Kolumnen

Anderson Silva - Der Kreis schließt sich

Anderson Silva ist immer für Überraschungen gut (Foto: Tobias Bunnenberg/GroundandPound).

Am vergangenen Wochenende hat Chris Weidman die lange Titelregentschaft von Anderson Silva in der UFC beendet. Lediglich die Art und Weise, wie es zu dieser Niederlage gekommen ist, wirft bei vielen Fans Fragen nach der Rechtmäßigkeit von Weidmans Sieg auf, dabei war es genau dieses Ende, das sinnbildlich für die Karriere von Silva ist.

Überraschende Niederlagen zu Beginn seiner Karriere

Bereits zu PRIDE-Zeiten sorgte Silva nicht nur durch spektakuläre Siege sondern auch durch unerwartete Niederlagen für Aufsehen. Nachdem er 2003 den ehemaligen UFC-Champion Carlos Newton mit einem eingesprungenen Knie K.o. schlug, verlor er anschließend bei PRIDE 23 durch Submission gegen Daiju Takase, der bis dahin einen Kampfrekord von 4-7-1 aufwies.

Ähnlich überraschend kam Silvas Niederlage gegen Ryo Chonan bei PRIDE Shockwave 2003, als Silva sich am falschen Ende einer der spektakulärsten Submissions im MMA befand. Nach 8:33 tauchte der Japaner im Stand mit den Beinen voran in Silva hinein und zwang diesen mit einem Flying Scissors Heel Hook zur Aufgabe, wodurch sich Silva mit zwei Niederlagen in Folge aus PRIDE verabschiedete.

Seine nächste Niederlage verdankte Silva einem illegalen Upkick, mit dem er Yushin Okami 2006 K.o. schlug. Anschließend läutete er seine beeindruckende Siegesserie mit einem K.o.-Sieg gegen Tony Frykland ein, den er im Stand mit einem Reverse Elbow zu Boden schickte. Silva ging lässig zur Seite, während Frykland zu Boden sank, und sicherte sich damit sein Ticket für die UFC.

Jahre der Dominanz sorgen für Langeweile

Danach folgten dominante Siege gegen Mittelgewichtschampion Rich Franklin, PRIDE-Champion Dan Henderson und Halbschwergewicht James Irwin. In diesem Zeitrahmen gelang s lediglich Henderson, Silva eine Runde auf den Punktrichterzetteln abzunehmen, und keiner seiner Gegner schaffte es, länger als zwei Runde mit Silva im Käfig zu bleiben.

Nachdem Silva fast jeden MMA-Fan davon überzeugt hatte, dass er mit jedem seiner Gegner kurzen Prozess machen würde, folgte eine Reihe von unverständlichen Mittelgewichtsauftritten gegen Patrick Cote, Thales Leites und Demian Maia, bei denen es den Anschein hatte, dass Silva seine Gegner lieber lächerlich machen als vorzeitig besiegen wollte.

Hätte er zwischendurch bei UFC 101 gegen Forrest Griffin nicht bewiesen, wie vernichtend er sein kann, wären die dominanten Auftritte gegen Franklin, Henderson und Marquardt vollends vergessen worden. Gegen Griffin zeigte Silva bei seinem zweiten Ausflug ins Halbschwergewicht allerdings, wozu er in der Lage ist, wenn er es denn möchte. Er schickte den ehemaligen Champion in der ersten Runde mehrfach zu Boden und beendete den Kampf schließlich mit einem Jab im Rückwärtsgang, was für Joe Rogan in dem „peinlichsten K.o. in der UFC-Geschichte“ resultierte.

Nach einer blamablen Vorstellung gegen Maia bei UFC 112, bei der Silva sich hauptsächlich darauf beschränkte seinen Gegner zu verhöhnen, kam es zu dem Kampf, der Silva wieder zu der K.o.-Maschine machte, die er vor dem Kampf gegen Cote war.

Chael Sonnen holt den alten Silva hervor

Bei UFC 117 dominierte Chael Sonnen den amtierenden Champion über vier Runden und schien Mitte der fünften Runde bereits der sichere Sieger zu sein, als Silva seinen Gegner in einen Triangle bekam und diesen zur Aufgabe zwang.

Gegen Vitor Belfort sah man wieder den alten Silva, der den Schlägen seines Landsmanns gekonnt auswich und diesen schließlich mit einem Front-Kick ins Land der Träume schickte. Anschließend folgte eine weitere Demonstration von Silva, als er sich bei UFC 134 für seine letzte Niederlage revanchierte und Yushin Okami zwei Runden lang keine Chance ließ und schließlich K.o. schlug.

Auch den mit Spannung erwarteten Rückkampf gegen Sonnen gewann Silva eindrucksvoll durch T.K.o., bevor er in seinem nächsten Kampf gegen Stephan Bonnar wieder erste Anzeichen von Langeweile zeigte und sich mit den Händen an der Hüfte vor seinen Gegner stellte und diesen zum Schlagen einlud. Was gegen Bonnar noch funktionierte und in einem K.o.-Sieg durch ein Knie zum Körper endete, war am vergangenen Wochenende schließlich das Ende von Silvas Titelherrschaft.

Überheblichkeit beendet Silvas Titelherrschaft

Weidman nutzte Silvas Überheblichkeit aus, als dieser wieder seine Arme unten hatte und seinen Gegner verhöhnte. Er traf mit einer harten Linken, die Silva zu Boden schickte, wo Weidman den Kampf beendete. Wer weiß, wie der Kampf verlaufen wäre, wenn Silva seine Deckung oben behalten hätte? Vielleicht wäre er dann immer noch Champion und würde seine Rekordserie weiter ausbauen. Andererseits wäre Silva nicht der Champion gewesen, der er war, wenn er nicht diesen eigenwilligen Kampfstil gehabt hätte.

Viele Fans kritisieren Georges St. Pierre für seinen „langweiligen“ Kampfstil und Silva stellte lange Zeit das komplette Gegenstück zu GSP dar, weswegen viele Fans so ein großes Interesse an einem Superfight zwischen diesen beiden Champions hatten. Vielleicht holt Silva sich „seinen“ Titel im Rückkampf zurück und beweist damit, dass es wirklich nur sein Fehler war, der für diese Niederlage verantwortlich war, dennoch hat er mit dieser Niederlage seiner Legende geschadet und sie gleichzeitig zementiert.