Kolumnen

Dana Reinhardt: „Im Spiegel sehe ich Ängste und Selbstzweifel.“

Fokussiert: Dana Reinhardt

Dana Reinhardt ist keine selbstsichere Frau. Zu dick, zu kleiner Busen, nicht gut genug oder oft nicht ladylike. Die in Oschersleben geborene Schauspielerin stellt ihre eigene Identität in Frage. Als sie sieben Jahre alt war, hat sie den Mauerfall miterlebt. Doch ihre eigene Identitität hat sie nie gefunden. Unsicherheit ist ihr steter Begleiter. Jetzt will sie durch den Boxsport körperlich und mental über ihre Grenzen hinausgehen und sich damit von äußeren Zwängen befreien, um sich selbst zu finden.

Ihr großes Ziel ist ein erster Amateurkampf in New York, und diesem ordnet sie derzeit ihr Leben unter. Reinhardt geht es nicht darum, eine professionelle Boxerin zu werden. Sie erhofft sich, durch die physische und psychische Überforderung, die das Training und mit sich bringt, sich den gängigen Frauenbildern zu entziehen.

„Ich werde Mitte Juni im Gleason Gym in New York einen Boxkampf bestreiten, da ich für Deutschland mit ü30 zu alt bin. Ich will mich dadurch neu definieren, um selbstbewusst in den Spiegel zu schauen und zu sehen, was wirklich da ist. Ich glaube, dass viele Frauen wie ich unsicher sind und sich ständig mit anderen vergleichen. Wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich Ängste und Selbstzweifel.“

Den Schritt zum Boxen, verdankt sie einem der führenden Schauspielcoaches Europas, dem Briten Giles Foreman. Auf seine Rat hin, trainiert sie seit Oktober 2013 unter der Leitung von Stephan Feldmaier, im KS-GYM Boxsportclub in München. Ihren Prozess will die studierte Amerikanistin als Doku auf Zelluloid bannen: „Ich tue das, um anderen Mut zu machen, an sich zu arbeiten. Dokumentiert wird die physische Reise, das harte Training fünfmal die Woche und das Sparring, vor dem ich mich noch fürchte – aber auch die psychischen Aspekte, die Rückgrat und Selbstwertgefühl steigern sollen.“



Reinhardt repräsentiert einen Teil der weiblichen Bevölkerung, der durch Medien und gängige Frauenbilder unzufrieden mit sich ist und Idealen nacheifert: „Andere Frauen sollen durch die Dokumentation an meiner Reise teilnehmen und sich identifizieren können. Ihr Selbstwertgefühl sollen sie nicht länger an der Projizierung des gängigen Frauenbildes messen. Sie sollen sich bestärkt darin fühlen, ihren Platz als Frau in der Gesellschaft selbst zu bestimmen und sich dafür akzeptieren und lieben.“

Boxen ist bodenständig und ehrlich. Schönheitsideale spielen im Ring keine Rolle. Das Geschlecht selbst wird irrelevant. Man muss seinen Instinkten vertrauen, in Sekunden Entscheidungen treffen und bereit sein, mit sofortigen Konsequenzen umzugehen. Zum Schluss zählt nur die eigene Leistung. Das ist Reinhardt bewusst. Sie blickt der Herausforderung entgegen.

Für die Umsetzung der Doku sucht die 32-Jährige finanzielle Unterstützung und damit Sponsoren in der Box- und Kampfsportszene, die dem Projekt unter die Arme greifen. Wer Reinhardt bei ihrem Vorhaben unterstützen will, kann sich via E-Mail oder Facebook melden. Ein Trailer ist ebenfalls auf Anfrage vorhanden.

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