Kolumnen

Die dunkelste Stunde des Fedor Emelianenko

Fedor Emelianenko (Foto via Strikeforce)

Ist dies das Ende einer Ära, liebe Leser? Der MMA-Sport ist im Wandel und nicht mehr das, was er einmal war. Unbesiegbare Athleten gibt es scheinbar nicht mehr, man kann sich auf keine Großen mehr verlassen, denn jeder Kampf kann die Wende bringen.

Die Stars, die den Sport groß gemacht haben, verbleichen mit der Zeit und verschwinden langsam in der Gleichgültigkeit. Man erinnere sich an die Anfänge des Sports, als Royce Gracie mit seiner gesamten Familie zum Octagon lief und man wusste, sobald er einen Arm oder Bein des Gegners zu fassen bekommt, bringt er diesen zur Aufgabe. Tito Ortiz siegte über Jahre mit starkem Ground and Pound, Chuck Liddell knockte über Monate jeden Gegner aus, der ihm vor die Handschuhe kam. Legenden wurden geboren, und dann kam Fedor Emelianenko…

Ein Mann, bei dem der Vorname ausreicht: Fedor. Ein russisches Triebwerk, das zu einem unaufhaltsamen Siegeszug ansetzte. Stets freundlich, respektvoll, doch kontinuierlich erfolgreich im Ring. Ein Mann, der für ein ganzes Jahrzehnt als unbesiegbar galt, so etwas kannte der MMA-Sport nicht. Siege gegen Größen wie Ricardo Arona, Renato Sobral, Antonio Rodrigo Nogueira, Mark Coleman, Mirko Filipovic, Tim Sylvia, Andrei Arlovski uvm. machten Fedor zu einer Legende.

Fedor als König von Pride FC (Foto via bleacherreport.com)

Doch dann kam die plötzliche Veränderung. Zuschauer gewöhnten sich an einen garantierten Sieg und waren umso geschockter, als diese Konstanz nach zehn Jahren plötzlich ausblieb: Fedor verlor gegen Fabricio Werdum via Submission. Der Schocker des Jahres! Doch damit nicht genug: Einen Kampf später wurde der Russe von Antonio „Bigfoot“ Silva besiegt, denn der zuständige Ringarzt beendete den Kampf in der Rundenpause. Der Russe sprach davon, seine Karriere zu beenden und schien am Boden zerstört.

Veränderung ist schwer. Man war nicht gewohnt, Fedor verlieren zu sehen. Geht das Triebwerk seinem Leistungsendpunkt entgegen?

Sollte Emelianenko heute Nacht gegen eine Legende des Sports gewinnen, den aktuellen Halbschwergewichtschampion von Strikeforce, Dan Henderson, könnte es einen Umschwung bedeuten. Die mentale Stärke, die im Sport so wichtig ist, das Selbstvertrauen des früheren „King of PRIDE“, könnte zurückkommen. Bei einer Niederlage jedoch scheint es darauf hinauszulaufen, dass die Karriere des besten und erfolgreichsten Schwergewichtlers, den die junge Historie des MMA-Sports bisher sehen durfte, an ihr Ende gelangt ist.

„Darüber denke ich noch nicht nach“, so Emelianenko. „Ich konzentriere mich nur auf Henderson, schaue nicht an ihm vorbei. Ich würde gerne weiterkämpfen, egal ob Sieg oder Niederlage. Ich danke Gott, dass ich mich derzeit in einer guten Verfassung befinde und gesund bin. Nach dem Kampf sehen wir weiter.“

Werden wir Fedor heute Nacht wieder gewinnen sehen? Dominant und selbstbewusst, wie er vielen aus der Zeitspanne von 2000 bis Anfang 2010 in Erinnerung blieb? Wenn nicht, ist es Zeit, Adieu zu sagen?!

Sollte es so sein, dass heute Emelianenkos letzter Auftritt droht, dann muss man ihm danken, für all das, was er der MMA-Welt gebracht hat. Für all die Jahre, die er auf hohem Niveau Gegner dominiert hat und zu Recht als „der letzte Kaiser“ tituliert wurde. Ob es neben dem Russen noch weitere Athleten geben wird, die das erreichen können, was er im Schwergewicht tat, bleibt abzuwarten. Die Ära Fedor ist jedoch, ohne Frage, ein großes Stück MMA-Geschichte.

Der König ist tot, es lebe der König?

Morgen früh wissen wir mehr...

Collage via MMABlaster