Kolumnen

Der letzte Kaiser ist endgültig gestürzt

Fedor Emelianenko

Wie schnell sich die Dinge doch ändern können. Vor einem Jahr war Fedor Emilianenko der beste MMA-Kämpfer aller Zeiten. Er war von einer Aura der Unbesiegbarkeit umgeben, keiner konnte ihm etwas anhaben. Ein Jahr und zwei Niederlagen später ist Fedor nur noch ein gewöhnlicher Kämpfer, der über seinen Abschied vom MMA-Sport nachdenkt. Wie konnte sich das Blatt so schnell wenden?

Für die Fedor-Hasser sind die Niederlagen gegen Fabricio Werdum und Antonio „Bigfoot“ Silva nur ein Beweis dafür, dass er ohnehin nur ein Medienprodukt war, sehr gut vermarktet, aber nicht viel dahinter. Dabei müssen selbst sie anerkennen, dass es keine einfache Aufgabe ist, im MMA-Sport fast zehn Jahre lang ohne Niederlage zu bleiben. Sicherlich hat er in der Zeit nicht nur gegen Weltklassekämpfer im Ring gestanden, aber auch gegen die „kleinen“ Gegner muss man gewinnen. So dominant Georges St. Pierre und Anderson Silva im Moment auch sein mögen, die zehn Jahre haben sie noch lange nicht voll, was vor allem daran liegt, dass sie gegen eben diese „kleinen“ Gegner wie Matt Serra bzw. Daiju Takase und Ryo Chonan verloren haben.

Leider waren es aber eben diese kleinen Gegner, gegen die Fedor eine Zeit lang gekämpft hat, dazu kamen lange Pausen und leichte Siege gegen die ehemaligen UFC Champions Tim Sylvia und Andrei Arlovski, bei denen man sich inzwischen fragt: Wie gut waren sie damals wirklich? Hätten Sylvia und Arlovski von damals am Samstag gegen Silva gewonnen? Fragen, die man sicherlich nicht beantworten kann, die aber ein Grund dafür sein könnten, warum Fedors Niederlagen so plötzlich kamen.

In seiner Zeit bei PRIDE FC besiegte Fedor das Beste, was das Schwergewicht damals zu bieten hatte: Antonio Rodrigo Nogueira, Mirko „Cro Cop“, Mark Coleman und Kevin Randleman befanden sich damals unter seinen Opfern. Aber seitdem hat sich der MMA-Sport weiterentwickelt. Während Fedor sich an seine gewohnten Trainingsmethoden gehalten hat, kamen immer mehr Elemente in den MMA-Sport. Inzwischen bringen immer mehr Kämpfer neue Trainer in ihr Trainingslager oder trainieren selbst einige Wochen in einem anderen Gym, nur um neue Techniken zu lernen und den Horizont zu erweitern. Aber warum etwas verändern, wenn man mit seinen alten Strategien und Techniken gewinnt? Genau dieser Gedanke war es, dem auch Chuck Liddell seinen unrühmlichen Abgang verdankt und dem nun wohl auch Fedor erlegen ist. Nicht umsonst sagen viele Kämpfer, dass sie am meisten aus ihren Niederlagen gelernt haben. Fedor hat aber selbst gesagt, dass er auch nach der Niederlage gegen Werdum nichts an seinen Trainingsgewohnheiten geändert hat. Lag darin der Fehler?

Vielleicht gibt es aber auch eine ganz einfache Lösung für das Problem: Fedor muss die Gewichtsklasse wechseln. Er hat zwar schon häufiger gegen größere und schwerere Gegner gekämpft, aber diese waren ihm dafür technisch weit unterlegen. Inzwischen sieht man immer häufiger, wie Kämpfer die Gewichtsklassen wechseln, weil ihre Gegner ihnen körperlich überlegen sind und wenn sich die kämpferischen Fähigkeiten auf dem gleichen Level befinden, dann kann das Gewicht durchaus über Sieg oder Niederlage entscheiden und gegen Silva war es offensichtlich, dass Fedor gegen den wesentlich größeren und schwereren Gegner Probleme hatte. Aber kann Fedor nach so langer Zeit überhaupt die Gewichtsklasse wechseln, will er das überhaupt?

Während Fedor nach seiner Niederlage gegen Werdum irgendwie erleichtert wirkte, hatte die Niederlage gegen Silva sichtbare Spuren hinterlassen. Sicherlich haben schon viele Kämpfer nach einer Niederlage von Rücktritt gesprochen und sind dennoch wieder zurückkehrt, aber die Worte schienen von einem Mann zu kommen, der das Interesse am Kämpfen verloren hat. Sollte dies der Fall sein, wäre es das Beste, wenn er sich an seine Worte hält und seine beeindruckende Karriere beendet und sich nicht noch zu weiteren Kämpfen überreden lässt. Sicherlich würden ihn viele Fans gerne wieder im Käfig sehen, aber soll man ihm nicht auch einen leisen Abschied gönnen? Schließlich war er nie einer, der viel Aufsehen um seine Person gemacht hat und vielleicht war die Niederlage gegen Silva genau der Grund, den Fedor noch gebraucht hat, um sich aus dem Rampenlicht zu verabschieden. Still und leise, mit erhobenem Haupt und dem Wissen, eine Legende erschaffen zu haben: die Legende des letzten Imperators.