Kolumnen

Die 10 größten Upsets der MMA-Geschichte

Chris Weidman mit dem größten Upset 2013. (Foto: Zuffa LLC)

Das Schönste am MMA-Sport ist die Unberechenbarkeit der Kämpfe. Spieler, Buchmacher und Fans bekommen regelmäßig Wutanfälle oder Jubelattacken, wenn die Kämpfer ihrer Wahl entgegen aller Erwartungen gewinnen oder verlieren. Außenseiter und Favoriten sind kaum auszumachen, in einem Sport, in dem Überraschungen die Regel sind. GNP1.de stellt euch die zehn größten Überraschungen in der Geschichte des MMA-Sports vor.

Dass beim MMA nicht immer der vermeintliche Favorit gewinnen muss, wurde in der Vergangenheit bereits hinlänglich bewiesen. Ob das daran liegt, dass die Außenseiter von ihren Gegnern schlicht hochnäsig unterschätzt werden oder ob das Niveau der Kämpfer einfach allerorts so hoch ist, dass grundsätzlich jeder jeden schlagen kann – wir wissen es nicht. Fakt ist, dass es seit Beginn der Entwicklung unseres Sports die unmöglichsten Kampfausgänge gab, an die vorher nicht einmal der fanatischste Anhänger oder der risikobereiteste Zocker geglaubt hätte. Die nachfolgende Rangliste zeigt die zehn unglaublichsten Upsets der MMA-Geschichte.

10. Forrest Griffin vs. Mauricio „Shogun“ Rua

UFC 76: Knockout
22. September 2007 
Honda Center in Anaheim, Kalifornien, USA

Im Jahr 2007 galt Mauricio „Shogun“ Rua als bestes Halbschwergewicht der Welt. Von insgesamt 13 PRIDE-Fights verlor er lediglich einen einzigen, gewann 2005 den renommierten PRIDE Mittelgewicht Grand Prix. Niemand beneidete UFC-Aushängeschild Forrest Griffin daher um die Aufgabe, Shogun in der UFC zu begrüßen. Doch Rua tat sich schwer gegen den größeren Griffin, ließ seine sonstige Dominanz im Standkampf vermissen. Schon in Runde zwei wirkte er erschöpft, schnappte nach Luft. In Runde drei machte Griffin dem Treiben ein Ende und zwang den PRIDE-Superstar via Rear Naked Choke zur Aufgabe. Im Nachgang erfuhr man, dass wohl eine Knie-OP und die daraus resultierenden langen Trainingspausen für den desolaten Fitnesszustand Shoguns verantwortlich waren. Griffin schaffte mit diesem Kampf vollends den Durchbruch als ganz großer Name im MMA-Geschäft und verdiente sich einen Titelkampf gegen Quinton Jackson, den er gewinnen konnte. Shogun musste sich hingegen vielerorts den Kritikern stellen, da im Vorfeld niemand mit einer solch desaströsen Leistung gerechnet hätte.

9. Mirko „Cro Cop“ Filipovic vs. Kevin „The Monster“ Randleman

Randleman schlug Cro Cop eiskalt K.o. (Foto: Dream Stage Entertainment)

PRIDE FC: Total Elimination 2004
25. April 2004
Saitama Super Arena in Saitama, Japan

Als Mirko Cro Cop im Jahr 2004 als Teilnehmer des PRIDE Schwergewicht Grand Prix feststand, galt er als einer der Favoriten auf den Turniersieg. Der frühere K-1-Kämpfer hatte mittlerweile eine MMA-Bilanz von 9-1-2, mit einer einzigen Niederlage gegen Topstar Minotauro Nogueira. Randleman hingegen hatte gerade zwei Niederlagen gegen Rampage Jackson und Kazushi Sakuraba hinter sich und kehrte bei diesem Grand Prix in die Schwergewichtsdivision zurück. Seine praktisch nicht existenten Fähigkeiten im Stand machten ihn zum klaren Außenseiter. Der erfahrene Striker Cro Cop schien dementsprechend auch mehr Angst vor den brachialen Takedowns des „Monsters“ zu haben, als vor dessen Schlagkraft. Ein großer Fehler, wie sich nach einer guten Minute herausstellte. Randleman täuschte einen Shoot an, Cro Cop ließ die Hände sinken und fing sich einen krachenden linken Haken. Der Kroate ging sofort zu Boden, wo Randleman den Sack mit einer Serie von Hammerfäusten zu machte. Für Filipovic war das Turnier damit vorbei. Randleman lieferte sich zwei Monate später einen Fight mit Fedor Emelianenko, den er zwar verlor, der aber aufgrund eines unfassbaren Slams für immer in Erinnerung bleiben wird.

8. Antonio Rogerio Nogueira vs. Rameau Thierry Sokoudjou

PrideFC 33: The Second Coming
24. Februar 2007
Thomas & Mack Center in Las Vegas, Nevada, USA 

Als Rameau Thierry Sokoudjou im Februar 2007 zum ersten Mal einen PRIDE-Ring betrat, beförderte er sich mit einem Knall in die Schlagzeilen der MMA-Medien und war urplötzlich in aller Munde. Man stellte dem „African Assassin“ Minotauros Bruder Antonio Rogério Nogueira als ersten Gegner gegenüber. Der unbekannte Mann aus Kamerun war ein 16:1-Außenseiter gegen den erfahrenen Brasilianer. Doch Sokoudjou schlug Rogerio nach nur 23 Sekunden K.o. und Fans und Nachrichtenportale weltweit überschlugen sich. Als er nur zwei Monate später auch Ricardo Arona via K.o. abfertigte, dachte jeder, Sokoudjou sei die Zukunft des Sports. Nach diesem fulminanten Debüt ging es mit der Karriere des Judo-Spezialisten jedoch nur durchwachsen weiter. Große Erfolge blieben in der UFC und später bei Strikeforce oder DREAM aus.

7. Ronda Rousey vs. Holly Holm 

UFC 193
15. November 2015
Etihad Stadium in Melbourne, Australien

Zwölf Siege in Folge, fast alle in unter einer Minute - Ronda Rousey galt bis zum 15. November 2015 als dominanteste Frau der Welt. Mit ihren Judo-Würfen beförderte sie ihre Kontrahentinnen meist problemlos auf die Matte und zwang sie dort in kürzester Zeit per Armbar zur Aufgabe. Box-Weltmeisterin Holly Holm ließ das nicht mit sich machen. Bei UFC 193 zeigte die 34-Jährige der Titelträgerin, dass MMA aus mehr als nur Bodenkampf besteht. Holm konnte den Kampf fast komplett im Stand halten und dort hatte Rousey nicht sonderlich viel zu melden. Mit Schlagkombinationen und Konteraktionen offenbarte Holm die Schwächen der dominanten Titelträgerin. In der zweiten Runde schepperte es dann so richtig, als Holm mit einem Headkick Rouseys Lichter ausknipste und damit den Titel an sich riss. Ein katastrophaler Abend für die Wettanbieter, die Rekordsummen ausschütten mussten. 

6. Kimbo Slice vs. Seth Petruzelli

EliteXC: Heat
4. Oktober 2008
Bank Atlantic Center in Sunrise, Florida, USA

Seth Petruzelli hämmerte sich zum Sieg.

Kevin „Kimbo Slice“ Ferguson war das Zugpferd der untergegangenen EliteXC. Selbst Mainstream-Fans begannen jedoch langsam zu bemerken, dass man dem fürchterlich aussehenden Straßenschläger eher Opferlämmer als Gegner in den Käfig stellte, um den Mythos des unbesiegbaren Straßenkriegers am Leben erhalten zu können. Als es bei EliteXC: Heat dann „Kimbo vs. Shamrock“ hieß, winkten bereits alle Experten ab. Die Zeiten, in denen Ken Shamrock seinem Spitznamen „Der gefährlichste Mann der Welt“ noch gerecht wurde, lagen lange zurück. Und es kam noch besser: Shamrock verletze sich am Tag der Veranstaltung. Händeringend suchten die Veranstalter einen geeigneten Gegner. Jemand, der glaubwürdig, aber nicht zu schwer zu schlagen sein würde. Man fand ihn in Seth Petruzelli, der ursprünglich einen Vorkampf bestreiten sollte. Ein Sieg Kimbos schien Formsache. Als Petruzelli den EliteXC-Superstar nach nur 14 Sekunden ausknockte, war der Schock natürlich allerorts riesig. Vor allem bei den Bossen der Promotion. Die Niederlage Kimbos und Gerüchte über Kampfabsprachen mit Petruzelli, dem man angeblich Geld geboten hatte, um mit seinem Gegner nicht den Bodenkampf zu suchen, läuteten den Untergang von EliteXC ein. Geldgeber sprangen ab, das Unternehmen ging pleite. Petruzellis Sieg war daher zweifellos der wirtschaftlich verheerendste Upset der MMA-Geschichte. Bei uns rangiert er auf Platz sechs.

5. Anderson Silva vs. Chris Weidman

UFC 162
6. Juli 2013
MGM Grand Garden Arena in Las Vegas, Nevada, USA

Die längste Siegesserie, die meisten Titelverteidigungen, die meisten vorzeitigen Siege - Anderson Silva hat in der UFC einen Rekord nach dem anderen geknackt. Im Oktober 2006 gewann Silva in seinem zweiten UFC-Kampf den Mittelgewichtstitel und lehrte seinen Kontrahenten fortan das Fürchten. Mit seinen erstklassigen Muay-Thai-Fähigkeiten präsentierte er den Fans spektakulären Knock-outs en masse. Bei UFC 162 stand er im Juli 2013 dann dem eher unscheinbaren Chris Weidman gegenüber. Von Anfang an provozierte Silva seinen Gegner, ließ die Hände fallen und forderte ihn zum Schlagen auf. Weidman ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken und blieb ruhig. In der zweiten Runde setzte Silva seine Faxen fort und dann kam es, wie es kommen musste. Silva konnte die ersten drei Schläge einer Kombination noch gekonnt meiden, der vierte Schlag ging jedoch voll vors Kinn. Silva sackte zu Boden und wurde von Chris Weidman mit Ground and Pound endgültig besiegt. Was für ein Upset.

4. Frankie Edgar vs. BJ Penn

UFC 112: Invincible
10. April 2010
Yas Island in Abu Dhabi, Vereinigte Arabische Emirate

Als eine der größten Fehlansetzungen der Geschichte bezeichnete man den Titelkampf zwischen BJ Penn und Frankie Edgar im April 2010. Edgar war auf dem Papier mit sechs Siegen in sieben UFC-Fights zwar mehr als qualifiziert für einen Titelfight, in der Realität rechnete ihm jedoch niemand eine Chance aus. Das Leichtgewicht sei zu schwach besetzt, unkten viele. Penn sei in seiner Division derzeit nicht zu schlagen, skandierten andere. Und dann kam Frankie. Über fünf Runden konnte er einen scheinbar völlig überforderten Penn im Stand kontrollieren, war ständig in Bewegung und hielt sich streng an eine sorgsam zurecht gelegte Strategie. Die einstimmige Entscheidung der Punktrichter zu Gunsten Edgars war die logische Konsequenz. Ein völlig perplexer Champion musste seinen Gürtel in einem der größten Upsets des Jahres 2010 abgeben. 

3. Gabriel Gonzaga vs. Mirko „Cro Cop“ Filipovic

UFC 70: Nations Collide
21. April 2007
MEN Arena in Manchester, England

Mit den eigenen Waffen geschlagen: Gabriel Gonzaga besiegte Mirko Cro Cop durch High Kick. (Foto: Zuffa LLC)

Nach einem erfolgreichen UFC-Debüt im Februar 2007 wollte PRIDE-Legende Mirko Cro Cop  ein knappes halbes Jahr später einen weiteren Schritt in Richtung UFC-Schwergewichtsgürtel gehen. Als Sieger des PRIDE Open Weight Grand Prix befand sich Cro Cop zu diesem Zeitpunkt auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Für Fans und Experten weltweit war es bereits beschlossene Sache, dass der Kroate mit dem tödlichen Highkick problemlos durch die damals noch schwach besetzte Königsklasse der UFC marschieren und sich schnellstmöglich das Gold sichern würde. Als er bei  UFC 70: Nations Collide schließlich auf den bis dato relativ unbekannten Grappler Gabriel Gonzaga traf, war klar, dass die Fans hier ein schneller K.o. erwarten würde. So sollte es auch kommen, jedoch etwas anders als geplant: Nach 4:51 Minuten der ersten Runde knockte Gonzaga den Kroaten mit dessen eigener Spezialtechnik aus – dem Highkick. Jeden weiteren Kampf gegen größere Namen verlor der Brasilianer danach, doch dieser K.o.-Sieg war es, der den Niedergang des Mirko Cro Cop einläutete. Dessen Karriere kam danach nie wieder richtig in die Gänge.

2. Fedor Emelianenko vs. Fabricio Werdum

Strikeforce: Fedor vs. Werdum
26. Juni 2010
HP Pavilion in San Jose, Kalifornien, USA

Am 26. Juni versetzte Fabricio Werdum die MMA-Welt in einen Schockzustand. Bei Strikeforce traf der Brasilianer auf MMA-Legende Fedor Emelianenko, auf den Mann, der zehn Jahre lang ungeschlagen blieb und die besten Schwergewichte der Welt, wie zum Beispiel Mirko Cro Cop, Antonio Rodrigo Nogueira oder Andrei Arlovski, glasklar besiegen konnte. Gegen Werdum ließ sich der "Last Emperor" aber zu einer leichtsinnigen Aktion hinreißen. Nach kurzer Zeit feuerte er gewohnt harte Hände ab, Werdum ließ sich daraufhin auf den Boden fallen und lockte einen übereifrigen Emelianenko in den Bodenkampf. Mit Erfolg. Emelianenko ging mit wildem Ground and Pound hinterher und BJJ-Ass Fabricio Werdum nutzte die erstbeste Gelegenheit, um einen Triangle Choke anzusetzen. Mit breitem Grinsen zog Werdum den Griff fest. In den Beinen des Brasilianers gefangen versuchte sich Emelianenko mit aller Kraft herauszuwinden, doch es gab kein Entkommen. Und so musste der als unbesiegbar geltende Russe nach knapp einer Minute tatsächlich abklopfen. Der „Letzte Kaiser“ wurde von seinem Thron gestoßen und kam nach der bitteren Niederlage nur langsam wieder auf die Beine, denn es vergingen zwei weitere Niederlagen, bis Emelianenko wieder eine Siegesserie aufbauen konnte.

1. Georges St. Pierre vs. Matt Serra

UFC 69: Shootout
7. April 2007
Toyota Center in Houston, Texas, USA

Der wohl unfassbarste Augenblick im Gedächtnis eines jeden MMA-Fans ist die K.o.-Niederlage von Georges St. Pierre gegen Matt Serra. Beide Kämpfer hatten zu diesem Zeitpunkt einen großen Triumph hinter sich: GSP hatte ein halbes Jahr zuvor gegen Matt Hughes seinen ersten Weltergewichtstitel errungen, einen Gürtel, den er sich zuvor mit Siegen über Penn, Sherk oder Trigg redlich verdient hatte. Matt Serra, der bereits vor Jahren Karriere in der UFC machte, aufgrund mangelnden Erfolgs jedoch entlassen wurde, gewann soeben die Reality-Show „The Ultimate Fighter 4: The Comeback“. Dort setzte er sich gegen eine Reihe anderer Ex-UFC-Stars durch und sicherte sich eine Rückkehr in die Champions-League des MMA-Sports, inklusive garantiertem Titelkampf. Natürlich hatte niemand diesen alten Serra auf der Rechnung. Zu dynamisch und dominant wirkte der junge, ehrgeizige St. Pierre. Als dieser jedoch nach nur 3:25 Minuten in der ersten Runde von einer krachenden Rechten Serras auf die Bretter geschickt wurde und somit seinen Gürtel bei der ersten Titelverteidigung wieder verlor, konnte es niemand fassen – am wenigsten wohl Serra selbst, wie sein Gesichtsausdruck bei der Siegerehrung vermuten ließ.

Wie man sieht, gibt es keinen Kampf, bei dem die Entscheidung schon im Vorfeld gefallen ist. Jeder Gegner ist schlagbar – alles was es braucht, ist Mut und ein großes Kämpferherz. Niemand sollte seinen Gegner unterschätzen, egal welchem Außenseiter er gegenübersteht. Wie ihr unserer Liste entnehmen könnt, sind selbst die größten Namen dieses Geschäfts bereits Opfer von bösen Überraschungen geworden.

Dies ist es, was unseren Sport spannender und interessanter macht, als jeden anderen Wettkampf der Welt: Man weiß nie was passiert, so dass wir uns auch in Zukunft über wahnwitzige Upsets freuen oder ärgern können.