Kolumnen

Die Nachwehen von Huck vs. Nakash

Marco Huck gewann die "Schlacht vom Teutoburger Wald". Was hält die Zukunft für ihn bereit? (Fotos von Sabine Ziran/GroundandPound)

Als „Schlacht vom Teutoburger Wald“ bezeichnete Sauerland-Coach Ulli Wegner den Kampf seines Schützlings Marco Huck. Der World Boxing Organisation Cruisergewichtsweltmeister hat am Samstagabend vor 5.300 Zuschauern im Gerry Weber Stadion seinen Titel erfolgreich gegen den zähen Herausforderer Ran Nakash verteidigt. Ein Kampf, der Huck nach eigener Aussage „sehr viel abverlangt hat“.

„Ich musste mich durchkämpfen“, erklärte er auf der Abschlusspressekonferenz. „Und immer aufpassen, dass mich keiner von seinen Schwingern erwischt. Es war sehr schwer ihn zu treffen, er hat sich so tief abgeduckt, der hing mir ja manchmal fast an den Knien.“

In der Tat war Nakash ein sehr unbequemer Gegner. Von Beginn an marschierte er schnurstracks nach vorn, stand kompakt und schlug weite Schwinger. Der Weltmeister brauchte einige Zeit, um sich darauf einzustellen. Auch Coach Wegner war voll des Lobes für den Herausforderer. „Alle Achtung“, so der Kult-Trainer. Er ziehe den Hut vor dem israelischen Militärausbilder. „Ich war auch mal Kampfschwimmer. Kerle wie wir gehen nicht unter“, ergänzte er Wegner-typisch.  

Nakashs Trainer erinnerte daran, dass sein Schützling sehr kurzfristig für den verletzten Italiener Giacobbe Fragomeni eingesprungen war und nur gut eine Woche Zeit zur Vorbereitung hatte. Er bedankte sich bei Sauerland Event für die professionelle Organisation und würde einen weiteren Kampf gegen Huck sehr begrüßen. „Ran sah heute aus wie ein wahrer Champion. Er hätte nur etwas mehr Zeit gebraucht. Mit zwei Monaten Vorbereitungszeit wäre das Ergebnis heute ein anderes gewesen.“ Huck quittierte diese Aussage spitzbübisch mit einem tadelnden „na na na“.

Zuckerbrot und Peitsche: Trainer Ulli Wegner hatte jede Menge Lob für Marco Huck übrig - aber wie immer auch ein wenig Kritik.
Wilfried Sauerland bedankte sich ebenfalls bei Nakash und dessen Team und zeigte sich erfreut, dass „hier einer zum kämpfen gekommen ist und nicht nur, um das Geld abzuholen.“ Es gäbe viele gute Cruisergewichte, so dass er sich einen weiteren Kampf unter dem Sauerland-Banner mit der Beteiligung von Nakash in Zukunft durchaus vorstellen könnte. Den geforderten Rückkampf gegen Huck schloss er damit indirekt natürlich aus.

Bleibt die Frage, was die Zukunft für Marco Huck bringen wird. IBF Champion Steve Cunningham war ebenfalls in der Arena und beäugte die Leistung Hucks gespannt. Nach dem Kampf versicherte er, zu einem Rückkampf gegen ihn bereit zu sein. Cunningham war es, der Huck im Dezember 2007 seine bislang einzige Niederlage beibringen konnte.

Dazu befragt verriet Wilfried Sauerland, dass das im vergangenen Jahr ins Gespräch gebrachte Cruisergewichtsturnier noch lange nicht vom Tisch sei. Ein solches sei definitiv in Planung. Statt dem ursprünglich erwogenen Super Six-Format, favorisiere er aber ein Vier-Mann-Turnier, an dem ausschließlich die Weltmeister der vier großen Verbände beteiligt sein sollen. Namentlich Marco Huck (WBO), Steve Cunningham (IBF), Guillermo Jones oder Yoan Pablo Hernandez (WBA), und Krzysztof Wlodarczyk (WBC), der am selben Abend in Polen seinen Titel via geteilten Punktentscheid gegen den Puerto-Ricaner Francisco Palacios verteidigen konnte. Der US-Premiumsender Showtime, der gemeinsam mit Sauerland Event bereits das derzeit laufende Super Six World Boxing Classic-Turnier im Super-Mittelgewicht veranstaltet, hätte bereits Interesse bekundet. Man wolle seitens Sauerland beim nächsten Mal allerdings nicht alle „Entscheidungsgewalt an Showtime abgeben“, eine Zusammenarbeit sei daher noch nicht sicher, ein Turnier in Eigenregie durchaus im Bereich des Möglichen.

Sollte es dazu kommen, hätte Weltmeister Huck eine große Aufgabe vor sich. Laut Coach Wegner hätte er es auch bei diesem Mal „boxerisch besser machen können“, erklärte er gewohnt kritisch. Er müsse die im Trainingslager gepaukte Theorie auch anwenden und dürfe nun nicht „auf der faulen Haut liegen“, auch wenn Huck konstatierte, dass ihn Boxen im kommenden Monat „erst mal nicht interessieren würde“. Letztlich sei Wegner aber stolz auf „seinen Jungen“, der auch in seiner sechsten Titelverteidigung den Sieg „klar nachhause gefahren“ hat.

Siegerlächeln: Robert Helenius fuhr mit dem beeindruckenden KO über Samuel Peter den bislang wichtigsten Sieg seiner Karriere ein.
Der zweite ganz große Star des Abends war die finnische Schwergewichtshoffnung Robert Helenius, der mit Samuel Peter einen weiteren großen Namen der Schwergewichtsszene und Ex-Weltmeister in der neunten Runde KO schlagen konnte. Ein großer Sieg für Helenius, der mit nun 15 Kämpfen auf dem Kerbholz erst am Anfang seiner Karriere steht. Und auch wenn Helenius, nach Aussage von Wilfried Sauerland, in Zukunft die „Welt auf den Kopf stellen“ wird, warnte der Sauerland-Patriarch vor zu großen Schritten.

„Ich wollte den Kampf gegen Peter eigentlich noch gar nicht haben. (Sauerland Sportdirektor) Hagen Döring und Ulli Wegner haben mich dazu überredet“, verriet er. „Ich hätte ihn vorher gern noch einen oder zwei Kämpfe machen lassen.“ In der Tat war Samuel Peter eine recht große Nummer, in dieser Phase von Helenius‘ Karriere. Döring führte als Vergleich Vitali und Wladimir Klitschko an, die in ihrem 15. Profi-Kampf Aufbaugegner wie Alben Belinski (damals 5-0-0) und Ladislav Husarik (damals 4-13-1) geboxt hatten.

Zu nervös sei der „Nordic Nightmare“ zu Beginn gewesen, kritisierte Coach Wegner. Helenius selbst fand sich „nicht so explosiv wie gewollt“, nach einer Motivationsrede seines Trainers „ging es dann aber“. Wegner bestätigte seinem Schützling eine lobenswerte Entwicklung. Hat er sich nach den ersten Sparringsrunden von Helenius noch in „seinem Bungalow verkrochen und mit keinem geredet“, waren die Sparrings vor dem Peter-Fight „wirklich klasse“. „Robert kann mitdenken und besitzt einen angeborenen Instinkt, der Gefahr aus dem Weg zu gehen. Gegen einen wie Peter muss man vorsichtig sein.“

Große Pläne für Huck und Helenius: ein zufriedener Wilfried Sauerland.
Laut Wilfried Sauerland steht für den finnischen Hünen als nächstes ein EBU EU-Titelkampf an. Ein Gürtel, den Universum-Boxer Alexander Dimitrenko derzeit hält und erst am vergangenen Wochenende mit einem KO in der zwölften Runde gegen Albert Sosnowski verteidigt hat. „Robert wird immer besser“, so Sauerland. „Seine Führhand war heute gut, wenn auch nicht so gut wie sonst. Und er hat gezeigt, dass er auch einen Punch nehmen kann.“

Sauerland-Goldjunge Dominik Britsch arbeitet sich in den Ranglisten ebenfalls weiter nach oben und besiegte den Ungarn Jozsef Matolcsi einstimmig nach Punkten. Eine souveräne Leistung, die das disziplinierte Mittelgewicht wieder abgeliefert hat, obwohl er in der fünften Runde einmal kurz zu Boden musste. „Das ist eben Boxen“, winkte Wegner mit einem Schulterzucken ab und prophezeite „Britschi“ eine große Zukunft.

Mark Bergmann ist GroundandPound-Chefredakteur und Redakteur bei Fighters Only Germany. Folgt ihm auf Twitter: @MarkBergmann.