Kolumnen

Comics und Dinosaurier: Die etwas andere Seite der UFC-Stars

Georges St. Pierre (Foto: Nazariy Kryvosheyev/Groundandpound.de)

Kämpfer, die in der UFC ins Octagon steigen, sind harte Kerle. Dem deutschen Volksmund zufolge sind sie noch viel mehr: Prügeln sie sich nicht auf der Straße oder in einer Kneipe, sitzen sie entweder beim Tätowierer oder im Gefängnis. Wir haben uns ein wenig umgehört und herausgefunden, was die Stars der UFC tatsächlich machen, wenn sie gerade nicht den öffentlichen Frieden stören.

Georges St. Pierre: Jurassic Park

In jungen Jahren malte Georges St. Pierre, ehemaliger Titelträger im Weltergewicht, am liebsten Monster. Dinosaurier seien Monstern sehr ähnlich, meint er, und so wuchs seine Begeisterung für die riesigen Landwirbeltiere, die vor Millionen von Jahren die Erde regierten. „Ich schaue mir im Fernsehen keinen Sport an, sondern die kanadische Version vom Discovery Channel", sagt St. Pierre. „Stellt mir eine Frage zur Jura- oder Kreidezeit und ich kann sie euch mit hoher Wahrscheinlichkeit beantworten. Ich liebe Paläontologie, das ist die Wissenschaft vom prähistorischen Leben. Wusstet ihr zum Beispiel, dass der Tyrannosaurus Rex Federn hatte?"

Paläontologie, Philosophie und Psychologie – privat lässt es der beliebteste Sportler Kanadas ruhig angehen und liest lieber Werke von René Descartes und Sunzi anstatt auf Partys den Superstar herauszukehren. „Während meiner Trainingslager gönnte ich mir oftmals eine kleine Pause und ging dann ins Naturkundemuseum oder eine Ausstellung", sagt St. Pierre. „Die meisten meiner Freunde sind keine Kämpfer, sondern Nerds wie ich. Ich brauche jemanden, mit dem ich über wissenschaftliche Themen reden kann."

Donald Cerrone: Hauptsache Action

Vor zwei Jahren nahm die UFC eine neue Regelung in ihre Verträge auf, die ihren Kämpfern aufgrund des Verletzungsrisikos eine Reihe „gefährlicher Aktivitäten" in ihrer Freizeit untersagte. Einer war davon ganz besonders betroffen: Donald Cerrone. Auf dieser Liste steht beispielsweise Snowboarden, Bungeejumping, Jetskifahren und Steilwandklettern – also genau das, womit Cerrone am liebsten seine Tage verbringt.

Ausgeträumt ist damit auch sein Traum, Profi-Wakeboarder zu werden. „Ich liebe das Wakeboarding und hatte mir eigentlich vorgenommen, Profi zu werden", sagt Cerrone. „Ich betrinke mich nicht und eiere dann über den See so wie viele andere, ich betreibe das als professionellen Sport. Und unter uns: Ich verzichte eigentlich nur im Trainingslager auf meine sportliche Action." Sobald ein Kampf vorbei ist, habe er wieder ein Brett unter den Füßen. „Ich bin wild und verrückt und ich brauche diese Dinge, um normal zu bleiben", sagt Cerrone. Sein Job bevor er Profikämpfer wurde? Bullenreiter.

Nick Diaz: Laufen, schwimmen, radeln

Als wäre ein Leben als MMA-Profi nicht schon kräftezehrend genug, nimmt Nick Diaz bis zu zehn Mal pro Jahr an Triathlons teil. Das bedeutet: 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen. Manchmal, wenn sich Diaz besonders schinden will, nimmt er auch an einem Ironman teil – dann vergrößern sich die Distanzen auf 3,86, 180 und 42,195 Kilometer. „Ich laufe gerne, ich schwimme gerne und ich fahre gerne mit dem Rad", sagt Diaz. „Die Wettkämpfe und die Vorbereitung darauf halten mich fit, wenn ich keinen Kampf anstehen habe. Ich steigere mich von Wettkampf zu Wettkampf, sodass ich am Ende einer Saison auch mit den Profis mithalten kann."

Diaz gehört in der Tat zu den Kämpfern mit der besten Kondition. Während andere die ersten Wochen ihres Trainingslagers darauf verwenden müssen, erst einmal fit zu werden, ist er das ganze Jahr über in Topform. Und noch einen Vorteil hat das anstrengende Hobby für den introvertierten Kalifornier: „Dort kennt mich niemand, das mag ich besonders daran. Keiner weiß, wer ich bin."

Benson Henderson: Superheld

Jeden Mittwoch geht Benson Henderson, ehemaliger Titelträger im Leichtgewicht, in den örtlichen Comicbuchladen und holt sich die neuesten Comics ab. „Ich habe dort eine Kiste stehen, nur für mich, und jedes Mal, wenn ich komme, liegen darin bereits die aktuellsten Ausgaben", erzählt Henderson. Seine Leidenschaft für Comics begann in der vierten Klasse. „Ich hatte im Sommer nicht viel zu tun, aber kein Geld, um coole Dinge zu unternehmen." Also ging er in die Bücherei – dort gab es eine riesige Abteilung nur für Comicbücher. „Ich habe ein Heft in die Hand genommen und von da an die nächsten drei Sommer dort verbracht."

Am meisten interessieren Henderson die Alter Egos der Superhelden, die zeigen, was sie wirklich sind. „Ich liebe Superman, er ist fantastisch", sagt Henderson. „Aber ich mag auch Clark Kent sehr gerne, denn er ist ein guter Mensch. Die Grundwerte, die Superman hat, stammen von ihm. Ich liebe Superman, aber ansonsten bevorzuge ich die Marvel-Comics, vor allem die X-Men-Reihen."

Joe Lauzon: Hardcore-Gamer

Joe Lauzon ist ein Kind, gefangen im Körper eines UFC-Kämpfers: Außerhalb seiner Kampfvorbereitung ernährt er sich ausschließlich von Fast Food und Süßigkeiten, seine Hobbys sind Videospiele und Computerspiele. „Wenn man so viel und so hart trainiert, will man zwischendurch auch einfach mal relaxen und gar nichts tun", sagt Lauzon. „Wenn ich meine Konsole anschalte, verschwende ich keinerlei Energie. Ich sitze einfach da, mache mir um nichts Gedanken und habe nicht die ganze Zeit meinen Kampf und das Training im Kopf."

Die Veröffentlichung von „UFC Undisputed 2009" war für ihn Freud und Leid zugleich. Einerseits erfüllte sich damit sein Traum, einmal selbst in einem Videospiel aufzutauchen, andererseits waren die Werte seines virtuellen Ichs nicht so hoch, wie er es sich vorgestellt hatte – da wandte er sich lieber wieder seinen Ego-Shootern zu. „Gerade bin ich mit ‚GTA V' durch, jetzt kann ich wieder häufiger ‚Call of Duty' spielen und ein paar 12-Jährige ärgern", sagt Lauzon. „Wenn ihr online mit mir spielen wollt, sucht mich bei Xbox Live unter ‚joelauzondotcom' – ich spiele gerne mit meinen Fans."

Josh Barnett: König der Nerds

Josh Barnett ist tagsüber ein Heavy-Metal hörender, Lederjacken-tragender und Musclecars-aufmotzender Draufgänger. Nachts aber wird er zum König der Nerds: Magic The Gathering statt Poker, Science-Fiction-Romane statt Playboy-Magazin. „Mir macht es nichts aus, mit meiner Nerdhaftigkeit hausieren zu gehen", sagt Barnett. „Ich besuche regelmäßig Rollenspiel-Messen, spiele so oft es geht Warhammer 40.000 und habe mir erst neulich wieder einen neuen Satz Magic-Karten gekauft."

Als es darum ging, seinen mittlerweile unpassend gewordenen Spitznamen „Baby-Faced Assassin" zu ersetzen, griff Barnett tief in die Nerdkiste und ließ sich von dem Tabletop-Spiel „Warhammer 40.000" inspirieren. „Der Typ, dessen Namen ich nun trage, ist einer der größten Bösewichte jenes Universums", sagt Barnett. „Als ‚The Warmaster' führte er Krieg und eroberte dem Herrscher seine Welten zurück, aber am Ende wurde er ein bedrohlicher Zerstörer. Daher denke ich, dass der Name gut zu mir passt."