Kolumnen

Buch-Rezension: “The Housekeeper”

"The Housekeeper: Love, Death and Prizefighting"

Eine Autobiographie mit 28 Jahren? Warum sollte jemand das tun? UFC-Mittelgewicht Josh Samman jedenfalls hat es getan: Zwar muss der Veteran der 17. „The Ultimate Fighter“-Staffel noch knapp zwei Jahre auf seinen 30. Geburtstag warten, trotzdem hat der Floridianer sich die letzten Jahre über zwischen seinen Kämpfen auf den Hosenboden gesetzt und an seiner Autobiographie gearbeitet. Heute ist sie erschienen.

Auf den ersten Blick wirkt es anmaßend, lächerlich und arrogant, mit 28 Jahren sein Leben zu reflektieren. Falls das allein jemanden noch nicht auf den Trichter gebracht haben sollte, erledigt das spätestens die Lektüre der ersten Kapitel oder die Tatsache, dass dem Buch ein Zitat von Benjamin Franklin vorangestellt ist: Josh Samman ist ein selbstbewusster Mensch. Das mag nicht jedem gefallen, trotzdem, oder gerade deswegen, lohnt es sich, seinem Buch eine Chance zu geben (vor allem, weil es bis Donnerstagnachmittag als Kindle-Version kostenlos erhältlich ist).

Daseinsberechtigung und gleichzeitig große Stärke des Buches ist die Tatsache, dass Samman trotz seines jungen Alters mehr als genug erlebt hat, im Guten wie im Schlechten, um damit ohne Durchhänger 265 Seiten zu füllen. Nach der Lektüre versteht man, warum Samman sich traut, sein Buch mit Benjamin Franklin zu beginnen und warum mehr hinter dem UFC-Kämpfer steckt als der Unsympath aus dem TUF-Haus. Zwar gibt es jede Menge Geschichten, die sich um Drogenmissbrauch, eine wilde Jugend und Schicksalsschläge drehen, Samman aber schafft es, seine Biographie nachvollziehbar nachzuzeichnen.

Ist das interessant? Wem Biographien generell meist zu irrelevant für das eigene Leben sind, für den sind die Memoiren eines Käfigkämpfers in seinen Zwanzigern wohl nichts. Wer sich für den Werdegang eines Menschen interessiert, über gute und schlechte Wege, mit Tiefschlägen des Schicksals umzugehen und sich nach tiefen Stürzen wieder aus dem Dreck herauszuarbeiten, dem sei Josh Sammans Buch dafür umso mehr ans Herz gelegt.

Das deshalb, weil „The Housekeeper“ nicht nur auf Samman und seine Person interessante Rückschlüsse zulässt, sondern quasi exemplarisch beschreibt, wie jemand dazu kommt, für nichts als Geld und einen Traum in den Käfig zu steigen und welche Hindernisse sich selbst dann auftun, wenn man es bis auf die große Bühne geschafft hat. Gerade in Zeiten von vier UFC-Events pro Monat, in denen einzelne Kämpfer zu bloßen Statisten verschwimmen, kann so ein Perspektivwechsel auf den Menschen hinter dem Kämpfer durchaus gut tun.

Dazu muss man sagen, dass Mixed Martial Arts nicht das Hauptthema des Buches ist – tatsächlich nehmen die Kämpfe und das Training nur einen vergleichsweise geringen Teil der Seiten ein. Vor allem geht es um einen Menschen, der sich dem MMA zu hundert Prozent verschreibt und damit ein bewegtes Leben mal stabilisiert und mal außer Kontrolle geraten lässt.

Glaubwürdigkeit, vor allem im Vergleich zu den vermeintlichen Autobiographien von Superstars wie Georges St-Pierre oder Ronda Rousey, gewinnt „The Housekeeper“ dadurch, dass Samman das Buch nicht von einem Autor hat schreiben lassen, sondern tatsächlich selbst in die Tasten gehauen und das Ergebnis selbst verlegt hat.

Fazit: Mit „The Housekeeper“ ist Josh Samman vielleicht das beste, ganz sicher aber das ehrlichste Buch über den MMA-Sport und dessen Eigenart, das Leben seiner Protagonisten auf den Kopf zu stellen gelungen.

Das Buch ist auf Englisch bei Amazon erhältlich, die Kindle-Version bietet Samman bis Donnerstag, 21.04. um 17:00 Uhr deutscher Zeit kostenlos an.