Kolumnen

Der Neujahrsevent von DREAM

DREAM New Year! 2011

DREAM setzt sich für die diesjährige Neujahrsveranstaltung, DREAM New Year! 2011, mit einem bunten Mix an Kampfsportdisziplinen in Szene. Zu den üblichen MMA-Kämpfen und Kickboxduellen werden über die Kooperation mit Antonio Inoki in diesem Jahr auch Profi-Wrestling-Kämpfe einen Teil des Events bilden. Im letzten Jahrzehnt hat der Neujahrsabend im japanischen Kampfsport eine hohe Bedeutung erlangt und ist mittlerweile mit sehr viel Tradition verbunden. Seit Jahren versuchen die Veranstalter in Japan an diesem speziellen Abend den Jahresabschluss und -neubeginn mit einem großen Kampfsportspektakel zu feiern. Mit einem vielseitigen Programm bildet die Veranstaltung ein Lebenszeichen einer Branche, die in den letzten Jahren mit einem stetigen Abwärtstrend zu kämpfen hat. Das Ziel von DREAM ist dabei klar, mit einem Feuerwerk ins neue Jahr zu starten und eine Trendwende herbeizuführen. Die Meinung der Experten ist geteilt. Während manche in der Veranstaltung den entscheidenden Schritt sehen, der den japanischen Kampfsport endlich in das nächste Jahrzehnt bringen kann, sehen andere Experten das Programm als eine große Enttäuschung.

Mit Veranstaltungen wie Inoki Bom-Ba-Ye, PRIDE Shockwave oder K-1/DREAM Dynamite!! bekommen die japanischen Kampfsportfans am Neujahrsabend seit Jahren ein hochkarätiges Spektakel präsentiert. Im Rahmen von Inoki Bom-Ba-Ye wurden japanische Profi-Wrestler zu Silvester in MMA-Kämpfe gesteckt und durften sich dort mit K-1- bzw. MMA-Kämpfern messen. PRIDE und K-1 folgten diesen Beispiel und begannen ebenfalls, ihre Spitzenkämpfer am Neujahrsabend in Szene zu setzten. K-1 präsentierte dabei neben den üblichen Kickboxkämpfen auch MMA-Kämpfe und Duelle unter gemischten Regeln. PRIDE blieb seinen MMA-Kämpfen treu und bot die besten Kämpfer auf. Alles was Rang und Namen im japanischen Kampfsport aufwies, fand sich bei den Events am Neujahrsabend ein.

Obwohl die goldenen Jahres des Kampfsports in Japan vorüber sind oder vielleicht auch gerade deswegen, lässt es sich DREAM nicht nehmen, auch in diesem Jahr alle Anstrengungen im Neujahrsevent zu bündeln. Doch sind diese Anstrengungen genug? Der Kampf zwischen Fedor Emelianenko und Satoshi Ishii ist das Flagschiff des Events. Ein Großteil der Werbung für den Event dreht sich um diesen Kampf. Schwergewichte lösen in Japan schon immer die größte Begeisterung aus, doch mit der Verschiebung des Machtverhältnisses in den MMA, sind auch die großen Kämpfer den Geldströmen nach Amerika gefolgt. Inoki brachte einige Schwergewichte in Profi-Wrestling-Kämpfen an den Start, doch auch das Profi-Wrestling hat in Japan längst nicht mehr den Stellenwert, den es einst besaß.

Was neben dem Fedor-Ishii-Kampf und dem Profi-Wrestling-Duellen bleibt, ist eine Vielzahl an Kämpfen in den unteren Gewichtsklassen. Obwohl Shinya Aoki, Hiroyuki Takaya oder Tatsuya Kawajiri eine gewisse Beliebtheit genießen, handelt es sich dabei um keine Kämpfer, die im Alleingang für hohe Zuschauerzahlen sorgen können. Doch ohne TV-Unterstützung ist es schwer, neue Stars bzw. Zuschauermagneten aufzubauen. Mit Antonio Inoki hat man deshalb sozusagen den Botschafter des Kampfsports in Japan an Bord geholt, um einen wichtigen TV-Deal an Land ziehen zu können. Das Tokyo Broadcasting System (TBS), einer der größten Sender Japans, war im Gespräch, die Veranstaltung ins nationale Fernsehen bringen zu wollen. Mit nicht einmal einer Woche bis zum Event, ohne Meldung über eine Übertragung, ist es jedoch unwahrscheinlich, dass DREAM auf eine entsprechende Unterstützung zählen kann.

Aus sportlicher Sicht befindet sich zwar eine Reihe an interessanten Kämpfen auf dem Programm, die Titelkämpfe und das Bantamgewichtsturnier garantieren Action und spannende Duelle. Angesichts der Anfangs dargestellten Ansichten zum Event, kann man sich weder dem besten noch dem schlimmsten Fall anschließen. Mit einem Programm, das hauptsächlich auf leichteren Kämpfern beruht und zusätzlich ohne TV-Präsenz auskommen muss, ist es schwer Vorstellbar, dass der Event genügend Einfluss hat, um eine klare Trendwende zu vollziehen und den Sport ins nächste Jahrzehnt zu bringen. Mit einigen Top-Kämpfen auf dem Programm stellt die Veranstaltung aber auch sicherlich keine Enttäuschung dar. Was jedoch fehlt, ist eine eindeutige Differenzierung zu den Events der letzten Jahre um eine Trendwende wirklich glaubhaft zu machen.