Kolumnen

Aller guten Dinge sind drei - UFC Fight Night 72

Joanne Calderwood sicherte sich vor heimischer Kulisse einen immens wichtigen Sieg (Foto: Florian Sädler/GnP1.de).

Am Samstag war die UFC zum ersten Mal im hohen Norden der britischen Inseln zu Gast, und der Trip nach Glasgow war von den Ticketverkäufen über die Kämpfe selbst bis hin zur Stimmung in der Halle ein voller Erfolg. Während einige Duelle die Punktrichter vor schwere Entscheidungen stellten, endeten andere Kämpfe in spektakulären Feuerwerken.

Wir werfen einen kurzen Blick auf die drei besten Leistungen des Abends:

Joanne Calderwood
Es ist noch gar nicht so lange her, da galt die renommierte Thaiboxerin als potentielle nächste Herausfordererin auf Joanna Jedrzejczyks Strohgewichtsgürtel. Diverse persönliche Probleme allerdings störten im Frühjahr erheblich Calderwoods Trainingscamp für ihr Duell bei UFC Krakau gegen Maryna Moroz und fanden schließlich ihren Tiefpunkt in einer schnellen Aufgabeniederlage gegen die bis dahin völlig unbekannte UFC-Debütantin.

Am Samstag sah es für kurze Zeit so aus, als wenn die Geschichte sich wiederholen und Calderwood mit einer weiteren Erstrundenniederlage gegen eine weitere unbekannte Newcomerin jegliche Relevanz verlieren würde. Die mit nur wenigen Tagen Vorbereitungszeit eingesprungene Amerikanerin Casey Cortney-Sanchez setzte Calderwood zu Beginn ihres Duells mit harten Boxkombinationen stark unter Druck und schien sie für einen Moment sogar am Rand eines Knockouts zu haben, bevor die Schottin sich aus der Gefahrenzone retten konnte und vor heimischem Publikum langsam begann, das Heft in die Hand zu nehmen. Den verpatzten Start steckte „JoJo“ äußerst gut weg, wurde mit der Zeit immer offener und ließ häufiger ihr ihre Brillanz im Thaiboxen durchscheinen, die ihr ihren guten Ruf eingebracht hat. Einen makellosen Sieg hat Calderwood in Glasgow damit zwar nicht hingelegt, sich dafür aber im „Fight of the Night“ vor heimischem Publikum ihren „Dämonen gestellt“ und sie besiegt, wie sie anschließend auf der Pressekonferenz beschrieb. Für sie ist ein derartiger Sieg vermutlich produktiver, als ein schneller Knockout in der ersten Runde es hätte sein können.

Wie geht es jetzt weiter für den Bulldozer mit der trügerischen Piepsstimme? Der Titelkampf gegen Jedrzejczyk, den man wohl vor Calderwoods Niederlage als Hauptkampf für Glasgow angepeilt hatte, ist noch einen, vermutlich sogar mehrere weitere Siege entfernt, wie Calderwood nach dem Kampf selbst einsah. In der Rangliste wird „JoJo“ von Felice Herrig (Nr. 10) und Paige van Zant (Nr. 8) eingerahmt, allerdings hat Herrig gerade erst verloren, während die erst 21-Jährige van Zant scheinbar erst einmal behutsam aufgebaut werden soll und ein Kampf mit Calderwood eine potentielle Herausfordererin eliminieren würde. Da die Nummer sieben in den Top Ten von Maryna Moroz belegt wird, macht die Kanadierin Randa Markos am meisten Sinn als nächste Gegnerin, die zurzeit auf Platz sechs steht und wie Calderwood bisher einen Kampf in der UFC gewonnen und einen weiteren verloren hat.

Joseph Duffy
Was immer „Irish Joe“ Duffy auch anstellen wird, er wird wohl bis ans Ende seiner Karriere als letzter Gegner Conor McGregors bekannt bleiben, der den irischen Superstar vor seinem Lauf in der UFC noch bezwingen konnte. Tatsächlich werden die Diskussionen vermutlich immer mehr werden, je erfolgreicher Duffy ist und je näher er damit trotz momentan unterschiedlicher Gewichtsklassen einem potentiellen Rückkampf kommt. 

Auf der anderen Seite ist das Gerede um einen McGregor-Rückkampf ein guter Indikator für Erfolg – je mehr darüber geredet wird, desto mehr scheint Duffy richtig zu machen.

Bisher jedenfalls hat Duffy auf seinem Weg an die Spitze kein Stück an Schwung verloren. Zwar kann man Debüt-Gegner Jake Lindsey und Ivan Jorge, seinen Kontrahenten in Glasgow, allenfalls zum UFC-Durchschnitt zählen, die Art und Weise der Siege aber macht deutlich, dass man hier jemandem bei der Arbeit zuschaut, den man in recht naher Zukunft in weitaus prestigeträchtigeren Kämpfen sehen wird. Nach dem krachenden Knockout gegen Lindsey schnappte am Samstag blitzschnell Duffys Triangle Choke zu, als BJJ-Schwarzgurt Jorge den Iren eigentlich gerade auf die Matte beförderte. Der 27-Jährige war dank sehr solider Bilanzen sowohl im MMA als auch im Profi-Boxen ohnehin schon mit einer Menge Hype in die UFC gekommen, ein Aufgabe- und ein K.o.-Sieg in seinen ersten beiden Kämpfen sind aber sicherlich der beste Weg, um den Hype noch weiter anschwellen zu lassen.

Nach zwei Aufwärmkämpfen dürfte es für Duffy nun an der Zeit für einen ersten großen Sprung in den Ranglisten sein – vermutlich in Dublin im Oktober könnten wir den Mann aus Donegal möglicherweise gegen jemanden wie James Vick oder sogar einen Dustin Poirier sehen, der kürzlich Interesse an einem Platz auf dem Irland-Event bekundet hat.

Jimmie Rivera
Angesichts der zahlreichen verletzungsbedingten Ausfälle ist der Weg in die UFC mittlerweile unter den richtigen Umständen selbst für unerfahrene Kämpfer oft überraschend kurz, sofern sie bereit sind, kurzfristig als Ersatz einzuspringen. Auch Jimmie Rivera profitierte von der Verletzung eines anderen Kämpfers, allerdings war sein UFC-Debüt am Samstag in Glasgow das Resultat einer langen und harten Reise.

2011 noch in der ersten Runde der 14. „The Ultimate Fighter“-Staffel von Dennis Bermudez ausgeknockt und nach Hause geschickt, hat Rivera seitdem ganze acht Kämpfe nacheinander in kleineren Ligen gewonnen und dabei diverse Titelgürtel eingeheimst. Am Samstag in Glasgow bekam er dann als kurzfristiger Ersatz für den verletzten Ian Entwistle endlich seine zweite Chance im Octagon und revanchierte sich mit einem furiosen Erstrunden-Knockout für das jahrelange Warten. Ironischerweise war es Marcus Brimage, den er in Schottland auf die Bretter gehen ließ – Brimage hatte es vor vier Jahren in eben jene TUF-Staffel geschafft, in der Rivera ein Platz verwehrt blieb.  

Riveras K.o. jedenfalls setzte die Messlatte in Glasgow gleich im ersten Kampf äußerst hoch und schien die anderen Kämpfer angespornt zu haben, die im Anschluss einige weitere spektakuläre Knockouts folgen ließen. Ein besseres UFC-Debüt hätte er sich nicht wünschen können, einen namhaften Gegner kann Rivera nach seinem ersten Sieg natürlich trotzdem nicht erwarten. In der immer stärker werdenden Bantamgewichtsklasse wird er sich daher als nächstes vermutlich mit einem Gegner vom Kaliber eines Anthony Birchak oder Taylor Lapilus begnügen müssen.