Kolumnen

Die 10 größten Überraschungen der UFC-Geschichte

Anderson Silvas Niederlage gegen Chris Weidman schickte eine Schockwelle durch die MMA-Welt. (Foto: Tobias Bunnenberg/GroundandPound)

Der Sieg von Chris Weidman gegen Anderson Silva bei UFC 162 war eine der größten Überraschungen im MMA in den letzten Jahren. Grund genug, um einen Blick auf die größten Überraschungen in der Geschichte der UFC zu werfen.

Platz 10: Randy Couture besiegt Tim Sylvia (UFC 68)

Nach seiner zweiten K.o.-Niederlage gegen Chuck Liddell kündigte Randy Couture seinen Rücktritt vom MMA-Sport an, allerdings hielt er seinen Ruhestand nur für ein Jahr durch und kehrte anschließend nicht nur in die UFC zurück sondern wechselte auch wieder zurück in seine ursprüngliche Gewichtsklasse: das Schwergewicht. Dort traf er gleich in seinem ersten Kampf auf den amtierenden Champion Tim Sylvia, der zuvor sechs Siege in Folge eingefahren und dabei seinen Titel zweimal verteidigt hatte.

Sylvia ging natürlich als Favorit in den Kampf und die Fans fragten sich, wie Couture den wesentlich größeren und schwereren Champion besiegen sollte. Bei Couture waren im Kampf allerdings keinerlei Zweifel zu sehen. Bereits in der ersten Runde schickte er Sylvia mit einem Haken zu Boden und sicherte sich dort den Rücken des Champions. Es gelang ihm zwar nicht, Sylvia zur Aufgabe zu zwingen, aber dadurch legte er die Richtung für den Kampf vor.

Anschließend dominierte Couture seinen Gegner für weitere vier Runden sowohl im Stand als auch auf der Matte und sicherte sich damit einen nie gefährdeten Punktsieg und zum dritten Mal den Titel im Schwergewicht. Dazu zementierte er mit diesem Sieg seine Legende als der Außenseiter, der immer wieder die jüngeren Gegner besiegen konnte.

Platz 9: BJ Penn besiegt Matt Hughes (UFC 46)

Im Januar 2004 sorgte BJ Penn vielleicht für die größte Überraschung, die die UFC bis zu diesem Zeitpunkt gesehen hatte. Nachdem er zweimal erfolglos versucht hatte, den Leichtgewichtstitel der UFC zu gewinnen, wechselte er ins Weltergewicht und trat dort sofort gegen den amtierenden Champion Matt Hughes an.

Hughes war seinerseits einer der dominantesten Kämpfer, den die UFC bis dahin gesehen hatte. Er hatte seinen Titel bereits fünfmal verteidigt und war fast drei Jahre und 13 Kämpfe lang ungeschlagen, weswegen kaum jemand Penn eine Chance einräumte.

Penn glaubte jedoch an sich und schickte Hughes mit einem harten Schlag bereits früh in der ersten Runde auf die Matte. Penn folgte dem Champion auf den Boden, sicherte sich dessen Rücken und gewann schließlich nach 4:39 Minuten durch einen Rear-Naked Choke.

Vor allem nach dem Kampf konnte man sehen, wie schockiert nicht nur die Fans durch dieses Ergebnis waren. Hughes saß in seiner Ecke und konnte einfach nicht glauben, was da passiert war, während Penn ausgelassen feierte.

Platz 8: Forrest Griffin besiegt Mauricio „Shogun“ Rua (UFC 76)

Für eine ähnlich große Überraschung sorgte Forrest Griffin im September 2007, als der TUF-1-Sieger als Außenseiter gegen den PRIDE-Veteran Mauricio „Shogun“ Rua antrat.

Griffin hatte nach seinem TUF-Gewinn gemischte Ergebnisse in der UFC erzielt und war nicht mal ein Jahr vor diesem Kampf gegen Keith Jardine K.o. gegangen. Rua dagegen wurde von vielen Experten als das beste Halbschwergewicht der Welt angesehen. Er hatte den PRIDE Middleweight Grand Prix gewonnen und seine einzige Niederlage in den vier Jahren zuvor einem gebrochenen Arm im Kampf gegen Mark Coleman zu verdanken.

Griffin zeigte in diesem Kampf allerdings wieder, warum er so ein beliebter Kämpfer war. Er steckte die Angriffe von Rua ein und bereits in der zweiten Runde konnte man die Erschöpfung beim Brasilianer sehen. Griffin machte weiter Druck und sicherte sich kurz vor Ende der dritten Runde einen Rear-Naked Choke, in dem der vollkommen erschöpfte Rua ohne große Gegenwehr abklopfte.

Beide Kämpfer sollten anschließend noch den Halbschwergewichtstitel der UFC gewinnen, aber für viele Fans war dieser Kampf der Höhepunkt von Griffins Karriere.

Platz 7: Joe Lauzon besiegt Jens Pulver (UFC 63)

Es sollte für den ehemaligen Leichtgewichtschampion der UFC, Jens Pulver, eigentlich nichts weiter als ein Aufbaukampf bei seiner Rückkehr in die Organisation sein, aber der UFC-Newcomer Joe Lauzon hatte im September 2006 andere Pläne.

Pulver hatte zwar zwei seiner letzten fünf Kämpfer verloren – in PRIDE gegen Hayato Sakurai und Takanori Gomi – trotzdem ging der ehemalige Champion als hoher Favorit in den Kampf gegen Lauzon. Pulver hatte seine letzten sechs Siege vorzeitig eingefahren, fünfmal gewann er dabei durch K.o., während Lauzon mit damals elf Siegen durch Submission als Bodenspezialist in den Kampf ging.

Was dann allerdings geschah, damit hatte keiner gerechnet: Nachdem Pulver nach einem Takedown von Lauzon wieder auf die Beine kam, streckte dieser ihn mit einem Knie und einer Kombination zu Boden. Weitere Schläge folgten, bis der Ringrichter schließlich den Kampf nach 47 Sekunden abbrach und damit den Neidergang von Jens Pulver einläutete.

Pulver verlor anschließend sechs seiner nächsten sieben Kämpfe, was den damaligen Schock, den Lauzon mit seinem Sieg über Pulver durch die MMA-Welt schickte, nicht schmälern sollte.

Platz 6: Antonio „Bigfoot“ Silva besiegt Alistair Overeem (UFC 156)

Für den ersten großen Schocker in diesem Jahr sorgte Antonio „Bigfoot“ Silva am 2. Februar, als er als hoher Außenseiter gegen den ehemaligen Schwergewichtschampion von DREAM und Strikeforce, Alistair Overeem, in den Käfig stieg. Overeem galt als K1-Champion zudem als der wesentlich bessere Kickboxer und hatte er im Kampf davor Brock Lesnar in den Ruhestand geschickt.

„Bigfoot“ hatte dagegen zwei seiner letzten drei Kämpfe verloren und sollte lediglich als Überbrückungskampf dienen, um Overeem für einen Titelkampf vorzubereiten.

In den ersten beiden Runden war der Holländer seinem Gegner auch überlegen und konnte im Stand immer wieder gute Treffer landen, während Silva zu langsam wirkte, um Overeem gefährlich werden zu können. In der dritten Runde kam Silva jedoch mit einigen harten Schlägen durch die nachlässige Deckung von Overeem. Dieser schwankte zurück gegen den Käfig, wo er von weiteren Schlägen getroffen wurde und schließlich zu Boden ging. Der Ringrichter ging dazwischen und brach den Kampf ab. Silva schickte seinem am Boden liegenden Gegner noch einige Worte hinterher, nachdem dieser ihm vor dem Kampf immer wieder verhöhnt hatte.

Platz 5: Gabriel Gonzaga besiegt Mirko „Cro Cop“ Filipović (UFC 70)

„Bigfoot“ war allerdings nicht der erste Kämpfer, der einen schon geplanten Titelkampf im Schwergewicht platzen ließ. Auch für Mirko „Cro Cop“ Filipović hatte die UFC in Gedanken schon einen Titelkampf angesetzt, als er April 2007 auf Gabrial Gonzaga traf.

Filipović zählte damals zu den besten Schwergewichten im MMA und kam mit mehreren Head-Kick-K.o.s in PRIDE als Empfehlung in die UFC. Gonzaga war dagegen noch relativ unbekannt und sollte kein Problem für den hohen Favoriten „Cro Cop“ darstellen.

Allerdings zeigte sich auch im diesen Kampf, dass im MMA nichts unmöglich ist. Wer Gonzaga in diesem Kampf ein Chance ausrechnete, der sah diese am Boden, wo der Brasilianer den Kampf auch zunächst hinverlagerte. Filipović konnte dort allerdings größeren Schaden vermeiden und der Kampf kam wieder auf die Beine. Dort holte Gonzaga einen Head-Kick aus dem Nichts hervor, der beim Kroaten sofort die Lichter ausgehen ließ. Der Kick, der um die Welt ging, sicherte Gonzaga nicht nur einen Titelkampf sondern auch das Highlight seiner bisherigen Karriere.

Platz 4: Tito Ortiz besiegt Ryan Bader (UFC 132)

Im Juli 2011 hieß es bei UFC 132 abgewrackter Altmeister gegen Spitzentalent – oder Tito Ortiz gegen Ryan Bader. Und eigentlich war dies der Kampf, bei dem viele erwartet hatten, dass Oritz anschließend von der UFC entlassen wird, nachdem er zuvor seit fünf Jahren keinen Kampf mehr gewonnen hatte.

Bader dagegen hatte die achte Staffel von The Ultimate Fighter gewonnen und nur seinen letzten Kampf gegen Jon Jones verloren, weswegen er vor dem Kampf als haushoher Favorit gehandelt wurde, aber wiedermal zeigte sich, warum sich Wetten auf den Außenseiter durchaus lohnen können.

Nach gerademal einer Minute in der ersten Runde schickte Oritz Bader mit einem harten Treffer zu Boden. Der ehemalige Halbschwergewichtschampion schnappte sich den Hals von Bader, zog diesen in seine Guard und zog den Guillotine-Choke immer fester zu, bis Bader schließlich nach 1:56 Minuten abklopfen musste.

Für Ortiz war es der einzige Höhepunkt in den letzten fünf Jahren seiner herausragenden Karriere, die er nach drei weiteren Niederlagen in Folge beendete.

Platz 3: Frankie Edgar besiegt BJ Penn (UFC 112)

Eigentlich war vor ihrem im Kampf im April 2010 alles klar: BJ Penn war das beste Leichtgewicht aller Zeiten und Frankie Edgar war zu klein für seine Gewichtsklasse und bekam den Titelkampf eigentlich nur, weil sonst kein Gegner mehr für Penn übrig war. Penn hatte seinen Leichtgewichtstitel bereits dreimal dominant verteidigt und musste seine einzigen Niederlagen in den acht Jahren davor in höheren Gewichtsklassen einstecken.

Edgar hatte dagegen zwar gegen Sean Sherk gewonnen, aber davon abgesehen keine nennenswerten Siege in seinem Kampfrekord, umso überraschender war es für alle Zuschauer, dass Edgar mit Penn im Stand nicht nur mithalten konnte, sondern ihm dort auch durch seine gute Beinarbeit überlegen war. Er konnte den Kampf zwar nicht über die gesamte Kampfdauer bestimmen, dennoch reichte es am Ende zu einem einstimmigen Punktsieg auf den Punktrichterzetteln.

Das Kampfergebnis wurde anschließend heftig diskutiert, weswegen Penn einen sofortigen Rückkampf erhielt, den Edgar dann eindeutig nach Punkten gewinnen konnte, woraufhin Penn wieder ins Weltergewicht wechselte.

Platz 2: Chris Weidman besiegt Anderson Silva (UFC 162)

Auch wenn Chris Weidman bei den Buchmachern nicht als der große Außenseiter in den Kampf ging, wie Penn, Ortiz, Silva oder Gonzaga, machen die Nachwehen dieses Kampfes seinen Sieg über Anderson Silva zum zweitgrößten Schocker der UFC-Geschichte.

Silva war vor diesem Kampf schließlich seit sechs Jahren und 17 Kämpfen ungeschlagen. Er war Rekordträger für die meisten Titelverteidigungen in der UFC und hatte mit Abstand die längste Siegesserie in der UFC. Silva war ins Halbschwergewicht gewechselt, als es im Mittelgewicht keine Gegner für ihn gab, und hätte noch eine Titelverteidigung mehr in seinem Kampfrekord gehabt, wenn Travis Lutter 2007 das Gewichtslimit nicht verfehlt hätte. Dazu schien Silva seinen Gegnern immer einen Schritt voraus zu sein, was er in seinen dominanten Auftritten zuvor immer wieder gezeigt hatte.

Auch gegen Weidman schien es zunächst so, als ob Silva sein übliches Spiel durchziehen könnte. Nach einem schnellen Takedown von Weidman kam Silva wieder auf die Beine und verhöhnte anschließend seinen Gegner im Stand, ohne jedoch selbst groß Schaden anzurichten. In der zweiten Runde setzte er diese Spielchen fort, bis ihn eine harte Linke von Weidman zu Boden schickte. Weidman schlug weiter auf den gefallenen Champion ein, bis der Ringrichter den Kampf abbrach.

Was diese Niederlage für Silva und sein Vermächtnis bedeutet wird man erst in den nächsten Jahren sehen, aber die Zuschauer an diesem Abend blieben mit einem offenen Mund in der Halle und vor ihren Fernsehern und Computern sitzen.

Platz 1: Matt Serra besiegt Georges St. Pierre (UFC 69)

Georges St. Pierre war 2007 zwar noch nicht der dominante Champion, der er heute ist, trotzdem ging er als einer der größten Favoriten aller Zeiten in einem MMA-Kampf in den Titelkampf gegen Matt Serra. Dieser hatte sich diesen Kampf durch den Gewinn der vierten Staffel von The Ultimate Fighter gesichert und hatte eigentlich keine Chance gegen den Kanadier, der bis dahin nur einen Kampf gegen Matt Hughes verloren hatte.

Nach dieser Niederlage besiegte St. Pierre unter anderem Frank Trigg, Sean Sherk, BJ Penn und schließlich Hughes und sicherte sich damit den Titel und die Vorhersage auf eine lange Titelregentschaft.

Von all dem wollte Serra nichts wissen. Noch in der ersten Runde traf er St. Pierre mit einem harten Treffer, der den Champion zurückstolpern ließ. Weitere harte Schläge folgten bis GSP schließlich zu Boden ging und der Ringrichter den Kampf nach 3:25 Minuten abbrach.

Den Rückkampf zwischen Serra und St. Pierre gab es bei UFC 83. St. Pierre siegte dominant nach 4:45 Minuten in der zweiten Runde und läutete damit seine noch immer andauernde Zeit auf dem Thron im Weltergewicht ein. Für Serra war es der Höhepunkt seiner Karriere, die nach drei weiteren Kämpfen bereits 2010 endete.