Kolumnen

Die größten Fehler der MMA-Geschichte

Fedor Emelianenko schlägt den fliegenden Andrei Arlovski KO (Foto:D. Mandel/Sherdog.com)

Am vergangenen Wochenende hat Thiago Alves gezeigt, wie ein mentaler Fehler einen kompletten Kampf auf den Kopf stellen kann. Hätte Alves bei UFC on FX 2 keinen Takedown versucht und den Kampf weiter im Stand gehalten, wo er zuvor so viel Erfolg hatte, hätte er gegen Martin Kampmann aller Wahrscheinlichkeit nach einen Punktsieg eingefahren. So aber steht eine vermeidbare Niederlage, die auf einen unnötigen Fehler zurückzuführen ist.

Blickt man nun aber ein wenig in die Vergangenheit, dann sieht man, dass Alves nicht der Einzige ist, der übermütig oder nachlässig geworden ist. Chael Sonnen und Fedor Emelianenko können ein Lied davon singen. Ähnliches trifft auf Antonio Rodrigo Nogueira zu, der seinen Kampf gegen Frank Mir wahrscheinlich gewonnen hätte, wenn er weiter auf diesen eingeschlagen und nicht plötzlich einen Choke versucht hätte. „Big Nog“ erklärte sein Verhalten damit, dass der Ringrichter sagte, dass er nicht auf den Hinterkopf von Mir schlagen soll, was man als Erklärung gelten lassen kann. Bei anderen Kämpfern fällt die Erklärung dagegen nicht so leicht.

Da fallen einem besonders die Kämpfer ein, die während eines Kampfes auch noch ihre Späße mit dem Gegner oder den Zuschauern treiben. So was kann mal gut gehen, aber es ging auch schon mehrfach ins Auge, was einige der folgenden Kämpfer schmerzhaft am eigenen Leib erfahren mussten.

Auch wenn viele Kämpfer gerne auf die „Komm her“-Geste zurückgreifen, um den Gegner zu provozieren, oder um zu zeigen, dass ein Schlag gar nicht so hart war, gibt es einige Beispiele, die sich der ein oder andere Kämpfer ansehen sollte, bevor er das nächste Mal seinen Gegner zu einem Schlag auffordert.

Spencer Fisher vs. Matt Wiman

Bei UFC 60: Hughes vs. Gracie trafen am 27. Mai 2006 Spencer Fisher und Matt Wiman aufeinander. Matt Wiman bestimmte den Kampf in der ersten Runde. Nach etwas Arbeit im Clinch, brachte Wiman Fisher zu Boden und hätte ihn fast mit einem Guillotine Choke zur Aufgabe gezwungen, anschließend musste Fisher lange einen Rear-Naked Choke-Versuch von Wiman verteidigen, bevor er aufstehen und dann 30 Sekunden vor Schluss der ersten Runde seinerseits Wiman zu Boden bringen konnte. Dort traf er Wiman mit einem Ellenbogen und öffnete einen Cut auf der Stirn, bevor die Runde zu Ende war.

In der zweiten Runde gelang es Fisher, seinen Gegner zu Boden zu bringen. Allerdings konnte er dort nicht viel ausrichten und stand schließlich aus der Guard von Wiman wieder auf. Im Stand landete Fisher sofort einige Knie aus dem Clinch. Dazu traf er auch noch mit einer guten Rechten, woraufhin sich Wiman genötigt sah, seine Hand zu heben und mit dem Zeigefinger zu signalisieren, dass das keine Wirkungstreffer waren. Fisher nutzte die Gelegenheit zu einem gesprungenen Knie. Wiman nahm den Kopf noch runter und das Knie traf genau auf den Punkt. Wiman sank zu Boden und Fisher ging einfach weg, während der Ringrichter zu Wiman lief und den Kampf beendete.


Wiman kann sich allerdings trösten, er war nicht der Einzige, dem dieses Schicksal widerfahren ist.

Sergei Kharitonov vs. Alexander Emelianenko

Nur wenige Monate später, am 10. September 2006 kam es zum russischen Duell zwischen Sergei Kharitonov und Alexander Emelianenko. Beide Kämpfer tauschten zu Beginn des Kampfes Schläge aus, bis Kharitonov seinen Gegner mit einer Rechten zu Boden schickte. Kharitonov ging sofort hinterher und landete in der Full-Mount, allerdings gelang es ihm nicht, gute Treffer zu landen, bevor Emelianenko ihn von sich runter warf. Kharitonov bearbeitete seinen am Boden liegenden Landsmann anschließend aus dem Stand mit Schlägen, bevor er in die Guard seines Gegners ging. Dort sah der Ringrichter nicht genug Action, weswegen er die Kämpfer wieder auf die Beine holte.

Im Stand konnte Kharitonov anschließend die besseren Treffer landen, bevor ihn eine gute Rechte von Emelianenko traf. Kharitonov forderte seinen Gegner daraufhin mit der rechten Hand auf, ihn wieder zu schlagen, was zu einer weiteren Rechten von Emelianenko führte, die Kharitonov ins Wanken brachte. Anstatt sich nun aber zu konzentrieren, forderte dieser seinen Gegner mit beiden Händen zu weiteren Schlägen auf. Kharitonov versuchte unter den Folgeschlägen abzutauchen, wurde aber wieder getroffen und ging zu Boden, wo er von Emelianenko mit Schlägen und Kniestößen bearbeitet wurde, bis der Ringrichter den Kampf abbrach.


Dass Überheblichkeit nicht nur im Stand zu einem schnellen Ende führen kann, bewies David Gardners eindrucksvoll bei DREAM 7.

Shinya Aoki vs. David Gardners

Der Kampf zwischen Shinya Aoki und David Gardners bei DREAM 7 verlief ziemlich einseitig. Aoki brachte seinen Gegner schnell zu Boden und brauchte dort nicht lange, um sich den Rücken von Gardners zu sichern. Dennoch verteidigte der Amerikaner lange erfolgreich die Submission-Versuche von Aoki. Nach einigen Minuten winkte Gardners, immer noch in der Body-Triangle von Aoki liegend, den Fans zu. Weitere Submission-Versuche von Aoki scheiterten und schließlich gelang es Gardners, wieder auf die Beine zu kommen.

Aoki schaffte aber sofort wieder der Takedown. Auf dem Boden bekam er wieder den Rücken von dem knienden Gardners, was für diesen aber kein Grund zur Beunruhigung war. Anstatt gegen die Hände von Aoki zu verteidigen, winkte er den Fans zu und rief „Hello Japan“, was Aoki dazu nutzte, den Rear-Naked Choke anzusetzen, und nur wenige Sendungen nach seinem Gruß an die Fans musste Gardners abklopfen.


Es sind allerdings nicht nur besagte Gesten, die einem am Ende den Kampf kosten können. Wenn das eigene Selbstbewusstsein im Laufe eines Kampfes steigt, kann dies zu unüberlegten Aktionen führen, die besonders bitter enden können.

Fedor Emelianenko vs. Andrei Arlovski

Bei Affliction: Day of Recconing trafen am 24. Januar 2009 zwei der damals besten Schwergewichte im MMA aufeinander. Fedor Emelianenko war seit Jahren ungeschlagen und die unangefochtene Nummer 1 im Schwergewicht. Arlovski war der ehemalige UFC Champion, der neun seiner letzten elf Siege durch (T)KO einfahren konnte.

Arlovski sah in dem Kampf zunächst, für viele überraschend, sehr gut aus. Er traf mit sauberen Boxtechniken und ließ Fedors Schläge ein ums andere Mal ins Leere fliegen. Nach etwas über drei Minuten versuchte sich Arlovski an einem Flying Knee, allerdings wurde er in der Luft von der Rechten Fedors abgefangen und landete mit der Nase voran auf der Matte. Viel schöner kann man kaum KO gehen – auch wenn das wahrscheinlich nicht Arlovskis Absicht war.

Im Gegensatz zum fliegenden Arlovski fallen die folgenden beiden Fälle mehr in die Kategorie „Dumm gelaufen“, aber auch sie sollen nicht verschwiegen werden.

Gray Maynard vs. Rob Emerson

In seinem UFC Debüt dominierte Gray Maynard beim Finale von The Ultimate Fighter 5 Rob Emerson in der ersten Runde am Boden. Am Ende der Runde hatte Emerson sichtlich Schmerzen, diese verstärkten sich noch, nachdem Maynard ihn in der zweiten Runde mit einem Slam zu Boden beförderte. Emerson klopfte daraufhin aufgrund einer Rippenverletzung ab. Was er dabei nicht mitbekommen hatte, war, dass Maynard sich bei dem Slam selber KO geschlagen hatte. Beide Kämpfer konnten nicht weitermachen und der Kampf wurde nicht gewertet.

Matt Lindland vs. Falaniko Vitale

Ähnlich unglücklich endete der Auftritt von Matt Lindland bei UFC 43. Lindland suchte gegen Falaniko Vitale von Anfang an den Takedown. Nach fast zwei Minuten am Käfig, gelang ihm dieser schließlich. Allerdings rutschte Lindland dabei weg, schlug mit dem Kopf auf dem Boden auf und war KO. Der Ringrichter sprang sofort dazwischen und Vitale wurde zum Sieger erklärt. Und Lindland war damit offiziell der erste Kämpfer in der UFC, der sich selbst KO geschlagen hatte.


Sowohl in Lindland als auch in Maynards Fall kann man von einem unglücklichen Zufall sprechen, im Fall von Rousimar Palhares trifft dies leider nicht zu.

Rousimar Palhares

Nachdem sowohl Palhares als auch Nate Marquardt in ihrem Kampf bei UFC Fight Night: Marquardt vs. Palhares zunächst hauptsächlich Luft getroffen hatten, gelang Palhares nach etwas über zwei Minuten der Takedown. Dort musste er zunächst einen Triangle-Versuch von Marquardt abwehren, anschließend griff sich Palhares ein Bein und setzte zu einem seiner gefürchteten Beinhebel an. Marquardt konnte sich befreien, was für Palhares nur dadurch zu erklären war, dass Marquardt sich vorher eingeölt hatte. Dies signalisierte er am Boden liegend dem Ringrichter. Diese Gelegenheit nutzte Marquardt. Er stürzte sich sofort auf Palhares, traf diesen mit einem harten Schlag und schlug weiter so lange auf den benebelten Brasilianer ein, bis der Ringrichter den Kampf abbrach.

Dies war allerdings nicht die einzige ungewöhnliche Situation, in die Palhares verstrickt war. Bei UFC 134 schickte er Dan Miller mit einem schönen Headkick zu Boden und bearbeitete ihn dort mit Ground and Pound. Als Palhares der Ansicht war, dass Miller genug hatte, brach er den Kampf ab, sprang auf den Käfig und feierte, dabei hatte der Ringrichter den Kampf noch gar nicht gestoppt. Der Kampf wurde fortgesetzt und Palhares wurde sofort von Miller mit einer guten Kombination zu Boden geschickt. Der Brasilianer konnte sich erholen und gewann schließlich einstimmig nach Punkten, aber der Kampf hätte auch anders enden können. „Mehr Glück als Verstand“ würde wohl so mancher in diesem Fall sagen.

Auch wenn es kein tatsächlicher Kampf war, so darf an dieser Stelle doch nicht das Aufeinandertreffen von Heath Herring und Yoshihiro Nakao fehlen.

Heath Herring vs. Yoshihiro Nakao

Die beiden Kämpfer sorgten bei K-1 PREMIUM 2005 Dynamite!! für einem der kuriosesten KOs in der Geschichte des MMA. Vor dem Kampf zwischen Herring und Nakao rief der Ringrichter die Kämpfer in die Mitte des Rings. Während der Ringrichter die Regeln erklärte, küsste Nakao Herring auf den Mund, was dieser mit einer krachenden Rechten beantwortete. Nakao war sofort KO und konnte den Kampf nicht mehr bestreiten. Ursprünglich wurde Nakao zum Sieger durch Disqualifikation erklärt, dieses Urteil wurde aber später geändert und der „Kampf“ wurde nicht gewertet.


„Protect yourself at all times", diese
Regel trifft tatsächlich immer zu. Ganz im Gegensatz zu dem alten Sprichwort, das besagt, die dümmsten Bauern ernten die größten Kartoffeln - wie dieser Beitrag hier eindrucksvoll zeigt.