Kolumnen

Aller guten Dinge sind drei - UFC Fight Night 69

Peter Sobotta holte sich in Berlin endlich den langersehnten Aufgabe-Sieg in der UFC (Foto: Nazariy Kryvosheyev).

Am vergangenen Wochenende war die UFC zum vierten Mal in Deutschland zu Gast, und trotz teils massiver Kritik im Vorfeld konnten die Kämpfe in der Berliner o2 World beinahe durchgehend überzeugen. Zwar verloren mit Dennis Siver und Alan Omer zwei der deutschen Aushängeschilder, Siege von Peter Sobotta, Nick Hein und Wahl-Österreicher Mairbek Taisumov sowie insgesamt acht Knockouts oder Submissions ließen unter den 8.155 Zuschauern dennoch eine tolle Stimmung aufkommen.

Wir werfen einen kurzen Blick auf die drei besten Leistungen des Abends:

Joanna Jedrzejczyk
Der Großteil der unzufriedenen Fans hatte im Vorfeld vor allem den neuen Hauptkampf zwischen Joanna Jedrzejczyk und Jessica Penne kritisiert, der ein Duell zwischen den deutlich populäreren Halbschwergewichten Alexander Gustafsson und Glover Teixeira ersetzt hatte. Im Nachhinein hat man von dieser Kritik kaum mehr etwas gehört, denn Strohgewichts-Championesse Jedrzejczyk hat mit ihrem dominanten T.K.o.-Sieg eine spektakuläre Show hingelegt und das Potential bewiesen, zu einem veritablen Star werden zu können.  

Schon früh in der ersten Runde wurde deutlich, wie groß die Lücke zwischen den beiden Strohgewichten im Stand war. Während die polnische Thaibox-Expertin mit schnellen, harten Kombinationen und flüssigen Bewegungen von Anfang an jede Menge Schaden anrichtete und dabei selbst außerhalb der Gefahrenzone blieb, war Penne schlicht zu langsam und zu wenig variabel, um im Stand auch nur ansatzweise mit der Championesse mitzuhalten. Mit ihren Takedown-Versuchen hatte sie ebenfalls nur wenig Erfolg, und so nahm das Übel für die Amerikanerin ihren Lauf. Beeindruckend ist, wie lange Penne den Attacken ihrer Gegnerin standhielt – am Ende der zweiten Runde schien es fraglich, ob man sie überhaupt noch für eine weitere Runde auf die Matte schicken sollte. In Durchgang drei beendete Jedrzejczyk den Kampf schließlich auch mit harten Kombinationen gegen eine in die Ecke gedrängte Penne und sicherte sich damit ihre erste Titelverteidigung.

Das Strohgewicht, das erst im vergangenen Jahr eingeführt wurde, befindet sich offensichtlich noch in der Entwicklungsphase, mit Jedrzejczyk hat die Gewichtsklasse dabei aber bereits eine Championesse, die den Damen eine Menge Aufmerksamkeit bescheren könnte. Mit Charisma und einem spektakulären Kampfstil hat die 27-Jährige alle Voraussetzungen, um mit einigen weiteren Titelverteidigungen zum Star zu werden.

Probleme hatte die ungeschlagene Polin bisher nur mit Claudia Gadelha, die sie im Dezember nur knapp bis kontrovers nach Punkten schlagen konnte. Die Brasilianerin wird im August bei UFC 190 auf Jessica Aguilar treffen, die ihrerseits lange als bestes Strohgewicht der Welt galt. Da Joanne Calderwood im April erst verloren hat und Paige van Zant scheinbar erst einmal langsam aufgebaut werden soll, macht die Siegerin des Gadelha/Aguilar-Kampfes am 1. August in Rio wohl am meisten Sinn für Titelverteidigung Nummer zwei.

Peter Sobotta
Ein grandioser Tag für Peter Sobotta: Nachdem er zwischen 2009 und 2010 noch in drei UFC-Kämpfen sieglos blieb, konnte er sich am Samstag den zweiten Octagon-Sieg in Folge sichern und dabei zum ersten Mal vorzeitig in der UFC gewinnen.

Zwar war der kurzfristig für den verletzten Sergio Moraes eingesprungene Australier Steve Kennedy weder besonders bekannt noch ausreichend vorbereitet, Sobotta aber machte das Beste aus dem späten Gegnerwechsel. Obwohl der Kampf nach nicht einmal drei Minuten mit einem Rear-Naked Choke endete, gelang es Sobotta in dieser kurzen Zeit, sich in allen Disziplinen des Sports bestens zu präsentieren: Nachdem er Kennedy im Stand einige Male sauber getroffen hatte, verlagerte er den Kampf auf den Boden und machte dort wenig später den Sack mit einem Choke zu. Eine rundum gelungene Leistung also für den 28-Jährigen Balinger, der im Anschluss an seinen Sieg deutlich machte, dass er als nächstes den bereits zwei Mal ausgefallenen Kampf gegen Moraes nachholen will.

Sobottas Vermutung im Interview mit GnP1.de, dass Moraes möglicherweise „gar nicht verletzt“ sei und sich stattdessen „in die Hosen gemacht“ haben könnte, hat seitdem den Weg bis nach Brasilien gefunden und eine Antwort des BJJ-Phänomens nach sich gezogen: „Er ist dumm“, so Moraes zu MMAFighting.com. „Gott hat ihm eine Chance gegeben, ‚tu das nicht, denn es wird nicht gut für dich enden’, aber Sobotta beharrt darauf. Er will diesen Kampf. Also wird dieser Kampf stattfinden.“

Die UFC sträubt sich üblicherweise nicht, wenn zwei Kämpfer eine Vorgeschichte haben und sich beide um das Duell bemühen. Angesichts der Tatsache, dass Matchmaker Joe Silva bereits zwei Mal versucht hat, den Kampf auf die Beine zu stellen, wäre es kaum überraschend, wenn wir Peter Sobotta in einigen Monaten tatsächlich doch noch mit Moraes im Octagon sehen.

Makwan Amirkhani
Das Urteil darüber, ob Makwan Amirkhani tatsächlich der selbst ernannte hübscheste Mann in Finnland ist, sollte man wohl den Finninnen überlassen. Indiskutabel dagegen ist der Erfolg, den der gebürtige Kurde innerhalb weniger Monate in der UFC hatte. Nach seinem Acht-Sekunden-Knockout gegen Andy Ogle in Stockholm hat Amirkhani in Berlin mit einem Erstrunden-Aufgabesieg gegen Masio Fullen imposant nachgelegt. Mehr als der Kampf wird aber vermutlich sein anschließendes Interview mit Dan Hardy in Erinnerung bleiben, in dem er unter Tränen die herzzerreißende Geschichte der Trennung von seiner Mutter erzählte, die den triumphalen Sieg ihres Sohnes von der Tribüne aus mitverfolgte.

Schon, nachdem Amirkhani im Januar sein UFC-Debüt gewann, wurden erste Vergleiche mit dem irischen Superstar Conor McGregor gezogen – erfolgreich, selbstbewusst, europäisch. Dafür ist es noch deutlich zu früh, denn obwohl Amirkhani nun zwei Mal in Folge in Runde eins gewonnen hat, haben wir auf technischer Ebene immer noch nicht allzu viel gesehen vom 26-Jährigen. Bisher hat er letztlich drei Aktionen gebraucht, um zwei Gegner zu besiegen: Einen eingesprungenen Kniestoß, einen Takedown und einen Rear-Naked Choke. Um Amirkhanis Potential in der hart umkämpften Federgewichtsklasse wirklich beurteilen zu können, müssen wir ihn gegen solide, erfahrene Gegner sehen, die ihn in allen Facetten testen können.

Ein solcher Gegner wäre beispielsweise Dennis Siver, der in Berlin nach Punkten gegen Tatsuya Kawajiri verlor. Amirkhani hat schon vor seinem Sieg gegen Fullen deutlich gemacht, dass er gegen Siver kämpfen will und Siver braucht nach zuletzt zwei Niederlagen in Folge dringend einen Sieg. Falls es etwas langsamer die Rangliste empor gehen soll, könnte auch ein Duell mit dem zähen schottischen Judoka Robert Whiteford Sinn machen, falls dieser sich am 18. Juli in Glasgow gegen Paul Redmond durchsetzen kann. Beide Kämpfe wären eine spannende Bereicherung für die geplante Veranstaltung in Dublin im Oktober.