Kolumnen

Der GnP-Jahresrückblick 2010: Boxen

Eine Rückblende auf die Monate April bis Juni.

April

Im April berichteten wir über einen Namen, der auch in den vergangenen Wochen häufiger auf unserer Seite zu lesen war: Alexander Dimitrenko (29-1-0, KO). Das Universum-Schwergewicht wurde damals von der EBU offiziell zum Pflichtherausforderer auf den Europameistertitel gekürt. Frisch gekrönter Titelträger war damals Audley “A-Force” Harrison. Der verteidigte den Titel jedoch nie, sondern legte ihn für einen WM-Kampf gegen WBA Champion David Haye nieder. Der Kampf verkam zur Lachnummer. Zwischenzeitlich hatte Dimitrenko sich den vakanten EBU Gürtel in einem Kampf gegen Yaroslav Zavorotnyy gesichert und sollte ihn im Dezember gegen Albert Sosnowski verteidigen. Vor dem Kampf brach er jedoch zusammen.

Das von den Namen her größte Duell des Aprils war der Rückkampf zwischen Roy Jones Jr. (54-7-0, 40 KO) und Bernard Hopkins (51-5-1, 32 KO). Hätte dieser Kampf ein paar Jahre früher stattgefunden, so wäre er auch sportlich ein großes Ereignis geworden. So war es leider nur ernüchternd. Beide Boxer kämpften auf Sparflamme, Jones landete kaum Wirkungstreffer. Hinzu kamen mehrere Tief- und Hinterkopfschläge von beiden Kämpfern, die der Ringrichter kaum ahndete. Hopkins siegte letztendlich nach Punkten und konnte so seine Niederlage aus dem ersten Kampf wieder ausgleichen.

Kurz und knapp:
David Haye (25-1-0, 23 KO) konnte seinen WBA Titel zum ersten Mal verteidigen. Gegen einen völlig überforderten John Ruiz siegte er in Runde neun durch TKO.

Ebenfalls ihre Gürtel verteidigen konnten Sebastian Zbik (30-0-0, 10 KO) und Robert Stieglitz (39-2-0, 23 KO). Beide gewannen nach Punkten.

Mai

Manny Pacquiao bewies, dass er nicht nur im Ring unschlagbar zu sein scheint. Auch auf dem politischen Parkett startete er durch. So gewann er im Mai mit einem Erdrutschsieg die Wahl zum Kongressabgeordneten seines Heimatprovinz Sarangani. Fast 80 Prozent der Wähler stimmten für den ultrapopulären Boxer. Noch drei Jahre zuvor musste "Pac" bei derselben Wahl eine herbe Schlappe hinnehmen. In diesem Jahr setzte er sich mit seiner Partei "Peoples Champ Movement" im Rücken jedoch durch.

In der unendlichen Geschichte zwischen Manny Pacauiao und Floyd Mayweather wurde im Mai ein neues Kapitel geschrieben. So stimmte "Pac Man" Bluttests nun zu – eine Vertragsklausel, an  der der Kampf zuvor gescheitert war. „Solange mir keine Unmengen Blut abgenommen werden, bin ich mit Bluttests bis zu zwei Wochen vor dem Kampf einverstanden", so der damals frischgebackene Kongressabgeordnete. Der Kampf sollte ursprünglich bereits im März stattfinden. Mayweather bestand jedoch auf unangekündigte Bluttests, wie es bei olympischen Wettkämpfen auch gehandhabt wird, um den Sport nach eigenen Worten „sauber zu halten“. Pacquiao war damit jeodch nicht einverstanden und glaubte, eine solche Prozedur kurz vor dem Fight könnte ihn schwächen. Trotz des Zugeständnisses fand der Traumkampf bis heute jedoch nicht statt.

Kelly Pavlik wechselte vom Mittel- ins Supermittelgewicht. Denn vertraglich zugesicherten Rückkampf gegen WBO und WBC Mittelgewichtschampion Sergio Martinez, der ihm einen Monat zuvor die Titel abgenommen hatte, ließ er damit verfallen. Als Gründe gab Pavlik Probleme beim Gewichtmachen an. Sergio Martinez stieg stattdessen ein halben Jahr später für einen anderes Rematch in den Ring: das lang erwartete zweite Duell mit Paul Williams. Pavlik boxte seitdem allerdings kein einziges Mal.

Kurz und knapp:
Bei einem Deutschlandbesuch bestätigt Promoterlegende Don King, dass er “GnP liebt”.

Der Kampf zwischen Floyd Mayweather und Shane Mosley war offenbar zumindest wirtschaftlich ein großer Erfolg. So verkaufte sich die Pay Per View-Veranstaltung in den USA rund 1,4 Millionen mal.

In seinem ersten Kampf auf amerikanischem Boden konnte sich das britische Boxtalent Amir „King“ Khan den Veteran Paulie Malignaggi in der elften Runde via TKO besiegen.

In einem unspektakulären Fight besiegte WBC Schwergewichtsweltmeister Vitali Klitschko den Polen Albert Sosnowski in der Arena auf Schalke via TKO in Runde zehn.

Der vierte Teil der legendären Serie „Marquez vs. Vazquez“ endete ernüchternd. Marquez setztte sich in der dritten Runde via TKO durch. Die Zeit von Vazquez war vorüber, das zeigte dieser einseitige Fight deutlich.

Juni

Nachdem Sergio Martinez im erst im April den WBC und WBO Mittelgewichtschampion Kelly Pavlik entthronen konnte, nahm die World Boxing Organization einen der beiden Gürtel schon im Juni wieder ab. Der Grund dafür war, dass er sich nicht entscheiden konnte, ob er künftig im Mittelgewicht bleiben würde oder nicht. Martinez hielt zusätzlich den WBC Titel im Halbmittelgewicht und war nicht sicher, ob er wieder in diese Gewichtsklasse zurückkehren oder im Mittelgewicht bleiben sollte. Nach seinem Titelsieg hatte er zehn Tage Zeit, eine Entscheidung zu fällen. Diese Frist ließ Martinez offenbar verstreichen. Er blieb im Mittelgewicht und verteidigte seinen WBC Titel erst vor einem Monat beeindruckend gegen Paul Williams.

Nachdem Manny Pacquiao erst einen Monat zuvor einen Schritt auf Floyd Mayweather zugegangenen war und Bluttests bis zu zwei Wochen vor dem Kampf zustimmte, machte dieser ihm und allen Fans, die auf einen möglichen Jahrhundertfight der beiden Boxer hofften, nun erneut einen Strich durch die Rechnung. Er verkündete eine mehrjährige Auszeit vom Boxpsort. Auf Nachfragen bezüglich eines Kampfes gegen Pacquiao antwortete er nur: „Wie gesagt, ich mache ein paar Jahre Pause.“ 

Kurz und knapp:
Manny Pacquiao und Freddy Roach wurden von der renommierten Boxing Writer's Association of America (BWAA) zum Kämpfer, sowie Trainer des Jahres gewählt.

Auch Ulli Wegner wurde ausgezeichnet. Der kultige Sauerland-Coach erhielt aufgrund seiner besonderen Leistungen das Bundesdverdienstkreuz am Bande.

Wegners Chef, Wilfried Sauerland, konnte sich ebenfalls über eine Auszeichnung freuen. Er wurde in die internationale Ruhmeshalle des Boxsports berufen. Er ist nach Max Schmeling erst der zweite Deutsche, dem das gelang.

Für IBF Mittelgewichtschampion Sebastian Sylvester reichte es gegen Roman Karmazin nur zu einem umstrittenen Unentschieden. Er behielt daraufhin seinen Gürtel.

Miguel Cotto besiegte Yuri Forman via TKO in Runde neun.

Im Super Six-Turnier besiegte Andre Ward Allan Green nach Punkten und dominierte ihn dabei über 12 komplette Runden.

Julio Cesar Chavez Jr. besiegte John Duddy ebenfalls nach Punkten.