Kolumnen

Die 10 dunkelsten Momente der MMA-Geschichte

Millionen von TV-Zuschauern sahen bei der Massenschlägerei von Strikeforce: Nashville zu.

Mixed Martial Arts ist ein intensiver und relativ junger Sport, der sich weltweit immer größerer Beliebtheit erfreut. Doch auch heute hat der Sport noch mit zahlreichen Kritikern zu kämpfen. In der Geschichte der gemischten Kampfkünste gab es dabei immer wieder Situationen, die ein schlechtes Licht auf den Sport geworfen haben und damit die kritischen Stimmen befeuert haben. Kurzschlussreaktionen und fatale Fehlentscheidungen einiger Kämpfer haben in der Vergangenheit häufiger für Schockzustände und Kopfschütteln bei Fans und Beobachtern des Sports gesorgt. Wir blicken auf die zehn dunkelsten Momente der jüngeren MMA-Geschichte zurück. 

10. Barnetts Steroidkonsum zerstört Affliction

Josh Barnett hatte in der Vergangenheit häufiger Probleme mit positiven Dopingtests, doch 2009 hatte sein Steroidkonsum größere Konsquenzen als gedacht. Geplant war einer der größten Schwergewichtskämpfe der Geschichte. Der damals von vielen als weltweite Nummer zwei angesehene Barnett sollte im August 2009 bei Affliction auf Fedor Emelianenko treffen, den damalig besten Schwergewichtler überhaupt. Die gesamte Welt blickte gespannt auf diesen Event. Affliction verschuldete sich hoch, um sich mit dieser Veranstaltung einen guten Platz neben der UFC im MMA-Business zu ergattern. Am Ende hatte die Konkurrenz gut lachen, denn was folgte, brach der amerikanischen Organisation das Genick. Barnett wurde zehn Tage vor der Veranstaltung positiv auf leistungssteigernde Substanzen getestet. Eine B-Probe wurde getestet, auch diese fiel positiv aus und Barnett wurde suspendiert. Affliction konnte keinen passenden Ersatz als Gegner für Emelianenko finden, musste den teuer beworbenen Event absagen und wurde somit zu Grabe getragen. Nach nur zwei Veranstaltungen war alles vorbei für den Newcomer im MMA-Geschäft.

9. Wes Sims trampelt auf Frank Mir herum

Bei UFC 43 im Juni 2003 wurden MMA-Fans Zeugen eines Regelbruchs der besonderen Art. Der im Vorfeld sehr lautstarke Wes Sims trat gegen Frank Mir an und schien sich im Laufe des Duells dafür entschieden zu haben, das Regelwerk des MMA-Sports kurzerhand auf den Kopf zu stellen und das zu tun, was er in einem Straßenkampf machen würde. Das Duell endete damit, dass Sims sich am Käfig festhielt und auf den auf dem Rücken liegenden Mir mit Stampftritten herumtrampelte. Unaufhörlich trat er auf ihn ein, bis der Ringrichter ihn nach langem Ziehen stoppen konnte. Sims wurde disqualifiziert. Frank Mir zog sich glücklicherweise keine größeren Verletzungen zu, doch blieb dieser Moment vielen Zuschauern im Gedächtnis und wurde in den USA des Öfteren als Beispiel von Politikern genutzt, die dem Sport entgegenwirken wollen.

8. Häusliche Gewalt

Zahlreiche bekannte Gesichter aus der MMA-Welt standen bereits wegen häuslicher Gewalt vor Gericht. Den wohl schwersten Fall gab es dabei im August 2014. Der frühere UFC- und Bellator-Kämpfer War Machine soll seine Ex-Freundin, die Pornodarstellerin Christy Mack, beinahe zu Tode geprügelt haben. 18 Knochenbrüche, ausgeschlagene Zähne, eine schwere Gehirnerschütterung und weitere Verletzungen hatte sie bei der Attacke davongetragen. Seitdem sitzt War Machine im Gefängnis. 
Doch auch Kämpfer wie Anthony "Rumble" Johnson, Thiago Silva, Travis Browne oder Josh Grispi wurden in der Vergangenheit der häuslichen Gewalt beschuldigt. Leider kein seltenes Phänomen, das in den Medien immer wieder mit dem MMA-Sport in Verbindung gebracht wird.

7. Quinton "Rampage" Jackson rastet aus

Einer der größten MMA-Stars unserer Zeit, Quinton „Rampage“ Jackson, verlor nach dem Titelverlust gegen Forrest Griffin bei UFC 86 im Juli 2008 scheinbar seinen Verstand. Jackson trank, nach eigener Aussage, ein Dutzend Energy-Drinks auf nüchternen Magen und fuhr mit seinem Monstertruck durch Südkalifornien. Völlig wahnsinnig fuhr Jackson auf der falschen Straßenseite und touchierte mehrere andere Fahrzeuge. Es kam zu einer Verfolgungsjagd mit der Polizei, selbst nach einem Reifenplatzer versuchte Jackson mit seinem auffälligen Fahrzeug zu fliehen. Am Ende gab er auf und wurde festgenommen, glücklicherweise wurde niemand verletzt. Jackson kam am Ende glimpflich davon. Für bis zu drei Jahre hätte er für diese Tat ins Gefängnis wandern können, letztendlich musste er aber nur knapp 200 Sozialstunden ableisten. Insgesamt keine gute Publicity für die UFC und das Ansehen des Sports.

Quinton Jackson bei seiner Verhaftung. (Foto: TMZ.com)

6. Daley schlägt Koscheck nach dem Gong

Paul Daleys Karriere befand sich auf dem Höhepunkt, er stand kurz vor dem Titelkampf, verlor jedoch im Mai 2010 den Titelherausforderer-Platz bei UFC 113 gegen Josh Koscheck. Daley wurde drei Runden lang von Koscheck auf der Matte kontrolliert, während beide Athleten heftige Worte wechselten. Die kommende Punktniederlage wurde Daley kurz vor dem Ende des Kampfes klar und so wollte er seinen Gegner sichtlich frustriert mit aller Macht K.o. schlagen - vergebens. Verärgert über den Kampfverlauf schlich sich Daley nach dem Schlussgong dann am Ringrichter vorbei und holte noch einmal aus. Mit einer linken Faust erwischte er Koscheck, der im Weggehen überhaupt nicht mit solch einer Aktion gerechnet hatte. Ringrichter Dan Miragliotta stellte den Übeltäter darauf blitzschnell. Eine dumme, unsportliche Entscheidung Daleys, die wenige Minuten nach dem Event mit der Entlassung aus der UFC bestraft wurde. UFC-Präsident Dana White versprach, Daley nie wieder in der UFC kämpfen zu lassen.

5. Diaz und Riggs prügeln sich im Krankenhaus

Nick Diaz ist ein Mann, der gerne mal seine Manieren zu Hause vergisst. So auch nach dem Duell gegen Joe Riggs bei UFC 57 im Februar 2006. Diaz verlor die Begegnung gegen Riggs, war jedoch unzufrieden mit dem Ergebnis und wollte sich bereits nach der drei-Runden-Schlacht wieder mit seinem Gegner messen. Der Kampf fand jedoch nicht im Octagon statt, sondern in den Gängen des örtlichen Krankenhauses. Die beiden Athleten wurden aufgrund ihrer Verletzungen ins selbe Krankenhaus eingeliefert und trafen sich dort wieder. Ein paar Worte wurden gedankenlos gewechselt und so ging es in die Extrarunde, denn die Situation eskalierte und die Kindsköpfe prügelten sich quer durchs Krankenhaus. Dies ging so lange, bis die beiden Streithähne von der Polizei vor Ort getrennt werden mussten.

4. Jon Jones begeht Fahrerflucht und verliert UFC-Titel

Lange Zeit als bester Kämpfer der Welt gefeiert, häuften sich in den letzten Jahren die Kontroversen um Jon "Bones" Jones. Mit einem Drogentest, der auf Kokain ansprang, einer Schlägerei während eines Pressetermins oder Alkohol am Steuer sorgte das Halbschwergewicht des Öfteren für negative Schlagzeilen. Im April 2015 erreichte er aber den Tiefpunkt. Beim Überfahren einer roten Ampel verursachte Jones einen Autounfall, bei dem eine schwangere Frau verletzt wurde. Anstatt zu helfen, ergriff Jones jedoch die Flucht. Er kehrte zwar noch einmal zu seinem zerstörten Mietwagen zurück, allerdings nur, um sein Bargeld in Sicherheit zu bringen. Einen Tag später stellt sich der damalige UFC-Champion schließlich der Polizei. Die UFC nahm ihm nach dem Vorfall den Titel ab und suspendierte ihn für unbestimmte Zeit. 18 Monate auf Bewährung sowie 72 Teilnahmen bei wohltätigen Aktionen lautete am Ende das Urteil des Richters. 

3. Gilbert Yvel schlägt Ringrichter K.o.

Ob Augenstecher oder beißen - Gilbert Yvel machte sich damals mit einigen Kontroversen einen Namen. Welcher Teufel ihn im Kampf gegen Atte Backman geritten hatte, weiß bis heute aber niemand. Beim Fight Festival 12 im November 2004 in Helsinki, Finnland, fühlte sich der Niederländer vom Ringrichter missverstanden und schlug diesen ohne Vorwarnung K.o - eine skandalöse Szene. Später stellte sich heraus, dass der Ringrichter zur Mannschaft von Yvels Gegner gehörte. Der Unparteiische war also möglicherweise nicht ganz unparteiisch, dennoch stellte der K.o.-Schlag ein absolutes No-Go dar. Ein großer Rückschritt in dem Moment für die Akzeptanz des Sports. Yvel hatte sich danach jedoch gebessert und sich nichts mehr zu Schulden kommen lassen. 

2. Strikeforce-Nashville-Schlägerei

Strikeforce: Nashville fand am 17. April 2010 statt. Jake Shields verteidigte im Hauptkampf seinen Gürtel gegen Dan Henderson und gab daraufhin ein Interview, als Jason „Mayhem“ Miller dazu stieß und um einen Titelkampf bat. Recht harmlos das Ganze, doch dann entstand ein wildes Handgemenge. Shields' Teamkameraden sprangen auf Miller, warfen ihn zu Boden, schlugen und traten nach ihm - und das vor den Augen von Millionen Fernsehzuschauern. Eine Massenschlägerei, welche das Image des Sports hätte massiv schädigen können. Am Ende gab es aber weniger Publicity als erwartet, denn vielen war glücklicherweise klar, dass dies kein Alltag im MMA-Sport ist, sondern eine einmalige Sache gewesen war.

1. Kämpfer stirbt beim Gewichtmachen

Noch bevor MMA-Sportler für einen Wettkampf in den Käfig oder Ring steigen, steht für sie oftmals ein noch viel härterer Kampf auf dem Programm, und zwar der gegen das Gewicht. Um in einer niedrigeren Gewichtsklasse antreten zu können, dehydrieren sich viele Athleten vor der offiziellen Waage so stark, dass zum Teil die Gesundheit in Mitleidenschaft gezogen wird. Einem Kämpfer in China ist das im Dezember 2015 zum Verhängnis geworden.

Der 21 Jahre junge Yang Jian Bing hätte bei ONE 35 auf den Philippinen antreten sollen. Am Tag des Wiegens, einen Tag vor der MMA-Veranstaltung, brach der Chinese jedoch zusammen und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Dort konnte ihm nicht mehr geholfen werden, Bing wurde einen Tag später für tot erklärt. Die Diagnose lautete Rhabdomyolyse - die Auflösung von Muskelfasern im ganzen Körper, verursacht durch die starke Dehydrierung. 

Der tragische Tod heizte die Debatte um das Weight-Cutten neu an. Einige Organisationen und Sportkommissionen haben seitdem neue Regeln eingeführt, um Kämpfer von der starken Dehydrierung ihrer Körper abzuhalten.