Kolumnen

Der GnP-Jahresrückblick 2010: Boxen

Eine Rückblende auf die Monate Januar bis März.

Januar

Die scheinbar unendliche Geschichte zwischen Manny Pacquiao, Floyd Mayweather und einem möglichen (oder besser: unmöglichen) Traumkampf zwischen beiden beherrschte auch schon vor einem Jahr die Schlagzeilen der Boxpresse. Genau wie heute, mussten sich beide Boxer daher Alternativen suchen, wenn sie bald wieder in den Ring steigen wollten. „Pac-Man“ entschied sich für Joshua Clottey, Mayweather liebäugelte mit Shane Mosley.

Der auch damals schon amtierende WBO Weltmeister im Halbschwergewicht, Jürgen Brähmer, musste sich vor Gericht verantworten. Zu Last gelegt wurden dem Nordlicht zwei Körperverletzungen. In einer Bar soll er eine Frau attackiert, in einer Diskothek einen Mann beleidigt und später ebenfalls angegriffen haben. Brähmer wies beide Taten entschieden von sich, wurde aber dennoch zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt. Brähmers Verteidigung ging daraufhin in Berufung.

WBA Mittelgewichtschampion Felix Sturm hatte dagegen einen sehr erfolgreichen Monat. Seine neu gegründete Firma „Plus One“, mit der er sich künftig selbst vermarkten wird, konnte einen hoch dotierten Vertrag mit Sportvermarkter „Ufa Sports“ abschließen. Er sicherte sich damit 20 Millionen Euro, für zehn Kämpfe, in drei bis vier Jahren. Problematisch war, dass Sturm zum damaligen Zeitpunkt noch an den Hamburger Promoter Universum gebunden war – behauptete zumindest der Boxstall. Ein Rechtsstreit stand daher zwischen beiden Parteien bevor. RTL bekundete damals bereits Interesse an Sturm, mittlerweile boxt er jedoch auf Sat.1.

In der Magdeburger Bördeland-Halle konnten Ina Menzer und Robert Stieglitz ihre Weltmeistertitel erfolgreich verteidigen. Wenig später verteidigt mit Sebastian Sylvester ein weiterer deutscher Weltmeister sein Gold. Er besiegte Billy Lyell, der kurzfristig für den Spanier Pablo Navascues eingesprungen war. Nach einer positiven Dopingprobe erhielt Navascues keine Freigabe für den Kampf.   

Kurz und knapp:
Nach der herben KO-Niederlage, die er gegen Arthur Abraham im Super-Six-Turnierauftakt hinnehmen musste, beendete Jermain Taylor seine Teilnahme an dem hochdotierten Turnier.

Axel Schulz ist zum zweiten Mal Vater geworden.

Boxlegende Erik Morales hatte überraschend sein Comeback angekündigt.

Arthur Abraham gewann den GnP Award als Boxer des Jahres 2009.

Susi Kentikian flimmerte als Werbefigur in einer Milchschnitten-Reklame über die Mattscheiben.

Ex-Schwergewichtschampion Evander Holyfield sagte seinen Kampf gegen Francois Botha ab. Grund: Ein versprochener Geldeingang war auch nach mehreren Wochen nicht auf seinem Konto zu verzeichnen.

Dafür kündigten zwei weitere Oldtimer an, gegeneinander in den Ring zu steigen. Roy Jones Jr. und Bernard Hopkins wollten es 17 Jahre nach ihrem ersten Aufeinandertreffen noch einmal wissen und planten einen Fight für April.

Februar

Das polnische Cruisergewicht Tomasz Adamek bestritt gegen den früheren US-amerikanischen Olympioniken Jason Estrada seinem zweiten Kampf im Schwergewicht. Er setzte sich einstimmig nach Punkten durch und befindet sich heute – nach drei weiteren Siegen in dieser Gewichtsklasse – nach wie vor auf dem besten Weg zu einem Schwergewichtstitelkampf gegen einen der beiden Klitschko-Brüder.  

Arena Boxpromotion-Chef Ahmet Öner wurde zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Zudem sollte er eine Geldstrafe von € 120.000 an die Staatskasse zahlen. Grund waren ganze 16 Straftaten, darunter Körperverletzung, Erpressung, Nötigung, Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. So soll er unter anderem Universum Chef Klaus-Peter Kohl und dessen Schwiegersohn Dietmar Poszwa erpresst und bedroht haben.  

Mayweather vs. MosleyVitali Klitscho befand sich zur damaligen Zeit in Vertragsverhandlungen mit Ex-Weltmeister Nikolai Valuev. In der Arena auf Schalke wollte der Ältere der beiden Klitschkos den russischen Giganten boxen und bot ihm für diese WM-Chance ganze zwei Millionen Euro. Doch Ende Februar die kuriose Absage Valuevs: Zwei Millionen Euro seien ihm zu wenig, er verlange vier Millionen Dollar. So viel hatte der Riese nicht einmal als Champion für einen Kampf bekommen. Der Kampf ist somit geplatzt und kam bis heute nicht zustande.

Vitali Klitschko, die Zweite. Der WBC Schwergewichtsweltmeister gab bekannt, seine Karriere noch in diesem Jahr beenden zu wollen. Einzig einen Kampf gegen Erzfeind David Haye wolle er vorher noch absolvieren und damit den letzten fehlenden großen Schwergewichtstitel in die Familiensammlung holen. Der Kampf gegen Haye kam bislang jedoch aufgrund vertraglicher Unstimmigkeiten und gegensätzlicher Forderungen beider Parteien nicht zustande. Auch ein Rücktritt des „Dr. Eisenfaust“ ist bislang nicht in Aussicht.

Kurz und knapp:
Der Kampf zwischen Floyd Mayweather und Shane Mosley wurde nach einigem Hin und Her offiziell bekanntgegeben.

ARD-Boxmoderator Waldemar Hartmann wurde die Einreise in die USA verwehrt.

Die ARD hat den TV-Vertrag mit Sauerland Event um drei weitere Jahre verlängert.

Allan Green wurde als Super-Six-Ersatzmann für Jermain Taylor benannt.

März

Klitschko schickte Chambers auf die Bretter.

In einem der größten Kämpfe des Jahres konnte sich Pound-for-Pound-König Manny Pacquiao gegen Joshua Clottey eindrucksvoll nach Punkten durchsetzen. Clottey wirkte dabei, als hätte er im Vorfeld einen Nichtangriffspakt unterzeichnet und agierte bestenfalls als bewegliches Ziel für den philippinischen Wirbelwind. Ein würdiger Ersatz für eine Megafight gegen Floyd Mayweather war diese jedenfalls nicht.

Ebenfalls dominant boxte Multi-Champion Wladimir Klitschko gegen den US-Amerikaner "Fast" Eddie Chambers. Nach einem unspektakulären Kampf gelang "Dr. Steelhammer" in buchstäblich letzter Sekunde der Knockout. In üblicher Klitschko-Manier kontrollierte der Ukrainer den Kampf mit Jabs und hielt seinen deutlich kleineren Gegner auf Distanz. Chambers fand kein Mittel gegen diese Strategie und konnte so kaum signifikante Aktionen zeigen.

Nicht so gut lief es für Arthur Abraham. Im bislang größten Kampf seiner Karriere wurde er von Andre Dirrell elf Runden lang dominiert und lag nach Punkten hinten. Schließlich schlug er den nach einem Ausrutscher auf dem Boden knienden Dirrell – und wurde disqualifiziert. Es war die erste Niederlage Abrahams als Profi.

Universum-Boxer Vitali Tajbert wurde im März 2010 kampflos zum WBC Superfedergewichtschampion gekrönt. Im November hatte Tajbert gegen Humberto Gutierrez den Interims-WM-Titel gewonnen. Als der „echte“ Champion Humberto Soto nun eine Gewichtsklasse aufstieg und dort den Leichtgewichtstitel gewinnen konnte, musste er seinen Superfedergewichtsgürtel niederlegen. Das WBC fackelte nicht lang und schnallte ihn direkt Tajbert um, der den Titel jedoch nur einmal verteidigen konnte. Bei seiner zweiten Titelverteidung, im November, unterlag er dem Japaner Takahiro Ao nach Punkten.

Die Sat.1-Dokumentationsreihe „Knockout“, die Schwergewichtshoffnung Steffen Kretschmann auf seinem Weg zu einem Rückkampf gegen Denis Bakhtov begleiten sollte, endete wenig erfolgreich – weder wirtschaftlich noch sportlich. Das Format sollte dem wortkargen Kretschmann etwas Format verpassen und den Live-Kampf zwischen dem Hallenser und Bakhtov etwas anheizen. Nachdem die Doku-Reihe jedoch nur recht durchwachsene Quoten einbrachte, endete der Kampf in einem Fiasko: Kretschmann drehte sich mitten im Schlagabtausch weg und signalisierte, dass er nicht mehr weitermachen wollte. Bakhtov landete noch einen Treffer, Kretschmann schleppte sich in seine Ecke. Bakhtov wurde daraufhin zum Sieger durch TKO erklärt.

Kurz und knapp:
Wilfried Sauerland feierte seinen 70. Geburtstag – und das doppelt.

Ex-Weltmeister Ricky Hatton plante Rücktritt, ist bis heute aber nicht offiziell im Ruhestand.

Fritz Sdunek beendete auf eigenen Wunsch seine Arbeit als Boxtrainer für Universum. Als Grund nannte er seinen gesundheitlichen Zustand.