Kolumnen

Der GnP-Jahresrückblick 2012: MMA in Asien

Man muss kein Experte der asiatischen MMA-Szene sein, um zu erkennen, dass sich dort in den letzten Jahren das Kräfteverhältnis deutlich verschoben hat. War Japan auch nach dem Untergang von PRIDE  noch lange das Machtzentrum des Kampfsports in Asien, hat der Sport dort heute mit großen Problemen zu kämpfen. Indessen entwickelt sich in verschiedenen Ländern auf dem Festland eine MMA-Szene, womit sich der Fokus klar von Japan in Richtung Südostasien verschiebt. Im Jahr 2012 hat sich dieser Trend nicht nur bewahrheitet, sondern sogar noch verstärkt.

Von DREAM, dem früheren Marktführer im asiatischen MMA, war im gesamten vergangenen Jahr nichts zu sehen. Was Anfangs noch als Winterschlaf erschien, den die Organisation auch im Vorjahr eingelegt hatte,  entpuppte sich als stiller Untergang des Veranstalters. Im Mai hatten die Fans der japanischen Organisation noch einmal Hoffnung auf ein Comeback geschöpft, als Gerüchte aufkamen, wonach im Juli der erste DREAM-Event des Jahres stattfinden würde. Diese Meldungen sollten sich jedoch nicht bewahrheiten. Dies wurde deutlich, als die Unternehmen hinter DREAM, die Fighting & Entertainment Group sowie Real Entertainment, noch im Sommer ihre Pforten schlossen. Erst gegen Jahresende kam die überraschende Nachricht, dass DREAM unter GLORY Sports International noch einmal ein Comeback wagen wird und dies im Rahmen der traditionellen Neujahrsveranstaltung.

Während sich DREAM langsam dem Ende zuneigte, machte sich im kleinen Singapur mit One FC eine Organisation auf, um die neue #1 im asiatischen MMA-Sport zu werden. Nach der Debütveranstaltung im Jahr 2011 lies die Organisation im vergangenen Jahr fünf weitere Veranstaltungen im südostasiatischen Raum stattfinden. Indonesien, Malaysia und die Philippinen wurden neben Singapur mit Events besucht. Im „Smart Araneta Coliseum“ in der philippinischen Hauptstadt Manila, wo einst der legendäre Boxkampf „Thrilla in Manila“ zwischen Muhammad Ali und Joe Frazier stattfand, konnte man mehr als 16 Tausend Menschen für One FC 5 begeistern.

Auch der Kader von One FC verstärkte sich im Laufe des abgelaufenen Jahres deutlich. Japanische Top-Kämpfer wie Tatsuya Kawajiri, Masakazu Imanari, Tatsuya Mizuno, Masakatsu Ueda und Shinya Aoki folgten dem Strom ebenso wie amerikanische Stars wie die früheren UFC-Champions Andrei Arlovski, Jens Pulver und Tim Sylvia oder die Brasilianer Renato Sobral und Bibiano Fernandes.

Im Rahmen der sechsten Veranstaltung führte die aufstrebende Organisation die ersten beiden Titel im Bantam- und Leichtgewicht ein. Der Japaner Kotetsu Boku errang den Gürtel im Bantamgewicht gegen Zorobabel Moreira, während Soo Chul Kim aus Südkorea mit einem Sieg über Leandro Issa zum Leichtgewichtschampion gekrönt wurde.

In Indien wurde im vergangenen Jahr die Super Fight League gegründet, die innerhalb des ersten Jahres gleich dreizehn Events über die Bühne brachte. Im März wurde die Debütveranstaltung in Mumbai, der größten Stadt Indiens, präsentiert. Nach zwei weiteren Events ging man im Oktober dazu über, wöchentliche Events mit nationalem Fokus abzuhalten.

Mit Road FC in Südkorea, Legend FC in Hong-Kong und Universal Reality Combat Championship (URCC) auf den Philippinen sind noch weitere asiatische Organisationen dabei, eine Basis für den MMA-Sport aufzubauen. Neben den nationalen Kämpfern der jeweiligen Länder sind internationale Kämpfer wie Jeff Monson, Bob Sapp und Melvin Manhoef regelmäßig bei verschiedenen Events in Asien zu sehen. Sie helfen dabei, dem asiatischen Kampfsport auch internationale Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

Neben den asiatischen Organisationen setzte auch die UFC ihre Expansion in Asien fort und hielt dort im vergangenen Jahr zwei Events ab. Im Februar kehrte man mit UFC 144 nach mehr als zehn Jahren mit einer Veranstaltung ins Land der aufgehenden Sonne zurück. Eine Reihe an nationalen Kämpfern wurde für UFC 144 eingeladen und bekannte Gesichte wie Quinton Jackson oder Mark Hunt kehrten an ihre frühere Wirkungsstätte zurück. Im Hauptkampf der Veranstaltung trafen Frankie Edgar und Benson Henderson in einem Leichtgewichtstitelkampf aufeinander. Trotz anfänglicher Bedenken kann die Rückkehr der UFC nach Japan mit fast 20 Tausend Zuschauern in der Halle als voller Erfolg gewertet werden.

Den zweiten Anlauf auf den asiatischen Markt nahm die UFC im November mit einer Veranstaltung in Macau, einer sogenannten Sonderverwaltungszone der Volksrepublik China. Im Hauptkampf des Events kämpfte der vietnamesisch-amerikanische Cung Le gegen den ehemaligen UFC-Champion Rich Franklin. Mit dem Koreaner Dong Hyun Kim und dem Chinesen Tiequan Zhang standen neben einigen Japanern wie Takanori Gomi und Takeya Mizugaki noch zahlreiche weitere asiatische Kämpfer auf dem Programm.

Nachdem, wie Eingangs beschrieben, die großen Spieler im japanischen MMA-Sport ausgefallen sind, bildeten die Traditionsorganisationen Pancrase, Shooto und DEEP im abgelaufenen Jahr das Zentrum des Sports in Japan. Dies führte dazu, dass viele Kämpfer, die lange vorwiegend für DREAM antraten, wieder in kleineren Organisationen zu sehen waren.

Es überrascht wenig, dass sich diese Kämpfer auch ins Titelgeschehen einmischten. Bei DEEP wechselten im vergangenen Jahr drei Titel, alle gingen an ehemalige DREAM-Kämpfer. Daisuke Nakamura sicherte sich den Leichtgewichtstitel, Kazunori Yokota den Federgewichtstitel und Yoshiro Maeda errang die Krone im Bantamgewicht. Auch bei Pancrase gab es im vergangenen Jahr drei Titelwechsel. Der Sengoku-Veteran Ryo Kawamura erkämpfte sich im Januar den vakanten Mittelgewichtstitel gegen Ikkei Nagamura und Isao Kobayashi wurde im April mit seinem Sieg über Koji Oishi zum King of Pancrase im Leichtgewicht. Danach wurde Takumi Nakayama im August als Interimschampion zum Champion ernannt, weil Marlon Sandro seinen Titel nicht verteidigte. Sowohl DEEP als auch Pancrase führten 2012 einen neuen Frauentitel ein. Diesen errang Amanda Lucas bei DEEP gegen Yumiko Hotta, während Rin Nikai bei Pancrase gegen Danielle West zur Titelträgerin gekrönt wurde. Titelwechsel gab es im abgelaufenen Jahr natürlich auch bei Shooto. Hiromasa Ogikubo wurde im Mai zum Champion im Bantamgewicht und Yusuke Yachi besiegte Wataru Miki im November im Kampf um den vakanten Federgewichtstitel.

Am Neujahrsabend gibt das japanische MMA-Geschäft noch einmal ein deutliches Lebenszeichen von sich. Nach einem Jahr kehrt DREAM in Zusammenarbeit mit GLORY mit einem Event zurück und Antonio Inoki stellt nach neuen Jahren wieder einen „INOKI BOM-BA-YE“-Neujahrsevent auf die Beine. Die Überraschung wird damit verstärkt, dass die Veranstaltung am 3. Januar sogar auf dem renommierten japanischen Sender Fuji TV übertragen wird, der seit langem keinen Kampfsport mehr ausgestrahlt hat.

GLORY und DREAM präsentieren eine Mischung aus MMA- und Kickbox-Kämpfen und vereinen somit ihre Kernkompetenzen zu einem Event, der an die früheren Dynamite!-Veranstaltungen erinnert. Antonio Inoki verbindet bei „INOKI BOM-BA-YE“ sein Steckenpferd, das Pro-Wrestling, mit MMA-Kämpfen. In gewohnter Manier lies es sich die Kampfsportlegende dabei auch nicht nehmen, Pro-Wrestler in MMA-Duelle zu stecken und umgekehrt.