Kolumnen

Aller guten Dinge sind drei - UFC Fight Night 71

Frank Mir: Auf dem Weg zurück an die Spitze? (Foto: Tobias Bunnenberg/GnP1.de).

UFC-Show Nummer drei von vier innerhalb von sieben Tagen liegt hinter uns, und obwohl es am Mittwoch in San Diego weder die ganz großen Stars noch die besonders erinnerungswürdigen Schlachten zu sehen gab, konnten einige Kämpfer mit unerwarteten Karrierecomebacks und starken Durchbruch-Siegen beeindrucken.

Wir werfen einen kurzen Blick auf die drei besten Leistungen des Abends:

Frank Mir
Merkwürdige Dinge passieren zurzeit in der UFC-Schwergewichtsklasse: Zuerst knockt Mirko CroCop in ihrem langerwarteten Rückkampf seine Nemesis Gabriel Gonzaga aus, dann schicken Andrei Arlovski und Frank Mir in Form von Travis Browne und Todd Duffe die neue Generation der schweren Jungs zurück in die Schule. Was lernen wir daraus? Das vermeintlich alte Eisen ist immer noch gefährlich. Woran das liegt, ob am Verbot der kontroversen Testosteron-Ersatz-Therapie, den neuen Anti-Doping-Richtlinien oder schlicht am smarteren Training der alternden Veteranen, ist schwer zu sagen. Fakt ist aber, dass ein Andrei Arlovski im Jahr 2015 beste Chancen auf einen Kampf um den Gürtel hat, während der frühere Titelträger Frank Mir Gegner auf die Bretter schickt, die ihn vor wenigen Jahren vermutlich selbst ausgeknockt hätten.

Wie es nach seinem 73-Sekunden-Sieg gegen Todd Duffe jetzt für Frank Mir weitergeht, ist trotzdem fraglich. Mit 36 Jahren ist er für ein Schwergewicht eigentlich noch nicht einmal wirklich alt, eine vierzehn Jahre umfassende Profi-Karriere mit allen Höhen und Tiefen und zuletzt vier Niederlagen in Folge haben ihn aber noch vor einem Jahr an den Rand eines Rücktritts gebracht. Zwar hat sich der Veteran seitdem mit zwei Erstrunden-Knockouts zurück in die Relevanz gekämpft, gleichzeitig aber auch in eine etwas verfahrene Position. Es gibt vermutlich recht wenige Menschen, die Frank Mir noch einmal um den Titel kämpfen sehen wollen, den meisten Sinn machen angesichts seines Namens daher wohl Kämpfe gegen andere populäre Veteranen wie Mark Hunt oder sogar ein Abschluss seiner Trilogie mit Rodrigo Nogueira. Als Alternative bliebe Mir eigentlich lediglich die Rolle des Gatekeepers, der zwischen jungen, vergleichsweise unbekannten Talenten und ihrem Weg an die Spitze steht. Und wer weiß, wenn Mir entgegen aller Wahrscheinlichkeiten auch weiterhin die Wettquoten alt aussehen lässt, dann sehen wir ihn ja vielleicht doch noch irgendwann im Octagon mit den Fabricio Werdums oder Cain Velasquez’ dieser Welt.

Tony Ferguson

Es gibt Kämpfer wie Conor McGregor, die in ihrem sechsten UFC-Kampf schon um einen Titel antreten, und es gibt solche wie Tony Ferguson, die trotz zig Siegen in Folge scheinbar an der gleichen Stelle feststecken. Am Mittwoch dürfte das Wassertreten für Ferguson allerdings ein Ende gefunden haben, denn nach seinem spektakulären Sieg gegen Veteran Josh Thomson kann man den 31-Jährigen einfach nicht mehr ignorieren. Dabei konnte Ferguson seinen Gegner nicht einmal vorzeitig besiegen, was allerdings hauptsächlich Thomsons beeindruckender Zähigkeit zuzuschreiben ist. Ferguson ließ den „Punk“ dank seiner ebenso kraftvollen wie unorthodoxen Offensive gar nicht erst in den Kampf finden und hätte ihn im Laufe der drei Runden mehrfach beinahe durch K.o. oder Aufgabe besiegt, Thomson allerdings schaffte es irgendwie, blutig und verzweifelt, die 15 Minuten zu überstehen.

Der Kampf war Fergusons erste wirklich große Chance in der UFC, und er hat das Beste daraus gemacht. Bisher hatte „El Cucuy“ meist Gegner vom Schlage eines Mike Rio oder Katsunori Kikuno vor die Fäuste bekommen und diese auch besiegt, wurde anschließend aber gegen Leute wie Danny Castillo oder Abel Trujillo angesetzt. Nach insgesamt acht Siegen im Octagon dürfte Nummer neun ihn nun endgültig als Top-Leichtgewicht etabliert haben und ihm bekanntere Gegner einbringen. Eine interessante Möglichkeit wäre Ex-Champ Ben Henderson, der momentan im Niemandsland zwischen Leicht- und Weltergewicht umherschwirrt und noch keinen neuen Kampf anstehen hat. Scheinbar hat Henderson, dessen Mutter aus Korea stammt, allerdings Interesse an einem Platz auf der ersten UFC Fight Night in Seoul im November bekundet und könnte diesen Event locker gegenüber Ferguson im Hauptkampf anführen.

Kevin Lee
Die Punktniederlage gegen Al Iaquinta in Kevin Lees UFC-Debüt war einer der eher seltenen Fälle, in denen ein Newcomer das Octagon als Verlierer verlässt und dabei einen solchen Eindruck hinterlässt, dass man ihn unbedingt noch einmal sehen will. Lee war Anfang 2014 kurzfristig gegen den damals noch unbekannten (und –bescholtenen) Iaquinta eingesprungen und hielt drei hart umkämpfte Runden lang durch, bevor die Punktrichter den Kampf an seinen Gegner gaben. Seitdem hat das erst 22-Jährige „Mo-Town Phenom“ vier Kämpfe nacheinander gewonnen und am Mittwoch gegen James Moontasri den ersten vorzeitigen Sieg eingefahren.

Der Rear-Naked Choke in Runde eins war auf dem Hauptprogramm der Fight Night aus San Diego zu sehen und dürfte dem Leichtgewicht aus Detroit endlich etwas Aufmerksamkeit eingebracht haben. Ob das für einen merklichen Sprung in den Ranglisten reicht, ist nach zuletzt drei Punktentscheidungen hintereinander fraglich, vermutlich braucht Lee noch ein oder zwei weitere Siege dieser Art, um regelmäßig auf dem Hauptprogramm zu stehen. Ein solider Test für ihn wäre Daron Cruickshank, der zwar zuletzt gegen Beneil Dariush abgeklopft hat und daher zunächst einmal am 25. Juli gegen James Krause gewinnen muss, vielen Fans aber ein Begriff ist und Lee vor allem im Stand ordentlich testen kann.