem bereits bei UFC on Fox 2 alle drei Hauptkämpfe über die volle Kampfdistanz gingen, mussten auch bei UFC 143 bei vier Hauptkämpfen die Punktrichter für das Urteil sorgen. Wieder kam es dabei zu umstrittenen Entscheidungen, eine davon sorgte für den spontanen Rücktritt von Nick Diaz, während Carlos Condit den Interimsgürtel um seine Hüften schnallen durfte. Josh Koscheck musste bei seinem Punktsieg ebenfalls bangen, während Fabricio Werdum und Renan Barão ihren Gegnern kaum eine Chance ließen. Allerdings gelang es lediglich Ed Herman seinen Kampf vorzeitig zu beenden.

Carlos Condit besiegt Nick Diaz einstimmig nach Punkten

Nick Diaz hat alles versucht, um Carlos Condit seinen Kampfstiel aufzuzwingen. Er hat mit seinem Gegner geredet und immer wieder die Arme runterhängen lassen und sein Kinn angeboten. Condit hat das jedoch wenig beeindruckt. Er hat seine Strategie durchgezogen und sich von Diaz nicht an den Käfig drängen lassen. Lediglich ein Mal gelang es Diaz, Condit am Käfig mit einer seiner gefürchteten Kombinationen zum Körper zu treffen, ansonsten wich Condit seinem Gegner gut aus und traf immer wieder Legkicks. Diaz war zwar den gesamten Kampf über im Vorwärtsgang, dennoch war es Condit, der die besseren Treffer landen konnte. Am Ende hieß es 48:47, 49:46 und 49:46 für den neuen Interimschampion Carlos Condit.

Carlos Condit

Nachdem er in Ruhe gefeiert hat, wird Condit sich die Frage stellen müssen, ob er auf seinen Kampf gegen George St. Pierre, der wohl nicht vor November wieder in den Käfig steigen kann, wartet, oder ob er vorher noch einen Kampf annimmt. Mit Johny Hendricks stünde ein möglicher Kandidat für einen solchen Zwischenkampf schon in den Startlöchern, allerdings würde es wohl niemand Condit verübeln, wenn er so lange pausiert, bis GSP bereit für den Vereinigungskampf ist.

Nick Diaz

Nick Diaz sagte in dem Interview nach dem Kampf, dass er „diesen Sch**** nicht nötig hat“ und dass das sein letzter Kampf war. Wie ernst man eine solche Aussage von Diaz nach einer enttäuschenden Niederlage nehmen darf, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Sollte Diaz sich doch dazu entscheiden, seine Karriere mit 28 Jahren noch nicht an den Nagel zu hängen, dann würde Dana White gerne einen Kampf gegen Josh Koscheck sehen und vielleicht besteht ja doch noch die Möglichkeit auf einen Rückkampf mit Carlos Condit - ein Kampf, den GSP gerne sehen wollte.

Fabricio Werdum besiegt Roy Nelson einstimmig nach Punkten

In seinem ersten Kampf nach seiner Rückkehr in die UFC, zeigte Fabricio Werdum, dass er inzwischen lange kein reiner BJJ-Kämpfer mehr ist. Er dominierte Roy Nelson im Stand mit exzellenten Muay Thai Techniken. Immer wieder traf er den TUF 10 Sieger mit harten Knien im Clinch und schönen Kombinationen, während Nelson hauptsächlich durch seine Nehmerfähigkeiten glänzen konnte und nur selten gute Treffer landete. Am Ende gaben alle Punktrichter den Kampf zurecht mit 30:27 an Werdum.

Fabricio Werdum


Eine beeindruckende Rückkehr von Werdum, dessen beiden letzten Niederlagen gegen den amtierenden Champion Junior Dos Santos und den aktuellen Nummer-1-Herausforderer Alistair Overeem kamen. In einem Kampf gegen Frank Mir könnte er zeigen, wer der beste BJJ-Kämpfer im Schwergewicht ist, aber auch ein Duell gegen Cain Velasquez wäre mit Sicherheit interessant. Auf jeden Fall würden ihn beide Kämpfe einem Titelkampf einen Schritt näher bringen.

Roy Nelson


Für Nelson wird es in der UFC langsam eng. Er hat drei seiner letzten vier Kämpfe verloren und in letzter Zeit hauptsächlich dadurch geglänzt, dass er auch nach vielen harten Treffern seiner Gegner nicht KO gegangen ist. Ob dies reicht, um in der UFC zu bleiben, wird sich in den nächsten Wochen entscheiden. Durch die Eingliederung der Strikeforce Schwergewichte, könnte die Luft für ihn allerdings ziemlich dünn werden. Sollte er weiter in der Organisation bleiben dürfen, wäre ein Schlagabtausch mit Sergei Kharitonov sicherlich interessant.

Josh Koscheck besiegt Mike Pierce nach Punkten

In einem sehr ausgeglichenen Kampf konnten sich weder Josh Koscheck noch Mike Pierce klare Vorteile in einer der Runden erarbeiten. Beide Kämpfer konnten vereinzelte Takedowns landen, waren dann allerdings nicht in der Lage, ihren Gegner auf dem Boden zu halten. Auch die Duelle im Stand waren sehr ausgeglichen, weswegen es nicht verwunderlich war, dass die Punktrichter sich am Ende nicht einig waren und den Kampf 29:28, 29:28 und 28:29 für Koscheck werteten.

Josh Koscheck

Ein sehr glücklicher Sieg für Koscheck, der immer noch das Problem hat, dass Georges St. Pierre Weltergewichtschampion ist. Sollte sich Condit im Vereinigungskampf allerdings durchsetzen können, dann wäre der Weg zu einem weiteren Titelkampf wieder frei, allerdings stellt sich die Frage, wie er sich in der Zwischenzeit beschäftigt. Obwohl Koscheck vorläufig nicht mehr bei AKA trainieren wird, scheint ein Kampf gegen Jon Fitch immer noch unwahrscheinlich. Abgesehen von einem Kampf gegen Fitch, würde Dana White Koscheck auch gerne gegen Nick Diaz kämpfen sehen, wenn Diaz dann doch in den Käfig zurückkehren sollte. Dazu wäre ein Kampf gegen Jake Ellenberger sicherlich interessant, wenn dieser bei UFC on Fuel TV Diego Sanchez besiegen sollte.

Mike Pierce


Drei Versuche gegen Top-10-Gegner im Weltergewicht und drei knappe Niederlagen. Sowohl gegen Koscheck, als auch gegen Fitch und Johny Hendricks hat es nach Punkten nicht zu einem Sieg gereicht. Das ist sicherlich keine Schande, allerdings dürfte das Pierce wohl zu nichts anderem als einem sehr guten Gatekeeper im Weltergewicht machen. In einem Duell gegen den Verlierer des Kampfes zwischen Jake Shields und Yoshihiro Akiyama könnte er dennoch zeigen, dass er auf jeden Fall in einen der Hauptkämpfe gehört.

Renan Barão besiegt Scott Jorgensen einstimmig nach Punkten

Renan Barão bestimmte den Kampf gegen Scott Jorgensen über drei Runden. Es gelang Jorgensen nicht, Barão zu Boden zu bringen und den Brasilianer dort zu halten. Im Stand landete Barão immer wieder gute Treffer und zeigte dabei sein komplettes Arsenal an Schlägen und Kicks. Immer wieder landeten seine Legkicks, in der ersten Runde kam er mit einem Spinning Wheelkick durch und auch seine Fäuste fanden immer wieder ihr Ziel, während Jorgensen nur vereinzelt gute Treffer landen konnte. Dementsprechend werteten alle Punktrichter den Kampf auch mit 30:27 für Barão.

Renan Barão

Barão hat sich mit diesem Sieg eigentlich zum Nummer-1-Herausforderer im Bantamgewicht befördert, da es allerdings noch etwas dauern wird, bis Urijah Faber zum dritten Mal gegen Dominick Cruz antritt, wird Barão vorher wohl noch einen Kampf bestreiten müssen. Da Joseph Benevidez und Demetrious Johnson ins Fliegengewicht gewechselt sind, sind potentielle Top-10-Gegner im Moment eher Mangelware. Ohne neuen Gegner ist im Moment Brian Bowles, der zuletzt bei UFC 139 gegen Urijah Faber verloren hatte. Eine etwas längere Pause hätte Barão wohl, wenn er auf den Sieger zwischen Miguel Torres und Michael McDonald warten würde, die erst bei UFC 145 aufeinandertreffen.

Scott Jorgensen

Jorgensen hat gegen Barão besser ausgesehen, als die meisten seiner Vorgänger, dennoch ist dies ein schwerer Rückschlag auf dem Weg zu einem Rückkampf gegen Dominick Cruz. Um wieder nach oben zu kommen, wäre ein Sieg über Brian Bowles sicherlich hilfreich. Ein weiterer interessanter Kampf wäre ein Duell gegen den Verlierer zwischen Brad Pickett und Damacio Page, die bei UFC on Fuel TV 2 aufeinandertreffen werden.

Ed Herman besiegt Clifford Starks durch Submission

In einer abwechslungsreichen ersten Runde, konnten sowohl Ed Herman als auch Clifford Starks gute Aktionen zeigen. Starks traf immer wieder mit seiner Rechten, dafür konnte Herman einige gute Uppercuts und Knie landen und Starks eine Minute vor Schluss zu Boden bringen. Allerdings gelang Starks der Sweep und er konnte aus der Guard heraus einige Treffer landen. Dennoch brachte Herman seinen Gegner nach einer Minute in der zweiten Runde wieder zu Boden, wo er Starks schließlich auch mit einem Rear-Naked Choke zur Aufgabe bringen konnte.

Ed Herman

Für Herman war es der dritte Sieg in Folge und obwohl alle Siege vorzeitig waren und er sich inzwischen vielleicht wieder einen etwas namenhafteren Gegner verdient hätte, würde sich ein Rückkampf gegen Aaron Simpson anbieten, wenn dieser am 15. Februar seinen Kampf gegen Ronny Markes gewinnen sollte. Den ersten Kampf hatte Herman bei UFC 102 aufgrund einer Knieverletzung verloren.

Clifford Starks

Für Starks war es die erste Niederlage seiner MMA-Karriere, dennoch hat er in der ersten Runde durchaus Potential gezeigt, weswegen man ihm als nächstes den Verlierer des zuvor angesprochenen Kampfes zwischen Simpson und Markes geben könnte oder Michael Kuiper, der bei UFC 143 ebenfalls seine erste Niederlage einstecken musste. Er unterlag Rafael Natal im zweiten Vorkampf des Abends nach Punkten.