Kolumnen

Die Nachwehen von UFC 141

UFC 141: Lesnar vs. Overeem

Die UFC hat sich mit einem Knall von 2011 verabschiedet, ob es allerdings der Knall war, den sich die Organisation erhofft hatte, darf bestritten werden, schließlich gab Brock Lesnar, der Zuschauermagnet der UFC schlechthin, nach seiner TKO-Niederlage gegen Alistair Overeem seinen Rücktritt bekannt. Das dürfte die Freude über die Niederlage von Jon Fitch und den tollen Kampf zwischen Nate Diaz und Donald Cerrone sicherlich etwas getrübt haben.

Alistair Overeem besiegt Brock Lesnar

Die meisten Fans erwarteten einen Lesnar, der sofort versuchen würde, Overeem auf den Boden zu bringen, stattdessen ließ der Amerikaner sich vom K-1-Champion im Stand auseinandernehmen und versuchte nur einen halbherzigen Takedown, den Overeem aber problemlos abwehren konnte. Nach mehreren Knien zum Körper von Lesnar, schickte schließlich ein Kick zur Leber den ehemaligen UFC-Schwergewichtschampion zu Boden. Overeem schlug noch einige Male auf den zusammengekauerten Lesnar ein, bis der Ringrichter den Kampf nach 2:26 Minuten abbrach.

Alistair Overeem

Overeem hat einen überzeugenden Sieg auf der größten Bühne und gegen den wohl bekanntesten Kämpfer der UFC hingelegt und kann sich nun auf einen Titelkampf gegen Junior Dos Santos freuen. Ob er es gegen den Champion auch so leicht haben wird, darf bezweifelt werden.

Brock Lesnar

Lesnar gab sofort nach dem Kampf seinen Rücktritt bekannt. Während viele dies als einen weiteren Beweis dafür sehen, dass Lesnar sich immer aus dem Staub macht, wenn es hart auf hart kommt, sehen andere darin die richtige Entscheidung, da der ehemalige WWE-Superstar nicht mehr in der Verfassung war, die er vor seiner Erkrankung hatte. Jeder kann nun für sich entscheiden, was er von der kurzen Karriere von Lesnar hält und welchen Einfluss er auf den Sport hatte, es bleibt jedoch unbestreitbar, dass kein anderer Kämpfer in einer so kurzen Karriere so viel erreicht hat.

Nate Diaz besiegt Donald Cerrone nach Punkten

Vor dem Kampf waren sich die meisten Experten einig, dass Donald Cerrone im Stand Vorteile gegenüber Nate Diaz haben würde, davon konnte man im Kampf allerdings wenig sehen. Diaz bestimmte den Kampf über alle drei Runden mit seinem Boxen. Besonders in der ersten Runde wirkte Cerrone langsam, er konnte den Schlägen von Diaz nur selten ausweichen und musste sehr viele Treffer einstecken. In der zweiten und dritten Runde konnte Cerrone seinen Gegner zwar mit einigen Legkicks von den Beinen holen, allerdings ließ er Diaz immer wieder auf die Beine kommen und dort war ihm Diaz an diesem Tag einfach überlegen. Dies spiegelte sich auch in dem Punkturteil wieder: Alle drei Punktrichter werteten den Kampf für Diaz und nur einer gab eine Runde an Cerrone.

Nate Diaz

Mit dieser überzeugenden Leistung hat sich Diaz in eine lange Reihe von potenziellen Titelanwärtern im Leichtgewicht eingereiht. Während Cerrone bei einem Sieg jedoch wahrscheinlich einen Titelkampf bekommen hätte, wird Diaz mindestens noch einen weiteren Sieg einfahren müssen. Ein möglicher Gegner wäre beispielsweise der Sieger des Kampfes zwischen Melvin Guillard und Jim Miller. Sollte auch der Sieger zwischen Anthony Pettis und Joe Lauzon nicht sofort einen Titelkampf bekommen, wäre dies ebenfalls eine Möglichkeit.

Donald Cerrone

Cerrone reiht sich seinerseits mit dieser Niederlage in eine lange Liste von Titelanwärtern ein, die kurz vor einem Titelkampf eine Niederlage einstecken mussten. Dennoch darf davon ausgegangen werden, dass ihm die UFC auch in seinem nächsten Kampf einen hochkarätigen Gegner vorsetzen wird. Möglichkeiten wären z. B. Clay Guida und Gray Maynard, die nach ihren letzten Niederlagen beide noch keinen neuen Gegner haben. Dazu ist Cerrone ein sehr unterhaltsamer Kämpfer, der, wie Diaz auch, sicherlich Belebung ins Leichtgewicht von Strikeforce bringen würde, sollte sich die UFC entschließen, tatsächlich bekannte Namen an die kleinere Organisation abzugeben.

Johny Hendricks besiegt Jon Fitch durch KO

Johny Hendricks sorgte für die Überraschung des Abends, als er Jon Fitch nach nur wenigen Sekunden mit einer harten Linken KO schlug. Nach zwölf Sekunden war der Kampf zu Ende und die UFC hatte ein Problem weniger.

Johny Hendricks

Es wird bereits spekuliert, dass Hendricks nach dem Kampf noch einen kleinen Bonus bekommen hat, weil er das „Fitch-Problem“ beseitigt hat. Schließlich hat die UFC keinen Hehl daraus gemacht, dass sie Fitch nur ungern einen weiteren Titelkampf geben würden. Mit diesem Sieg hat Hendricks also nicht nur die Langzeit-Nummer-Zwei im Weltergewicht besiegt, sondern auch das geschafft, was George St. Pierre und BJ Penn nicht schaffen konnten: Er hat Fitch vorzeitig gestoppt. Dies hat er nach dem Kampf immer wieder betont und sich zudem immer wieder für einen Titelkampf ins Gespräch gebracht. Je nachdem wie lange GSP noch an der Seitenlinie warten muss, ist es auch gar nicht so unwahrscheinlich, dass Hendricks gegen den Sieger des Kampfes zwischen Nick Diaz und Carlos Condit um den Interimstitel kämpfen wird.

Jon Fitch

Obwohl Fitch nur einen seiner 15 Kämpfe in der UFC verloren hatte, wollte die UFC ihm keinen zweiten Titelkampf geben. Nach dieser Niederlage wird sich daran so schnell nichts ändern. Sollte Fitch Pech haben, könnte er sich in seinem nächsten Kampf wieder gegen einen Mittelklassegegner in einem Vorkampf wiederfinden. Sollte dem nicht so sein, wird Fitch etwas auf seinen nächsten Kampf warten müssen, da die restlichen Top-Weltergewichtler allesamt in den nächsten zwei Monaten verplant sind. Danach wäre Mike Pierce ein möglicher Gegner, wenn er gegen Josh Koscheck, ein Trainingspartner von Fitch, verlieren sollte oder der Verlierer zwischen Nick Diaz und Carlos Condit. Mit Sicherheit wäre Fitch aber auch ein Kandidat für Strikeforce, ob er dort allerdings für mehr Zuschauer sorgen würde, darf bezweifelt werden.

Alexander Gustafsson besiegt Vladimir Matyushenko durch TKO


Nach einem etwas verhaltenen Beginn, konnte Alexander Gustafsson Vladimir Matyushenko mit einem Jab abfangen, als der Weißrusse auf ihn zu stürmte. Matyushenko ging zu Boden und wurde dort von Gustafsson mit weiteren Schlägen eingedeckt, bis der Ringrichter den Kampf nach 2:35 Minuten abbrach.

Alexander Gustafsson

Durch diesen Sieg hat sich Gustafsson in die Position gebracht, dass er den ersten UFC Event in Schweden anführen könnte. Sollte Rich Franklin nun doch einen Kampf gegen den Schweden akzeptieren, wäre dies ein möglicher Mainevent. Ansonsten könnte die UFC Gustafsson mit Kämpfen gegen Lyoto Machida oder Mauricio „Shogun“ Rua testen, ob er bereits in die Top-Fünf im Halbschwergewicht gehört.

Vladimir Matyushenko

Matyushenko ist nach wie vor ein wertvoller Gatekeeper, der die Spreu immer noch gut vom Weizen trennen kann, dennoch neigt sich seine Karriere nun langsam dem Ende entgegen. Gegen Cyrille Diabaté könnte er beweisen, dass er sich als erfahrener Ringer immer noch gegen Mittelklassegegner durchsetzen kann, sollte ihm das nicht gelingen, wäre es für den am 4. Januar 41 Jahre alt werdenden Matyushenko vielleicht auch Zeit, die Handschuhe an den Nagel zu hängen.

Jimy Hettes besiegt Nam Phan nach Punkten

Für eine weitere große Überraschung an diesem Abend sorgte der erst 24 Jahre alte Jimy Hettes, der Nam Phan über drei Runden komplett dominierte. In der ersten Runde sah es mehrfach so aus, als ob Hettes den Kampf vorzeitig würde beenden können, aber Phan überstand mehrere Submission-Versuche und gutes Ground and Pound von Hettes. In der zweiten Runde gelang es Phan kurzzeitig, die Oberlage zu bekommen, dennoch bestimmte Hettes auch diese Runde im Stand und auf dem Boden. Die dritte Runde war zunächst ausgeglichen, bis Hettis den Kampf zwei Minuten vor Schluss wieder zu Boden brachten und Phan dort mit Ground and Pound bearbeitete und den einseitigen Punktsieg klarstellte. Die Punktrichter gaben den Kampf mit 30-25, 30-25 und 30-26 eindeutig und verdient an Hettes.

Jimy Hettes

Eine sehr beeindruckende Leistung von Hettes in seinem zweiten Kampf in der UFC. Damit dürfte es in seinem nächsten Kampf für ihn nicht leichter werden. Mit Diego Nunes und Ross Pearson konnten zwei potenzielle Gegner bei UFC 141 ebenfalls Siege einfahren. Beides sind erfahrende Kämpfer, die den ungeschlagenen Hettes vor eine interessante Herausforderung stellen würden. Sollte die UFC Hettes langsam aufbauen wollen, stünden aber auch die UFC-Neulinge Bryan Caraway und Steven Siler bereit.

Nam Phan

Für Phan sieht es dagegen etwas weniger rosig aus. Er hat drei seiner letzten vier Kämpfe in der UFC verloren und nach einer so dominanten Niederlage ist es nicht unwahrscheinlich, dass die UFC ihn vor die Tür setzt. Sollte das nicht der Fall sein, könnte er in seinem nächsten Kampf gegen Manvel Gamburyan antreten und der Verlierer dieses Kampfes, dürfte die UFC dann verlassen müssen.