Kolumnen

Der GnP-Jahresrückblick 2010: MMA

Einer der Schocker des Jahres 2010: Fedor Emelianenko verliert gegen Fabricio Werdum. (Foto via Showtime)

April

Die WEC gab in diesem Monat ihr Pay-per-View-Debüt. Die zahlenden Zuschauer sahen während der einzigen Veranstaltung dieser Art durch die inzwischen von der UFC übernommene Organisation einen Federgewichtstitelkampf zwischen dem Champion Jose Aldo und dem ehemaligen Titelträger Urijah Faber, sowie einen Leichtgewichtstitelkampf zwischen dem Champion Ben Henderson und Donald Cerrone. In beiden Fällen durften die Titelträger ihren Titel auch wieder mit nach Hause nehmen.

BJ Penn verspürte wohl das Bedürfnis sich ein wenig Luft zu machen, als er sein Buch „Why I fight“ veröffentlichte. Jedenfalls kamen seine dezeitigen Arbeitgeber – besonders Dana White – nicht sonderlich gut da drin weg. Dass er dennoch seinen Platz in der UFC behalten durfte, mag an seinem freundlichen Lächeln und vielleicht auch ein wenig an seinen Kampfkünsten liegen.

Den Schocker des Monats – oder das Schlafmittel des Monats – lieferte der Hauptkampf von UFC 112, in dem ein unterforderter Anderson Silva den Herausforderer Damian Maia erst verhöhnte und dann aus Langeweile vor ihm weglief, was Dana White dazu brachte, Silvas Manager den Gürtel zu überreichen und die Halle zu verlassen, bevor der Kampf zu Ende war. Das war das bisher einzige Mal in der Zuffa Ära, dass White dem Titelträger nicht persönlich den Gürtel umgeschnallt hat.

War Machine (so der mittlerweile richtige Name des früheren Jon Koppenhavers) geriet ein weiteres Mal mit dem Gesetz in Konflikt. Der ehemalige UFC Kämpfer wurde nach einem Handgemenge mit den Türstehern der Bar Thruster's Lounge von der Polizei verhaftet. Der Einsatz der sogenannten "Spucktüte" ließ darauf vermuten, dass er nicht freiwillig mitgegangen ist.

Der Monat endete mit einem weiteren Aufreger, dieses Mal im Hause des „Huntington Beach Bad Boy“ Tito Ortiz, der von der Polizei in eben diesem festgenommen wurde. Die Anschuldigungen lauteten auf häusliche Gewalt gegen seine Lebensgefährtin Jenna Jameson. Die ehemalige Erotikdarstellerin wurde ins Krankenhaus gebracht, konnte dies aber nach kurzer Zeit wieder verlassen. Ortiz wurde seinerseits im Polizeipräsidium verhört und durfte dieses noch am selben Abend gegen eine Kaution von 25.000 Dollar verlassen.

Kurz und knapp:

Jake Shields besiegt Dan Henderson und bleibt Strikeforce Mittelgewichtschampion.

Frankie Edgar besiegt BJ Penn und wird neuer Leichtgewichtschampion der UFC.

Renzo Gracie kehrt in die UFC zurück, verliert aber gegen Matt Hughes.

Mai

Pascal Krauss bei seinem ersten Interview als Cage Warriors Champion.

Ganz MMA-Deutschland freute sich im Mai mit Pascal Krauss, der bei Cage Warriors 37 John Quinn besiegte und damit neuer Cage Warriors Champion im Weltergewicht wurde. 13 Sekunden vor Schluss der zweiten Runde gelang es dem Deutschen einen Rear-Naked Choke anzusetzen und damit den Tapout zu erreichen. Damit wurde Krauss direkter Nachfolger von Dan Hardy und sicherte sich zudem die Aufmerksamkeit der UFC.

Den Shocker des Monats lieferte Paul Daley bei UFC 113, als er einige Sekunden nach erklingen des Ringgongs gegen seinen Gegner Josh Koscheck nachschlug. In den 15 Minuten davor, war es ihm nicht gelungen, Koscheck so gut zu treffen, was zu einer einstimmigen Punktniederlage und dem Ausraster führte. Ein kurzer Blackout und ein unverzeihlicher Fehler, der sofort zu der Entlassung von Semtex aus der UFC führte und wenn es nach UFC Präsident Dana White geht, werden die Fans ihn dort auch nie wieder sehen.

MMA-Legende Don Frye musste sich einer weiteren Rückenoperation unterziehen. Ein Jahr nach seinem Rückzug aus dem Sport musste der UFC und PRIDE FC Veteran damit bereits die dritte Rücken OP über sich ergehen lassen, nachdem Komplikationen nach der zweiten OP auftraten. Auch wenn sich „The Predator“ nicht mehr aktiv im Käfig aufhält, ist er der MMA-Gemeinde immer noch als Trainer und Kommentator erhalten geblieben.

Der Monat endete mit einem Lichtblick am deutschen MMA-Himmel: German MMA Championship feierte ihre erste Veranstaltung. Beim Debüt der Organisation von Özhan Altintas und Deniz Haciabdurrahmanoglu konnten u.a. Carlos Eduardo Rocha, Angelos Zampakikas, Ulas Aslan, Jonas Billstein und Christian Eckerlin Siege für sich verbuchen.

Kurz und knapp:
Mauricio „Shogun“ Rua besiegt Lyoto Machida durch KO in der ersten Runde und wird neuer UFC Halbschwergewichtschampion.

Die UFC entlässt Kevin "Kimbo Slice" Ferguson nach dessen Niederlage gegen Matt Mitrione.

Alistair Overeem verteidigt seinen Strikeforce Titel gegen Brett Rogers durch TKO in der ersten Runde.

Der stärkste Mann der Welt Mariusz Pudzianowski verliert bei Moosin: God of Martial Arts gegen Tim Sylvia.

Bobby Lashley sagt seinen Kampf bei Strikeforce: Los Angeles aufgrund einer schweren Knieverletzung ab.

Ralek Gracie stellte einen Teil der Gracie-Ehre wieder her, als er bei DREAM.14 Kazushi Sakuraba besiegte.

Juni

Der Juni begann mit einer unerfreulichen Nachricht für alle Fans von Lee Murray. Der MMA-Kämpfer wurde in Marokko zu 10 Jahren Haft verurteilt, nachdem ihm vor Gericht die Teilnahme am größten Bankraub in Englands Geschichte nachgewiesen wurde. Murray hatte demnach am 21. Februar 2006 zusammen mit einigen Komplizen eine Bank überfallen und 53 Millionen Pfund (ca. 63,5 Millionen Euro) erbeutet. Murray floh anschließend nach Marokko, der Heimat seines Vaters, wo er festgenommen werden konnte und aufgrund seiner marokkanischen Staatsbürgerschaft auch verurteilt wurde.

Gerade erst hatte sich Mauricio „Shogun“ Rua den Halbschwergewichtstitel der UFC gesichert, da kam auch schon der Rückschlag: Wieder eine Knieverletzung. Dies bedeutete nach 2007 eine weitere Knieoperation und die damit einhergehende Zwangspause für den Champion. Dieses Mal wurde die Operation in Las Vegas durchgeführt und alle hoffen, dass „Shogun“ wieder zu der Form zurückkehren kann, die ihm zuletzt den Platz an der Spitze der Halbschwergewichtsdivision gesichert hatte.

Der Schocker des Monats fand am 26. statt, als Fabricio Werdum den über fast zehn Jahre ungeschlagenen Fedor Emelianenko bei Strikeforce Fedor vs. Werdum nach gerade mal 69 Sekunden zur Aufgabe brachte. Ein Sieg, der nicht nur die MMA-Welt auf den Kopf stellte, sondern auch für Strikeforce einen herben Schlag ins Gesicht bedeutete. Das Zugpferd der Organisation hatte seine Aura verloren und dafür gesorgt, dass Strikeforce sogar über die Verpflichtung von David Michael Bautista Jr. – in Wrestlingkreisen als Batista bekannt – nachdachte und noch immer nachdenkt.

Für Freude in der deutschen MMA-Gemeinde sorgte die Aussage von Ralf Anheier, PR-Manager von Electronic Arts Deutschland, dass Deutschlands Schwergewichtshoffnung und GnP-Kolumnist Andreas Kraniotakes einer von fünfzig spielbaren Charakteren im heißersehnten Videospielhit EA Sports MMA sein würde.

Kurz und knapp:

Matt Hughes wurde in die UFC Hall of Fame aufgenommen.

Die UFC kündigt ihren zweiten Auftritt in Deutschland für den 13. November in Oberhausen an.