Kolumnen

Das Schwergewicht lebt

Wie heißt es doch so schön: Konkurrenz belebt das Geschäft. Das konnten die MMA-Fans in den letzten Tagen sehr schön mitverfolgen, als Strikeforce und die UFC ihre Pläne für ihre jeweilige Schwergewichtsdivision bekannt gaben. Nach langem Hin-und-Her veröffentlichte Strikeforce die Pläne für ihr Schwergewichtsturnier und die UFC zog für die nächste "The Ultimate Fighter"-Staffel ebenfalls ein Ass aus dem Ärmel.

Dabei sah es noch vor ein paar Wochen ziemlich mau in der Gewichtsklasse aus. UFC Champion Cain Velasquez hatte sich bei seinem Titelgewinn verletzt und fällt längerfristig aus, damit war auch Nummer-1-Herausforderer Junior Dos Santos auf Eis gelegt, gegen den Velasquez seinen Titel eigentlich hätte verteidigen sollen. Dazu kamen Gerüchte auf, dass der ehemalige Champion Brock Lesnar das Interesse am MMA-Sport zu verlieren schien und lieber wieder zur WWE zurückkehren würde. Erschwerend hinzu kamen die Verletzung des einstigen Titelherausforderers Shane Carwin und vertragliche Probleme von "TUF 10"-Sieger Roy Nelson, womit mehr oder weniger die ganzen Top-Schwergewichte der UFC außer Gefecht waren.

Bei Strikeforce sah es nicht viel besser aus. Die erneuten Vertragsverhandlungen mit M-1 Global bezüglich Fedor Emelianenko stockten. Fabricio Werdum, der Mann, der Fedor entthronte, war verletzt und Strikeforce Champion Alistair Overeem gewann nebenher den DREAM Schwergewichtstitel und den K-1 World Grand Prix in Japan, weil Strikeforce keine passenden Gegner für ihn fand. Das Interesse am ehemaligen UFC Champion Andrei Arlovski war ohnehin schon länger verschwunden und auch Brett Rogers konnte, nach zwei Niederlagen in Folge, nicht mehr als das Top-Schwergewicht hingestellt werden, das Strikeforce gerne in ihm gesehen hätte.

Damit sahen die Fans einem Jahr 2011 entgegen, das kaum Schwergewichtshighlights zu bieten haben würde, dann aber kam die Ankündigung von Strikeforce, ein Schwergewichtsturnier zu veranstalten. Nebenbei hatte man die Verhandlungen mit M-1 Global erfolgreich abgeschlossen, so dass auch Fedor an dem Turnier teilnehmen würde können. Mag man von dem Turnieraufstellung halten, was man will, schließlich ist das von vielen erwartete Finale zwischen Overeem und Fedor aufgrund der angesetzten Paarungen nicht möglich, so muss man Strikeforce dennoch zugestehen, dass sie den Fans geben, was sie wollen. Fedor bekommt einen Aufbaukampf gegen Antonio „Big Foot“ Silva, den er aber durchaus verlieren könnte, bevor er entweder seine Niederlage gegen Werdum korrigieren kann, oder es zum dem lang ersehnten Kampf gegen Overeem kommt. Dadurch hat Strikeforce schon mal viele Klippen umschifft, die sonst auf dem Weg zu einem potenziellen Finale zwischen Overeem und Werdum gestanden hätten. Zudem geben sie auf der zweiten Seite der Turnierpaarungen Josh Barnett, Andrei Arlovski, Sergei Kharitonov und Brett Rogers die Gelegenheit, etwas an Moment zu gewinnen, schließlich steht im Moment keiner von denen als Top-Herausforderer da.

Damit hatte Strikeforce das Rad ins Rollen gebracht. Alles sprach über das Turnier und wenn man ins Schwergewicht der UFC rüber sah, konnte man dort nichts entdecken, was Zweifel daran aufkommen lassen könnte, dass Ende des Jahres der Gewinner des Turniers vielleicht sogar die Nummer 1 im Schwergewicht sein würde. Um Strikeforce aber gleich wieder den Wind aus den Segeln zu nehmen, vollbrachte die UFC etwas, was nur wenige für möglich gehalten hatte: Sie holte den Einsiedler Lesnar aus der Wildnis heraus und machte ihn zu einem der Trainer der nächsten "The Ultimate Fighter"-Staffel. Wie die Verantwortlichen das geschafft haben, wird wohl ihr Geheimnis bleiben, aber sie hatten ihr Ziel erreicht: Der Fokus war von Strikeforce wieder zur UFC gewechselt.

Auf einmal wurde darüber diskutiert, ob Lesnar als Trainer geeignet sei, außerdem wurde aus dem Weichei Lesnar, der nach einer schweren Niederlage wieder in WWE fliehen wollte, ein richtiger Kämpfer, der sich nach Cain Velasquez auch der zweiten großen Schwergewichtshoffnung der UFC Junior Dos Santos stellt. Damit hatte die UFC zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Sie holt Lesnar von der Couch und damit ihren größten Zuschauermagneten vor die Kamera von TUF und ermöglicht ihm, durch einen Sieg über Dos Santos, noch dieses Jahr einen Rückkampf gegen Velasquez. Dazu kann sie den Brasilianer durch TUF aufbauen und vielleicht als einen weiteren Kämpfer vermarkten, der das Monster Lesnar besiegt hat, was den anschließenden Kampf zwischen ihm und Velasquez noch größer machen würde.

Nun kann man von der Ansetzung von Lesnar und Dos Santos als Trainer halten, was man will, aber doch wohl jeder Fan sieht sie lieber bei TUF und anschließend gegeneinander im Octagon, als fast ein Jahr auf den Kampf zwischen Velasquez und Dos Santos zu warten und Lesnar dafür gegen Cheick Kongo oder bei Wrestlemania kämpfen zu sehen. Ob es ohne das Schwergewichtsturnier von Strikeforce dazu gekommen wäre, darf bezweifelt werden, schließlich hat man im Fall von Mauricio „Shogun“ Rua und Rashad Evans gesehen, dass einige Nummer-1-Herausforderer auch gerne eine Verletzung des Gegners aussitzen, anstatt sich wieder in den Käfig zu begeben und ihren sicheren Titelkampf zu verspielen. Somit bleibt es den Fans zu wünschen, dass Strikeforce das Turnier erfolgreich durchziehen und weiter wachsen kann, denn nur eine starke Konkurrenz hält die UFC davon ab, zu selbstgefällig zu werden. Schließlich ist jeder darauf gespannt, was Dana White und Co als nächstes aus dem Hut zaubern, wenn sie mal unter Druck geraten.