Kolumnen

Aller guten Dinge sind drei - UFC Fight Night 68

Dan Henderson sicherte sich gegen Tim Boetsch den ersten Sieg seit über einem Jahr (Foto: Dorian Szücs).

Was für ein Abend – im Vorfeld hat die 68. Ausgabe der UFC Fight Night-Serie wenig Interesse generiert, in der Praxis überzeugte die Show im Geburtsort des Jazz aber auf ganzer Linie. Nur zwei von zwölf Kämpfen gingen über die volle Distanz, vor allem krachende Knock-outs bekamen die etwa 6.000 Zuschauer in Louisiana zu sehen.

Wir werfen einen kurzen Blick auf die drei besten Leistungen des Abends:

Dan Henderson
Ob er es selbst wahrhaben wollte oder nicht: In New Orleans stand Dan Hendersons kämpferische Zukunft auf dem Spiel. Gegen die Elite aus zwei verschiedenen Gewichtsklassen zu verlieren ist eine Sache – gegen UFC-Durchschnitt wie Tim Boetsch den Kürzeren zu ziehen, eine ganz andere. Zurückgetreten wäre Henderson wohl auch im Falle einer Niederlage nicht, mit jeglicher Relevanz hätte es sich damit aber endgültig erledigt.

Darüber muss sich Henderson aber keinerlei Gedanken machen – nur 28 Sekunden brauchte er in New Orleans, um Boetsch mit seiner patentierten Rechten – der H-Bomb – auf wacklige Beine zu stellen und ihn mit einem Kniestoß und Folgeschlägen endgültig aus dem Kampf zu nehmen. Aber wie geht es nun weiter mit dem ältesten aktiven Kämpfer im Kader der UFC? Im Alter von 44 Jahren und mit seinen letzten Niederlagen im Hinterkopf ist ein weiterer Anlauf auf den Titel kaum vorstellbar, was Raum für nicht rankingrelevante Kämpfe mit Nostalgie-Wert schafft. Die meisten bekannten Namen haben Henderson entweder bereits besiegt oder stehen momentan zu weit oben an der Spitze, als dass ein Kampf gegen „Hendo“ für sie Sinn machen würde.

Einen Kandidaten aus der Top Ten gäbe es da allerdings doch – Hendersons bei weitem populärster Moment war der hammerharte Knockout gegen Michael Bisping bei UFC 100 im Sommer 2009. Obwohl die ehemals erbitterten Rivalen beide wenig Interesse an einem zweiten Duell bekundet haben, sitzt die UFC in diesen Fragen immer noch am längsten Hebel. Und angesichts des hohen Faninteresses an einem Rückkampf könnte diese Ansetzung durchaus an der Spitze einer Fight Night im Herbst stehen – egal, ob Bisping im Juli gegen Thales Leites gewinnt oder nicht.  

Ben Rothwell
„Big Ben“ Rothwell ist seit 2009 Teil der UFC, fiel die meiste Zeit über aber kaum auf. Mal ein spektakulärer Knockout hier oder eine schnelle Niederlage dort – Rothwell war meist für kurzweilige Action gut, konnte sich aber nie mittel- oder sogar langfristig im Gedächtnis der MMA-Gemeinde halten. Vielleicht war es die Frustration darüber oder einfach nur der Erfolg von Großmäulern wie Chael Sonnen und Conor McGregor, aber dieser Tage verfolgt Rothwell offensichtlich einen ganz anderen Ansatz als noch vor wenigen Jahren, um die gewünschte Aufmerksamkeit zu generieren.

Rothwells Interview nach seinem Aufgabesieg in der ersten Runde gegen Matt Mitrione hat ganz unterschiedliche Reaktionen ausgelöst: Von „Genial“ über „Merkwürdig“ bis zu „Fremdschämen pur“ reicht die Palette, eins aber hat der 33-Jährige mit seiner zuvor einstudierten Promo-Rede und dem teuflischen Lachen ganz sicher erreicht. Man spricht über ihn. Die Umsetzung mag verbesserungswürdig sein und ob Rothwell, der selbst bereits durch einen Doping-Test gefallen ist und von Cain Velasquez im Octagon dezimiert wurde, den Champion der Einnahme leistungssteigernder Substanzen bezichtigen sollte, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Fakt ist aber, dass über Rothwell derzeit so viel geredet wird wie noch nie. Obwohl seine drei Siege in Folge dadurch in den Hintergrund treten, hat er durch seinen Erfolg im Käfig das nötige Momentum im Rücken, um sich in Kombination mit ein bisschen Eigen-PR einen prestigeträchtigen nächsten Kampf zu sichern. Anbieten würde sich beispielsweise der Sieger des Hauptkampfes der 71. UFC Fight Night in San Diego am 15. Juli, in dem Frank Mir und Todd Duffee aufeinandertreffen werden. Das Timing passt, und auch diese beiden Schwergewichte brauchen noch ein paar Siege, um sich (wieder) vorne in der Rangliste zu etablieren.

Francisco Rivera
Die Tränen nach dem Kampf zeigen deutlich, wie wichtig der 21-Sekunden-Knockout gegen Alex Caceres für Francisco Rivera war. Das schlagstarke Bantamgewicht hat seit seiner Rückkehr in die UFC vor drei Jahren sehr gut ausgesehen und eine Reihe ansehnlicher Siege eingefahren, trotzdem fliegt der 33-Jährige stets etwas unter dem Radar. Seine Chance auf den großen Durchbruch kam im vergangenen Dezember und Rivera machte das Beste aus seinem Kampf gegen Urijah Faber, bis dieser ihm durch einen versehentlichen Fingerstich ins Auge völlig den Wind aus den Segeln nahm. Sichtlich mitgenommen, musste Rivera kurze Zeit später in Fabers Rear Naked Choke abklopfen, eine Beschwerde bei der staatlichen Sportkommission wurde im Nachhinein abgelehnt.

Mit dem Knockout gegen den üblicherweise sehr zähen Caceres hat Rivera nun auch offiziell wieder zurück in die Spur gefunden und einmal mehr gezeigt, dass seine für ein Bantamgewicht ungewöhnlich zerstörerische Schlagkraft ihn zu einem harten Gegner für jeden Kämpfer seiner Gewichtsklasse macht. Riveras Präferenz wäre nun wohl ein Rückkampf gegen Faber, der im Mai als Federgewicht nach Punkten gegen Frankie Edgar verloren hat. Ob dieser Kampf tatsächlich noch einmal Realität wird, ist allerdings fraglich. Eine interessante Alternative für Rivera wäre Johnny Eduardo, der über ein Jahr nach seinem Knockout-Sieg gegen Eddie Wineland scheinbar recht bald wieder ins Octagon zurückkehren wird. Der brasilianische Thaibox-Experte wäre ein stilistisch passender Gegner für Rivera und ein Sieg würde beide Kämpfer weiter voranbringen.