Kolumnen

Die Geschichte von Strikeforce

Am kommenden Samstag findet in Oklahoma City der letzte Event von Strikeforce statt, weshalb an dieser Stelle die Geschichte der Organisation noch einmal persönlich reflektiert werden soll. Es ist eine Organisation, die ich in den letzten sechs Jahren sehr genau verfolgt habe. Die Debütveranstaltung im März 2006, die rund um den Kampf zwischen Frank Shamrock und Cesar Gracie aufgebaut wurde, stellte bereits meinen ersten Kontakt mit Strikeforce dar. Mit der dritten Veranstaltung begann ich meine Berichterstattung über die Organisation.

Beim Rückblick auf das Programm der dritten Veranstaltung, welches mit einem Hauptkampf zwischen Tank Abbott und Paul Buentello beworben wurde, ist mir aufgefallen, dass niemand anderer als der amtierende UFC-Schwergewichtschampion Cain Velasquez sein MMA-Debüt bei eben jener Veranstaltung gab und kurzen Prozess mit seinem Gegner Jesse Fujarczyk machte.

Es war ein langer Weg seit dem Frühjahr 2006 bis zur letzten Veranstaltung am kommenden Samstag, den Strikeforce gegangen ist. Die  Zeitlinie von Strikeforce lässt sich für mich dabei grob in drei Stücke teilen. Eine Shamrock-Ära, eine Showtime-Ära und eine Zuffa-Ära.

Shamrock-Ära
Die erste Ära reicht von der Debütveranstaltung bis zum April 2009, wobei das Ende mit Frank Shamrocks letztem Kampf für Strikeforce markiert wird. Diese Anfangsjahre der Organisation waren davon gekennzeichnet, dass man bekannte Kämpfer nach ihrer Prime einsetzte, um die Veranstaltungen zu bewerben oder mit anderen nicht-sportlichen Aspekten für Aufmerksamkeit sorgte. Bizarre Momente wie Veranstaltungen in der Playboy-Villa oder ein Hauptkampf zwischen Bob Sapp und Jan Nortje bei Strikeforce: At The Dome bleiben dabei in Erinnerung.



Showtime-Ära
Der selbe Event, der die Shamrock-Ära beendete, bildet auch den Anfang der Showtime-Ära. „Shamrock vs. Diaz“ war die erste Strikeforce-Veranstaltung, die auf dem amerikanischen TV-Sender Showtime ausgestrahlt wurden. Der Fokus der Organisation änderte sich mit der neuen TV-Präsenz und damit verbundenen finanziellen Mitteln schnell. Neben bekannten Kämpfern wurden auch mehr Athleten verpflichtet, die auch aus sportlicher Sicht für Aufmerksamkeit sorgen konnten. Kämpfer wie Fedor Emelianenko, Jake Shields, Dan Henderson, Antonio Silva, Andrei Arlovski, Gegard Mousasi, Marius Žaromskis, Muhammed Lawal und Shinya Aoki wurden an Bord geholt und werteten die Strikeforce-Veranstaltungen auf.

Außerdem begann man eigene Kämpfer aufzubauen und richtete dafür auch die Veranstaltungsreihe „Strikeforce Challengers“ ein. Shane Del Rosario, Tyron Woodley, Lorenz Larkin, Tarec Saffiedine oder Ryan Couture wurden dabei ebenso aufgebaut wie die späteren Champions Luke Rockhold, Rafael Cavalcante und Daniel Cormier.



Einen Höhepunkt erreichte die Organisation auch in dieser Ära, als man im Jahr 2011 den „Strikeforce Heavyweight Grand Prix“ startete und dabei das „Who-is-Who“ der Schwergewichtsklasse (außerhalb der UFC) verpflichtete. Daraus resultierte ein Turnier mit folgenden Kämfpern: Antonio Silva, Fedor Emelianenko, Alistair Overeem, Fabricio Werdum, Andrei Arlovski, Sergei Kharitonov, Josh Barnett und Brett Rogers sowie den Ersatzkämpfern Jeff Monson, Daniel Cormier, Shane Del Rosario und Valentijn Overeem.

Obwohl das Turnier letztendlich durch Ausfälle und Verschiebungen bei weitem nicht das hielt, was es Anfangs versprach, erinnerte das Turnier in seiner Ansetzung sehr an die legendären PRIDE-Turniere und lies die gesamte Organisation in neuer Kraft erscheinen. Zumindest die Ansetzung des Turniers mit den genannten Teilnehmern schaffte es auch, in der Berichterstattung einige UFC-Schlagzeilen in den Schatten zu stellen.

Zuffa-Ära
Vielleicht hatte man die UFC mit dem Schwergewichtsturnier und unter anderem der Verpflichtung des UFC-Top-Kämpfers Dan Henderson etwas zu viel unter Druck gesetzt, vielleicht hat man sich damit aber auch einfach finanziell übernommen. Im März 2011 wurde jedenfalls bekannt gegeben, dass Zuffa LLC, der Konzern hinter der UFC, Strikeforce übernehmen wird, womit auch die Zuffa-Ära eingeleitet wurde.



Obwohl Dana White und die UFC verkündeten, Strikeforce würde unabhängig geführt werden und seine aktuellen Kämpfer beibehalten, zweifelten viele daran, dass die Organisation auf Dauer bestehen bleiben würde. Zu Recht, wie sich herausstellte. Im Laufe der Zeit wechselten immer mehr Kämpfer von Strikeforce in die UFC, neue Kämpfer wurden Mangelware und der Kader wurde zunehmend dünner. Als Folge daraus mussten im vergangenen Jahr zwei Events von Strikeforce abgesagt werden, da Verletzungen von Top-Kämpfern nicht mehr kompensiert werden konnten. Der schleichende Niedergang einer Organisation, die es weit gebracht hatte.

Zeitlos

Ungeachtet aller Veränderungen, welche die Organisation in den vergangenen sechs Jahren durchmachten, hielten Josh Thomson und Gilbert Melendez der Organisation die Stange. Sie standen bereits beim ersten Event neben Frank Shamrock und Cesar Gracie im Ring, kämpften neben Fedor Emelianenko und Dan Henderson und  wären auch bei der letzten Strikeforce-Veranstaltung im Käfig gestanden, hätten sie Verletzungen nicht davon abgehalten.


Zwölf Kämpfe bestritt der amtierende Leichtgewichtschampion Gilbert Melendez für Organisation, davon zehn Titelkämpfe, womit er sozusagen den Randy Couture von Strikeforce darstellte. Thomson trat dreizehnmal in Strikeforce-Duellen an, davon in sechs Titelkämpfen. Wenn an auf die Geschichte von Strikeforce zurückblickt, sind Tompson und Melendez damit ohne Zweifel ein wichtiger Bestandteil.